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    General Petraeus baut sich eigenen Geheimdienst in Afghanistan/Pakistan auf

    Von petrapez | 20.September 2009

    Der Chef vom United States Central Command (CENTCOM) gründet The Center for Afghanistan Pakistan Excellence

    General David H. Petraeus (1), Chef vom United States Central Command (CENTCOM) (2) wird sich einen eigenen Sicherheitsdienst aufbauen. Unter dem klangvollen Namen Schulungszentrum für Offiziere, verdeckte Agenten und Analysten wird diese Tatsache bagatellisiert. Das Schulungszentrum konzentriert sich auf Afghanistan und Pakistan und ist vorläufig für einen Zeitraum von zehn Jahren eingeplant.

    Ein engster Vertrauter des Generals wird die Leitung übernehmen: Derek Harvey, ein ehemaliger Oberst der Defense Intelligence Agency und Analyst von Petraeus während der Kampagne zur Aufstandsbekämpfung im Irak in den Jahren 2007-2008. Petraeus war ab Februar 2007 Kommandeur der Multi-National Force Iraq und war zuvor bei der Erstellung der neuen Richtlinien der US Army für die „Aufstandsbekämpfung“ (counterinsurgency), dem Feldhandbuch 3-24 (3) zuständig.

    Schon in den Jahren 2003 und 2004 wies Derek Harvey in seinen Vorhersagen darauf hin, dass die irakische Aufstandsbewegung ausser Kontrolle geraten würde, die zu diesem Zeitpunkt von der Bush-Regierung noch weit unterschätzt wurde.

    Im März 2007 widersprach er dem sich abzeichnenden Konsens zwischen CIA und dem US-Kongress, die an einen einheitlichen sunnitischen Aufstand glaubten, indem er sagte, dass Al-Quaida strategisch geschlagen wäre, obwohl in dieser Zeit ein starker Anstieg des sunnitischen Widerstandes zu verzeichnen war.

    Herr Harvey teilte zu den Aufgaben des neuen Zentrums mit, dass es einige der Lehren, die er und das Militär im Irak gelernt haben, einbeziehen wird.

    Es wird nicht nur für die Aufstandsbekämpfung eingerichtet, sondern auch Sicherheitsanalysen durchführen.

    In diesem Sinne ist Herr Harvey ein Anhänger der beiden Reformen bei der Entwicklung zuverlässiger Geheimdienstinformationen.
    Die erste Änderung betrifft die Methoden der Interpretation der Rohdaten. Er sagte, die Nachrichtendienste neigen dazu, sich zu sehr auf Informationen aus menschlichen Quellen, wie Spione und aufgefangenen Signalen von Lauschangriffen zu verlassen, ohne Berichte von Leuten vor Ort wie Offiziere des Militärs und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen mit einzubeziehen.
    Das neue Zentrum würde alle Informationsquellen zusammenfassen, um strategisch wichtige Entscheidungshilfen für Kriegskämpfer und Entscheidungsträger in Afghanistan und Pakistan liefern zu können.

    “Wir neigten bisher dazu, uns zu sehr auf nachrichtendienstliche Quellen zu verlassen und haben nicht beachtet, was für Informationen von Provincial Reconstruction Teams kam – den mit zivilen Angelegenheiten beauftragten Offizieren, den Kommandeuren und Akteuren vor Ort, die in Interaktion mit der Bevölkerung stehen und der Bevölkerung selbst – diese aktuellen Nachrichten sind verlässlicher in Bezug darauf, was auf den Strassen wirklich los ist.”

    “Wenn Sie sich nur auf die Geheimdienst-Berichterstattung verlassen, können Sie ein schiefes Bild von der Situation erhalten.”

    Herr Harvey nennt diesen Ansatz “widening the aperture.” (4)

    Inwieweit die US-Administration, das Pentagon, der oberste Dienstherr aller Geheimdiente Dennis Blair (5) oder der Chef der CIA, Leon Panetta (6) in dieses Projekt involviert sind und über diese zukünftigen Informationen Zugang erhalten werden und davon profitieren können, kommt auf die strategischen Pläne des General Petraeus an, denn das machtpolitische Gerangel hinter den Kulissen zwischen den Geheimdiensten, den kriegswilligen Parteien und den Anhängern der Entspannung dürfte ziemlich gross sein.

    Der Chef vom United States Central Command befindet sich dann mit seinem umfangreichen neuen Geheimdienstzentrum mit ihm treu ergebenen Mitarbeitern in der vorteilhaften Lage, Situationen eher einschätzen zu können und entsprechende Aktionen durchzuführen, die nicht unbedingt im Interesse der US-Regierung liegen könnten für den Fall, der General verfolgt andere Ambitionen – denn das US-Militär lebt nun einmal vom Krieg.

