Der finanzielle Reichstagsbrand: Chronologie eines kalten Staatsstreichs durch eine inszenierte Krise (II)
Hier nun die Fortsetzung der Chronologie „Der finanzielle Reichstagsbrand“.
Donnerstag, 2.Oktober:
Die unabhängige Zeitung „duckhome“ schreibt zu der (scheinbar ausgestandenen) Affäre um die staatliche 26.5 Mrd Euro-Subvention der Hypo Real Estate:
„Es war die Kombination Josef Ackermann als Chef der Deutschen Bank, Jochen Sanio als Chef der Bafin und Peer SteinbrĂĽck als williger Handlanger der Neoliberalen, die den deutschen Steuerzahler mal eben 10,4 Milliarden Euro bei der IKB kostete und wahrscheinlich noch weiteres Geld kosten wird. Diese Rettungsaktion wurde durch ein Telefonat zwischen Josef Ackermann und Jochen Sanio ausgelöst. Dies war der erste bewiesene Fall von Illoyalität des Jochen Sanio gegenĂĽber dem deutschen Steuerzahler.
Das Sanio eigentlich schon seit längerem der Dienstbote Ackermanns ist, lässt auch aus der Affäre Caio Koch-Weser ablesen, den sich Ackermann ja nicht nur als Dank fĂĽr bereits erwiesene Gefälligkeiten gekauft hat, die er als Eichels Staatssekretär im Finanzamt leistete, sondern auch, damit er die Bafin nach den Interessen Ackermanns manipuliert.“
2 Tage vor dem von Sarkzozy zur „NeugrĂĽndung des internationalen Finanzsystems“ einberufenen Gipfels in Paris fordern folgende Personen öffentlich die Abgabe von 3 Prozent des Bruttoinlandproduktes jedes einzelnen EU-Staates als Tilgung der Schulden der „Finanzwirtschaft“:
– Josef Ackermann, Deutsche Bank
– Dominique Strauss-Kahn, geschäftsfĂĽhrender Direktor des “Internationalen Währungsfonds” (IWF)
– Sarkozy, Präsident von Frankreich
– Christine Lagarde, französische Finanzministerin und Vorsitzende des EU-Finanzministerrats.
Faktisch ist das die Forderung nach einem Bankentribut, einer Reichenabgabe der Staatshaushalte – insgesamt 300 Mrd Euro. Allein fĂĽr die stärkste Wirtschaftsrepublik Deutschland wären das 74 Mrd Euro – fĂĽr die globaliserten Banken.
Gleichzeitig deckt in Frankreich eine der wenigen noch unabhängigen Zeitungen „“Le Canard Enchaine” auf, dass der korrupte Dachverband der 21 Regionalsparkassen in Frankreich dringend 6.5 Milliarden Euros braucht, weil dessen Funktionäre (unter der Verantwortung der französischen Finanzministerin Lagarde, die jetzt nach einem europäischen Staatsfond fĂĽr ihre Banken ruft) in „wahnwitzigen Wetten, die unter verdächtigen Umständen“ gemacht wurden (französische Börsenaufsicht) Abermilliarden der französischen BĂĽrger zum Fenster rausschmissen.
In Grossbritannien macht es der allseits beliebte Premierminister Gordon Brown, Held der Arbeiterpartei Labour, ganz konsequent: er beauftragt gleich Rothschild und die UBS-Bank um staatliche Garantien fĂĽr „Bankeinlagen“ („deposits“) und Bausparkassen („building societies“) in Höhe von 1.9 Billionen Pfund in die Wege zu leiten.
Zu diesem Zeitpunkt ist von einer Garantie fĂĽr deutsche Spareinlagen durch die Bundesregierung ĂĽbrigens noch nicht die Rede.
Woher das Geld der Bürger für das Geld der Bürger nun eigentlich kommen soll, das verrät Premier Brown natürlich nicht.
