Historisches Treffen zwischen Obama und Castro in Panama
PrĂ€sidenten der USA und Kuba sollen heute auf Amerika-Gipfel der Organisation Amerikanischer Staaten zusammenkommen. AuĂenminister trafen sich bereits.
Die PrĂ€sidenten der USA und von Kuba, Barack Obama und RaĂșl Castro, sind am Freitagabend (Ortszeit) im Rahmen des Amerika-Gipfels der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) aufeinander getroffen. Die beiden Staatschefs begrĂŒĂten sich persönlich. Medien aus aller Welt hatten auf die symboltrĂ€chtigen Bilder des HĂ€ndedrucks gewartet. Obama und Castro wechselten einige Worte, wie der lateinamerikanische Fernsehsender Telesur berichtete. Am heutigen Samstag wollen Obama und Castro zu einem geplanten GesprĂ€ch zusammenkommen.
Das letzte Treffen von PrĂ€sidenten beider Staaten fand im Jahr 1956 statt. Seit der Kubanischen Revolution und dem Sturz des von den USA unterstĂŒtzten kubanischen Diktators Fulgencio Batista 1959 herrschte diplomatische Eiszeit zwischen Washington und Havanna. Kuba nimmt in diesem Jahr erstmals an diesem von der OAS ausgerichteten Gipfel teil, nachdem die Mehrheit der 35 amerikanischen Staaten sich entschieden gegen einen weitere Ausgrenzung der sozialistischen Insel ausgesprochen hatten â darunter selbst das mit den USA verbĂŒndete Kolumbien.
Obama und Castro hatten am 17. Dezember ĂŒberraschend die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen angekĂŒndigt. Seither verhandeln Delegationen beider Staaten ĂŒber die Wiedereröffnung von Botschaften. Bislang unterhalten die USA und Kuba im jeweils anderen Land völkerrechtlich niedriger angesiedelte Interessenvertretungen.
Im Zuge des Amerika-Gipfels waren Kubas AuĂenminister Bruno RodrĂguez und sein US-amerikanischer Kollege John Kerry bereits am Donnerstag vor Beginn des offiziellen Programms zu einem GesprĂ€ch zusammengekommen. Die „lĂ€ngere und konstruktive Diskussion“, wie es aus dem US-AuĂenministerium hieĂ, stand im Zeichen der begonnenen Normalisierung der Beziehung zwischen beiden LĂ€ndern. Das etwa zweitstĂŒndige Treffen in einem Hotel in Panama-Stadt war das erste von Regierungsmitgliedern dieser Ebene seit 1958.
Ebenfalls am Donnerstag hatten Obama und Castro ein Telefonat gefĂŒhrt, wie aus dem WeiĂen Haus verlautete.
Die USA hatten nach der Revolution 1959 ihre Beziehungen zu Kuba abgebrochen und das Land jahrzehntelang mit einem Wirtschaftsembargo belegt, welches, nur wenig abgeschwĂ€cht, weiter in Kraft ist. Nachdem ein damit bezweckter Systemwechsel nicht eingetreten ist, hat Obama eine neue Kuba-Politik verkĂŒndet. Dazu gehören Erleichterungen fĂŒr Handel und Tourismus. Eine Wiederaufnahme voller diplomatischer Beziehungen ist angebahnt. Kuba fordert von Washington die Streichung von der US-Liste der UnterstĂŒtzerstaaten des Terrorismus. Eine entsprechende Empfehlung wurde kĂŒrzlich vom State Department abgegeben. Ein Sprecher des AuĂenministeriums hielt sich zu diesem Schritt am Freitag bedeckt. Beobachter spekulierten, ob Obama den Schritt auf dem Amerika-Gipfel am heutigen Samstag verkĂŒndet.
Deutlich kontroverser dĂŒrfte sich fĂŒr den US-Staatschef das Thema des Umgangs mit Venezuela erweisen. Nachdem PrĂ€sident Obama im MĂ€rz StrafmaĂnahmen gegen die sozialistische Regierung in Caracas verkĂŒndete, hatten sich zahlreiche Staaten der Region mit Venezuelas PrĂ€sidenten NicolĂĄs Maduro solidarisiert. Es wird erwartet, dass dieses Thema bei den heutigen Hauptberatungen in Panama eine zentrale Rolle spielt.
Erstveröffentlichung am 11.4.2015 auf Portal amerika21.de
