Palmyra: Verrat in Damaskus und Moskau

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Aktualisierung 14.12.2016: "I.S."-Milizen übernehmen offensichtlich auch S-125 Luftabwehrraketen nahe der Luftwaffenbasis Tiyas (T-4) nahe Palmyra.

Wenn jemand menschenverachtenden Mörderbanden und terroristischen Söldnern, die unter der Flagge von "Islamischer Staat", "I.S.I.S.", oder "I.S.I.L." operieren bzw "Daesh" genannt werden, Dutzende von schweren und leichten Panzern, Artillerie, Panzerabwehrwaffen, riesige Mengen an Munition und auch noch Luftabwehrpanzer ("Shilka") überlässt, sind wir bei Radio Utopie not amused.

Das gilt auch dann, wenn die Militärs von Syrien und Russland das tun.

Das war kein "Unglück" oder "Versehen". Das war eine organisierte Übergabe. Und das werden die Verantwortlichen in Syrien und Russland noch bereuen.

Wer ernsthaft glaubt, dass sich in Kriegsgebieten Tausende von Bewaffneten von allen Satelliten-Kapazitäten, namentlich denen der Russischen Föderation, unbemerkt über Hunderte von Kilometern bewegen, dann gegen eine absolute Luftüberlegenheit und massive Luftschläge des Gegners eine Stadt einnehmen können, um dann nachher dessen Panzerverbände (was haben die vorher gemacht?) praktisch auf der Straße einsammeln, der wird dafür bezahlt das zu glauben.

Aus der ganzen bräsigen Arroganz der "Spiegel" und "Bild" Reporter Christoph Sydow und Björn Stritzel, die bereits am 9. Dezember den Abzug der russischen "Militärberater" aus der Basis in Palmyra meldeten, quoll förmlich vorab die Siegesgewissheit und Schadenfreude über all diejenigen, die erwartet hatten Syriens und Russlands Militär würde dieses Kulturerbe gegen die "I.S."-Milizen verteidigen, anstatt dem angeblichen Feind erst Dutzende von eigenen Soldaten zu opfern und dann die Stadt und umfangreiches Militärgerät zu übergeben.

Hatte man vorher schon ein kleines Vögelchen von den lieben Beratern und Partnern zwitschern hören?

Der gesamte Ablauf der erneuten Eroberung von Palmyra (im Arabischen: Tadmur) durch die Milizen des "Islamischen Staat" deutet darauf hin, dass die Stadt seitens der Militärs und Geheimdienste von Syrien und Russland genauso organisiert übergeben wurde, wie anschließend das eigene Militärgerät (hier die Meldungen der Nachrichtenagentur vom 9., 10., 11. Dezember).

Über die mutmaßlichen strategischen Hintergründe hier ein durchaus interessanter Tweet von Twitter Kanal Ivan Sidorenko, über das Statement vom Freund eines Freundes:

Mehr zu den strategischen Hintergründen von unserer Seite noch nicht.

Nur so viel: wir warnen jeden davor, auch nur an eine "polnische Teilung" Syriens zu denken. Oder besetztes syrisches Territorium im Zuge des seit nunmehr fünfeinhalb Jahren andauernden Blutbades einsacken zu können.

"Sputnik" und "RT" wird man auf unbestimmte Zeit auf der Nachrichtenagentur nicht mehr finden. Und auch keine Jubelmeldung aus, über oder von Aleppo.

Aktualisierung 14.12.2016:

Von den unter der der Flagge "Islamischer Staat" bzw "I.S.I.L." bzw "I.S.I.S." operierenden Milizen ins Internet geladenes Propagandamaterial belegt, dass diese Milizen bei Palmyra in eine verlassene russische Militärbasis einmarschiert sind und dort umfangreiches Militärgerat vorfanden. "Southfront.org" schreibt dazu:

"Aus unbekannten Gründen zerstörte das Russische Kommando die von Terroristen erbeutete Waffen und Munition nicht aus der Luft".

Damit noch nicht genug. Bei der in der Nähe gelegenen größten syrischen Luftwaffenbasis bei Tiyas (Kürzel: T-4) brachten die "I.S."-Milizen offensichtlich auch russische S-125 Boden-Luft-Raketen / Flugabwehrsysteme unter ihre Kontrolle.

Während u.a. die "Washington Post" zur Sache berichtet, auffälligerweise ohne irgendeine relevante Äußerung seitens u.s.-amerikanischer Behörden, schweigen auch die russischen Stellen weiter zu ihrer massenhaften organisierten Übergabe schwerer Waffen und Boden-Luft-Raketensystem an die Milizen des "Islamischen Staates". Ebenso schweigen die den russischen Stellen nahestehenden Medien.