In Frankfurt trifft sich der EZB-Rat und lässt alles wie es war. D.h. die Leitzinsen fĂĽr die real existierende Wirtschaft bei 4.25 Prozent und fĂĽr die Banken weiter unbegrenzte Kredite – in Dollar, und zwar ĂĽber ihren regulären Devisenswap-Tender von 30 Mrd US-Dollar und die zusätzliche „spezielle Refinanzierungsoperation“ ohne „festgelegtes Volumen“, wie 2 Tage zuvor am Montag dem 29.September beschlossen.
Warum man dann die eigene Währung nicht billiger machte oder die europäische Realwirtschaft nicht mit einer Zinssenkung lockte: es gab da eine plausible Antwort.
“Wir haben eine Zinssenkung erwogen”
Wenn man dazu noch das Gesicht von Jean-Claude Trichet mit seinem Schal drumherum sieht, dann weiss man, dass dieser sich in einem frĂĽheren Leben fragte, warum das Volk ohne Brot nicht einfach Kuchen frass.
Am gleichen Abend trifft sich in Paris (zwei Tage vor dem fĂĽr Samstag anberaumten Gipfels von Merkel, Berlusconi, Brown und Sarokzy) EU-Kommissionspräsident JosĂ© Manuel Barroso mit „Chefs groĂźer europäischer Banken“.
Es sei ein „informelles“ Treffen, das dem „Meinungsaustausch“ diene, lässt er einen Sprecher der Presse sagen. Dieser will aber nicht sagen, wer und wieviele Banker an dem Treffen teilnehmen.
Nur soviel: Sie passen alle an einen runden Tisch.
Freitag, 3.Oktober:
Das Repräsentantenhaus steht unter ungeheurem Druck des Weissen Hauses und der Konzernmedien. Eine neue Abstimmung über den Paulson-Plan ist angesetzt.
Der demokratische Abgeordnete Brad Sherman erklimmt das Rednerpult. Er warnt in eindringlichen Worten vor einer „Panikmache“ und einer „Atmosphäre der Angst“, welche in keinster Weise gerechtfertigt sei.
„Vielen von uns wurde in privaten Gesprächen gesagt, dass, wenn wir am Montag gegen dieses Gesetz stimmen wĂĽrden, der Himmel ein- und die Börse um zwei- oder dreitausend Punkte abstĂĽrzen wĂĽrde, und am zweiten Tag noch ein paar tausend Punkte mehr.
Und einigen von uns wurde sogar gesagt, dass in Amerika das Kriegsrecht ausgerufen wĂĽrde, wenn wir mit Nein stimmen.
DAS ist es, was ich eine ungerechtfertigte, nachweislich falsche Panikmache nenne“
Trotzdem beugt sich nun auch die zweite Kongresskammer US-Finanzminister Paulson (der in der US-Regierung längst die Fäden zieht) und stimmt seinem finanziellen Ermächtigungsgesetz letztlich zu.Trotzdem stimmen immer noch 171 gegen den „Rettungsplan“ des Bankensystems.
Sofort nach der Annahme des Paulson-Plans auch durch das Repräsentantenhaus, verkündet die US-Börsenaufsicht SEC die hochspekulativen Leerverkäufe an der Wall Street wieder zuzulassen.
Derweil in Deutschland: der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck kritisiert Josef Ackermann, den Vorstandsvorsitzenden der „Deutschen Bank“, scharf. Er wirft ihm wegen seiner Forderung nach einem staatlichen Bankentribut „Opportunismus“ vor, da zuvor bereits mehrere Banken gefordert hatten durch die Bundesregierung mittels eines eigenen „Fonds“ ihre Gewinne garantiert und ihre Verluste sozialisiert zu bekommen.
In der Republik stellt sich heraus, dass im Zuge des sogenannten „Cross-Border-Leasings“ von Infrastrukturen ganzer deutscher Städte an US-Geldverleiher Abermillionen, wenn nicht Milliarden an ungeplanten Kosten allein durch die „Finanzkrise“ auf die deutschen Städte zukommen.
Gleichzeitig aber stehen wegen des lange weggedrückten Erneuerungsbedarfs eben der Infrastruktur in den deutschen Städten 700 Milliarden Euro an Investitionen an.
