#14nRiseUp : Ticker zum Generalstreik in Portugal, Spanien, Italien, Malta, Griechenland und Zypern
Die Arbeitenden von sechs Demokratien auf dem Kontinent wehren sich gegen die im Zuge des Euro-Kapitalismus maĂgeblich aus Deutschlands Regierung und Parlament heraus organisierte Zerstörung ihrer Staaten und deren PlĂŒnderung durch GeldhĂ€ndler und Kapitalisten. Radio Utopie berichtet dazu ĂŒber den Tag in einem Ticker.
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Am 3. Oktober rief der portugiesische Gewerkschaftsverband âConfederação Geral dos Trabalhadores Portuguesesâ C.G.T.P., als Antwort auf die maĂgeblich von Regierung, Parlament und etablierter Presse Deutschlands befohlene Freigabe Portugals fĂŒr einen Raubzug von GeldhĂ€ndlern und Kapitalisten, fĂŒr den 14. November den Generalstreik aus. Parole des nun heute stattfindenden Generalstreiks: „Gegen Ausbeutung und Verarmung“, „FĂŒr ein Portugal mit Zukunft“.
Zuvor hatten der ex-Zentralbank-Statistiker Anibal Silva (PrĂ€sident) und Manager Pedro Coelho (Premierminister) zusammen mit dem Parlament Portugals gehorsam alle Anweisungen aus der Merkel-Regierung, der Frankfurter Euro-Zentralbank E.Z.B, aus der Kommission des Staatenbundes „EuropĂ€ische Union“, sowie aus dem „Internationalen WĂ€hrungsfonds“ umgesetzt.
Im Zuge des Euro-Kapitalismus und seines Euro-Finanzsystems wird der Finanztransfer staatlicher Gelder zur Begleichung von Zinsforderungen von Banken und Finanzorganisationen gegenĂŒber anderen Staaten als „Hilfe“, „Rettung“ oder „Rettungspaket“ bezeichnet. Das ist eine LĂŒge. Statt LĂ€ndern wie Portugal, Spanien oder Griechenland durch staatliche Kredite zu helfen, haben gerade Regierung und Parlament von Deutschland diese LĂ€nder so zu den Schuldnern des deutschen Staates gemacht, so die Schulden der betreffenden europĂ€ischen Staaten noch erhöht und zur AusplĂŒnderung durch die Banken und GeldhĂ€ndler beigetragen, bei denen alle „Hilfe“ letztlich gelandet ist und deren Profite durch alle Seiten unangetastet bleiben (Wie die Systematik des Raubzugs im Euro-System funktioniert ist hier erklĂ€rt).
Auf den Aufruf zum Generalstreik des portugiesischen Gewerkschaftsverbandes C.G.T.P. reagierten in der Nachbarmonarchie Spanien zwei VerrĂ€termaschinen Ă€uĂerst nervös: die GewerkschaftsverbĂ€nde âComisiones Obrerasâ C.C.O.O. (âArbeiterkommissionenâ) und die âUniĂłn General de Trabajadoresâ U.G.T. (âAllgemeine Arbeiterunionâ), deren Kader noch am 6. September zusammen mit dem Vorsitzenden des deutschen und des internationalen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, die Ausstattung des „EuropĂ€ischen Stabilisierungsmechanismus“ E.S.M. mit einer Banklizenz als âden einzig gangbaren Weg gegen die Ăbermacht der Spekulanten und FinanzmĂ€rkteâ bezeichnet hatten und bereits seit Jahren den Finanzdiktaten und Entstaatlichungsprogrammen durch PassivitĂ€t und Beruhigungstaktik zuarbeiten.
Spaniens etablierte GewerkschaftsverbĂ€nde C.C.O.O. und U.G.T. aktivierten, bevor sie selbst irgendetwas unternahmen, zuerst eine der bizarrsten und heuchlerischsten Leichen, die das politisch-gesellschaftliche Theater auf dem Kontinent je gesehen hat: den „EuropĂ€ischen Gewerkschaftsbund“ („European Trade Union Confederation„, E.T.U.C.).
Wer ist Vorsitzender dieses „EuropĂ€ischen Gewerkschaftsbundes? Ignacio FernĂĄndez Toxo, rein zufĂ€llig ebenfalls Vorsitzender der âComisiones Obrerasâ C.C.O.O. (âArbeiterkommissionenâ) Spaniens.
