Die Brüder ist ein fantastisches Buch

Bevölkerungskontrolle Militär, Krieg Politik, Diplomatie

Ich habe gerade eines der besten und wichtigsten Bücher fertig gelesen, die ich je gelesen habe. Es ist „The Brothers: John Foster Dulles, Allen Dulles and Their Secret War” [Die Brüder John Foster Dulles, Allen Dulles und ihr geheimer Krieg] von Stephen Kinzer. Das Buch ist faszinierend und packend. Ich konnte es nicht weglegen. Es holt weit aus, um die Misere zu erklären, in der sich die Vereinigten Staaten von Amerika heute befinden.

Im Großen und Ganzen geht es in diesem Buch um die Aktionen der CIA und des Aussenministeriums während der ersten Periode des Kalten Kriegs, besonders von 1947 bis in die späten 1960er und um die Rolle, die die Gebrüder Dulles in dieser Zeit spielten. John Foster Dulles war Aussenminister und Allen Dulles Direktor der CIA. Das Buch geht besonders ein auf sechs Regimewechsel-Operationen in der Amtszeit der Gebrüder Dulles: im Iran, in Guatemala, Indonesien, Vietnam, Kuba und im Kongo, darunter die ersten vom Präsidenten angeordneten Ermordungen von ausländischen Führern in der amerikanischen Geschichte.

Wir leben heute in einer Zeit, in der viele Amerikaner den nationalen Sicherheitsstaat verherrlichen. Sie glauben allen Ernstes, dass wenn wir nicht die große Armee, das Weltreich in Übersee, die CIA und NSA hätten, die Vereinigten Staaten von Amerika nicht mehr lange existieren würden. Ohne den nationalen Sicherheitsstaat, so glauben diese Amerikaner schlicht und ergreifend, würde Amerika schnell in die Hände der Kommunisten fallen, der Terroristen, der illegalen Ausserirdischen, der Drogenhändler oder irgendeiner Kombination aus diesen allen.

Sie loben die Soldaten in den höchsten Tönen und nehmen automatisch an, dass wir umso sicherer hier zu Hause sind, je mehr Menschen sie dort draussen umbringen. Sie verherrlichen die CIA, auch wenn sie nicht genau wissen, was diese tut – und, noch wichtiger, das auch nicht wissen wollen. Sie mögen die Tatsache, dass die NSA sie bespitzelt, möchten aber nicht wissen, dass sie sie bespitzelt. Sie können sich einfach nicht vorstellen, das Leben zu leben, das unsere amerikanischen Vorfahren länger als eineinhalb Jahrhunderte lang vor dem Zweiten Weltkrieg lebten – ein Leben ohne einen nationalen Sicherheitsstaat.

Diese Amerikaner verdrängen die Tatsache aus ihrem Bewusstsein, dass eine freie Gesellschaft und ein nationaler Sicherheitsstaat unvereinbar sind. Tatsächlich sind sie selbst davon überzeugt, dass sie frei sind infolge des nationalen Sicherheitsstaates.

Bücher wie das von Kinzer helfen, die Unwahrheiten und Missverständnisse in Hinblick auf das Militär und die CIA zu durchdringen, die die Hirne so vieler Amerikaner im Griff haben. Das Buch zeigt, wie die Vereinigten Staaten von Amerika nach dem Zweiten Weltkrieg in eine andere Richtung abdrifteten, eine Richtung, die mit vielen Aktivitäten im Dunkel verbunden war, die der nationale Sicherheitsstaat vor dem amerikanischen Vokl geheim hielt und von denen das amerikanische Volk seinerseits einfach nichts wissen wollte.

Das alles wurde gerechtfertigt als Bekämpfung der Kommunisten, oder genauer, um Amerika sicher und geschützt zu halten vor Amerikas Partner und Alliiertem im Zweiten Weltkrieg, der Sowjetunion, welche angeblich dabei war, eine weltweite kommunistische Bewegung zu orchestrieren mit dem Ziel, die gesamte Welt zu erobern und zu kontrollieren.

Da gab es den Staatsstreich der CIA im Iran, der den beliebten Mohammad Mossadegh stürzte und das brutale diktatorische Regime des Schah wieder an die Macht brachte. Da gab es den von der CIA betriebenen Sturz des demokratisch gewählten Präsidenten Guatemalas und dessen Ablösung durch eine brutale Diktatur. Da gab es die Anzettelung eines furchtbaren Bürgerkriegs in Indonesien durch die CIA. Da gab es den Plan der CIA, den Anführer des Kongo zu ermorden. Da gab es den Staatsstreich und die Ermordung des von den Vereinigten Staaten von Amerika bestellten Anführers von Südvietnam durch die CIA. Da gab es die Invasion Kubas durch die CIA und wiederholte Versuche, Fidel Castro zu ermorden.