Die mĂĽssen aber nicht etwa die „Investoren“ aus den USA zahlen, welche fĂĽr ein Handgeld nun die Kontrolle ĂĽber Schulen, Wasserversorgung, Energieversorgung, Verkehrssysteme wie Strassenbahnen und U-Bahnen und deren Schienennetze, öffentliche Gebäude, ja sogar unsere Abwassersysteme fĂĽr eine Laufzeit von bis zu 100 Jahren haben…
Nein, die Kosten fĂĽr Instandsetzungs- und Erneuerungsarbeiten an all diesen Werten zahlt der EigentĂĽmer.
Das sind rein rechtlich immer noch wir, auch wenn unsere Allerwertesten der Politik alles fĂĽr 100 Jahre verrammscht haben.
Samstag, 4.Oktober:
Tag des Gipfels in Paris. Präsident Sarkozy von Frankreich, das in der grössten Rezession seit dem 2.Weltkrieg steckt aber trotzdem den Banken bereits 22 Milliarden Euro in den Rachen geworfen hat, hat ein Problem: Merkel weigert sich bei einem europäischen Paulson-Plan mitzumachen. Sie muss sich weigern. Sie steht unter gewaltigem Druck der öffentlichen Meinung von 82 Millionen Menschen in der Berliner Republik, wie auch ihre Koalitionäre aus SPD und CSU.
Der deutsche Wirtschaftsminister Glos (CSU), dessen Partei am Wochenende zuvor in Bayern gewaltig abgeledert worden war, erklärt, die sehr liquiden aber ausgabe-renitenten Banken hätten das Problem gefälligst selbst zu klären, indem sie sich selbst mit ihren ungeheuren Geldmengen Kredite geben sollten.
„In dieser Situation den Staat aufzufordern, mit groĂźangelegten Entschuldungsplänen verspieltes Vertrauen schon mal vorbeugend durch Steuergelder zu ersetzen, halte ich fĂĽr nicht vertretbar“
Interessanterweise lehnen zu diesem Zeitpunkt auch auch EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und der Chef der Euro-Finanzminister, Jean-Claude Juncker, einen Bankenfonds der Staaten ab.
In der Schweiz warnt der Wirtschaftsexperte Yvan Lengwiler von der Universität Basel, dass der Paulson-Plan der „heilenden Umstrukturierung der Branche“ eher im Weg stehen könnte als zu nĂĽtzen.“Es ist zu befĂĽrchten, dass der Rettungsplan die Konsolidierung der Branche eher verzögert als fördert“, schreibt Lengwiler. Der Staat nehme den Banken das Risiko ab, das sie leichtsinnigerweise eingegangen seien, kritisiert Lengwiler: „Der Anreiz, der dadurch geschaffen wird, ist fatal.“ In wenigen Jahren könnte die Wirtschaft wieder in einer ähnlichen Situation sein.
In Deutschland scheint derweil der Deal um die Hypo Real Estate mit dem Bankenkonsortium (dessen Zusammensetzung immer noch vor der Ă–ffentlichkeit verborgen gehalten wird) „unter Dach und Fach“.
Kein Wort über fehlende Milliarden, nicht erfolgte Prüfungen, ja nicht einmal ein Wort des Zweifels oder der Vorsicht ist zu hören.
Totenstille.
Dann: im selben Augenblick als Sarkozy, Berlusconi, Brown und Merkel auf die PressebĂĽhne treten und verkĂĽnden, dass es keinen europäischen Paulson-Plan, keinen Bankenfonds, kein „Rettungspaket“, keine Abgabe vom Bruttoinlandsprodukt der EU-Staaten fĂĽr die globalen Banken geben wird, schlägt die Nachricht in Paris wie eine Bombe ein:
das Bankenkonsortium lässt den Deal mit der Bundesregierung zur Finanzierung der Hypo Real Estate platzen.
