Der Folterbericht des Senats verschwindet
Arbeitet David Copperfield fĂŒr die CIA?
Die Krise rund um den Islamischen Staat in Irak und Syrien (ISIS) ist ein GlĂŒcksfall fĂŒr Politiker, was wahrscheinlich der Grund dafĂŒr ist, dass die tatsĂ€chlich von der Gruppe ausgehende Gefahr aufgebauscht wird, wĂ€hrend das WeiĂe Haus und das Pentagon weiterhin die Bedeutung von allgemein gebrĂ€uchlichen englischen AusdrĂŒcken Ă€ndern, um den Angriff auf ungefĂ€hr jedermann allerorts zu ermöglichen. Es wird uns gesagt, dass die Vereinigten Staaten von Amerika freie Hand haben werden bei der Bombardierung von Syrien, einem unabhĂ€ngigen Land, mit dem Washington sich nicht im Krieg befindet. Die Administration hat gewarnt, dass wenn Damaskus versucht, sich gegen die Luftarmada zu verteidigen, das Konsequenzen haben werde in Form von âVergeltung,â was nahelegt, dass die Vereinigten Staaten von Amerika zurĂŒckschlagen werden, wenn sie angegriffen werden. Eigenartig genug, laut meinem Wörterbuch sind es die Syrer, die zurĂŒckschlagen wĂŒrden, aber man geht davon aus, dass in Emerald City nichts so ist wie es scheint und bestimmte Wörter wenig oder keine Bedeutung haben.
Die durch ISIS ermöglichte willkommene Ablenkung bedeutet, dass das Thema Gaza, welches kĂŒrzlich von den Israelis verwĂŒstet wurde, weitgehend aus den Massenmedien verschwunden ist, was Benjamin Netanyahu ermöglicht hat, noch mehr Land auf der West Bank fĂŒr neue Siedlungen zu stehlen. Und erinnern Sie sich an MH-17? Noch immer eine offene Frage, wer es getan hat, und niemand schert sich mehr darum.
Hier in Amerika hat auch der Disput ĂŒber den Bericht des Geheimdienstkomitees des Senats ĂŒber die Folter der Central Intelligence Agency (Zentrale Geheimdienstbehörde – CIA), frĂŒher in diesem Jahr ein heiĂes Thema, davon profitiert, da dieser weitgehend aus der Sicht verschwindet. Der akribisch recherchierte Senatsbericht, der 6.000 Seiten mit 35.000 FuĂnoten umfasst, kam anscheinend zum Schluss, dass die Folterung von TerrorismusverdĂ€chtigen nicht nur unter der Folterkonvention der Vereinten Nationen, der Washington angehört, illegal war, sondern dass sie auch wirkungslos war und keine Informationen erbracht hat, die anderweitig nicht zu bekommen waren.
Warum ist das Folterthema wichtig ĂŒber die Tatsache hinaus, dass ein Kriegsverbrechen von den höchsten Ebenen der Bundesregierung autorisiert wurde, nachdem ein âverzeih und vergissâ vorwĂ€rts blickendes WeiĂes Haus bereits zu erkennen gegeben hat, dass niemand je fĂŒr illegale Handlungen bestraft werden wird, die in der Folge des 9/11 begangen wurden? Es ist wichtig aufgrund seiner verfassungsmĂ€Ăigen Auswirkungen und seiner Auswirkungen auf den Rechtsstaat in den Vereinigten Staaten von Amerika, ĂŒber den sich die Administration in ihrem eiligen Drang hinwegsetzt, ISIS zu âzerstörenâ, der wenig mehr ist als eine Terroristengruppe vom Dienst, die ausgenĂŒtzt wird, um die amerikanische Ăffentlichkeit zu erschrecken. Auf einfachste Weise ausgedrĂŒckt besteht das Verfassungsthema darin, dass die CIA fĂŒr den PrĂ€sidenten arbeitet, und wenn sie ohne gesetzlich angeordnete Aufsicht durch den exekutiven Bereich und Gerichte tĂ€tig ist, dann macht sie das in Missachtung der Gewaltenteilung, was die Behörde kaum besser dastehen lĂ€sst als eine Geheimarmee unter dem Befehl des POTUS (President Of The United States).
