Schreiben an Bundesarbeitsministerin: Auch bei Hartz IV gilt Schutz des ungeborenen Lebens!
Völliger Leistungsentzug in der Schwangerschaft ist nicht mit dem Schutz des ungeborenen Lebens in Einklang zu bringen! ? Sofortiger Stopp der Sanktionen gegen werdende MĂŒtter gefordert
Das Erwerbslosen Forum Deutschland hat sich in einem Schreiben an die Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und dem Vorstandsmitglied der Bundesagentur fĂŒr Arbeit, Heinrich Alt, gewandt, und den sofortigen Stopp von Sanktionen gegen schwangere Hartz IV-Bezieherinnen gefordert. ?
„Der völlige Leistungsentzug ist kaum mit dem Schutz des ungeborenen Lebens vereinbar?“,
so Martin Behrsing, Sprecher des Erwerbslosen Forum Deutschland.
Dazu soll das Bundesarbeitsministerium zusammen mit der Bundesagentur eine entsprechende Dienstanweisung an alle Jobcenter herausgeben. Eine Durchschrift des Briefes haben auch alle Bundestagsfraktionen erhalten.
In jĂŒngster Vergangenheit war das Erwerbslosen Forum Deutschland immer wieder damit konfrontiert, dass junge schwangere Frauen, die im Hartz IV-Bezug stehen, von Jobcentern auf Null sanktioniert wurden. In einigen FĂ€llen wurden den werdenden MĂŒttern rechtliche Hilfe besorgt. Daraufhin mussten die Jobcenter die Sanktionen zurĂŒck nehmen. Ebenso hĂ€uften sich auch Beschwerden von jungen Schwangeren, wonach es den Mitarbeitern in Jobcentern an der notwendigen SensibilitĂ€t und Respekt gegenĂŒber werdenden MĂŒttern mangelte, AntrĂ€ge zum Teil unvollstĂ€ndig oder viel zu spĂ€t bearbeitet wurden und Mitarbeiter mangelhaftes rechtliches Fachwissen aufwiesen.
Die Beobachtungen der Initiative decken sich mit den Ergebnissen der von der ?Mutter-Kind-Stiftung? in NRW in Auftrag gegebenen Befragung an Schwangeren und ihren Erfahrungen mit den Jobcentern. Von rund 14.000 FĂ€llen, in denen im ersten Quartal 2010 bedĂŒrftige schwangere Frauen Kontakte mit den ARGEN hatten, mussten in knapp 5600 FĂ€llen Beratungsstellen intervenieren, damit die Frauen die ihnen rechtlich zustehende Hilfe erhielten – oder ĂŒberhaupt davon erfuhren. ?
„Diese hohe Zahl an Falschberatung und Rechtsverweigerung ist erschreckend. Wenn hilfsbedĂŒrftige werdende MĂŒtter beinahe zwingend rechtliche Hilfe der Schwangerschaftsberatungsstellen benötigen, wirft dies ein beschĂ€mendes Licht auf die Jobcenter“?,
so Behrsing in Bonn.
Es folgt das Schreiben an die Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und dem Vorstandsmitglied der Bundesagentur fĂŒr Arbeit Heinrich Alt:
Sanktionen an schwangeren Hartz IV-Bezieherinnen stehen nicht mit dem Schutz des ungeborenen Lebens im Einklang – Stopp der Sanktionen bei werdenden MĂŒttern
Sehr geehrte Frau von der Leyen,
Sehr geehrter Herr Alt,
in den letzten Tagen mussten wir wiederholt feststellen, dass junge schwangere Frauen, die im Hartz IV-Bezug stehen, von Jobcentern auf Null sanktioniert wurden. Wir haben in einigen FĂ€llen den werdenden MĂŒttern rechtliche Hilfe besorgt. In allen FĂ€llen mussten daraufhin die Jobcenter die Sanktionen zurĂŒck nehmen. Bei uns hĂ€ufen sich auch Beschwerden von jungen Schwangeren, dass es den Mitarbeitern in Jobcentern an der notwendigen SensibilitĂ€t und Respekt gegenĂŒber werdenden MĂŒttern mangelt, AntrĂ€ge zum Teil unvollstĂ€ndig oder viel zu spĂ€t bearbeitet werden und Mitarbeiter mangelhaftes rechtliches Fachwissen aufweisen. Unsere Beobachtungen decken sich mit den Ergebnissen der von der ?Mutter-Kind-Stiftung? in NRW in Auftrag gegebenen Befragung an Schwangeren und ihren Erfahrungen mit den Jobcentern. Von rund 14.000 FĂ€llen, in denen im ersten Quartal 2010 bedĂŒrftige schwangere Frauen Kontakte mit den ARGEN hatten, mussten in knapp 5600 FĂ€llen Beratungsstellen intervenieren, damit Frauen die ihnen rechtlich zustehenden Hilfen erhielten – oder ĂŒberhaupt davon erfuhren. Die Befragung liegt der Arbeitsagentur NRW vor. Diese hohe Zahl an Falschberatung und Rechtsverweigerung ist erschreckend. Wenn hilfsbedĂŒrftige werdende MĂŒtter beinahe zwingend rechtliche Hilfe der Schwangerschaftsberatungsstellen benötigen, wirft dies ein beschĂ€mendes Licht auf die Jobcenter. Es gehört zum SelbstverstĂ€ndnis unseres Staates, dass er sich schĂŒtzend vor werdende MĂŒtter und ihr noch ungeborenes Leben stellt. Hier mĂŒssen aber junge schwangere Frauen ihre Rechte selbst erkĂ€mpfen und sind dabei hohen psychischen Belastungen ausgesetzt.