Bekanntgeben tut es der Vorstand der HRE. Bekanntgeben. Mehr nicht. Denn die plötzlich angesetzte ĂśberprĂĽfung der Hypothekenbank, mit dem ĂĽberraschenden Ergebnis man habe es hier mit einer möglichen Risikosumme von 100 Mrd Euro „bis Ende 2009“ zu tun, geht von der „Deutschen Bank“ aus, die Teil des Bankenkonsortiums ist, mit der die Bundesregierung den Deal geschlossen hat.
Und damit nicht genug: nun wird behauptet, das Eintreffen der schlechten Nachricht rechtzeitig zum Nein der deutschen Regierung zur von den Banken ultimativ geforderten Ultrasubvention sei reiner Zufall. Denn die „Deutsche Bank“ hätte diese Zahlen bereits am Freitag Abend in einer Telefonkonferenz mit „Vertretern“ der BaFin, der Bundesbank und „Managern aller Bankengruppen und der Versicherungsbranche“ genannt.
Erstaunlich viele gute Zeugen fĂĽr eine solch wichtige Aussage. Und trotzdem bleibt diese dann einen Tag lang geheim.
Man sieht vor seinem geistigen Auge ein ganzes Schloss voll GrossmĂĽtter, wie sie leise und zahnlos vor sich hinhäkelnd murmelt, „na sach bloss Junge, is´ es wahr..“
Aus Deutschland heisst es in einer Meldung von 17.00 Uhr, Wolfgang Schäuble sei (8 unauffällige Tage nach dem Besuch von US-„Heimatschutz“-Minister Chertoff mitsamt 5 Nebenschauspielern von EU-Innenministern in Berlin) nun zu der Ansicht gelangt, man mĂĽsse die deutschen Streitkräfte im Innern einsetzen.
Ausserdem mĂĽsse man darĂĽber im Koalitionsausschuss am morgigen Sonntag auch im Kanzleramt beraten.
Dort wird nun die HĂĽtte richtig voll.
Sonntag, 5.Oktober:
Ganz in der Tradition der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts, Marke „Merkt doch eh kein Schwein dass wir die Nummer schon in den Staaten abgezogen haben“, vermelden jetzt renommierte Banken-, Börsen-, Medien- und Regierungsexperten den Untergang des Abendlandes, wenn nicht sofort und bis 2 Uhr morgens vor Ă–ffnung der Börsen noch mehr Geld in die Hypo Real Estate gepumpt bzw. „eine Lösung gefunden“ werde.
Es herrscht allgemeines Rätselraten darĂĽber, wie eine solche oops-LĂĽcke von 65 Milliarden Risikosumme bei der HRE so mir-nichts-dir-schon-gar-nichts auftauchen konnte. Es sei unvorstellbar, dass ein Institut seinen Refinanzierungsbedarf in einem solchen AusmaĂź nicht im Griff habe, sagt das Präsidiumsmitglied des Bayerischen Finanz Zentrums Wolfgang Gehrke. Das sei unbegreiflich, „totales Versagen“, fĂĽgt er hinzu.
Warum ausgerechnet immer das Wort „versagen“ hinter eine logische Beweiskette des gigantischen Betruges, der Erpressung und der Manipulation der Ă–ffentlichkeit „hinzugefĂĽgt“ wird, weiss der Himmel.
Die Bundesregierung spricht angesichts des zu erwartenden Börsenabsturzes zur allgemeinen Überraschung eine Staatsgarantie auf Guthaben der Bürger aus, welches auf Bankkonten ruhen. Allerdings nicht für Guthaben von Kapitalgesellschaften wie Finanzinstitutionen, Zertifikate oder Investmentfonds gelte, sondern nur für Giro- und Sparkonten.
Insgesamt beträgt die garantierte Summe 568 Mrd Euro. SteinbrĂĽck murmelt etwas von einem „Plan B“ zur Lösung der Finanzkrise ohne plausibel zu erläutern, was denn nun Plan A gewesen wäre.