Die UnfĂ€higkeit des Senatskomitees, die Behörde und das WeiĂe Haus zu zwingen, eine akzeptable Fassung ihres Berichts herauszubringen und eine Vereinbarung darĂŒber, welche Teile davon veröffentlicht werden können, ist ebenfalls wichtig, weil sie enthĂŒllt, dass das Beste, was der Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika tun kann, um die Geheimdienste des Landes zu beaufsichtigen, kaum der Rede wert ist. Die vergangenen 22 Monate der Verzögerung der Herausgabe des Berichts haben gezeigt, dass die Geheimdienstkreise mit der UnterstĂŒtzung des WeiĂen Hauses jedes Thema bis zum St. Nimmerleinstag abblocken können.
Der letzte Stand des Gerangels zwischen Behörde und Kongress enthĂŒllt eine schlechte Arbeitsbeziehung zwischen dem Senat und der CIA und gibt zu erkennen, dass Langley (der Sitz der CIA-Zentrale) wieder die Reihen dicht macht gegen seine Kritiker. In einer Geheimsitzung hinter verschlossenen TĂŒren am 9. September weigerte sich CIA-Direktor John Brennan bekanntzugeben, wer in der CIA das Eindringen in die Computer genehmigt hat, die von den Mitarbeitern des Senats benutzt werden, um ihre Berichte zusammenzustellen. Ein Schreiduell mehrerer Senatoren, alles Demokraten, ergab sich mit einigen Senatoren, die zu wissen verlangten, wie Brennan sich weigern konnte, ihre Fragen zu beantworten.
Die Behörde hatte anfĂ€nglich zu ihrer Verteidigung behauptet, dass die Bespitzelung der Computer aufgrund der vermuteten Abfrage und Löschung geheimer CIA-Berichte durch die Senatsmitarbeiter erfolgt sei, hĂ€lt aber diese Behauptung nicht mehr aufrecht. Es wird berichtet, dass Brennan sich weigerte, die beiden von den Senatoren gestellten Fragen zu beantworten, weil er nicht die laufenden Untersuchungen des Computerhackings durch das Justizministerium und den CIA-Generalinspektor âgefĂ€hrdenâ wollte, aber das Komitee fand, dass bei Fragen blockierte, die relativ einfach zu beantworten gewesen wĂ€ren. HĂ€tte er die Antworten nicht gewusst, hĂ€tte er das sagen können. So nebenbei sei noch bemerkt, dass die beiden Untersuchungen kaum unabhĂ€ngig sind, da die eine hausintern von der CIA und die andere von einem politisch motivierten Justizminister gefĂŒhrt wird, der darauf aus sein wird, den PrĂ€sidenten zu schĂŒtzen.
Die CIA hat auch an ihrer eigenen Widerlegung des Senatsberichts gearbeitet, die aufzeigen soll, dass die Folter tatsĂ€chlich wirkte und dass niemand in der Behörde irgendwelche Gesetze gebrochen hat. Man hört auch, dass sie versucht, wichtigere Abschnitte der 60-seitigen Zusammenfassung zu redigieren, welche den Teil darstellt, der am ehesten an die Ăffentlichkeit kommen wird, eine BemĂŒhung, die wenn sie Erfolg hat, das Endergebnis weitgehend unlesbar machen wird. Das wĂŒrde wahrscheinlich auch jede Beschuldigung oder Vermutung von âAuftrag danebengegangenâ verhindern, was breiteren politischen Interessen der Behörde schaden könnte.
Es gab auch einige Spekulation darĂŒber, dass die CIA die Angelegenheit hinausziehen möchte in der Hoffnung, dass die Republikaner im November die Kontrolle des Senats ĂŒbernehmen werden, was die Veröffentlichung irgendeines Teils des Berichts unwahrscheinlich machen wĂŒrde. Das WeiĂe Haus hat im ĂberprĂŒfungsprozess zwischen Geheimdienst und Senat vermittelt, hat sich aber ĂŒber seine PrĂ€ferenzen weitgehend ausgeschwiegen. Wahrscheinlich will es, dass der Bericht geheim bleibt oder in der rechtlichen Grauzone, da seine Veröffentlichung den Druck auf PrĂ€sident Obama verstĂ€rken könnte, etwas gegen die kriminellen AktivitĂ€ten zu tun, die enthĂŒllt werden könnten, und sich dadurch auf ein gefĂ€hrliches politischen Pflaster zu begeben.
