Gewerkschaft der Polizei gegen erweiterte Kompetenzen der Security-Firmen
Abschluss des Kooperationsvertrages zwischen Bremer Polizei und Bundesverband Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen ausgesetzt
(Foto: ANKAWĂ/ Wikipedia)
Am 10. November veröffentlichte die Polizei Bremen eine PresseerklÀrung. Inhalt der Meldung war ein Kooperationsvertrag, den die Polizei Bremen mit dem Bundesverband Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen (BDWS) abschliessen wollte. (1) In der Landesgruppe Bremen sind 1100 BeschÀftigte im privaten Sicherheitsgewerbe registriert.
Interessant zu lesen sind die fĂŒr den Deppen „BĂŒrger“ gewĂ€hlten BegrĂŒndungen, die einen solchen Vertrag notwendig erscheinen lassen sollen.
Der Bevölkerung wird die Verbesserung der Sicherheit in Bremen versprochen. Um es gleich vorweg zu nehmen, was in der PresseerklÀrung an Aufgabenbereichen genannt wird, sind Dinge, die Otto-Normalverbraucher genau so gut erledigen könnte: die besonderen Vorkommnisse der Polizei zu melden.
Wenn zum Beispiel eine Ampelanlage ausgefallen ist und das AmpelmÀnnchen nicht mehr in der Lage ist, den Verkehr ordentlich zu regeln, wird das wachsame Auge eines Sicherheitsmannes dies der Polizei melden, falls er es bemerken sollte und zufÀlligerweise gerade vor Ort ist. Heutzutage leisten sich viele Kommunen automatische kostenintensive Schaltanlagen, die einen derartigen Ausfall in Echtzeit an eine Leit-Zentrale melden.
SachbeschĂ€digungen im öffentlichen Raum und verdĂ€chtige Personen melden werden als weiteres Aufgabengebiet fĂŒr die Security-Leute genannt, da die BĂŒrger blind sind und keine vorteilhaften kurzen Meldewege wie Handy besitzen im Gegensatz zu Sicherheitsunternehmen. Möglicherweise haben diese TelekommunikationsgerĂ€te, die auf unerklĂ€rliche Weise schnellere neuartige Funktionen wie Ăberlichtgeschwindigkeiten besitzen, von denen man noch keine Kenntnisse hat.
SelbstverstĂ€ndlich hat so ein Vertrag auch einen positiven vorbeugenden Effekt, wird betont, denn die EinbruchskriminalitĂ€t werde durch Aufmerksamkeit verhindert. Das Entdeckungsrisiko fĂŒr mögliche StraftĂ€ter wird erhöht. Die Security hat ihre Augen ĂŒberall, die Einbrecher wissen von dem Vertrag, der sie „vorbeugend“ abschrecken lĂ€sst, und wĂ€hrenddessen können sich die Anwohner seelig entspannenderen TĂ€tigkeiten widmen – es wird ĂŒber sie „vorbeugend“ gewacht.
BĂŒrger stehen EinbrĂŒchen und -versuchen in ihrem Viertel sehr wohl aufmerksam gegenĂŒber und melden verdĂ€chtige VorgĂ€nge, von einigen GleichgĂŒltigen einmal abgesehen.
Ulrich MĂ€urer (SPD), Bremens Senator fĂŒr Inneres und Sport, freut sich sehr ĂŒber diese neue Innovationsbereitschaft und KreativitĂ€t fĂŒr die Sicherheit in Bremen.
Es stehe ausser Zweifel, dass die Polizei bei der KriminalprĂ€vention und KriminalitĂ€tsbekĂ€mpfung auf die UnterstĂŒtzung der Bevölkerung angewiesen ist, heisst es weiter. (2) Mit Bevölkerung sind hier in diesem Kontext ganz schön dreist eigentlich die private Sicherheitsunternehmen gemeint, um die es im Kooperationsvertrag geht.
Aber das darf nicht so sehr auffallen.