Am Nachmittag beraten noch „Vertreter des Finanzministeriums, des Bundeskanzleramts, der Deutschen Bundesbank und der Bundesanstalt fĂĽr Finanzdienstleistungsaufsicht“. Später ist ausgerechnet von Ackermann (Deutsche Bank) und dem Präsidenten des Bundesverbandes Deutscher Banken die Rede.
Die Runde tagt im Finanzministerium.
Durchaus anzunehmen, dass ihnen vielleicht irgendwo der Koalitionsausschuss mit Wolfgang Schäuble, Frank Steinmeier und allen anderen der Bundesregierung im Kanzleramt begegnet ist, der im Laufe des Nachmittags den faschistischen Putsch gegen das Grundgesetz beschliesst.
Laut der bizzar wirkenden, fast unverhohlen Beifall heischenden Meldung der ĂĽber Schäubles Pläne auffallend gut informierten „taz“ sollen Panzer demnächst gegen Demonstrationen eingesetzt werden dĂĽrfen – auch präventiv. Es reicht, wenn Demonstranten „PolizeimaĂźnahmen zum Schutz der Gäste“ eines Staatsbesuches behindert wĂĽrden. Laut dieser Definition könnte man auch auf Sitzblockaden schiessen. Durch das Militär, wohlgemerkt, dabei kann das doch auch die Polizei.
Interessanterweise kannten weder Abgeordnete der GrĂĽnen noch der FDP den Gesetzestext dieses urplötzlich aus der Tasche gezogenen Schäuble-Plans „fĂĽr besonders schwere UnglĂĽcksfälle“ und Militäreinsatz im Innern.
Am Sonntag dringt nun um 22.56 Uhr aus dem Finanzministerium die Eilmeldung: „Rettung“ der Hypo Real Estate in letzter Sekunde. Die sieht dann so aus, dass die Banken noch 15 Milliarden an Garantien fĂĽr den Geschäftspartner in Not zusagen.
Montag, 6.Oktober:
Weltweit rauschen die Börsen in den Keller. Die US-Notenbank druckt mittlerweile Geld, was noch schneller auf die Talerberge der Banken gekippt als von der „Fed“ erfunden wird. Insgesamt erschaffen die US-Zentralbanker mit der Lizenz zum Gelddrucken einen Etat von 900 Milliarden Dollar bis Ende 2008, um davon dann den Banken wertlose Papiere abzukaufen.
Im Weltpresseorgan „Mannheimer Morgen“ ist zu lesen, dass Finanzminister SteinbrĂĽck irgendwie an allem Schuld sei, auch wenn man nicht genau wisse woran eigentlich.
Interessanterweise wird hier SteinbrĂĽck vorgeworfen, sich dem US-Paulson-Plan nicht unterworfen zu haben.
In Berlin sagt Peer SteinbrĂĽck:
„“Wir mĂĽssen jetzt versuchen, in Deutschland insgesamt einen Schirm zu spannen“.
Von der EU sagt er dabei nichts.
In Berlin ist gerade Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi zu Besuch. Dieser ist so inspiriert von SteinbrĂĽcks Worten, dass er daraus gleich einen „Garantie-Schirm aller 27 EU-Länder fĂĽr Spareinlagen“ macht.
Kanzlerin Merkel lehnt ab, einigermassen höflich, wohl wissend, dass, wenn man die (legalen) „Ersparnisse“ innerhalb der EU zusammenrechnen und dann garantieren wĂĽrde, Deutschland mit den besten „Sparern“ den schlechtesten Schnitt bei einer solchen Aktion machen wĂĽrde.
Ăśberall in Europa geraten die Regierungen nun unter Druck der Banken und ihrer „Krise“ des hartnäckig verweigerten Geldausgebens. Mit einer Ausnahme: die britischen Banken verkĂĽnden (zwar nicht besonders laut, aber immerhin) sie hätten genĂĽgend Geld und wĂĽrden dieses auch verleihen an andere britischen Banken.
DiesbezĂĽglich fragt man sich natĂĽrlich, ob die offensichtlich total abgeschotteten britischen Banker immer mit dem Treetboot auf den Kontinent mĂĽssen oder warum die Globalisierung des Finanzwesens so merkwĂĽrdig an ihnen vorbei ging.