So kam es dann, dass am 17. Oktober „zuerst“ der „EuropĂ€ische Gewerkschaftsbund“ zu einem „Aktionstag“ am 14. November aufrief (von Generalstreik ist im Aufruf nicht die Rede) und dann die spanischen GewerkschaftsverbĂ€nde C.C.O.O. und U.G.T. zu einem Generalstreik in Spanien an diesem Tag; einem Generalstreik, der auch ohne sie stattgefunden hĂ€tte, da sich die Arbeitenden Spaniens, erbittert ĂŒber die VerrĂ€ter in C.C.O.O. und U.G.T., bereits zunehmend selbst organisieren. (18. Oktober, VerrĂ€termaschine âEuropĂ€ischer Gewerkschaftsbundâ aktiviert sich, um Generalstreik in Portugal und Spanien aufzufangen und zu kanalisieren)
Dem Aufruf des âConfederação Geral dos Trabalhadores Portuguesesâ C.G.T.P. in Portugal zum Generalstreik am heutigen 14. November haben sich mittlerweile Gewerkschaften in fĂŒnf weiteren europĂ€ischen Demokratien angeschlossen; neben Spanien auch Italien, Griechenland, Malta und Zypern.
Ăber die Ereignisse des heutigen Tages berichten wir dazu in einem Ticker.
Spanien, heute Nacht
Auf dem Puerta del Sol beginnt der Tag des Generalstreiks mit Demonstrationen und Versammlungen.
10.00 Uhr
Bereits gestern verkĂŒndete in Portugal Sparroboter Coelho, er werde weiter den Staat einsparen, so viel es ihm befohlen werde. Premierminister Coelho sonderte Versprechungen und Durchhalteparolen ab.
Auch in Spanien orientiert sich Merkels dortiger Statthalter, Mariano Rajoy, weiter an seinen Vorgaben und ignoriert demzufolge weiter die RealitĂ€t. Rajoys redet verwirrt ĂŒber 2014, es werde alles besser, usw. Den Generalstreik im Land erwĂ€hnt er nicht einmal.
In Griechenland lÀsst die Polizei am Athener Platz der Verfassung (Syntagma) ab 12.00 Uhr Ortszeit wegen den Demonstrationen den U-Bahnhof sperren.
WĂ€hrenddessen: Verlinke(r) in Deutschland.
10.30 Uhr
In Griechenland zum Generalstreik aufgerufen haben die beiden gröĂten GewerkschaftsverbĂ€nde der Republik, die Dachorganisation der GewerkschaftsverbĂ€nde von Angestellten und Beamten des Ăffentlichen Dienstes A.D.E.D.Y., sowie die bereits 1918 im Königreich gegrĂŒndete Dachorganisation der Arbeitenden in den kommerziellen Betrieben G.S.E.E..
10.47 Uhr
In Frankreich, dessen Gewerkschaften sich nicht Generalstreik der Kollegen und Kolleginnen in Portugal, Spanien, Italien, Griechenland, Malta und Zypern anschlieĂen wollten, legen sich in Le Mans zum Protest gegen die unter der PrĂ€sidentschaft von Francois Hollande weiter eskalierenden Spardiktate und Entstaatlichungen Feuerwehrleute auf StraĂenbahnschienen. Die Umfragewerte fĂŒr „Flamby“ sind derweil so rasant eingekracht wie nie zuvor bei einem französischen PrĂ€sidenten nach dessen Amtsantritt. Nur noch 41 bis 46 Prozent der Franzosen bekunden noch ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr den „Sozialisten“ im Elysee-Palast. Gestern versuchte sich Hollande diesbezĂŒglich in einer hochnotpeinlichen Pressekonferenz, die eher einer Audienz fĂŒr die braven Untergebenen der Presse glich, herauszureden.
11.00 Uhr
Italien: Bilder von Streikenden in Florenz, ca. 5000 Menschen in den Gassen der alten Stadt.
11.15 Uhr
In Italien der „Confederazione Generale Italiana del Lavoro“ mit seinen 5 bis 6 Millionen Mitgliedern (die Angaben schwanken) zu einem mehrstĂŒndigen Generalstreik aufgerufen, der in den jeweiligen Regionen unterschiedlich gehandhabt wird (in den plötzlich von Unwettern und Fluten heimgesuchten Regionen Toskana und Umbrien fahren z.B. die ZĂŒge weiter).
