DIE TRANSNATIONALE AGENDA „CYBER-SECURITY“ (III): Operation Wikileaks und Beginn

Teil I – DIE TRANSNATIONALE AGENDA “CYBER-SECURITY”: Science Fiction Romane und Schnapsideen
Teil II – DIE TRANSNATIONALE AGENDA “CYBER-SECURITY” (II): China ruft nach planetarer Internet-Kontrolle

Nach der Festnahme von Julian Assange begannen Unbekannte eine Reihe von DoS-Attacken auf Netzseiten prominenter Dienstleister wie Mastercard, Visa oder die Webseite der US-Partei „Republikaner“, aus der die Forderung nach einer Verfolgung von Journalisten und Whistleblowern als Terroristen erhoben worden war. Der erste ernsthafte Informationskrieg, der vor wenigen Tagen vom MitbegrĂŒnder der Digitalen BĂŒrgerrechtler „Electronic Frontier Foundation“, John Perry Barlow, zur Sicherung des Zugangs der Menschheit zu Informationen von grĂ¶ĂŸtem weltöffentlichen Interesse ĂŒber die Plattform Wikileaks aufgerufen hatte, wurde blitzschnell in einen Cyber-Krieg umgedeutet (1). Im Oktober hatte das Cyber Command des Pentagon offiziell seinen vollstĂ€ndigen Dienst aufgenommen. Sein genauer Auftrag ist unbekannt.

Was die neue Weltöffentlichkeit nun erlebt, ist der strategische Versuch diese Weltöffentlichkeit wieder zu unterdrĂŒcken. Dabei soll, nach alter Taktik, der Gegner Wikileaks fĂŒr die eigenen Zwecke eingesetzt werden, fĂŒr destruktive Operationen als Falsche Flagge dienen und soviel Chaos wie möglich produziert werden, um anschließend eine lang vorbereitete transnationale Agenda zur Kontrolle des Internets und den informationstechnischen Systemen der Menschheit insgesamt aus der Tasche zu ziehen. Dieser soll sich dann eine naive, genervte und ahnungslose Mehrheit in der Weltöffentlichkeit bedingungslos unterwerfen – und zwar nicht nur fĂŒr ein paar Wochen, nicht nur ein paar Jahre, sondern fĂŒr das gesamte Digitale Zeitalter im 21.Jahrhundert.

I

Im ersten Teil unserer im Juli begonnenen Artikelreihe DIE TRANSNATIONALE AGENDA “CYBER-SECURITY” dokumentierten wir eine klĂ€glich in sich zusammen gebrochene Kampagne seitens der Regierungspartei CDU, Ministerien, Polizeibehörden und Springer-Presse die sich ĂŒber drei Tage hinzog.

ZunĂ€chst wurde versucht durch Verweise auf (angeblich durch die zustĂ€ndigen Behörden unlöschbaren) Webseiten mit schwerstkriminellen Inhalten (Kinderpornografie), durch Verweise auf Drogenhandel, auf die Mafia, auf Rockerbanden, auf Anlagebetrug, auf „ONK“ (Organisierte Nichtstaatliche KriminalitĂ€t), usw, von der FDP und ihrer Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ein neues Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung zu erzwingen. Als das fehlschlug, eskalierte man die eigenen Forderungen: nun ging es um eine Anwendung der Internetsperren durch das von der Justizministerin auf Eis gelegte “Zugangserschwerungsgesetz“.

Auf dem Höhepunkt der Kampagne verlangte der Vorsitzende des “Bundes der Kriminalbeamten” (BDK), Klaus Jansen:

–  eine Vollmacht des Kanzleramtes zur kompletten Ausschaltung des Internets in der Berliner Republik.
– eine Ausweispflicht fĂŒr alle Internet-Nutzer, welche sich auf deutschem Boden in das Weltinformationsnetz einloggen
– den Aufbau eines “Nationalen Internet-Zentrums” unter Kontrolle des BKA, in welchem “alle FĂ€den aus den BundeslĂ€ndern” (also z.B. den LandeskriminalĂ€mtern) zusammen zu laufen und Spezialisten ein tĂ€gliches Lagebild zu erstellen hĂ€tten
– jeder Internet-Nutzer, der KĂ€ufe, Online-Überweisungen, andere RechtsgeschĂ€fte oder BehördengĂ€nge erledigen wolle, mĂŒsse sich bei einer staatlichen Stelle registrieren lassen
– gesetzliche Befugnisse fĂŒr Behörden “offene und verdeckte Ermittlungen im Internet, speziell in sozialen Netzwerken wie Facebook, SchĂŒlerVZ oder Twitter” durchzufĂŒhren
– “Trojaner, Viren und Schadprogramme von privaten Rechnern entfernen zu dĂŒrfen”, also auf diese zuzugreifen, usw.