Ganz anders dagegen auf der Insel Island. Dort unterwirft sich vor aller Augen ein ganzer Staat den Banken. Sämtliche Kapitalgesellschaften werden durch ein Notstandsgesetz verstaatlicht. Konkret heisst das, es werden sämtliche Schulden der Kapitalgesellschaften verstaatlicht.
Der Wert der islandischen Staatswährung stürzt daraufin um 30 Prozent ab.
Das Parlament gibt seine Rechte in Form von umfangreichen Exekutiv-Vollmachten an die Regierung ab.
Premierminister Geir Haarde gestern in einer „Rede an die Nation“. Es ist eine Unterwerfungserklärung.
„Liebe isländischen MitbĂĽrger,
die Regierung von Island, die Zentralbank und die Finanzaufsichtsbehörde haben über die letzten Tage und Wochen, in guter Kooperation mit den Banken, unaufhörlich gearbeitet um eine Lösung für die enormen Schwierigkeiten zu finden, welche die isländischen Banken bedrohen. Verschiedene Parteien waren in diese Arbeit involviert, zum Beispiel der Rentenfond und Repräsentanten des Arbeitsmarktes.
Die Regierung hat, fĂĽr ihren Anteil, gedrängt auf einen Verkauf von ausländischen Anlagen durch die isländischen Banken und eine reduzierte Präsenz im Ausland, so dass der isländische Staat, so klein im Vergleich zu den isländischen Banken, die Kapazität hatte diese zu unterstĂĽtzen.Wir sollten diesbezĂĽglich im Auge behalten, dass die riesigen Massnahmen, welche die US-Behörden zur Rettung ihres Bankensystems in die Wege leiteten, weniger als 5% ihres Bruttonationaleinkommens (GNP) umfassten. Das totale ökonomische Gewicht der isländischen Banken jedoch ist um ein Vielfaches höher als das des Staates Island.“
Abends in den Tagesthemen (Video) dann eine absurde Szene.
Wie in einem Puppentheater lässt Moderator Tom Buhrow nach einer langen Aufzählung der „dramatischen“ Ereignisse zuerst nach Washington zu Korrespondentin Sonia Mikich schalten, damit die nun die neuesten Anweisungen aus der Zentrale des Kapitalismus in der Wall Street mitteile.
Dabei stellt er die surreale, durchaus selbstbeantwortende Frage ob denn heute die Wall Street den Vorgaben aus Deutschland gefolgt sei.
Im leidenden Tonfall erklärt daraufhin Sonia Mikich:
„Ja, ich glaube, das kann man schon sagen“
Sie nennt zuerst zwei GrĂĽnde fĂĽr den am Tag erfolgten Kurssturz: das Notpaket der US-Regierung greife „noch nicht“ und es sei auch die Angst vor „einer ganz realen Wirtschaftsrezession“.
Da hellt sich die Miene der Tagesthemen-Korrespondentin plötzlich auf. „Aber das Dritte ist, dieses Schauen auf Europa“, sagt sie und lächelt.
Sie habe da nämlich mit dem Chef-Analysten von Standards & Poor´s geredet.
„Der sagte ungefähr so“, sagt Sonia Mikich, schluckt und schaut auf ihren Zettel, „die Börse ist eben besorgt, dass in Europa die einzelnen Nationalstaaten in unterschiedlicher Richtungen gehen, um eben Lösungen zu finden, das findet man hier nicht gut“. Die Notenpressen (die Zentralbanken) in Europa sollten nicht so auf „nationalstaatliche“ Interessen schauen, sondern sich mit Asien und den USA „besser absprechen“.
Dies sei doch ein ungewöhnlich kritisches Wort der sonst so vorsichtigen Bankiers gewesen, sagt Sonia Mikich.
Dienstag, 7.Oktober:
Ausgerechnet heute kommen die Finanzminister aller 27 EU-Staaten zu ihrem monatlichen Treffen in Luxemburg zusammen.