Wir sind der Meinung, dass Sanktionen auf Null bei Schwangerschaft sich kaum im Einklang mit dem Schutz des ungeborenen Lebens vereinbaren lassen. Dies stellt eine krasse Missachtung des Artikels 2 GG dar. Deshalb fordern wir Sie auf, unverzĂŒglich dafĂŒr zu sorgen, dass ĂŒberhaupt keine Sanktionen bei werdenden MĂŒttern erfolgen dĂŒrfen. Auch die psychischen Folgebelastungen, die derartige MaĂnahmen auslösen, können zu Aborten fĂŒhren und fĂŒr Traumatisierungen bei den jungen Frauen fĂŒhren.
Wir fordern Sie auf, den sofortigen Stopp der Sanktionen bei werdenden MĂŒttern per Dienstanweisung zu veranlassen. Wir halten es auch fĂŒr sinnvoll, die gesamte Sanktionsproblematik (§ 31 SGB II) mit einem Moratorium zu belegen. Wenn Betroffene sich rechtlichen Beistand suchen, mĂŒssen in der Mehrheit der FĂ€lle die Sanktionen zurĂŒckgenommen werden. Sanktionen wirken wie Strafen, allerdings mit dem fatalen Unterschied, dass der Staat hier vielfach willkĂŒrlich und rechtlich fehlerhaft als Bestrafer auftritt. Das sollte auch Ihnen zu denken geben, denn es erschĂŒttert bei den Betroffenen das Vertrauen in den Staat.
Beispielhaft möchten wir Ihnen drei FÀlle wiedergeben, die das sinnlose Dilemma der Sanktionen an Schwangern verdeutlichen. Wir sind uns sicher, dass derartige Vorkommnisse keineswegs im Interesse unseres demokratischen Rechtsstaats sein können.
Mit freundlichen GrĂŒĂen
i. A. Martin Behrsing
(GeschĂ€ftsfĂŒhrer Erwerbslosen Forum Deutschland)
AuszĂŒge aus unserer Pressemitteilung vom 19.01.2011:
Gut eine Woche, nachdem das Erwerbslosen Forum Deutschland den Fall einer jungen Schwangeren aus Braunschweig, der wegen des Nichtantritts eines unzumutbaren Ein-Euro-Jobs die Hartz IV-Leistungen gestrichen wurden, mehren sich die FĂ€lle von jungen werdenden MĂŒttern, denen die Leistungen entzogen wurden. Erneut wurden dem Erwerbslosen Forum Deutschland FĂ€lle vom kompletten Leistungsentzug von Schwangeren bekannt. Im Passauer Land strich das Jobcenter einer 21jĂ€hrigen den Regelsatz und die Unterkunftskosten, weil sie einen Ein-Euro-Job in einer GroĂkĂŒche nicht antrat, obwohl sie in ca. sechs Wochen ihr Kind erwartet. Das Brisante: Der Einsatz von Schwangeren in GroĂkĂŒchen unterliegt beispielsweise nach den Mutterschutzrichtlinien des UniversitĂ€tsklinikums Heidelberg einem generellen BeschĂ€ftigungsverbot.
Auch in Berlin wurde eine Schwangere auf Null gekĂŒrzt, obwohl dem Jobcenter bekannt war, dass sie schwer psychisch krank war und sich im Sanktionszeitraum in einer Psychiatrie wegen akuter Psychosen befunden hat. Erst vor zwei Tagen hatte das Jobcenter Berlin-Neukölln den Sanktionsbescheid vom September aufgehoben. FĂŒr die 24jĂ€hrige wenig tröstlich, denn inzwischen hatte sie ihre Wohnung verloren und war von Oktober bis Ende Dezember nicht krankenversichert. Ob und wann sie ihre Leistungen rĂŒckwirkend erhĂ€lt, ist nicht klar, da bisher nur der Sanktionsbescheid aufgehoben wurde. Die junge Frau wurde inzwischen wieder von ihrer Mutter aufgenommen, da sie keine Wohnung mehr hat und sich in einem Ă€uĂerst kritischen psychischen Zustand befindet.
