Einwohner Gazas laden israelische Aktivisten zum Tee ein

WĂ€hrend israelische Soldaten auf palĂ€stinensische Demonstranten schossen, trafen sich Aktivisten aus dem Gazastreifen und Israel – auf zwei Seiten des Zauns – zum Tee, zu einem symbolischen Akt der Sehnsucht nach einem Tag ohne Barrieren und Aggressionen

Letzten Freitag in der AbenddĂ€mmerung teilte ich mit lieben Freunden eine Picknickdecke auf einem HĂŒgel in der NĂ€he eines schönen Obstgartens, nippte Tee in Porzellantassen, gemischt mit TrĂ€nen und TrĂ€nengas.

Vor uns sahen wir, wie Tausende von palĂ€stinensischen Demonstranten, wie sie es seit ĂŒber vier Monaten jeden Freitag tun, marschierten und versuchten, den Zaun zu erreichen, der uns von ihnen trennt, den Zaun, der die 2 Millionen Einwohner von Gaza in das grĂ¶ĂŸte FreiluftgefĂ€ngnis der Welt einsperrt. Wir hörten ununterbrochenes Schießen und Explosionen und sahen, wie sich die Federn aus weißem TrĂ€nengas in die SĂ€ule aus schwarzem Rauch von den brennenden Reifen woben. Wir hörten die Sirenen eines Krankenwagens, dann einen anderen und einen anderen, immer mehr. Wir sechs Israelis, die ruhig neben einem Obstgarten und einer Schotterstraße saßen, tranken mit Ernsthaftigkeit unseren Tee, als wir zusahen, wie unser eigenes MilitĂ€r auf die gefangenen Demonstranten schoss.

Im Gegensatz zu den Soldaten waren wir eingeladen, dort zu sein. Wir wurden von den palĂ€stinensischen Organisatoren eingeladen, mit ihnen Tee zu trinken, um unsere SolidaritĂ€t und unsere gemeinsame Hoffnung auf einen Tag ohne ZĂ€une und Morde zu bekunden, einen Tag, an dem alle FlĂŒchtlinge nach PalĂ€stina zurĂŒckkehren konnten. Nach vier Monaten des Großen Marsches der RĂŒckkehr, bei dem ĂŒber 1.750 BĂŒrger von Gaza verletzt und 180 getötet wurden, kamen wieder etwa 7.500, um den Soldaten gegenĂŒberzutreten, und alles, worum wir gebeten wurden, war zum Tee zu kommen.

Wir tranken etwas Tee. Wir riefen unsere Gastgeber per Telefon an und hörten ihre Stimmen durch die Schreie und Explosionen. Plötzlich hörten wir die Menge brĂŒllen und jubeln – die Demonstranten hatten eine TrĂ€nengasdrohne niedergerissen. Wir jubelten mit ihnen, just als der Wind sich drehte und wir in TrĂ€nengas eingenebelt waren, das nicht fĂŒr uns bestimmt war.

Nur sechs von uns waren auf diesem HĂŒgel, wo es Tausende hĂ€tten sein sollen. Die Medienteams, die direkt neben uns standen, ignorierten uns völlig. Wir hissten hohe Fahnen und hofften, von den Demonstranten gesehen zu werden. Am Telefon sagten sie, sie könnten uns sehen, und fĂŒr einen Moment stellte sich das GefĂŒhl ein, dass diese lĂ€cherliche Teeparty absolut richtig war.

Innerhalb von drei Minuten waren die Soldaten da. Sie kĂŒmmerten sich nicht um den Tee, aber um die Fahnen, die sie als unangebracht empfanden. Wir wurden wegeskortiert und fuhren unter einem faszinierenden, spektakulĂ€ren Sonnenuntergang durch die Felder.

An diesem Tag wurden 210 Demonstranten in der NĂ€he dieses Zauns verletzt, darunter 15 Kinder, von denen 45 durch scharfe SchĂŒsse verletzt wurden. Zwei Jugendliche aus der Stadt Rafah wurden von israelischen ScharfschĂŒtzen getötet: Belal Mustafa Khafaja, 17, und Ahmad Masbah Abu Tuyur, nur 16 Jahre alt, erlagen ihren Wunden am Samstag. Möge die Erinnerung an sie ein Segen sein.

Orginalartikel „Gazans invite Israeli activists over for tea“ vom 12.9.2018

Quelle: http://www.antikrieg.com/aktuell/2018_09_15_bewohner.htm