Gleichzeitig will Kanzlerin Merkel im Bundestag eine Regierungserklärung zur „Finanzkrise“ abgeben.
In Asien sanken heute an den Wettbörsen die Kurse.
Was ist vom heutigen Tage nun zu erwarten?
AUSBLICK
Die derzeitige Höhe der nun von der Bundesregierung offiziell staatlich garantierten Summe von Sparguthaben in Deutschland liegt bei 20.000 Euro.
Wenn man weiss, dass die Hälfte der Deutschen über keinerlei Geldvermögen verfügt, so ist das schon eine Absicherung von mehr als der Hälfte der Bevölkerung.
Geht man desweiteren, nach all den vorliegenden Fakten, davon aus, dass dies ein verzweifelter Versuch der US-Regierung und Finanzdiktator Henry Paulson ist, die deutsche Republik mit allen Mitteln an der wirtschaftlichen und damit politischen und damit vielleicht auch militärischen Unabhängigkeit zu hindern, so werden jetzt Paulson, die ihn steuernden globaliserten Banken und Handelskammern, sowie alle anderen abgetakelten Regierungen, Konzerne und Banken versuchen Deutschland irgendwie entweder wirtschaftlich weiter abhängig zu halten oder im Falle eines Falles mit in den selbstgebuddelten Abgrund zu reissen.
Der erste Schritt wird der Versuch sein, die Garantiesumme fĂĽr Bankeinlagen auf 50.000 Euro hochzuschrauben. ZDF-Korrespondent Udo van Kampen ballte heute im Morgenmagazin – schlecht im Schauspiel, wie immer – schon mal die Fäuste vor Eindringlichkeit.
(update 18.26 Uhr: die EU beschloss heute die Garantiesumme fĂĽr Bankeinlagen auf 50.000 Euro hochzuschrauben. Alles Zufall.)
Die Regel ist so einfach wie simpel: je niedriger, desto stabiler die Garantie. Sollte sie höher geschraubt werden, ist es so sicher wie das Ja und Amen im Parlament, dass sämtliche Banken, Superreichen und Konzerne ihre Juristereien anschmeissen und sich unter die Messlatte rechnen werden. Beizeiten kann man dann den deutschen Staat gezielt zum Island machen.
Das Fatalste an diesen hochspannenden Entwicklungen ist nicht die korrupte Presse. Es ist nicht das GelĂĽge und Geheuchel der Parteipolitiker.
Es ist noch nicht einmal die bräsige Unfähigkeit der sozialen, politischen und emanzipatorischen Bewegungen zu erkennen was vor sich geht ohne es mühsam erklärt, bewiesen und dann einhypnotisiert zu bekommen.
Das Schlimmste ist, dass Deutschland dank Wolfgang Schäuble, Frank Steinmeier und sämtlichen Bundestagsparteien dabei ist genau das zu werden, was die USA bereits geworden ist:
eine faschistische KonzernwĂĽste und staatskapitalistischer Bankenstaat.
(…)
update:
im Laufe des heutigen Morgens beschloss die US-Notenbank „Fed“ in einer „vom Finanzministerium unterstĂĽtzten und bis Ende April kommenden Jahres beschränkten (?!) MaĂźnahme“ einen in fast 100 Jahren ihrer Existenz einmaligen Schritt:
den Ankauf von „Commercial Papers“, wertlosen Papieren, Krediten ohne Sicherheit. Der „Ankauf“ dieser Papiere läuft darauf hinaus, jedem an der Wall Street unbegrenzt Dollars in die Hand zu drĂĽcken. Heute nannte „die Fed“, also Paulson, erst einmal die Zahl von 1.3 Billionen. Laut dieser Quelle beträgt der Umfang der sogenannten „Commercial Papers“ aber eine Summe 1,607 Billionen Dollar. Ein Unterschied von läppischen 300 Milliarden.
D.d., die US-Regierung lässt eine unbegrenzte Anzahl von Dollars drucken und ruiniert bewusst ihre eigene Währung sowie ihren eigenen Staat, die Vereinigten Staaten von Amerika.
(…)
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