Stuttgart 21: Druck auf DB-Aufsichtsrat zeigt Wirkung

AktionsbĂŒndnis gegen Stuttgart 21, PresseerklĂ€rung vom 16.03.2016.

Das AktionsbĂŒndnis gegen Stuttgart 21 bewertet die aktuellen VorgĂ€nge und Diskussionen innerhalb des Aufsichtsrats der Deutschen Bahn AG als einen ersten Schritt in die richtige Richtung, denn: So ganz scheinen die AufsichtsrĂ€te der Deutschen Bahn den stĂ€ndigen Beteuerungen von Bahnchef RĂŒdiger Grube, alles sei gut, es gĂ€be bei S21 keine weiteren Kostenexplosionen und Verzögerungen, nicht zu trauen. So hat der Aufsichtsrat „nach sehr intensiver Diskussion“, wie die Stuttgarter Zeitung heute berichtet, eine erneute Begutachtung der Kostenentwicklung von Stuttgart 21 beschlossen.

Anlass sind die von der Verkehrsberatungs-GmbH Vieregg & Rössler erstellten Gutachten, die die Entwicklung der S21-Kosten bei konservativer Ermittlung bereits jetzt bei 10 Milliarden Euro sehen, Tendenz steigend. Ein Umstieg auf eine modernisierte Kopfbahnhoflösung wĂ€re danach auch heute noch 5,9 Milliarden Euro gĂŒnstiger als der Weiterbau des kleineren und „brandgefĂ€hrlichen“ Bahnhofs – viel Geld in Zeiten zunehmender Defizite und Verschuldung der DB!

Nachdem die DB auf eine lange Tradition des Verschweigens und Manipulierens der Kosten zurĂŒckblickt, „erwarten wir jetzt eine transparente, ehrliche und nachvollziehbare Kostenberechnung“, so BĂŒndnissprecher Eisenhart von Loeper heute in Berlin. Er hoffe, die AnkĂŒndigung des stellvertretenden Bahnvorstands Volker Kefer, durch das neue externe Gutachten solle „ein Offenbarungseid vermieden werden“, sei kein Hinweis auf neuerliche Manipulationsabsichten seitens der Deutschen Bahn.

Von Loeper begrĂŒĂŸte auch die Beauftragung eines weiteren Gutachtens, mit dem das persönliche Haftungsrisiko von AufsichtsrĂ€ten fĂŒr wirtschaftliche Fehlentscheidungen abgeschĂ€tzt werden soll. Offensichtlich verlasse man sich nicht mehr auf Staatsanwaltschaften wie die Berliner, die die Verantwortlichen bisher konsequent nach der Devise „too big to jail“ vor einer Strafverfolgung wegen Untreue geschĂŒtzt hĂ€tten. Inzwischen habe sich eine höchstrichterliche Rechtsprechung entwickelt, die den ĂŒblich gewordenen Kostenmanipulationen bei Großprojekten einen Riegel vorschieben könnte.

Hinweis: Informationen zu einer Anhörung, die heute (Anm.d.Red.: am 16.) im
Verkehrsausschuss des Bundestags stattfand, folgen zeitnah. Thema war
hier eine gesetzliche Begrenzung der bei S21 um das 6-fache
ĂŒberschrittenen Gleisneigung, die selbst vom SachverstĂ€ndigen der CDU
kritisch gesehen wurde.