II

Im zweiten Teil unserer Artikelreihe DIE TRANSNATIONALE AGENDA “CYBER-SECURITY” dokumentierten wir die in der staatlichen Nachrichtenagentur Chinas erhobene Forderung nach einer planetaren Internet-Kontrolle. Erhoben wurde diese am 12. September ohne weitere Quellenangaben in Form einer Quasi-RegierungserklĂ€rung:

“Globale Kooperation ist dringend erforderlich um das Internet sicher zu halten. Es gibt mindestens zwei SchlĂŒsselfaktoren hinter globaler Kooperation: Erstens sollten alle Interessengruppen, eingeschlossen der Öffentliche Sektor, der private Sektor und Netizens, ihre Online-Verpflichtungen erfĂŒllen. Zweitens sollten alle Interessengruppen effizient und effektiv zusammen arbeiten, um eine solch langfristige Themen wie die Errichtung eines globalen Online Regulations-Mechanismus anzugehen.”

Dass dies keine wohlmeinende Sorgen um die weltbĂŒrgerlichen „Netizens“ ist – ein durch neokonservative KrĂ€fte eingefĂŒhrter Propagandabegriff, der die Nutzer des Weltinformationsnetzes zu “Internetbewohnern” herabwĂŒrdigt – sondern Teil einer seit Jahren laufenden Agenda, dokumentierte die im Stadtrat der UniversitĂ€tsstadt Jena vertretenen Partei DIE GUTEN bereits am 3.Juni 2009. (2)

III

Aus dem Statement „Föderalismusreform II ermĂ€chtigt Regierung zur Digitalen Diktatur im Rahmen der globalen Agenda fĂŒr „Cyber-Sicherheit“ von der Partei DIE GUTEN:

Die „Global Cybersecurity Agenda“ wurde  2007 auf den Weg gebracht.Initiiert wurde diese globale Agenda zum „Schutz der Informations-Infrastruktur-Systeme“ („information infrastructure systems“) von einer der einflussreichsten Institutionen des Planeten: der Internationalen Fernmeldeunion (ITU).

Diese am 17. Mai 1865 als „Internationaler Telegraphenverein“ gegrĂŒndete und heutige „Sonderorganisation“ der Vereinten Nationen, deren „Empfehlungen“ in Deutschland die Bundesnetzagentur umsetzt, konstituierte am 5.Oktober 2007 in ihrem Hauptquartier in Genf eine „hochrangige Experten-Gruppe“. Teilnahmer waren Vertreter von „Regierungen, Industrie, relevanten regionalen/internationalen Organisationen, Forschungs-Institutionen, akademischen Institutionen und individuelle Experten aus jedem Teil der Welt“.

Diese „Expertengruppe“ der Internationalen Fernmeldeunion verkĂŒndete „5 strategische Grundpfeiler“ und „7 strategische Ziele“ ihrer „globalen Cyber-Sicherheits-Agenda“, welche weltweit an die ausfĂŒhrenden Organe weiter zu geben seien.

Als Grundpfeiler der globalen Agenda benannte die Internationale Fernmeldeunion:
– Gesetzesmassnahmen
– technische Prozeduren
– Organisationsstrukturen
– den Aufbau entsprechender KapazitĂ€ten
– internationale Kooperation

