Europa erschaudert vor Herrscher Trump

PrÀsident Donald Trump sagt, die meisten Gipfeltreffen seien Zeitverschwendung. Er hat so Recht. Die meisten Treffen jeder Art sind Zeit- und Energieverschwendung.

Der PrĂ€sident hatte sicherlich Recht mit dem NATO-Gipfel letzte Woche in BrĂŒssel. Zumindest belebte er diesen, indem er seine NATO-VerbĂŒndeten noch einmal offen kritisierte, weil sie nicht genug fĂŒr ihre StreitkrĂ€fte ausgaben. Aber Trumps eigentlicher Zweck war es, der Welt zu zeigen, dass er der Boss von allem war, das er ĂŒberblickte.

In seiner besten Manier als Elefant im Porzellanladen belehrte und beschimpfte Trump die NATO-FĂŒhrer live im Fernsehen. Sie nahmen die verbalen PrĂŒgel hin wie Schuljungen. Der GeneralsekretĂ€r der NATO, der ehemalige norwegische Premierminister Jens Stoltenberg, der von den USA ins Amt gebracht worden war, murmelte einige lahme Ausreden. Die AnhĂ€nger Trumps in den USA waren erfreut zu sehen, dass die arroganten gottlosen EuropĂ€er ordentlich eins auf den Deckel kriegten.

Es hat nicht geholfen, als sich herausstellte, dass Deutschland, das Bollwerk der NATO, nur eine Handvoll FrontkĂ€mpfer im Einsatz hat. Ein anderer Bericht besagte, dass die meisten seiner wichtigsten Kampfpanzer aufgrund von BudgetkĂŒrzungen außer Betrieb waren.

Der PrĂ€sident gab die sehr wichtige ErklĂ€rung ab, dass er den russischen Vladimir Putin als „Konkurrenten“ und nicht als „Feind“ betrachtete. Diese Ansicht ist in Europa und der ĂŒbrigen Welt weit verbreitet.

Aber dann negierte Trump diese vernĂŒnftige Sichtweise, indem er behauptete, Deutschland sei „vollstĂ€ndig von Russland kontrolliert“ und „gefangen“, weil Deutschland jetzt bis zu 70% seines Erdöl- und Erdgasbedarfs von dort bezieht.

In Wirklichkeit glauben viele Deutsche genau das Gegenteil: dass Deutschland ein Vasallenstaat Washingtons ist und sieben Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg immer noch unter amerikanischer Herrschaft steht.

Sie verweisen auf die US-Kontrolle der deutschen Geheimdienste, der Außen- und Verteidigungspolitik, die Beziehungen zu Israel und die Entsendung von Truppen zur UnterstĂŒtzung der anhaltenden US-Besetzung Afghanistans.

Über 37 aktive US-StĂŒtzpunkte und -Einrichtungen sind ĂŒber Norddeutschland und Bayern verteilt. Rund 35.000 US-Soldaten bleiben in Deutschland, im Kalten Krieg waren es noch ĂŒber 300.000. Wichtige LuftwaffenstĂŒtzpunkte in Deutschland bilden den Kern der FĂ€higkeit der Vereinigten Staaten von Amerika, Macht nach Osteuropa und in den Mittleren Osten zu projizieren. Die USA lagern heimlich Atomwaffen in Deutschland.

Die Vereinigten Staaten von Amerika dominieren seit dem Zweiten Weltkrieg die sedierten Medien in Deutschland. Der amerikanische Geheimdienst hat oftmals ihre Redakteure und Kolumnisten handverlesen. Deutsche Beamte und Politiker auf allen Ebenen akzeptieren eine Liste von genehmigten Do‘s und Don‘ts und vermeiden Aktionen, die Washington Ă€rgern oder verĂ€rgern wĂŒrden.

Der amerikanische Einfluss auf Deutschland geht so weit, dass die deutsche Regierung, als bekannt wurde, dass die US-National Security Agency das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel abgehört hat, sanft und gedĂ€mpft auf diese DemĂŒtigung reagierte.

Donald Trump mag Frau Merkel nicht, weil sie FlĂŒchtlinge – muslimische noch dazu – aufgenommen hat, aber sie bleibt eine der respektvollsten und treuesten VerbĂŒndeten Amerikas. Es ist schade, dass weder sie noch NATO-Chef Stoltenberg aufgestanden sind und Trump Saures gegeben haben. Mausgleiches Verhalten bestĂ€rkte die vorherrschende Ansicht, dass die NATO-Mitglieder lediglich WassertrĂ€ger fĂŒr die amerikanischen Atomritter sind. Es bekrĂ€ftigt die Ansicht, dass Europa seine eigenen vereinten StreitkrĂ€fte braucht.

HĂ€tte Trump eine Ahnung von Geschichte, was er offensichtlich nicht hat, dann wĂŒrde er wissen, dass Deutschland seit den Tagen der Kaiserin Katharina der Großen (1762-1796) enge wirtschaftliche Beziehungen zu Russland hat. Die Russen haben schon immer die technischen FĂ€higkeiten, die Effizienz und die Arbeitsmoral der Deutschen bewundert. Deutschland und Russland sind natĂŒrliche Handelspartner dank der NĂ€he und der Produktion dessen, was dem anderen fehlt.

Eine der immerwĂ€hrenden Ängste Amerikas ist die Bildung einer deutsch-russischen Entente. Dies geschah fast nach dem Molotow-Ribbentrop-Pakt von 1939, der militĂ€rische und wirtschaftliche Entwicklung miteinander verband. In den letzten Jahren hat Deutschland seine wirtschaftliche PrĂ€senz in Russland kontinuierlich ausgebaut, vor allem mit der Unterwasser-Pipeline Nord Stream 2 unter der Ostsee, die russisches Erdgas nach Deutschland bringt und dabei das unfreundliche Polen und die Ukraine vermeidet.

Der Kauf von russischem Gas bringt Deutschland unter russische Herrschaft, behauptet Trump, dessen MilitĂ€r 800 StĂŒtzpunkte rund um den Globus und Soldaten von SĂŒdkorea bis Togo hat. Einen gewissen Einfluss vielleicht. Aber Russlands wichtigste Einnahmequelle ist der Export von Öl, Gas und Mineralien. Außer in Kriegszeiten ist es unwahrscheinlich, dass Moskau die HĂ€hne seiner lebenswichtigen Ölpipelines schließen wĂŒrde.

Dieses Getue ĂŒber russische Ölexporte ist das Werk der US-Neokonservativen, die die Trump-Administration besetzen und Fox TV betreiben. Sie wollen, dass Deutschland und Russland auf den Knien bleiben und dass die NATO sich Washington unterwirft.

Trump watet hier in tiefen, trĂŒben GewĂ€ssern. Hoffen wir, dass es ihm in dieser Woche bei seinem Treffen mit Vlad Putin besser geht – und wir wagen zu vermuten, dass dieses keine Zeitverschwendung sein wird.

Orginalartikel EUROPE CRINGES BEFORE EMPEROR TRUMP vom 14. Juli 2018

Quelle: http://www.antikrieg.eu/aktuell/2018_07_14_europa.htm