Afghanistan verbietet Berichterstattung über Taliban-Angriffe

Dokumentationen der Presse von Attentaten sind vom Geheimdienst NDS unerwünscht

Die afghanische Regierung in Kabul hat am 1.März ab sofort ein Verbot für die Presse verhängt, über Sebstmordanschläge im Land zu berichten. Dies gelte für alle Journalisten, sowohl für die inn- sowie die ausländischen Reporter.

Derartige erfolgreich durchgeführten Anschläge würden Islamisten ermutigen, diesen Beispielen zu folgen. Mit der Verwendung des Wortes "Islamisten" wird unbewusst oder bewusst zugegeben, dass hinter diesen Attentaten nicht immer nur die "Taliban" stehen.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters heute mitteilte, benötigen die Journalisten eine Drehgenehmigung des afghanischen Geheimdienstes National Directorate of Security (NDS), wenn sie über die Folgen von Anschlägen berichten wollen. (1)

Presseteams, die während gerade stattfindenden Attentaten zufälligerweise vor Ort sind und das Geschehen live filmen, werden festgehalten und ihre Filmausrüstung wird beschlagnahmt, hiess es.

Das Verbot, uneingeschränkt zu berichten, bezieht sich demnach auch auf Fernsehübertragungen aus einer gewissen Entfernung vom Geschehen, hiess es. (2)

"Die Live-Berichterstattung bietet keine Vorteile für die Regierung, jedoch werden die Feinde Afghanistans ermutigt."

hätte NDS-Sprecher Saeed Ansari diese Massnahme begründet.

Die Geheimdienstbehörde bestellte eine Gruppe von Journalisten ein, damit dieses neue Verbot in ihren Blättern verkündet wird.

Bürgerrechtsgruppen und die Vertreter der Presse kritisierten dieses Vorgehen, denn es würde der Öffentlichkeit wichtige Informationen über die Sicherheitslage während der Angriffe vorenthalten.

"Eine solche Entscheidung hindert die Öffentlichkeit daran, genaue Informationen über jedes Ereignis zu erhalten."

sagte Abdul Hameed Mubarez, Leiter der Afghan National Media Union, die afghanische Journalisten, die sich beschweren, vor Schikanen durch die Behörden zu schützen versucht.

Laila Noori, zuständig für Medienangelegenheiten bei Afghanistan Rights Monitor sagte

"Die Leute wollen alle Fakten, wenn sicherheitsrelevante Ereignisse stattfinden, wissen."

Ein ganz wichtiges Argument des Verbotes des Dokumentierens wurde nicht öffentlich erwähnt, dass aber durchaus einiges Gewicht haben dürfte.

Die Filmaufnahmen könnten unter Umständen die offiziellen Mitteilungen der Regierung, dass es sich um einen Talibanangriff gehandelt habe, Lügen strafen und über die jeweils wirklichen Hintermänner und die Art der Durchführung eines Attentats ungebetene Beweismittel in die Öffentlichkeit dringen lassen, so unter anderem, warum gerade wieder einmal keine Sicherheitskräfte an sensiblen Objekten auf Posten standen.

Man sollte doch annehmen, dass es auf den aufgenommenen Filmen und Fotos Hinweise über mögliche Mithelfer zu entdecken gäbe - diese Möglichkeit lässt sich der NDS mit seinem Verbot entgehen. Er wird seine Gründe und diese sicherlich auch gut abgewogen haben...

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Quellen:
(1) http://www.reuters.com/article/idUSSGE6200CS20100301
(2) http://de.reuters.com/article/worldNews/idDEBEE6200EW20100301

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