Strategische Ziele der Internationalen Fernmeldeunion:
– „Ausarbeitung von Strategien fĂŒr die Entwicklung eines Modells von GesetzenwĂŒrfen“, welche „weltweit anwendbar und interoperabel mit bestehenden nationalen und regionalen gesetzlichen Maßnahmen“ seien
– „Ausarbeitung von globalen Strategien fĂŒr die Schaffung von angemessenen nationalen und regionalen Organisationsstrukturen und Richtlinien“
– „Entwicklung einer Strategie fĂŒr die Etablierung global akzeptierter..Sicherheits-Kritierien und Akkreditierungssysteme fĂŒr Hardware und Software-Anwendungen und Systeme“
– ein „globaler Rahmenplan“ fĂŒr „Beobachtung, Warnung und Antworten bei Ereignissen“
– „Entwicklung globaler Strategien fĂŒr die Schaffung und BefĂŒrwortung eines allgemeinen und universellen digitalen Identifizierungssystems sowie der Notwendigkeit von organisatorischen Strukturen“
– „Entwicklung einer globalen Strategie um den Aufbau menschlicher und institutioneller KapazitĂ€ten zu ermöglichen, den Wissensstand und Know-How in allen Sektoren und in allen oben erwĂ€hnten Bereichen zu erhöhen“
– VorschlĂ€ge eines „Rahmenplans fĂŒr eine multi-AktionĂ€rs-Strategie“ zu erarbeiten, fĂŒr „internationale Kooperation, Dialog und Koordination“ in den bereits umschrieben Gebieten, also Software, Hardware, Computersysteme.

Nur wenige Wochen nachdem am 5.Oktober 2007 die Internationale Fernmeldeunion ihre von der IT-Industrie mitentworfene globale Agenda fĂŒr „Cyber-Sicherheit“ initiiert hatte, forderte Bundesjustizministerin Zypries in Deutschland eine VerfassungsĂ€nderung und brachte dafĂŒr die Föderalismusreform II ins Spiel.

Wörtlich sagte sie am 10.Dezember 2007 auf dem „zweiten Nationalen Informations-Technologie-Gipfel“ (11):

„Wir mĂŒssen die Chancen unseres föderalen Systems nutzen und seine Hindernisse ĂŒberwinden. Wenn Bund und LĂ€nder eine öffentliche Dienstleistung bereitstellen mĂŒssen, kann es nicht sein, dass eine kleine Minderheit die gemeinsame Entscheidung verhindert. Deshalb brauchen wir eine Verpflichtung zur Zusammenarbeit und mĂŒssen diese Zusammenarbeit institutionalisieren. Wir brauchen gemeinsame Standards, um die dezentralen IT-Systeme zu vernetzen. Die unterschiedlichen IT-Systeme von Bund und LĂ€ndern mĂŒssen kompatibel und interoperabel sein. Dies wollen wir durch eine neue Regelung im Grundgesetz verbindlich machen..Ich habe deshalb in der Kommission zur anstehenden Föderalismusreform eine VerfassungsĂ€nderung vorgeschlagen.“

AuffĂ€llig war nicht nur die an die globale Agenda der Fernmeldeunion angelegte Wortwahl der Justizministerin. AuffĂ€llig ist auch, dass der doch damals als Überschrift gewĂ€hlte Begriff „Cyber-Sicherheit“ sorgsam vermieden wurde. Er wurde quasi in petto gehalten und erst vor Anfang 2009 im NATO-Raum im Zuge einer Hand in Hand gehenden Medien- und Gesetzeskampagne aus der strategischen Aservatenkammer gefischt.

Im Januar und Februar 2009 wurden laut MilitĂ€rangaben nacheinander die IT-Netze der StreitkrĂ€fte von drei EU-MĂ€chten durch einen einfachen Windows-Wurm befallen, trotz hochgerĂŒsteter IT- und Cyberwar-Spezialeinheiten. Erst meldete Frankreich, dann Grossbritannien und dann die Bundeswehr den Befall ihrer IT-MilitĂ€rsysteme. Das deutsche MilitĂ€r trennte daraufhin einzelne Sektionen vom eigenen IT-Netz, hiess es, das kommerzielle Unternehmen BWI Informationstechnik GmbH sei dabei hilfreich gewesen.

