Ein ganz normaler Betrug

Laut einer Anklage der New Yorker Staatsanwaltschaft, sowie des New Yorker FBI (1) haben sechs Angestellte der „Konferenz fĂŒr jĂŒdische SchadensersatzansprĂŒche gegen Deutschland“ („Conference on Jewish Material Claims Against Germany“), zusammen mit 11 weiteren Angeklagten ĂŒber zehn Jahre lang BetrĂŒger rekrutiert, die sich durch gefĂ€lschte LebenslĂ€ufe und erfundene Geschichten in ĂŒber 5.600 nicht regulĂ€r genehmigten AntrĂ€gen insgesamt 42 Millionen Dollar aus zwei Fonds ausbezahlen ließen, die vom deutschen Staat fĂŒr Überlebende des Holocaust bezahlt werden. Anschließend, so das FBI, „behielten diese Insider einen Teil des Geldes fĂŒr sich und ihre Mitverschwörer“.

Laut Anklage stellt sich der Vorgang wie folgt dar: Die sechs Angestellten waren im New York BĂŒro der „Konferenz fĂŒr jĂŒdische SchadensersatzansprĂŒche gegen Deutschland“ – in der Presse (2, 3) meist abgekĂŒrzt als „Jewish Claims Conference“ (JCC) oder „Claims Conference“ benannt – fĂŒr die ÜberprĂŒfung von AntrĂ€gen von Personen zustĂ€ndig, die als Opfer des Holocausts Anspruch auf Gelder aus dem „Fonds fĂŒr HĂ€rtefelle“ („Hardship Fund“) und dem „Artikel 2 Fonds“ hatten. Zusammen mit 11 weiteren Angeklagten, die dafĂŒr zustĂ€ndig waren geeignete Antragsteller zu finden, organisierten sie diesen gefĂ€lschte Geburtsdaten, Passdokumente, LebenslĂ€ufe, erfanden Geschichten und sorgten dann als Bearbeiter der gefĂ€lschten AntrĂ€ge dafĂŒr, dass sie bewilligt wurden. Anschließend wurde den vermeintlichen Holocaust-Opfern das Geld ĂŒberwiesen. Diese behielten entsprechend der vorher getroffenen Abmachungen einen Teil fĂŒr sich und ĂŒberwiesen einen Teil zurĂŒck an die Angestellten der „Konferenz fĂŒr jĂŒdische SchadensersatzansprĂŒche gegen Deutschland“. Viele der genehmigten Auszahlungen ging an Personen, die nach Ende des 2.Weltkrieges geboren waren und „mindestens eine Person war nicht einmal jĂŒdisch“.

Laut dem FBI wurde der „Fonds fĂŒr HĂ€rtefĂ€lle“ in rund 4.957 FĂ€llen, der „Artikel 2 Fonds“ in 658 FĂ€llen mißbraucht. Wie die assistierende FBI Direktorin Janice Fedarcy gestern Abend auf einer Pressekonferenz bekannt gab, waren am Morgen des 9.November elf VerdĂ€chtige verhaftet worden. FĂŒnf weitere bereits erhobene Anklagen wurden öffentlich gemacht, von denen in vier FĂ€llen sich die Angeklagten berreits schuldig bekannt haben.

Alle 17 Angeklagten sind wohnhaft im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Das FBI gab die Namen der bereits zuvor Angeklagten wie folgt an: Faina Davidson, Raisa Belgorodskaya, Polina Toikach, Rozaliya Brodetskaya, Esfira Bas.

Die Namen der 11 gestern Verhafteten, sowie einer weiteren Angeklagten (mutmaßlich der Kronzeuge): Semen Domnitser, Valentina Romashova, Polina Staroseletsky, Polina Berenson, Polina Breyter, Liliya Ukrainsky, Galina Trutina-Demchuk, Marina Zaytseva, Dora Grande, Polina Anoshina, Abram Grinman, Tatyana Grinman.

Die Anklage leitet US-Staatsanwalt Preet Bharara, SĂŒd-New York.

In einer Stellungnahme der „“Konferenz fĂŒr jĂŒdische SchadensersatzansprĂŒche gegen Deutschland“ zeigte sich diese „empört“ ĂŒber die mutmasslichen Taten ihrer Angestellten, aber betonte, dass kein Überlebender des Holocausts geschĂ€digt worden sei. Man habe selbst das FBI informiert, eine eigene „unabhĂ€ngige interne Untersuchung“ habe zu den Strafverfahren beigetragen. (4)

Kommentar

Es handelt sich hier um einen ganz normalen Betrug. Der deutsche Staat ist offenbar um umgerechnet 30,1 Millionen Euro betrogen worden. Angesichts der ungezĂ€hlten Banken-Skandale ist diese Summe vergleichsweise marginal. Nur ein Beispiel von vielen, aber das grĂ¶ĂŸte: jetzt, in dieser Sekunde, ist es kommerziellen GeschĂ€ftsbanken mit Sitz in der Euro-Zone erlaubt zur „EuropĂ€ischen Zentralbank“ (EZB) zu rennen, sich dort fĂŒr Null Zinsen Geld erfinden zu lassen, um dann mit diesem „geschöpften“ Geld Staatsanleihen der Bundesrepublik Deutschland zu kaufen und dafĂŒr 3-4 Prozent Zinsen zu kassieren. So lĂ€uft es derzeit fast ĂŒberall auf dieser Erde: es herrscht der organisierte, staatlich gedeckte Betrug durch ein Geldsystem, was die Menschen tĂ€glich ausplĂŒndert und ausbeutet, ohne dass diese es ĂŒberhaupt begreifen. (Der kranke Kapitalismus)

Das Wesen des Rechtes ist es, dass jeder davor gleich ist und dass es fĂŒr alle gilt; sonst ist es kein Recht, sondern ein Privileg. Heutzutage ist die Unschuldsvermutung, auch in den Vereinigten Staaten von Amerika, ein Privileg geworden. Es gibt Angeklagte, die keinen Anwalt bekommen und wieder Lagerhaft ohne Verfahren oder gar Gerichtsurteile. Wieder einmal werden Menschen ihre Religion, ihre Herkunft, ihre Eltern, Großeltern und Dinge zum Vorwurf gemacht, die sie selbst nie begangen haben. Ebenso werden Menschen wegen ihrer Religion, ihrer Herkunft, ihren Eltern, Großeltern und Dingen begĂŒnstigt, die sie nie erlitten oder nie geleistet haben.

Alle diejenigen, die angesichts dieses Skandals ein Exempel statuieren wollen, mĂŒssen sich fragen, ob nicht auch sie selbst fĂŒr neue (oder alte) Privilegien sind, anstelle von verfassungsmĂ€ĂŸigen Rechten einer ganz normalen Republik.

Quellen:
(1) http://newyork.fbi.gov/dojpressrel/pressrel10/nyfo110910.htm
(2) http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2010-11/holocaust-entschaedigung-usa
(3) http://www.nytimes.com/2010/11/10/nyregion/10holocaust.html
(4) http://forms.claimscon.org/Arrests_Press_Statement.pdf