Allerdings sei bei allen Massnahmen der Polizei zur Einbindung anderer gesellschaftlicher KrĂ€fte zu beachten, „dass nicht der Eindruck erweckt wird, hoheitliche Aufgaben wĂŒrden anderen ĂŒbertragen“. Dies sei durch den Vertrag mit den privaten Sicherheitseinrichtungen „weder beabsichtigt noch geschehen.“ Aber allein die Tatsache, dass die Gewerkschaft der Polizei (GDP) eine solche Ăbertragung befĂŒrchtet und starke Kritik ĂŒbte, zeigt, „dass die Vertragsformulierungen nicht eindeutig genug sind. Gerade in solchen sensiblen Angelegenheiten empfiehlt sich ein breiterer Abstimmungsprozess als geschehen.“
Ein Vertrag ist ein Vertrag und ausschliesslich bindend, alles Darumherumgerede, Beschwichtigende und Beteuerungen zĂ€hlen nichts mehr, wenn er unterschrieben wurde. (8) Und wenn die Gewerkschaft der Polizei die Vertragsformulierungen als zu schwammig bezeichnet, dann steht doch wohl zu befĂŒrchten, dass die Auslegungen sehr dehnbar formuliert wurden und bei Klagen dagegen nicht juristisch eindeutig geurteilt werden wird.
Horst Göbel, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Bremen, erfuhr so wie auch der Personalrat der Polizei von dem Vertrag erst durch die PresseerklĂ€rung der Bremer Polizei. BefĂŒrchtungen ĂŒber den Inhalt hegend, liess er sich den fĂŒnfseitigen Vertragstext zuschicken.
„Ich habe so einen dicken Hals. Zwischen der Pressemitteilung und dem Inhalt des Vertrages liegen Welten.“
Im Vertrag ist unter anderem folgender Text enthalten
„Dem umgehenden Austausch von Informationen kommt im Rahmen der vereinbarten Ziele eine besonders hohe Bedeutung zu. Um dieser Rechnung zu tragen, werden die Mitglieder der BDWS eine gemeinsame Informations- und Ansprechstelle (IAS) einrichten. Die Polizei erstellt ein gemeinsames Sicherheitslagebild und ĂŒbermittelt es an die IAS. Der BDWS und die Polizei vereinbaren einen regelmĂ€ssigen Austausch sicherheitsrelevanter Informationen. Datenschutzrechtliche Belage werden dabei beachtet.“ (5)
„Wir unterstĂŒtzen die Polizei“ diesen Slogan dĂŒrfen die Security-Autos laut Vertrag fĂŒhren.
Ist der Anfang gemacht, werden die Kompetenzen immer weiter ausgedehnt, Schritt fĂŒr Schritt. Privatfirmen nehmen Aufgaben wahr, die ausschliesslich der Polizei als staatlicher Exekutive vorbehalten sind, Personenkontrollen, Festnahmen, sensibler Datenzugang werden der nĂ€chste Schritt sein.
Die Gewerkschaft der Polizei deutet den Vertrag so, dass Sicherheitfirmen in neue Aufgabenfelder vorstossen werden. Bei der Polizei herrscht indes Personalmangel.
„Der jetzige Weg ist völlig ungeeignet, um die Defizite auszugleichen.“
FĂŒr den BĂŒrger verwischten sich damit die Aufgaben. Zumal viele Private dunkle Uniformen trĂŒgen. Doch statt eines Beamten, der eine dreijĂ€hrige Hochschulausbildung hinter sich habe, stĂŒnde dem aufgeregten BĂŒrger im Notfall ein Mitarbeiter gegenĂŒber, der nur wenige Stunden in das Sicherheitsgewerbe eingefĂŒhrt worden sei, kritisiert die Polizeigewerkschaft. Mit Recht, denn Mitarbeiter von Sicherheitsunternehmen sind gerade auch in Bremen nicht immer unumstritten. (6),(7)
Im Vorfeld der Ausarbeitung des Vertrages gab es keine umfassenden Diskussionen ĂŒber die Inhalte. Scheinbar sollte hier das Ganze schnell und unauffĂ€llig ĂŒber die BĂŒhne gehen und alle vor vollendete Tatsachen gestellt werden.
