Die Mythen, die wir uns vormachen

John Kelly, PrĂ€sident Trumps Stabschef und pensionierter General des Marinekorps, hielt am Donnerstag eine Pressekonferenz ab, in der er bestritt, dass er kĂŒndigt oder dass er gefeuert werden soll. Nebenbei verwies er auf zwei in Amerika verbreitete Mythen, die fast gĂ€nzlich ungeprĂŒft bleiben. (Unter „Mythos“ verstehe ich einen prĂ€genden Glauben, der gemeinsam getragen und meist nicht hinterfragt wird.)

Der erste Mythos: Die Vereinigten Staaten von Amerika haben „das grĂ¶ĂŸte MilitĂ€r der Welt“, der zweite Mythos: dass der Wert des US-MilitĂ€rs in dessen „Abschreckungsfaktor“ besteht.

Die Vereinigten Staaten von Amerika besitzen zweifellos ein leistungsfĂ€higes MilitĂ€r, eines, das ungefĂ€hr eine Billion Dollar im Jahr kostet, wenn sĂ€mtliche Ausgaben fĂŒr die nationale Sicherheit zusammengerechnet werden. Aber ist es „das GrĂ¶ĂŸte“? Und was noch wichtiger ist: Warum sollten eine Demokratie und ein Volk, das sich angeblich fĂŒr Frieden und Freiheit einsetzt, so stolz darauf sein, „das grĂ¶ĂŸte MilitĂ€r der Welt“ zu besitzen?

Es gab eine Zeit, als die Amerikaner stolz darauf waren, ein kleines stehendes MilitĂ€r zu haben. Es gab eine Zeit, in der die Amerikaner stolz darauf waren, dass sie gegen WaffenverkĂ€ufe auf der ganzen Welt durch „HĂ€ndler des Todes“ protestierten. Diese Zeit endete mit dem Kalten Krieg. Heute fĂŒhrt Amerika die Welt an, wenn es um MilitĂ€rausgaben und Waffenexporte geht, und kein anderes Land kommt ihm nahe. Ist das etwas, womit man angeben kann?

Wie sieht es aus mit General Kellys Behauptung vom „Abschreckungsfaktor“ des MilitĂ€rs? Das US-MilitĂ€r hat weltweit 800 StĂŒtzpunkte mit US-SondereinsatzkrĂ€ften in mehr als 130 LĂ€ndern. Geht es hier nur um Abschreckung? Verhindern oder vermeiden die Vereinigten Staaten von Amerika Kriege in Libyen, Jemen, Syrien, Irak und Afghanistan sowie in anderen LĂ€ndern im Mittleren Osten und in Afrika? Das passt wohl kaum zu den Fakten vor Ort.

NatĂŒrlich konzentrierten sich die Medien auf Kellys Botschaft, dass er nicht gefeuert wird und dass PrĂ€sident Trump sowohl „umsichtig“ als auch ein „Mann der Tat“ ist. Seine Behauptungen betreffend das „grĂ¶ĂŸte MilitĂ€r der Welt“ und dessen hohen Abschreckungswert wurden weder veröffentlicht noch in Frage gestellt. Solche Behauptungen sind jetzt so „amerikanisch“ wie Baseball, Hot Dogs, Apfelkuchen und Chevrolet.

Und so gehtÂŽs dahin …

Orginalartikel The Myths We Tell Ourselves vom 14.10.2017

Quelle: http://www.antikrieg.com/aktuell/2017_10_15_william.htm