Bergkarabach: militärische Muskelspiele vor Staatsbesuch aus Armenien in Berlin

Druckaufbau vor Verhandlungen, wie stets nichts Neues.

Wo blieb die jetzt gezeigte Besorgnis als das Militär von Aserbaidschan wie schon oft zuvor am 9.November 2015 verkündete, Armenien so bald wie möglich in einen Krieg zu verwickeln.

Der armenische Präsident, Sersch Sargsjan, wird im April mit der deutschen Bundeskanzlerin zu einem offiziellen Staatsbesuch in Berlin zusammentreffen. Auf dem Programm stehen Gespräche über die gegenseitigen bilateralen Beziehungen, regionale und europäische Angelegenheiten und der Konflikt um Nagorny-Karabach.

Zusätzlich steht noch in diesem Monat eine Entscheidung im deutschen Bundestag darüber an, ob Deutschland das Massaker und die Vertreibung der armenischen Bevölkerung und andere ethnische Gruppen vor einhundert Jahren durch das damalige Osmanische Reich als Völkermord anerkennt. Aus Rücksicht auf die Türkei wurde die im Februar 2016 geführte Debatte über ein entsprechendes Gesetz um zwei Monate auf den 24.April verschoben.

Deutschland hätte sich schon längst genau wie andere Staaten endgültig positionieren können was nicht erwünscht ist. Mit offenen Konflikten lässt es sich gut leben, nur um mehr Einfluss auf politische Entscheidungen zu gewinnen und die besseren Karten beim Pokern um wirtschaftliche und militärische Abkommen zu Sicherheitsfragen in der Hand zu halten.

Ein äusseres Feinbild festigt überall die bestehende, aber angeschlagene Regierung, vor allem wenn ihr eine starke Opposition den Rang streitig macht, wohl möglich noch befeuert durch ausländische Einflüsse. Provokationen von aussen sind oft Drohungen, sich bedingungslos dem Diktat anderer zu unterwerfen und zu einem unvorteilhaften Konsens zu finden.

Die Meldungen über die Eskalation vom Wochenende zwischen Armenien und Aserbaidschan sowie die Berichte in der Presse über die Reaktionen der höchsten Repräsentanten verschiedener Staaten und internationaler Organisationen zu der erneuten Provokation sind es nicht wert, hier erwähnt zu werden. Es werden moralische Entrüstung, Schlichtungsversuche und Positionen vorgetäuscht, Schuldzuweisungen je nach politischer Ausrichtung den beiden Konfliktparteien erteilt - während hinter den Kulissen ganz andere Geschäfte abgewickelt und die nicht mit der Öffentlichkeit geteilt werden. Presseerklärungen sind ein einziger Flickenteppich an Täuschungsmanövern, die bei näherer Betrachtung aller Umstände in sich zusammenfallen.

Vor gerade einmal vier Tagen trafen sich getrennt auf der Nuklearkonferenz beide Präsidenten der Kaukasusstaaten, Ilham Aliyev und Sargsjan, mit dem U.S.-Vizepräsidenten, John Biden. Kurz zuvor erhielt Aliyev eine gemeinsame Privataudienz mit dem U.S.-Aussenminister John Kerry und John Biden. Und nur einen Tag später bricht dieses Scharmützel aus?

Das ganze Theater ist ein einziger geheuchelter Bluff, der sich einreiht in viele dieser Art. Die Profiteure an der Börse feiern derweil ihr Fest.

Die Angaben von Toten und Verletzten - jede der beiden Seiten stellt ihre Variante vor. Gezeigte Fotos als Beweismittel in der Presse können auch von den Manövern stammen, die Armenien und Aserbaidschan in den vergangenen Wochen und Monaten mit ihren jeweiligen Verbündeten im Grenzgebiet der umstrittenen Region durchexerziert haben.

Und nein, es ist kein Stellvertreterkrieg zwischen Russland und den Vereinigten Staaten von Amerika, wie manche vermuten. Den Kaukasus als Bindeglied zwischen Europa und Asien zu dominieren, das versuchen alle Mächte und internationalen Konsortien seit Jahrhunderten.

Der Rauch wird sich - bis zum nächsten schon schwelenden Ausbruch - wieder legen so schnell wie das Feuer entfacht wurde. Verträge der Energie-, Rüstungs- und Transportwirtschaft sind wichtiger. Zudem ist die Route über Aserbaidschan für militärische Truppenverlegungen und Technik der N.A.T.O. von und nach Afghanistan und dessen Anrainerstaaten zu wichtig, um das Land in der nächsten Zeit einen Krieg beginnen zu lassen und statt dessen einen Militärstützpunkt mit Logistikzentrum auszubauen, von dem aus unauffällig operiert werden kann.

Mehr Informationen zum Thema in diesen Artikeln:

09.11.2015 Aserbaidschan droht offen Armenien mit baldigem Krieg
26.12.2014 Aserbaidschan schaltet Radio Free Europe ab
26.10.2011Kaukasus-Drehscheibe Aserbaidschan

Quelle: http://armenpress.am/eng/news/841964/berlin-to-host-meeting-of-chancellor-of-germany-and-armenia-president.html