Denn ohne Grund wird wohl der Kooperationsvertrag erst einmal nicht zu Stande kommen und die Umsetzung wurde am Sonntag von Innensenator Ulrich MÀurer und dem PolizeiprÀsidenten ausgesetzt.
Wilhelm Hinners, innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion in der BĂŒrgerschaft, meinte
„Insbesondere was die gemeinsame Nutzung von Lagebildern und Daten anbelangt, sehe ich Risiken“
Die CDU teile die Kritik der Gewerkschaft, was die Vermischung der Aufgabenbereiche von Polizei und Privatunternehmen angehe. (3)
Hinners verlangte AufklĂ€rung ĂŒber das Zustandekommen und die Inhalte eines Kooperationsvertrags zwiÂschen der Bremer Polizei und privaten Sicherheitsdiensten, kaum einer wurde informiert, auch er erfuhr den Sachverhalt erst durch die Veröffentlichungen in den Medien. (4)
Polizeisprecher Ronald Walther sagte
„…es gehe nur darum, dass private Wachdienste VorfĂ€lle an die Polizei meldeten und nicht darum, dass Wachleute selber „Polizist spielen“ sollten. Die Polizei erhoffe sich von der Vereinbarung nur, dass kĂŒnftig mehr Leute in der Stadt die Augen aufhielten“
Ronald Walther scheint sehr weltfremd zu sein. WĂ€re das nicht seit Jahrhunderten schon so gewesen, hĂ€tten wir in der Gesellschaft die pure Anarchie, in der es drunter und drĂŒber geht. da wĂ€re in einem Monat nicht mehr viel vom Gemeinwesen ĂŒbrig.
Und wenn jetzt irgendwelche privaten Gruppen anfangen, sich durch solche VertrĂ€ge stark zu fĂŒhlen, dann Gnade uns Gott. Wenn ein privater Veranstalter oder eine Firma Sicherheitsunternehmen engagiert, hat er seine privaten GrĂŒnde, sein Hausrecht oder sein Eigentum zu sichern.
FĂŒr die öffentliche Sicherheit kann man keine Privatleute einsetzen, die staatliche Befugnisse bekommen.
„Die Grenzen werden im AlltaggeschĂ€ft verfliessen. DafĂŒr braucht es doch keinen Vertrag, indem die privaten Wachleute sich verpflichten, bei sicherheitsrelevanten VorfĂ€llen umgehend die Notrufnummer der Polizei anzuwĂ€hlen.“
PolizeiprĂ€sident Holger MĂŒnch versucht zu beschwichtigen
„Die Devise heiĂt: lediglich melden, aber nicht selbst Polizist spielen“
Da könnte ja auch ein KĂŒnstler oder Taxifahrer auf die Idee kommen, einen Kooperationsvertrag mit seiner Landesregierung oder Kommunalverwaltung abzuschliessen, um die Bewohner ordentlich, wie es sich gehört, mit seiner Dienstleistung zu versorgen. Vor allem wĂ€re hier das Geld wohl besser angelegt.
Ăber die Kosten fĂŒr den Service der Sicherheitsfirmen wurde öffentlich nicht diskutiert. Barmherzige Engel, die ihre Leistungen fĂŒr die Stadt Bremen uneigennĂŒtzig erbringen, werden wohl kaum darunter zu finden sein.
Quelle:
(1) http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/35235/1509296/polizei_bremen
(2) http://www.cop2cop.de/2009/11/18/vertrag-der-polizei-mit-privaten-sicherheitseinrichtungen-wird-ausgesetzt/
(3) http://www.welt.de/die-welt/vermischtes/hamburg/article5228360/Polizei-und-Wachdienste-Streit-ueber-Zusammenarbeit.html
(4) http://www.umweltruf.de/news/111/news0.php3?nummer=32346
(5) http://www.weser-kurier.de/Artikel/Bremen/63401/Private+Wachleute+helfen+Bremer+Polizei.html
(6) http://board.fanszene-bremen.net/archive/5463/thread.html
(7) http://de.indymedia.org/2005/09/127402.shtml
(8) http://www.radio-utopie.de/2009/11/18/der-erste-kongress-der-unabhangigen-medien-wir-waren-da/