Natürlich waren schon auch andere Faktoren beteiligt, zum Beispiel die Verstaatlichung von britischen Erdölinteressen im Iran oder die Verstaatlichung von Land, das einer Gesellschaft in den Vereinigten Staaten von Amerika gehörte, mit der die Gebrüder Dulles in enger Verbindung standen. Und natürlich wollten Führer der Dritten Welt sich einfach aus der Politik des Kalten Krieges heraushalten. Was zählte, war, dass wann immer ein Führer im Ausland nicht das machte, was die Regierungsvertreter der Vereinigten Staaten von Amerika von ihm haben wollten, das seine Regierung zu einem Feind im Kalten Krieg und daher zum Ziel eines Regimewechsels machte, einschliesslich durch Ermordung. Die Einstellung war „Wenn du nicht für uns bist, dann bist du gegen uns.“ Neutralität kam nicht in Frage.

Und natürlich leiden Amerikaner und andere rund um die Welt an den furchtbaren Ergebnissen dieser Regimewechsel-Operationen. Betrachten Sie nur den Zustand der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und dem Iran. Oder die hunderttausenden Gräber in Guatemala als ein Ergebnis des Bürgerkriegs, zu dem der Putsch der CIA geführt hat. Oder das noch immer bestehende brutale Embargo der Vereinigten Staaten von Amerika gegen Kuba. Oder die Familien, die noch immer den Verlust von Lieben in Vietnam und hier in den Vereinigten Staaten von Amerika betrauern.

Das alles war eine neue Richtung für Amerika, eine finstere Richtung, eine, mit der das amerikanische Volk bis dahin noch nie zu tun hatte. Und das alles wurde unter dem Titel „die kommunistische Gefahr“ gerechtfertigt, besonders mit der angeblichen Gefahr, dass die Kommunisten überall stecken und kommen, um uns zu packen und unser Land zu übernehmen, ganz ähnlich wie wir es heutzutage von den Terroristen hören.

Warum ist diese frühe Periode des Kalten Krieges für heute so relevant? Weil die Probleme mit der Aussenpolitik/den bürgerlichen Freiheiten, mit denen Amerika heute konfrontiert ist, in dieser Zeit ihre Wurzeln haben. Ein Verständnis dieser Periode ist deshalb so entscheidend wichtig, damit wir verstehen, was wir tun müssen, um uns aus dem Sumpf zu befreien, in dem wir stecken. Das Wiederfinden der richtigen Richtung für unser Land, einer Richtung, welche beruht auf gesunden moralischen, wirtschaftlichen und gesetzlichen Grundsätzen, schliesst unbedingt eine Untersuchung darüber ein, was in Amerika nach dem Zweiten Weltkrieg falsch gelaufen ist.

Ich habe bereits früher ein Buch mit dem Titel “The War State: The Cold War Origins of the Military-Industrial Complex and the Power Elite 1945-1963” [Der Kriegsstaat: die Ursprünge des Kalten Kriegs des Militär-/Industriellen Komplexes und der Machtelite 1945-1963] von Michael Swanson empfohlen. Dieses Buch vermittelt den besten Überblick über die militärische Komponente des nationalen Sicherheitsstaats im Kalten Krieg.

Und jetzt haben wir Stephen Kinzers Buch über die Brüder, das besonders die Regimewechsel-Operationen behandelt, die die CIA in derselben Periode betrieben hat.

Wenn Sie beide Bücher lesen – Der Kriegsstaat und Die Brüder – werden sie fast perfekt verstehen, wie wir in dieses Schlamassel hineingeraten sind, was diese Sauerei unserem Land angetan hat und was wir brauchen, um herauszukommen.

Orginalartikel "The Brothers Is a Fantastic Book" vom 7. Oktober 2013

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William Joseph Donovan, ehemaliger Geheimdienstchef des Office of Strategic Services (OSS), fungierte im Status einer Zivilperson als Geschäftsführer. Stellvertretender Geschäftsführer der ACUE wurde der fünf Jahre später ins Amt berufene CIA-Direktor Allen Welsh Dulles, dessen Bruder John Foster Dulles zeitgleich ab 1953 den Posten des Aussenminister der Vereinigten Staaten von Amerika begleitete. Der Onkel der beiden Brüder, Robert Lansing, war als US-Aussenminister nach dem Ersten Weltkrieg an der Gestaltung des Versailler Vertrages beteiligt und wurde von John Foster Dulles beraten.

Die Gebrüder Dulles arbeiteten vor Beendigung des 2. Weltkrieges in der Wirtschaftskanzlei Sullivan & Cromwell – John Foster als Direktor – und vertraten mit viel Lobbyarbeit die Interessen zahlreicher Großunternehmen wie die der Chase Bank, von Ford, ITT, SKF, der Belgischen Nationalbank, der Baukonzerne des Panamakanals, der United Fruit Company und – der I.G. Farben, dem heutigen Bayer-Konzern.

Quelle: http://antikrieg.com/aktuell/2013_10_13_diebrueder.htm