Neun tote Punkte um als Band, Galerie, Label, Filmemacher und bzw mit Webseite zu scheitern

1. Auf keinen Fall Erfolg haben wollen. Weil, den haben immer nur die Anderen und das war auch schon immer so.

2. Nicht begreifen, was das Internet, was das World Wide Web und wozu eine Webseite da ist und wie diese mit der wirklichen Welt und diesem bösen Erfolg zusammenhÀngen könnte, den man nicht haben will.

3. Immer erst dann irgendetwas begreifen, wenn
3.1. man das GefĂŒhl hat jetzt mĂŒsse man was tun, weil der schicke Kerl, die rasante Braut oder der Sponsor / A & R / Manager / Veranstalter / Produktionsfirma / Filmverleih / Blutsauger mit den Moneten einen sonst fĂŒr total unmodern halten und aus seiner jeweiligen Sklavengaleere schmeißen könnte.
3.2. einen jemand auf der Straße inmitten von TrĂŒmmern, in der Intensivstation, oder vollgesabbert in der Kneipenecke wachrĂŒttelt.

4. Wenn man es denn nun bereits geschafft hat Toten Punkt 1, 2 und 3 zu ĂŒberwinden, erstelle man man sich nun passenderweise mit einem 2und2 Baukasten (Name zum Schutze des Konsortiums geĂ€ndert), oder einem unfĂ€higen, vertrottelten, verkifften und / oder gestörten Kumpel von „Techniker“, fĂŒr den man im irgendwann im Party-Rausch aus Mitleid eine lebenslange Vollzeitbetreuung ĂŒbernommen hat, eine Schrottwebseite aus dem 20. Jahrhundert die nur als HĂŒhnerlacher taugt. Ganz wichtig dabei: das Wort „Suchmaschinenoptimierung“ a.k.a. den draufkolonisierten Anglizismus „Search Engine Optimization“ (SEO) scheuen wie der Konzernvampi das ĂŒber die eigene Schulter geladene Kreuz und wirklich jeden Dreck ins html pflastern (lassen), aber auf keinen Fall einen title tag oder eine description die was taugt.

5. Alle fĂŒr die eigene Zukunft und / oder den glĂŒcklichen Lebenslauf ungezĂ€hlter Freunde und Freundinnen elementaren Inhalte, Texte, Artikel und Videos, z.B. fĂŒr eine Veröffentlichung, einen Release, eine Ausstellung, ein Konzert, einen Kurzfilm, ein Interview mit der besten Band ĂŒberhaupt, niemals auf der eigenen Webseite in einen eigenen Artikel mit eigenstĂ€ndiger Url setzen. Es könnte am Ende noch gefunden werden, sogar noch in ein paar Monaten oder Jahren, von diesem Onkel Google von dem man mal was gehört hat, aus Amerika. Am Ende kommt da noch einer an und will darauf verlinken, in den Soziaaalen Medien, z.B. Genau auf dieses Konzert. Auf diese Ausstellung. Diesen Release. Diese Party. Diese Kinovorstellung. Dieses Filmfestival. Um Himmels Willen, das könnte noch im Erfolg enden. Nein, nein – immer alles unter dieselbe Url klatschen, am besten gleich in die Startseite, den alten Kram von gestern einfach rauslöschen, wer will denn noch in zwei Tagen was von einem Konzert in zwei Wochen lesen. Oder einfach alles auf der Seite runterrutschen lassen und dann 874 Leuten auf der Email-Liste zum dreitausendsten Mal die gleiche Url schnabbeldidu.de schicken und wenn die dann anrufen einfach sagen „Musste mal runterscrollen, da stehtÂŽs doch“.

6. Jeden Tag auf Facebook oder Twitter wohnen und ĂŒber den bösen Kapitalismus, böse MĂ€nner und / oder böse Frauen Sermon texten. Dabei stundenlang wie wahnsinnig auf dem Mobilcomputer rumtippen, weil der irgendwie so sĂŒĂŸ ist, weil der Handy und Tablet heisst und einen immer gut versteht wenn man mit ihm redet. Aber auf keinen Fall irgendetwas auf der eigenen Webseite schreiben, weil man dafĂŒr einfach keine Zeit hat und die sowieso keiner liest und ein „Blog“, auf dem man tĂ€glich in 2 Minuten was veröffentlichen könnte, viel zu aufwendig wĂ€re. Und wenn man mal was auf der eigenen Webseite schreibt, textet, ein Video raushaut oder eine Tour-Tagebuch veröffentlicht, tritt automatischer Toter Punkt 5 in Kraft.

7. Vor jedem guten Freund mit rudimentĂ€rsten Kenntnissen der Materie weglaufen, weil man sowieso weiß was der einem erzĂ€hlen will. Ansonsten, wenn man mal erwischt wird und sich nicht mehr vom Acker in die ĂŒbliche Agonie zurĂŒckschleichen kann, vor Ort an die Tasse oder Flasche hĂ€ngen, den Autopiloten einschalten, (Augen)Lieder auf Halbmast und (beliebig kombinierbar) immer nur die Wörter sagen: „ja“, „nee“ und „irgendwie“, bis die entsetzlichen drei Minuten wieder vorbei sind, dann einfach „Du, ich muss weg, mein Handy will was von mir und ich kann nicht anders“, Abgang.

8. Wenn man ĂŒberhaupt nicht mehr weiter weiß und Gefahr lĂ€uft seine ganze Arbeit nicht mehr wie besoffen jeden Tag in die Tonne zu kloppen weil man zu bescheuert ist, einfach irgendeinen der angelernten (miesen) ZaubersprĂŒche herunterbeten, wie z.B.
7.1. „Wir sind hier nicht in Amerika.“
7.2. „Das war schon immer so.“
7.3. „Die sollte man alle…“
7.4. „Der und der hat mir gesagt, man kann ja nichts machen“, etc,
bis man sich wieder besser fĂŒhlt und Toter Punkt 8 nicht mehr ĂŒberwinden will, um sich dem letzten und entscheidenden zu stellen:

9. das hier nicht begreifen.