    Im umgekehrten positiveren Fall könnte es auch möglich sein, dass der US-Präsident besser informiert wird als es bisher durch die Geheimdienst der Fall war, die nur das weiter geben, was ihnen nützlich ist.

    Quellen:
    (1) http://de.wikipedia.org/wiki/David_H._Petraeus
    (2) http://de.wikipedia.org/wiki/USCENTCOM
    (3) http://de.wikipedia.org/wiki/United_States_Army_Field_Manual
    (4) http://www.washingtontimes.com/news/2009/aug/24/petraeus-to-open-intel-training-center/
    (5) http://de.wikipedia.org/wiki/Dennis_C._Blair
    (6) http://de.wikipedia.org/wiki/Leon_Panetta

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    Topics: Hintergrund und Analyse | 3 Kommentare »

    3 Kommentare to “General Petraeus baut sich eigenen Geheimdienst in Afghanistan/Pakistan auf”

    1. freethinker meint:
      20.September 2009 at 8:48 am

      Man kann für die Afghanen und Pakistaner nur hoffen, dass sie überlegt und einheitlich handeln, so das die gewünschte Destabilisierung der Besatzer mißlingt. Dies ist eine schwierige Aufgabe.
      http://www.youtube.com/watch?v=e-KJCMWcoms
      http://www.youtube.com/watch?v=1wXqdhJrSXo

    2. Härpfer meint:
      20.September 2009 at 8:56 am

      Er sagte, die Nachrichtendienste neigen dazu, sich zu sehr auf Informationen aus menschlichen Quellen, wie Spione und aufgefangenen Signalen von Lauschangriffen zu verlassen, ohne Berichte von Leuten vor Ort wie Offiziere des Militärs und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen mit einzubeziehen.

      Mit Verlaub: das ist ein Logikbruch. „Menschliche Quellen, wie Spione und aufgefangene Signale von Lauschangriffen, (…) ohne Berichte vor Ort wie Offiziere des Militärs und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen.“
      Seit wann sind Offiziere keine menschlichen Quellen? Oder ist dies ein „clash of cultures“, der Begrifflichkeiten? Weil Dienste „menschliche Quellen“ anders, enger definiert haben? Oder handelt es sich um den verkappten Hinweis, man könne sich auf Lauschangriffe nicht verlassen, weil der Gegner falsche Informationen gestreut hat, wohl wissend, dass die Kommunikation abgehört wird. Wer dann die abgehörte Kommunikation für bare Münze nimmt, fiele auf die Desinfo ´rein. Oder handelt es sich bei dem statement seinerseits um Desinformation, die Fähigkeiten geringer darzustellen, als sie tatsächlich sind? Soll das Zitat davon ablenken, in welchem Ausmaß scheinbar zivile, humanitäre Organisationen in Wahrheit längst ganz anderen Zwecken dienen bzw. für dienstliche und/oder militärische Belange missbraucht werden. Oder will der General darauf hinweisen, dass demnächst ein Glaubwürdigkeitsproblem auf Hilfsorganisationen zukommt, wenn sie sich entweder bewusst mit Diensten einlassen oder zu naiv vom Abschöpfen ihres Wissens nichts ahnen. In vielen Ländern stehen politische Stiftungen und manche NGO´s (non governmental organizations) pauschal unter Spionageverdacht. Wenn einzelne Beamte tatsächlich die Beschäftigung als cover benutzen, gilt schnell die gesamte Einrichtung als Residentur. Dies haben Nichtregierungsorganisationen gemeinsam mit Agrarwissenschaftlern. Manchmal werden allerdings Verbände nur zu diesem Zweck in´s Leben gerufen; ein wohlklingender Name ist rasch gefunden. Als es um die Befreiung der Geiseln im Libanon ging, gründete der Privatagent Werner Mauss eine solche Organisation zur Tarnung. Diese Methode ist längst gängige Praxis. Eine Studie des Stockholmer Friedensforschungsinsituts SIPRI stellte fest, dass Flugzeuge im Auftrag der Vereinten Nationen und anderer Hilfsorganisationen mit denselben Flieger sowohl Waffen als auch sauberes Wasser, Reis, Medikamente und Decken transportieren. (vgl. auch mein Artikel http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30516/1.html)

    3. Helga Müller meint:
      21.September 2009 at 6:28 pm

      Vergangen Woche sendete das Thüringen Journal einen Beitrag und berichtetet, daß an der UNI-Erfurt 15 Studenten aus Afghanistan ausgebildet werden. Einer davon ist bei einem Gefecht ( er ist in den Semesterferien nach Hause gefahren) (nach der Bombardierung der Tanklaster) getötet worden. Der Professor März aus Erfurt wird demnächst die Familie des getöteten Studenten
      in Afghanistan besuchen.
      Bildet Thüringen auch Menschen aus, die im Auftrag des Westens besondere Aufgaben in ihrem Heimatland erhalten?