Verurteilt Julian Assange nicht unschuldig in Virginia
Autor: Consortium News – Redaktion
Das WikiLeaks-Rechtsteam hat ein starkes Argument, Assanges Auslieferungsantrag zu verwerfen, nachdem die Regierung, die ihn ausgeliefert haben will, das Ăberwachungsvideo seiner privilegierten Anwalt-MandantengesprĂ€che in die HĂ€nde bekam.
Wenn dies ein normaler Rechtsfall wĂ€re, könnten die AnwĂ€lte von WikiLeaks mit ziemlicher Sicherheit den Auslieferungsantrag der Vereinigten Staaten fĂŒr ihren Mandanten Julian Assange mit der BegrĂŒndung zurĂŒckweisen, dass seine privilegierten GesprĂ€che mit seinen AnwĂ€lten in der Londoner Botschaft Ecuadors heimlich auf Video aufgenommen wurden.
Ausgerechnet die Nation, die will, dass er ausgeliefert wird, um in Virginia vor Gericht gestellt zu werden, hat Zugang zu diesen Videos erhalten. In einem normalen Auslieferungsfall wĂ€re es schwer vorstellbar, dass GroĂbritannien einen VerdĂ€chtigen in ein Land schickt, dessen Regierung bereits die Verteidigungsvorbereitungen dieses VerdĂ€chtigen belauscht hat.
Dies ist jedoch kein normaler Rechtsfall.
„Das Verfahren sollte sofort eingestellt werden. Es ist nicht nur illegal in Bezug auf das Abkommen, die Vereinigten Staaten von Amerika haben illegale Operationen gegen Assange und seine AnwĂ€lte durchgefĂŒhrt, die Gegenstand einer groĂen Untersuchung in Spanien sind“, sagte WikiLeaks Chefredakteur Kristinn Hrafnsson am Montag, als der inhaftierte Assange vor einer Richterin am Londoner Amtsgericht erschien.
„Ich verstehe nicht, wie das gerecht ist“, sagte Assange dem Gericht. „Diese Supermacht hatte 10 Jahre Zeit, sich auf diesen Fall vorzubereiten, und ich habe keinen Zugang zu meinen Schriften. Es ist sehr schwierig, wo ich etwas tun soll, aber diese Leute unbegrenzte Ressourcen haben … Sie sagen, dass Journalisten und Whistleblower Feinde des Volkes sind. Sie haben unfaire Vorteile im Umgang mit Dokumenten. Sie kennen das Innere meines Lebens mit meinem Psychologen“ – da die CIA vermutlich auch Videos von diesen GesprĂ€chen erhalten hat. Assange wurde dann in einem Transporter zurĂŒck zu seiner trostlosen Zelle im GefĂ€ngnis von Belmarsh verladen.
Das ist eine Verhöhnung der Rechtsprechung auf vielen Ebenen.
Die Existenz von Abschnitt E des Spionagegesetzes von 1917, der technisch gesehen den unbefugten Besitz und die Verbreitung von US-Verschlusssachen durch jedermann ĂŒberall auf der Welt belastet, kriminalisiert effektiv den investigativen Journalismus. Das ist eine Farce, die unter Berufung auf den ersten Verfassungszusatz angefochten werden muss.
Rache, nicht Gerechtigkeit
Die Rechte eines Angeklagten auf einen fairen Prozess hier in Virginia wurden ernsthaft untergraben, ja sogar zunichte gemacht, nachdem seine GesprÀche mit seinen AnwÀlten in den Besitz der Regierung kamen, die ihn verfolgen will.
Es geht hier nicht um Gerechtigkeit. Es geht um Rache.
Kein Fall veranschaulicht besser, wie korrupt und mÀchtig die US-amerikanischen und britischen Geheimdienste und MilitÀrs geworden sind und wie die Rechtssysteme beider Nationen diese korrupten Interessen verteidigen.
Kein Fall veranschaulicht besser, wie die Rechtssysteme diese Interessen schĂŒtzen, indem sie den Mann bestrafen, der am meisten dazu beigetragen hat, die Verbrechen der Vereinigten Staaten von Amerika und des Vereinigten Königreichs ihren BĂŒrgern zu offenbaren, die von den etablierten Medien apathisch gemacht werden, die sie ablenken und Assange als ihren Feind prĂ€sentieren.
Kein Fall veranschaulicht besser, wie die US-amerikanischen und britischen Herrscher, die gemeinsam illegale MassenĂŒberwachung betreiben und einen endlosen Krieg fĂŒhren, sich an den Vorwand der Demokratie klammern, um an der Macht zu bleiben.
Diese VortÀuschung wird durch die Entscheidung im gegenstÀndlichen Fall gefÀhrdet.
Wenn es den beiden Regierungen darum geht, zumindest den Anschein zu erwecken, dass sie den Rechtsstaat einhalten wollen, haben sie diese Möglichkeit: lasst Julian Assange in Ruhe.
Quelle: antikrieg.com
