1914: Menschheit muss endlich Sonnenenergie nutzen oder fällt zurück in Barbarei

Vor einhundert Jahren sagte Frank Shuman, ein U.S.-amerikanischer Erfinder deutscher Abstammung: „Eine Sache, der ich mir sicher bin, ist die, dass die Menschheit endlich direkte Sonnenenergie nutzen muss oder sie wird zurück in die Barbarei fallen.“
Shuman sprach diesen Satz im Jahr 1914, kurz danach brach der Erste Weltkrieg aus.
Seither gab es eine wissenschaftliche Revolution. Die Menschheit brach auf ins All, errichte eine dauerhafte bemannte Weltraumstation im Orbit der Erde und schickte mit den beiden Voyagersonden technische Kundschafter in die unbekannten Weiten des Universums, die inzwischen das Sonnensystem verlassen haben und noch immer spannende unerwartete Messdaten zur Erde senden.
Nukleare Energie wird in Sprengköpfen von Raketen und in Atomkraftwerken angewendet. Die Kommunikation rund um den Erdball in Echtzeit wird inzwischen als selbstverständliches Medium betrachtet. Nano- und Biotechnologie wird voran getrieben und eingesetzt, ohne dabei die negativen Auswirkungen zu beachten.
Die meisten Kriege, die seit einhundert Jahren diese Welt verwüsten, werden um fossile Energieträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas geführt. Unwiederbringliche wertvolle Rohstoffe, bei deren Abbau die einheimsche Bevölkerung verdrängt und die Umwelt in grossem Ausmass verseucht wird.
Es wird immer vom „Beherrschen der Technik“ gesprochen. Das ist nicht wahr. Keine Regierung ist bereit, die neuen Technologien ausschliesslich zum Wohl der Menschheit einzusetzen. Sie sind Instrumente, um den Profit einer ausgewählten Klasse zu erhöhen. Im Gegenteil wird die Technik als Waffe eingesetzt, die „in falschen Händen zur Bedrohung wird“ – eine ständig wiederkehrende Rhetorik aus Washington und Spiessgesellen um die Bevölkerung unter ihr kontrolliertes Joch zu zwingen.
Shumans Voraussicht – aus einer Zeit, in der die Turbinen der Dampfmaschinen von der beginnenden vollständigen Elektrifizierung der Städte und zum Teil in ländlichen Gebiete abgelöst wurde, dass die Menschheit in die Barbarei zurückfallen wird, ist eingetroffen. Verbrämt in unserer Wohlstandsgesellschaft mit ihren glitzernden Grossstädten bemerken es viele Menschen nicht.
Für all diejenigen Menschen, die in Kriegen vertrieben, verwundet wurden und ihre Angehörigen verloren, noch immer durch unentdeckte Landminen zerfetzt werden und deren Böden durch Uranmunition verseucht wurden, ist das Leben durch barbarische Akte zerstört.
Das gleiche gilt für alle Heimat- und Obdachlosen, die wie Aussätzige aus den wohlhabenderen Stadtvierteln verjagt werden und sich von Abfällen der Gesellschaft ernähren. Tausende durchforsten in ärmeren Staaten täglich riesige Müllkippen um ihr Leben zu erhalten oder arbeiten unter härtesten Bedingungen wie im Frühkapitalismus. Auch in Deutschland findet diese Ausbeutung in abgeschwächter Form statt: Wer nicht reibungslos funktioniert wird ohne Mitleid als ungeeignet aus dem „Produktionsprozess“ aussortiert wie ein Stück verdorbenes Material.
Mit den gesamten uns heute zur Verfügung stehenden Wissenschaften und Kapazitäten ist es eine der vorrangigsten Aufgaben, endlich die kostenlose Energie der Sonne für unseren Lebensstil zu nutzen, den keiner bereit ist einzuschränken.
Einhundert verlorene Jahre sind seit der Veröffentlichung von Frank Shumans Anwendungsvorschlägen vergangen. Sehen Sie dazu die Kopie eines Artikels aus The New York Times vom 2.Juli 1916 über die Nutzung von Solarenergie. Wieviel wäre der Menschheit mit ihren Kapazitäten und ihrer Kreativität erspart geblieben, wenn in diesem Forschungsbereich die Prioritäten gesetzt worden wären.
Es ist höchste Zeit, den Energiebedarf durch Sonnenlicht zu decken. Im Gegensatz zur Gewinnung von Energie aus anderen Rohstoffen eröffnet sich hier der ungeheuere Vorteil des Einsatzes auf kleiner lokaler Ebene. Dazu muss nicht einmal wertvoller Boden versiegelt werden. Es gibt Anwendungen, in schon bestehenden Fahrradwegen, Aussenfassaden, Werbeschildern, Autodächern Kollektoren zu integrieren. Überall besteht die Möglichkeit, in der von uns künstlich erschaffenen Umgebung das Licht der Sonne einzufangen und umzuwandeln.
Mit dem heute Nacht zu Ende gegangenen Jahr 2014 bricht mit dem heutigen Tag ein „neues Jahrhundert“ seit Shumans oben genannten Ausspruchs an. In den nächsten Jahren muss es der menschlichen Gesellschaft gelingen, eine echte „Energiewende“ zu erreichen. Ansonsten werden die kommenden Jahrzehnte noch barbarischer als die vergangenen werden.
Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern ein gutes Neues Jahr, mit mehr, nicht nur wortwörtlichen Sonnenschein, in ihrem Leben.
Artikel zum Thema
14.12.2009 Klimagipfel in Kopenhagen: Kubas neue Revolution
“Die Sonne scheint für alle, auch die Reichen. Sie gehört niemandem, also ist die Sonnenenergie die Energie des Sozialismus, der Energieproduzent der Völker, die Energie der Zukunft.”
“Energie ist ein Instrument der Macht. Wer Energie hat, kontrolliert die Welt”