Neues aus Hollywood: „Wir sprechen durch unsere Kunst“

Hannah Weber Profil

In ihrem zweiten Interview bei Radio Utopie schildert die seit 2009 in Los Angeles arbeitende Tänzerin Hannah Weber a.k.a. Little Miss Divine den langen Weg zu einem Künstlervisum in den U.S.A.

Radio Utopie: Hannah, Du hast uns in einem Interview im Dezember davon erzählt wie Du als Berliner Tänzerin nach Los Angeles kamst, dort gearbeitet und Dich anschließend um ein Künstlervisum bemüht hast. Was ist seitdem passiert?

Hannah Weber: Viel (lacht). Ich habe mich bemüht, meine Anwälte haben sich bemüht. Wir müssen Referenzbriefe von diversen Choreografen in Hollywood und andere Dokumente zusammen sammeln, z.B. Fotos von Auftritten, usw. Man muss ja immer eine Weile warten, wenn man überhaupt noch an die Fotos rankommt.

Radio Utopie: Wie ist da der Status, was brauchst Du noch?

Hannah Weber: Eine positive Antwort von meinen Anwälten (lacht). Ich brauche noch zwei Referenzbriefe, am besten von deutschen Lehrern, dann braucht man einen dreijährigen Vertrag mit einer Agentur in L.A., den haben wir aber schon. Ich stehe ganz gut da. Man ist einfach auf eine Menge Leute angewiesen, muss Leute für Referenzbriefe erreichen, muss von diesen Schreiben einsammeln, dann gibt man die den Anwälten, dann gefällt´s denen nicht, dann muss man wieder neue Schreiben aufsetzen, usw. Ein Konzeptvideo von Peterson Thelisma, in dem ich tanze, habe ich im Artists Resource Center gesehen, das ist aber noch nicht online.

Radio Utopie: Was ist das Artists Resource Center?

Hannah Weber: „The Arc“, wie wir sagen´, basiert auf ehrenamtlicher Arbeit. Bietet gratis Klassen an und gibt Möglichkeiten, Tanzjobs zu buchen. Deswegen brauchen sie auch Spenden, also immer fleißig damit. Aber dafür muss man vielleicht in Hollywood sein.

Radio Utopie: Wie stellst Du Dir die nächsten sechs Monate vor?

Hannah Weber: Ich werde meine „sieben Dokumente“ zusammensuchen, mit meinen Anwälten in Kontakten bleibt, werde auf jeden Fall vom 20.Juni bis 4. Juli auf den Mission Trip nach Mexiko fliegen…

Radio Utopie: Mission Trip. Mexiko.

Hannah Weber: Ja, nach Chihuahua.

Radio Utopie: Beschreibe mal diesen Mission Trip. Ist das eine Veranstaltung Deiner Gruppe E.D.I.F.Y.?

Hannah Weber: Also, Leslie Scott ist im Januar mit einer Gruppe Missionare nach Chihuahua gefahren, mit dem Bus, 27 Stunden…

Radio Utopie: Missionare welcher Kirche?

Hannah Weber: Keine Kirche. Alle die mitkommen wollen.

Radio Utopie: Wieso dann Missionare?

Hannah Weber: Wir sind alle Missionare. (lacht) Leslie hat letztes Jahr im Januar E.D.I.F.Y. gegründet und hat alle, die es sich leisten konnten, zum Mission Trip nach Mexiko eingeladen um in Chihuahua im Waisenhaus, Casa de la Esperanza, ehrenamtlich zu arbeiten.


Tanz Performance mit den Kindern des Waisenhauses Casa de la Esperanza am Mexikanischen Unabhängigkeitstag 2012 (Hannah Weber in gelb)

Radio Utopie: Du hast uns bereits im Dezember E.D.I.F.Y. beschrieben, als eine Nonprofit-Organisation mit christlichem Hintergrund, aber für Menschen jeder oder ohne Religion, jeder Hautfarbe oder sexuellen Orientierung. Wie würdest Du E.D.I.F.Y. bezeichnen?

Hannah Weber: E.D.I.F.Y. kann man als reisendes Tanz-Ministerium bezeichnen. Wir gehen auf Mission Trips, jeden Dienstag auf Outreaches in Skid Row, um dort unserem größten Job überhaupt nachzugehen, den Obdachlosen Essen, Kleidung und einfach gemeinsame Zeit zu bringen. Sieben Achtel von uns sind Tänzer, auch Filmer sind mit dabei. Wir schwingen zwar manchmal große Reden, aber wir sprechen durch unsere Kunst.

Radio Utopie: Vor kurzem seid Ihr in Hollywood aufgetreten?

Hannah Weber: Ja, am 26. März, beim Carnival Choreographer‘s Ball. Das ist seit 14 Jahren eine der beliebtesten Tanz Shows in Hollywood und seid eh und je ausverkauft. Wir haben da überhaupt nicht hinein gepasst, das war alles Sex, Drugs and Rock‘n‘Roll, diese Schiene. Aber wie wir sagen: ‚´You can‘t shine in a room full of candles‘. Wir haben etwas riskiert, waren erfolgreich, haben die Leute zum Nachdenken bewegt, da es sich in dem Song und der Choreographie um Menschlichkeit handelt und wir die Aufmerksamkeit auf Gott gelenkt haben, anstatt auf uns selbst. Das ist in Hollywood ein großes Risiko, doch es lief alles sehr gut, unser Publikum hat alles mit großem Interesse aufgenommen.

Hannah Weber beim Carnival Choreographer's Ball Hollywood 2013
Hannah Weber und ihre Tanzgruppe beim Carnival Choreographer‘s Ball in Hollywood auf der Bühne…
Hannah Weber und ihre Tanzgruppe backstage beim Carnival Choreographer's Ball Hollywood 2013
und backstage…

Hannah Weber: Noch eine Bitte. Nominiert Leslie Scott bei den the Industry Voice Awards (Anm. d. Red.: unter Nr. 1 / „Artist of the Year“ eintragen „Leslie Scott with E.D.I.F.Y. movement“ ) und spendet für den Mission Trip ins Waisenhaus Casa de la Esperanza.

Radio Utopie: Und nach dem Mission Trip…

Hannah Weber: …bleibe ich in L.A. Mal sehen. Bleiben wir optimistisch (lacht).

Radio Utopie: Hannah, viel Erfolg und viel Glück.

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Quellen aktualisiert am 12.02.2016