US-Senator: Venezuela-Politik von Trump „eine absolute Katastrophe“
Heftige Kritik an Regime-Change-Politik im US-Senat. Caracas beklagt fortlaufende UmsturzplÀne. US-Söldner in Venezuela zu 20 Jahren Haft verurteilt
In Venezuela und den USA mehren sich die kritischen Stimmen angesichts der Regime-Change-Politik der Regierung von PrĂ€sident Donald Trump gegenĂŒber dem sĂŒdamerikanischen Land. In einer Anhörung zum Thema im US-Senat hatte Senator Chris Murphy von der oppositionellen Demokratischen Partei die US-Politik der letzten anderthalb Jahre gegenĂŒber Venezuela unlĂ€ngst als „eine absolute Katastrophe“ bezeichnet. Murphy kritisierte zugleich die interventionistische Politik und Destabilisierung der Regierung von PrĂ€sident Nicolas Maduro.
Der demokratische Politiker hatte vor dem Ausschuss fĂŒr AuswĂ€rtige Beziehungen des US-Senats mit der Politik der Trump-Regierung gegenĂŒber Venezuela abgerechnet. Zu der Sitzung war der Sondergesandte der Trump-Regierung fĂŒr Venezuela, Elliot Abrams, eingeladen worden, um sich den Fragen der Senatoren zu stellen.
Bei dem Treffen in der vergangenen Woche verwiesen der republikanische Senator Mitt Romney und mehrere seiner demokratischen Kollegen auf das Scheitern der Politik der Trump-Regierung mit dem Ziel eines Regime-Change in dem sĂŒdamerikanischen Land.
Als einer der vehementesten Kritiker trat Murphy auf, der seine Positionen ĂŒber den Kurznachrichtendienst Twitter öffentlich wiederholte. Sowohl die UnterstĂŒtzung des venezolanischen Oppositionspolitikers Juan GuaidĂł als GegenprĂ€sidenten wie auch die Benennung Abrams als Venezuela-Beauftragten hĂ€tten in eine Sackgasse gefĂŒhrt, so Murphy. „Danach wurde es aber erst wirklich peinlich“, fuhrt er fort: „Im April 2019 versuchten wir, eine Art Putsch zu organisieren, der zu einem Debakel wurde. Alle, die uns gesagt hatten, sie wĂŒrden GuaidĂł unterstĂŒtzen, bekamen kalte FĂŒĂe und der Plan scheiterte öffentlich und spektakulĂ€r, was die USA dumm und schwach dastehen lieĂ“, fĂŒgte er hinzu.
Wenige Tage nach der Anhörung, ĂŒber die die venezolanische Presse ausfĂŒhrlich berichtete, beklagte Venezuelas AuĂenminister Jorge Arreaza, die US-Regierung beabsichtige offenbar eine Neuauflage der gescheiterten PutschplĂ€ne gegen sein Land. „Seit 2019 haben Abrams und seine Mitstreiter eine illegale Putschstrategie und eine kriminelle Blockade gegen Venezuela verteidigt. Heute stehen diese Hardliner vor dem Ende ihrer Macht. Dennoch versuchen sie, ihre gescheiterten PlĂ€ne ĂŒber den 5. Januar 2021 hinaus zu verlĂ€ngern.“ Anfang Januar 2021 wird nach den Wahlen im November dieses Jahres eine neue US-Regierung ihre GeschĂ€fte aufnehmen.
Der venezolanische AuĂenminister reagierte damit auf Einlassungen Abrams. Dieser hatte bekrĂ€ftigt, man werde Maduro noch vor Ende dieses Jahres stĂŒrzen.
Konkrete Folgen hatte die Regime-Change-Politik der USA gegenĂŒber Venezuela indes fĂŒr mehrere ehemalige US-Soldaten, die nach einer gescheiterten MilitĂ€raktion inhaftiert worden waren. Venezuelas Generalstaatsanwalt Tarek William Saab sagte am Freitag, die ehemaligen US-MilitĂ€rs Luke Denmnan und Airan Berry seien wegen ihrer Teilnahme an der Operation gegen die Regierung von Nicolas Maduro Anfang Mai dieses Jahres zu 20 Jahren GefĂ€ngnis verurteilt worden.
„Sie haben zugegeben, an einer Verschwörung sowie terroristischen Vereinigung ebenso beteiligt gewesen zu sein wie am illegalen Handel mit Kriegswaffen und Terrorismus im Sinne des Strafgesetzbuches, wofĂŒr sie zu 20 Jahren GefĂ€ngnis verurteilt wurden“, so Saab ĂŒber Twitter.
Die US-Söldner hatten zusammen mit 50 BĂŒrgern des sĂŒdamerikanischen Landes versucht, auf dem Seeweg nach Venezuela zu gelangen, um PrĂ€sident Maduro zu stĂŒrzen. Die Ex-US-Soldaten hatten sich dafĂŒr von dem US-MilitĂ€runternehmen Silvercorp anheuern lassen. Sie wurden bei der MilitĂ€raktion an der venezolanischen KĂŒste vor einigen Monaten gefangen genommen. In Folge wurden 40 weitere mutmaĂliche Beteiligte inhaftiert.
Die deutsche Bundesregierung hĂ€lt trotz der zunehmenden Kritik an der Regime-Change-Politik und an ihrer UnterstĂŒtzung GuaidĂłs fest. Die ĂuĂerungen des US-Senators Murphy „als Selbstbezichtigung zu interpretieren, finde ich ziemlich abenteuerlich“, sagte der Sprecher des AuswĂ€rtigen Amtes, Christofer Burger, in der Bundespressekonferenz auf Anfrage des RT-Reporters und ehemaligen amerika21-Autors Florian Warweg.
Veröffentlicht am 12.8.2020 auf Portal amerika21.de
