Pakistanische Armee verweigert neue Fronteröffnung

US-Regierung fordert Erweiterung des Krieges "War on Terror" in Nord-Wasiristan

Die pakistanische Armee lehnt den Druck der USA ab, eine neue Offensive gegen die afghanischen Kämpfer in den pakistanischen Stammesgebieten zu eröffnen.

Armeesprecher Syed Azmat Ali wies am Donnerstag in Rawalpindi die Vorwürfe der Regierung in Washington zurück, dass sein Land diese Männer schützen würde.

"Wir können nicht in Nord-Wasiristan anfangen zu kämpfen, solange wir in jeder Organisation in den Stammesgebieten dort den Kampf gegen die Taliban aufnehmen müssen."

Seit Oktober befinden sich etwa dreissigtausend pakistanische Soldaten in harten Kämpfen mit den Aufständigen in ihrer Hochburg Süd-Waziristan.

Zweitausend Soldaten wurden in den Kämpfen seit dem Jahr 2001 getötet, die auf Veranlassung der USA in ihrem "War on Terror" durchgeführt werden.

"Wir sind uns dieses Misstrauens müde und dieser Frage nach unserem Engagement und unserer Aufrichtigkeit."

sagte Syed Azmat Ali. (1)

Das US-Militär fängt schon mal ohne die pakistanische Armee mit ihrem Krieg an, heute schlugen innerhalb von zwei Tagen zum dritten Mal US-Drohnengeschosse in den Stammesgebieten ein, dieses Mal in der Dattakhel-Region in Nord-Wasiristan in einem Dorf bei der Stadt Miranshah, teilte ein Sicherheitsbeamter in Peshawar mit. (2) Drei Raketen wurden abgeschossen.

Seit dem 5. August wurden 13 der 17 gemeldeten Luftangriffe in Nord-Waziristan durchgeführt, während die anderen vier in Süd-Waziristan einschlugen. In diesem Jahr kam es insgesamt bis zum jetzigen Zeitpunkt zu 49 US-Drohnenangriffen auf pakistanisches Gebiet, im vergangenen Jahr, 2008, wurden 36 gemeldet.

Der Militärsprecher beschuldigte die USA und die NATO-Streitkräfte, nicht genug in Afghanistan zu tun, um Kämpfer und Waffen zu stoppen, die über die poröse Grenze von dort nach Pakistan kommen.

Die USA wirft Pakistan ebenfalls vor, afghanische Taliban ungeschoren über das Grenzgebiet ins Land kommen zu lassen. Die gegenseitigen Schuldzuweisungen sind reine Rhetorik, denn in den unübersichtlichen Bergen und den Stammesgebieten, die nie unter der Kontrolle der Regierung gewesen waren, haben weder der eine noch der andere grösseren Einfluss oder Unterstützung in der Bevölkerung.

Es gibt zudem genügend internationale Gruppen, die ein politisches und wirtschaftliches Interesse an der Weiterführung einer instabilen Lage haben.

Leitende Zivilbeamte und Militärs in Islamabad sagen, dass sie bis an die Grenze ihrer Kräfte in diesem blutigen Krieg gegangen sind und eine weitere Expansion dieser Operationen gegen afghanische Aufständige nicht durchführen können.

Die pakistanische Armee hat zudem viele Truppen an der heiklen Ostgrenze zu Indien stationiert.

In Pakistan stehen mit der Aufhebung der Amnestie gegen Präsident Asif Ali Zardari und andere hochrangige Persönlichkeiten durch den Obersten Gerichtshof und die kommenden Anklagen wegen Korruptionsvorwürfen innenpolitische Auseinandersetzungen an.

Die US-Regierung wird alle diplomatischen und geheimdienstlichen Hände voll zu tun bekommen, in den internen Auseinandersetzungen ihnen nahestehende Politiker in die Ämter zu bringen.

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Quellen:
(1) http://www.presstv.ir/detail.aspx?id=114034§ionid=351020401
(2) http://online.wsj.com/article/BT-CO-20091218-703683.html

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