Die CIA hat auch begrĂŒĂt, dass der ehemalige Direktor George Tenet zurĂŒckgekommen ist, um bei der Erstellung seines eigenen Widerlegungsberichts zu helfen, von dem sie hofft, dass er sie von jeder Anschuldigung entlasten wird oder zumindest in eine andere Richtung weisen wird. Tenet war der Leiter der Behörde, als die Folterungen durchgefĂŒhrt wurden, wĂ€re also einerseits eine logische Wahl fĂŒr die Erarbeitung einer Verteidigung, obwohl er andererseits darauf aus wĂ€re, jede direkte Rolle seinerseits und seiner Komplizen zu vertuschen, und sei es auch nur um das bisschen zu erhalten, was von ihrer Reputation noch ĂŒbrig ist, nachdem keine Chance besteht, dass einer von ihnen ins GefĂ€ngnis gehen wird.
Schauen wir uns einmal George Tenet an. Er ist ein Amerikaner griechischer Abstammung aus Queens, der nie ein richtiger Agent oder Analyst war, sondern seinen Weg in die oberen Etagen der Geheimdienste durch eine Reihe von Positionen im Kongress machte. Als hochrangiger Mitarbeiter im Senatskomitee fĂŒr Geheimdienste lernte er viele wichtige Politiker kennen. Er konnte sich in einer leutseligen Art mit Bill Clinton unterhalten, der ihn letztendlich 1997 als Direktor der CIA vorschlug, und diskutierte spĂ€ter Baseballinterna mit George W. Bush und zementierte so seinen Posten in der neuen republikanischen Administration. Tenet war auch am 9/11 zustĂ€ndig, was fĂŒr die Behörde etwas peinlich war. SpĂ€ter zerstörte er seine eigene GlaubwĂŒrdigkeit völlig, als er erklĂ€rte, dass Argumente fĂŒr einen Krieg gegen den Irak zu liefern eine âgemĂ€hte Wieseâ war, ehe er die Vereinten Nationen und AuĂenminister Colin Powell ĂŒber die Gefahr tĂ€uschte, die Iraks Saddam Hussein darstellte. Tenet trat spĂ€ter zurĂŒck in einige gutbezahlte Direktorenposten, ehe er ein Buch schrieb mit dem Titel âCenter of the Stormâ (Zentrum des Sturms), das ihm laut Berichten Vorauszahlungen in der Höhe von $4 Millionen eintrug, wĂ€hrend es klar aufzeigt, dass er ein groĂer amerikanischer Held ist.
George wird also untersuchen, was George machte, als er der gute alte Direktor George von der CIA war. Als ich noch fĂŒr die Regierung arbeitete, diente ich einmal in einer fremden Stadt, in der die Residenz eines neuen Konsuls der Vereinigten Staaten von Amerika errichtet wurde. Diese war so schleiĂig gebaut, dass in den Decken Löcher waren und das Wasser innen die WĂ€nde hinunterlief, aber der Verwaltungsbeamte des AuĂenministeriums, der verantwortlich war, wurde versetzt, ehe das Projekt beendet war. Ein Jahr spĂ€ter kam er als Inspektor zurĂŒck, nachdem Beschwerden laut geworden waren, um das Projekt zu ĂŒberprĂŒfen. Er stellte fest, dass alles ganz in Ordnung war. Das ist wie George fĂŒr die ĂberprĂŒfung von George verantwortlich zu machen, aber wenn die ISIS-Sache weiterhin dermaĂen Dampf macht, wird jeder in den Medien und in der Ăffentlichkeit irgendwann vergessen, dass es jemals einen Folterbericht des Senats gegeben hat. In der Sprache der Geheimdienste wird er âverschwunden werden.â
Orginalartikel Senate Torture Report Vanishes vom 23. September 2014
Quelle: http://antikrieg.com/aktuell/2014_09_23_derfolterbericht.htm