Genau diese „BWI Informationstechnik GmbH“, zu 50.1 Prozent in HĂ€nden der IT-Konzerne Siemens und IBM, half bereits 2007 dem deutschen MilitĂ€r im Rahmen des „Projekt Herkules“ die FĂ€higkeiten zur „vernetzen KriegfĂŒhrung“ systematisch hochzuschrauben. Man hatte mit „NuKom“ und „Tetrapol“ eigene IT-Netze zur VerfĂŒgung, welche fĂŒr 75 Millionen von EADS entwickelt worden war, man brĂŒstete sich in der Bundeswehr mit NuKom „eine Vorreiterrolle gegenĂŒber der NATO und den anderen Nationen“ zu haben.Bereits Anfang 2007 wurden die IT-Einheiten der Bundeswehr auf 16.000 Soldaten aufgerĂŒstet.

Und dann diese Conficker-Blamage?

Konstatiert man, dass in der Geschichte der Menschheit die Bewaffneten gegenĂŒber Unbewaffneten selten die Wahrheit gesagt haben, einfach weil sie es nicht mussten, so sah diese Aktion eher wie eine Operation aus. Fast wie ein Test fĂŒr zukĂŒnftige Heldentaten im Namen der Republik – oder fĂŒr vielleicht doch höhere, edle Zwecke.

Am 29.MĂ€rz veröffentlichten Ron Deibert, Direktor des „Citizen Lab“ im Munk Zentrum fĂŒr internationale Studien an der UniversitĂ€t von Toronto, zusammen mit Rafal Rohozinski, Chef der „SecDev“-Gruppe in Ottawa, eine umfangreiche Reportage namens „Das Geister-Netz verfolgend – ein Cyber-Spionagenetzwerk untersuchend“ (14).

Es ging um ein vermeintliches „ghost net“ von Hackern aus China. „Hochrangige Ziele wie Regierungsstellen, Außenministerien, Medien“ und internationale Organisationen seien durch Cyber-Angriffe ausgespĂ€ht worden, man sei der Sache durch eigene Recherchen auf die Schliche gekomme und in das Kommando-Interface des „ghost net“ eingedrungen.

Nicht nur dass dort in einem vermeintlichem Kommandozentrum chinesischer Hacker alles auf englisch geschrieben stand (in lateinischem Alphabet) machte stutzig; auch dass der Zugang zu diesem nicht einmal passwort-geschĂŒtzt war. Auszug aus der Reportage:

„It remains unclear why the attacker(s) did not secure access to the control interface. Perhaps the attacker(s) concluded that the file paths and file names could not be easily guessed.“

Einer der vier Server dieses „brandgefĂ€hrlichen“ Hacker-Netzwerkes stand in Kalifornien, benutzt wurde die uralte software „ghost rat“, welche frei im Internet erhĂ€ltlich ist. Das war alles nicht sehr plausibel.

Ein Bild wurde erst am nÀchsten Tag draus. Da stand dann eben jener tapfererer Hacker-JÀger Ron Deibert vor der Presse und sprach:

„Was wir sehen, ist ein internationales Verbrechen. Wir mĂŒssen anfangen, ĂŒber Wege einer Waffenkontrolle im Cyberspace nachzudenken“.

Am 29. Mai 2009 beschloss dann der Bundestag mit 10 Stimmen ĂŒber der notwendigen Zweidrittelmehrheit die sogenannte „Föderalismusreform II“ beschlossen. Diese grĂ¶ĂŸte VerstĂŒmmelung des Grundgesetzes seit seinem Inkrafttreten vier Jahre nach Faschismus und 2.Weltkrieg, beinhaltete die Installation eines Artikels in die Verfassung der 3.Republik, der eher in das 3.Reich gehört hĂ€tte: den Artikel 91c. Im ersten Satz des neuen Verfassungsartikels heisst es:

„Bund und LĂ€nder können bei der Planung, der Errichtung und dem Betrieb der fĂŒr ihre AufgabenerfĂŒllung benötigten informationstechnischen Systeme zusammenwirken.“

Der Wortlaut dieses Verfassungsartikels in Satz 1 ermĂ€chtigt die Ministerien der Bundesregierung, sowie die in Satz 2 durch selbstdefinierte „qualifizierte Mehrheit“ direkt untergeordneten LĂ€nderregierungen, die Kontrolle ĂŒber sĂ€mtliche informationstechnischen Systeme der Republik zu ĂŒbernehmen, wenn dies „fĂŒr ihre AufgabenerfĂŒllung“ benötigt wird – also etwa zur AufgabenerfĂŒllung des Verteidigungsministeriums, des Innenministerium, neuer Ministerien die im Digitalen Zeitalter noch entstehen könnten, usw. Die Möglichkeiten der Auslegung dieses Verfassungsartikels sind unbegrenzt und wachsen automatisch mit der einfachen Gesetzgebung. Jede neue Aufgabe eines Ministeriums – etwa zur „Cyber-Sicherheit“ – wird nun zur verfassungsrechtlichen Vollmacht.