Die Generalstreiks in Portugal und Spanien gehen ĂŒber 24 Stunden.
11.25 Uhr
Ăberraschend inhaltsvoller Bericht des ZDF (hat da jemand das Telefon abgestellt?). In Spanien will Merkel-Statthalter Rajoy Staat und Bevölkerung 150 Milliarden Euro entziehen („einsparen“) – allein bis 2014.
11.44 Uhr
Wie der britische „Guardian“ in seinem Ticker berichtet, gibt es heute allein in Frankreich 130 Demonstrationen und ProtestmĂ€rsche.
In London haben der PrĂ€sident des britischen Gewerkschaftsbundes T.U.C., Lesley Mercer, sowie T.U.C-GeneralsekretĂ€r Brendan Barber im BĂŒro der E.U.-Kommission einen offenen Brief ĂŒbergeben, in dem sie sich mit den heute stattfindenden Generalstreiks auf dem Kontinent solidarisieren (wenn sie schon nicht teilnehmen). Auszug aus dem T.U.C-Brief an die E.U.-Kommission:
„Die SparmaĂnahmen, die die EuropĂ€ische Kommission, der I.W.F. und die EuropĂ€ische Zentralbank gegen einige LĂ€nder verhĂ€ngt haben und fĂŒr andere empfehlen, ziehen ganz Europa in die ökonomische Stagnation….Diese MaĂnahmen, weit davon entfernt wieder Zuversicht in die FinanzmĂ€rkte herzustellen, dienen nur dazu Ungleichgewichte zu verschlimmern und Ungerechtigkeit zu hegen und zu pflegen. Arbeiter und BĂŒrger bezahlen den Preis fĂŒr eine Krise die sie nicht verursacht haben – in Arbeitslosigkeit, fallenden Löhnen und Lebensstandards und Einschnitten im Ăffentlichen Dienst.“
Wer zwischendurch mal lachen will: das sind „Google News“ des heutiges Tages in Deutschland.
Und dazu passend der Satz des Tages, ebenfalls aus Deutschland. Einfach unĂŒbertrefflich:
„Wir machen einfach was wir machen und das schon seit 130 Jahren.“
12.35 Uhr
Die im Staatsbesitz befindliche portugiesische Fluggesellschaft TAP, deren Verkauf an „Investoren“ Teil der von E.U., I.W.F. und E.Z.B. aufgezwungenen „Rettung“ in 2011 ist, hat bereits 173 von 360 fĂŒr heute angesetzte FlĂŒge streichen mĂŒssen.
13.10 Uhr
Eine Fotostrecke des „Guardian“ mit Bildern der Proteste, die Plattform n0tice.com zugesandt wurden. Eine Bilderstrecke von „Reuters“ aus Madrid und Rom. Eine Demonstration in Jaen, Spanien.
13.30 Uhr
Die aus Frankfurt, BrĂŒssel, Washington und Berlin kontrollierte Samaras-Regierung ĂŒber Griechenland hat gegenĂŒber „Reuters“ zu verstehen gegeben, dass sie den Forderungen der „Troika“ nach Entlassung Zehntausender Angestellter im Ăffentlichen Dienst diesmal umfassend Folge leisten will. „Reuters“ nennt die Zahl von insgesamt 40.000, „Keep Talking Greece“ von ins. 27.000 Menschen, die allein bis Ende nĂ€chstes Jahr entlassen werden sollen.
Derweil in Deutschland: Leo Wieland und Tobias Piller spitzen die Lippen und heraus kommt ein Pfeifen, das selbst die HaselnĂŒsse im Walde noch knacken könnte. Wenn auch nur diese. Tapfer, Kollegen. Weiter so. Und wenn sich was bewegt, nur nicht umdrehen. Hilft ja doch nichts.
14.27 Uhr
In mehreren StĂ€dten Italiens haben sich SchĂŒler und Studenten dem Streik angeschlossen. In Genua, Turin, Mailand, Rom, Pisa, Livorno und Florenz kam es zu Kundgebungen.
Die Polizei ist mit grossem Aufgebot prÀsent, es kommt zu Auseinandersetzung und Verhaftungen.