Zum Vorgang im Passauer Land
Die junge Frau war seit Beginn ihrer Schwangerschaft fast durchgÀngig krankgeschrieben gewesen und hatte es einmal versÀumt, ihrem Sachbearbeiter eine Folgekrankmeldung vorzulegen. Daraufhin schnappte die Sanktionsfalle sofort zu. Der gegen die Mittelstreichungen eingelegte Widerspruch lÀuft seit November, bisher aber ohne jedes Ergebnis. Auch hier hat das Erwerbslosen Forum Deutschland inzwischen einen Anwalt besorgt, der heute eine Eilklage beim zustÀndigen Sozialgericht eingereicht hat. Die junge Frau erwartet gegen Ende Februar ihr Baby und wird seit Dezember mit Lebensmittelgutscheinen abgespeist.
AbschlieĂend noch eine Zuschrift einer jungen Frau, die uns gestern erreichte. Wir haben mit der Frau aus Ostwestfalen vereinbart, dass sie uns ihren Vorgang zukommen lĂ€sst. Nach einem ersten TelefongesprĂ€ch mit ihr sind wir uns sicher, dass auch hier der Fall im Sinne der jungen Mutter gelöst werden kann:
schönen guten tag,
mein name ist eva und ich bin 29 jahre alt ich bin ebenfalls im 4.monat schwanger und mir wurde ebenfalls seit letztes jahr oktober das komplette hartz4 geld auf 100% sanktioniert von dem arbeitsamt in ??..lippe
ich weiĂ einfach nicht mehr weiter und jetzt wo ich den bericht gelesen habe weiĂ ich das ich nicht die einzigste bin die so schikaniert wird.
ich bin weder krankenversichert noch wird meine miete ĂŒberwiesenGrund: fehlende mitwirkung
ich habe am 01.12.2010 einen neuen antrag bekommen aufgrund von mehrbedarf den ich brav ausgefĂŒllt habe und alle notwendigen unterlagen beigefĂŒgt habe
am 03.12.2010 bekam ich post von der arge wo geschrieben wurde das die kontoauszĂŒge nicht vollstĂ€ndig seien..obwohl ich die kompletten kontoauzĂŒge vorgelegt habe..!!
ich habe mehrfach bei der arge angerufen und nachgefragt was mit meinem antrag ist und ob er schon bearbeitet worden wurde und das ich das geld brauche wie ebenfalls die krankenversicherung mir wurde von meinem sachbearbeiter geantwortet es sei nicht sein problem das ich nicht krankenversichert sei und wortwörtlich: „erstmal abwarten ob das kind ĂŒberhaupt bis mitte januar ĂŒberlebt“!!
ich habe ihn in kenntnis davon gesetzt das ich letztes jahr im november und dezember 2009 2 fehlgeburten hatte und seine antwort daraufhin war „ja sehen sie also ist es ja noch garnicht sicher ob das kind auch ĂŒberlebt und selbst wenn werden sie sobald ich den antrag bearbeitet habe eine erneute 100% sanktion verhĂ€ngt bekommen“
ich fragte warum? und das wurde mir geantwortet:
„sie haben von dezember bis januar 2011 zehn termine nicht wahrgenommen“
ich sagte das geht doch garnicht was sie da sagen und der sachbearbeiter sagte:
„wenn ich das sage dann ist das auch so“
ich weiĂ einfach nicht mehr weiter und hoffe das mir geholfen wird denn ich habe riesengroĂe angst das baby auch jetzt noch zu verlieren obwohl ich fast den 4.monat erreicht habe..
ebenfalls habe ich riesengroĂe angst das ich meine wohnung verliere weil die miete nicht ĂŒberwiesen wird..
ich bin zwar jetzt zum frauenarzt gegangen aber ich habe angst das ich demnÀchst eine rechnung bekomme wo gesagt wird das ich die untersuchung selber bezahlen muss.bitte helfen sie mir!!
mit freundlich grĂŒĂen
eva
Nachrichtlich an:
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Frau Renate KĂŒnast, Herr JĂŒrgen Trittin
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11011 Berlin
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Herr Volker Kauder
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11011 Berlin
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Herr Dr. Gregor Gysi
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Fraktionsvorsitzender der Bundestagsfraktion FDP
Frau Birgit Homburger
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Fraktionsvorsitzender der Bundestagsfraktion SPD
Herr Frank-Walter Steinmeier
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11011 Berlin