Das Mitglied des Bayrischen Verfassungsgerichtshofes, Professor Dr. Dirk Heckmann von der UniversitÀt Passau, schrieb dazu in 2009 auf Anfrage des Rechtsausschusses des Bundestages:

„Auf die Spitze getrieben wĂŒrde im Ergebnis jede Anschaffung eines neuen Rechners oder die Implementierung eines Fachverfahrens in einer Kreisverwaltungsbehörde der Zusammenarbeitsverpflichtung des Art. 91c Abs. 1 GG-E unterfallen. Dass dadurch die von Art. 79 Abs. 3 GG garantierte Eigenstaatlichkeit der LĂ€nder unzulĂ€ssig beeintrĂ€chtigt werden könnte, liegt auf der Hand. Insoweit erscheint eine erkennbar einschrĂ€nkende Auslegung von Art. 91c Abs. 1 GG-E geboten.“

Im gleichen Rechtsgutachten kam der Landesverfassungsrichter dann zum bizarren Schluss:

„Unter Beachtung der vorstehenden Feststellungen ist durch die weite Fassung des Art. 91c Abs. 1 GG-E keine BeeintrĂ€chtigung der gewĂ€hrleisteten EigenstĂ€ndigkeit der LĂ€nder zu befĂŒrchten.“

Der vom Parlament bestellte Jurist erklĂ€rte also ein Gesetz zur VerfassungsĂ€nderung fĂŒr verfassungsgemĂ€ĂŸ, wenn man es nicht im Wortlaut auslege. Ein unfaßbarer Vorgang.

Am gleichen Tag der Verabschiedung des in der Föderalismusreform unter Mitwisserschaft aller Parteien des Bundestages still und heimlich verabschiedeten digitalen ErmÀchtigungsartikels 91c hielt der PrÀsident der Vereinigten Staaten, Barack Obama, eine Rede zur Cyber-Sicherheit. Wörtlich sagte er dabei:

„Wir stĂ€rken unsere bewaffneten KrĂ€fte wĂ€hrend sie zwei Kriege kĂ€mpfen, zur gleichen Zeit erneuern wir amerikanische FĂŒhrerschaft um unkonventionellen Herausforderungen entgegenzutreten, von nuklearer Proliferation bis Terrorismus, von Klimawandel bis pandemischen Seuchen. Und wir bringen der Regierung — und diesem Weissen Haus – nie gekannte Transparent und Verantwortlichkeit und neue Wege fĂŒr Amerikaner an ihrer Demokratie teilzuhaben.
Doch keiner dieser Fortschritte wĂ€re möglich, und keine dieser Herausforderungen des 21.Jahrhunderts könnte begegnet werden, ohne Amerikas digitaler Infrastruktur – dem RĂŒckgrat, welche einer prosperierenden Wirtschaft und einem starken MilitĂ€r und einer offenen und effizienten Regierung den Halt gibt. Ohne dieses Fundament könnten wir den Job nicht erledigen.“

Was das konkret bedeutete, wurde im Gesetzentwurf des US-Senatoren John D. (Jay) Rockefeller IV, Vorsitzender des US-Senatsausschusses fĂŒr Handel, Wissenschaft und Transport, sowie des Senators Olympia Snowe vom 1.April 2009 deutlich. In der Zusammenfassung des „Cybersecurity Act 2009“ hiess es:

„(Es wird) im ausfĂŒhrenden BĂŒro des PrĂ€sidenten ein BĂŒro des Beraters fĂŒr Cyber-Sicherheit geschaffen. Der nationale Cyber-Sicherheitsberater wird dieses BĂŒro leiten und dem PrĂ€sidenten direkt Bericht erstatten. Der Berater wird als der fĂŒhrende Beamte fĂŒr alle Cyber-Angelegenheiten zustĂ€ndig sein, in Zusammenarbeit mit den Geheimdiensten, wie auch mit den zivilen Regierungsorganen. Diese Abteilung umfasst eine Anzahl wichtiger Funktionen und AuthoritĂ€ten fĂŒr den Nationalen Cyber-Sicherheitsberater, eingeschlossen die AuthoritĂ€t eine bundesbehördliche oder kritische Infrastruktur vom Internet zu trennen, wenn befunden wurde, dass sie dem Risiko eines Cyber-Angriffs ausgesetzt ist.“

IV

Entscheidend in einem Krieg ist der Sieg. Alles andere ist irrelevant. Das ist militĂ€rische Logik, die niemand besser formulierte als General Douglas McArthur, der im 2.Weltkrieg die US-StreikrĂ€fte zum Sieg ĂŒber das japanische Kaiserreich fĂŒhrte und im Koreakrieg die Bombardierung des 1949 von den kommunistischen StreitkrĂ€ften Mao Tse Tungs eroberten Chinas mit Atomwaffen verlangte.

„Das Ă€ußerste Ziel von Krieg ist Sieg, nicht andauernde UnschlĂŒssigkeit. Im Krieg gibt es keinen Ersatz fĂŒr den Sieg.“

Seit dem 11.September 2001 sind durch die Vereinigten Staaten von Amerika und ihre Alliierten zwei asiatische LĂ€nder erobert worden. Ebenso wurden Bodentruppen, See- und LuftstreitkrĂ€fte, sowie unterschiedliche Waffensysteme in einer Vielzahl von Staaten und Regionen auf dem Planeten in Stellung gebracht, etwa an der strategisch bedeutsamen Meerenge zwischen Asien und Afrika, am Golf von Aden. Wenn man nun sich die Verluste amerikanischen Lebens durch Attentate und KriegfĂŒhrung vor Augen hĂ€lt, so handelt es sich dabei um den effektivsten Krieg aller Zeiten.

Teil dieses Krieges war ein von oben gefĂŒhrter strategischer psychologischer Krieg gegen die eigenen Bevölkerungen der kriegfĂŒhrenden LĂ€nder, welcher entsprechend der offiziellen Definition „Methoden und Maßnahmen zur Beeinflussung des Verhaltens und der Einstellungen“ der eigenen StreitkrĂ€ften und Zivilbevölkerung „im Rahmen oder im Vorfeld militĂ€rischer Operationen“ beinhaltete.

Gegen diesen psychologischen Krieg, der die eigene Bevölkerung durch informelle Mittel, Medien-Propaganda, industrielle PopulĂ€r-Kultur, Verrat sĂ€mtlicher politischen Organisation im fortschrittlichen Spektrum, die Beraubung ihrer verfassungsmĂ€ĂŸigen Rechte, sowie sozialen und finanziellen Druck systematisch brechen und gefĂŒgig machen sollte, erhob sich zunĂ€chst nur sehr vereinzelt Widerstand. Es waren vor allem KĂŒnstler, wie Michael Moore, Harold Pinter, Uri Avnery, Dustin Hofman, Tim Robbins und Beppe Grillo, die sich öffentlich und laut fĂŒr die Menschen und gegen den Krieg in Stellung brachten. Dissidenten und Intellektuelle, Researcher und Journalisten, BĂŒrgerrechtler und Initiativen bauten unabhĂ€ngige Medien, Informationsportale und Netzwerke auf und brachten diesen psychologischen Krieg zum Stehen.

Entscheidend dabei war die technologische Entwicklung. Das Weltinformationsnetz, dessen Name Internet aus den englischen Begriffen fĂŒr „Netz“ und „international“ zusammengesetzt ist, brachte vielen den Zugang zu weltweiten Informationen und ermöglicht mittlerweile 2 Milliarden Menschen die Kommunikation, dadurch den Austausch von Meinungen, die Interaktion, Kooperation und nicht zuletzt den Bruch mit den bislang herrschenden Meinungsmonopolen und Informationsindustrien durch den Aufbau einer neuen Wirtschaft, mit neuen GeschĂ€ftsmodellen und einer unbegrenzten Vielfalt der Entfaltungsmöglichkeiten.

Welchen Sieg wĂ€re nun der Sieg in einem Cyber-Krieg? Ein Sieg in einem Cyber-Krieg wĂ€re die Zerstörung des unabhĂ€ngigen Cyberspace der Weltgemeinschaft insgesamt. Denn diese Weltgemeinschaft umfasst die Menschheit, nicht deren Regierungen, nicht deren Finanz-, MilitĂ€r- oder WirtschaftskrĂ€fte. Ein Sieg des Informationskrieges wiederum, der im Übrigen lĂ€ngst ausgebrochen ist und den immer diejenigen gewinnen die auf der Seite der Wahrheit sind, ist die Sicherung des freien Zugangs zu Informationen – auch und gerade des Zugangs zu Informationen von höchstem Interesse fĂŒr die betroffene Weltöffentlichkeit. Dazu gehören auch geheime Unterlagen der kriegfĂŒhrenden Regierungen, wie der in Washington, deren Depeschen nun durch Unbekannte an das Whistleblower-Portal Wikileaks weiter gegeben wurden. Das ist eben nicht zu vergleichen mit der Weitergabe oder gar der Veröffentlichung von höchst Privatem und Intimem von BĂŒrgern, wie Fotos, Bewegungs- und Persönlichkeits-Profilen und (Finanz)Daten, wie es durch die Regierungsstellen der kriegfĂŒhrenden Staaten seit langem ungehemmt auf den eigenen Daten-Tauschbörsen praktiziert wird.

Die destruktiven Angriffe auf Konzerne durch vermeintliche Wikileaks-AnhĂ€nger nĂŒtzen objektiv den Gegnern einer freien Weltöffentlichkeit und freien, digitalen Weltwirtschaft. Sie dienen objektiv der von demokratisch unlegitimierten und unkontrollierten Institutionen und Kartellen geschaffenen transnationalen Agenda zur „Cyber-Sicherheit“, deren Ziel – und damit Sieg – die Kontrolle ĂŒber den Cyberspace selbst ist.

Nicht nur das wichtige Informationsportal Wikileaks, sondern auch deren Freunde und UnterstĂŒtzer, mĂŒssen sich der eigenen Verantwortung fĂŒr die Weltgemeinschaft und ihrer Weltbibliothek, dem Internet, bewusst sein und sich dementsprechend verhalten. Sonst spielen sie dem Gegner in die HĂ€nde.

Dabei ist grundsĂ€tzlich jedem, der zur Zeit verwirrt ist und nicht mehr versteht was hier eigentlich vor sich geht, dringend die LektĂŒre „Die Kunst des Krieges“ von Sun Tzu zu empfehlen – insbesondere die Kapitel „Strategische Überlegungen“ und „Über den Einsatz von Spionen“.

(…)

Artikel zum Thema:

08.12.2010 ICH BIN WIKILEAKS
Dieser Informationskrieg ist ein UnabhĂ€ngigkeitskrieg des Cyberspaces, des Neuen Landes, welches allen und damit niemandem gehört. Es ist ein UnabhĂ€ngigkeitskrieg, in dem kein Mensch verletzt wird, kein Blut fließt, nicht erobert, gemordet und geschossen wird, wie durch die Jahrhunderte von Machthabern zum eigenen Machterhalt und zur Aufrechterhaltung der Gesellschaftsstruktur begonnenen Kriege. Es ist ein Aufstand, eine Revolte, eine Revolution des freien und natĂŒrlichen Geistes, eines guten Geistes, der endlich, endlich aus der Flasche gefahren ist. Dabei muss allen klar sein, dass eine uralte Taktik der Machteliten und ihres gigantisch aufgeblasenen Kontroll-Apparates aus verschmelzender Polizei, Spionage und MilitĂ€r darin besteht, sich den Gegner selbst zu Nutze zu machen.

Quelle:
(1) http://www.bild.de/BILD/politik/2010/12/09/wikileaks-cyber-krieg-im-internet-hacker-angriff-auf-visa/spenden-flut-nach-assange-verhaftung.html
(2) http://www.die-guten-partei.de/index.php/artikel/items/foederalismusreform-ii-ermaechtigt-regierung-zur-digitalen-diktatur-im-rahmen-der-globalen-agenda-fuer-cyber-sicherheit.html