14.29 Uhr
Video aus Athen
16.39 Uhr
In Sevilla drang die Polizei unbefugt in das UniversitÀtsgelÀnde ein
Bilder der Demonstration in Sevilla
16.52 Uhr
Brutale Polizeigewalt gegen einen am Boden liegenden Demonstranten in Rom, durch zwei Polizisten in Zivil und einen in Uniform.
Spanien, Valencia. Die Polizei jagt willkĂŒrlich irgendwelche Demonstranten.
17.40 Uhr
In einem informativen Anfall berichtet die „SĂŒddeutsche“ ĂŒber massiven Druck der „Volkspartei“ P.P. von Premierminister Rajoy in Spanien auf den staatlichen TV-Sender R.T.V.E.. Durch eine GesetzesĂ€nderung wurde dem neu installierten Senderleiter (Rajoys PP-Partei nahestehend) mehr VerfĂŒgungsgewalt zugeschanzt. Dieser warf entsprechend, nun ohne lĂ€stigen vorher notwendigen Parlamentsbeschluss, die Leiterin der Nachrichten-Abteilung raus und setzte einen neuen (Rajoys PP-Partei nahestehend) ein.
18.30 Uhr. Eine erste Analyse.
Noch ist der Tag des ersten koordinierten Generalstreiks in mehreren europĂ€ischen Demokratien nicht zuende, am Abend folgen noch eine Reihe weiterer groĂer Demonstrationen. Dennoch kann und muss man von einem Fehlschlag sprechen.
GroĂe Teile des Establishments in den GewerkschaftsverbĂ€nden und praktisch das gesante Spektrum der bereits paneuropĂ€isch vernetzten und kontrollierten etablierten Parteien in allen E.U.-Mitgliedsstaaten ignoriert, bremst oder sabotiert bereits die eigenen Demokratien und entsprechend heute den Generalstreik. Weder in Portugal, noch in Spanien, noch in den anderen beteiligten Staaten ist es gelungen das Wirtschaftsleben vollstĂ€ndig zum Erliegen zu bringen. Die Beteiligung war offenbar mĂ€Ăig und gab so der Repression der auf Kapitalinteressen programmierten Regierungen und ihrer uniformierten Diener freien Lauf.
Die Rolle der Gewerkschaften und Parteien der Republik Deutschland ist in diesem Zusammenhang als besonders schĂ€big zu bezeichnen. Und das nicht nur seit heute, sondern seit zweieinhalb Jahren. Ein paar Alibi-Veranstaltungen und Kundgebungen entbinden nicht von der Verantwortung fĂŒr ein historisches Versagen, einen historischen Verrat, unter dem Millionen Menschen bereits zu leiden haben und der entscheidend dazu beigetragen hat, dass die Existenz aller Demokratien auf dem Kontinent mehr oder weniger gefĂ€hrdet ist.
19.25 Uhr
In Madrid findet eine Demonstration von Zehntausenden von Menschen statt. Ein Livestream von „El Pais„, sowie weitere Aufnahmen vom Tage.
Eine Fotostrecke des „Guardian“ mit Aufnahmen quer ĂŒber den Kontinent. Aufnahmen von der (erschreckend mĂŒden) Demonstration in Athen auf dem Syntagmaplatz.
In Griechenland ist nach zweieinhalbjÀhrigem Protektorat unter Herrschaft von E.Z.B, E.U und I.W.F. im dritten Quartal 2012 im Vergleich zum Vorjahr die Wirtschaft um weitere 7,2 Prozent geschrumpft.
19.55 Uhr
Spanien: Eine Aufnahme vom Neptunbrunnen in Madrid am heutigen Abend. Zehntausende in Valencia auf den StraĂen, ebenso in Oviedo.
20.00 Uhr
Dramatische Bilder aus Barcelona.
22.00 Uhr AbschlieĂende EinschĂ€tzung
Nach Jahrhunderten sozialer und emanzipatorischer Freiheitsbewegungen ist es weder entschuldbar noch rational, wie Millionen von Menschen die sich selbst als links, sozial, sozialdemokratrisch oder sozialistisch begreifen ein kapitalistisches Finanzsystem unterstĂŒtzen und sich weigern dieses in Frage zu stellen, welches Hunderte von Millionen Menschen systemisch enteignet und entrechtet. Ganze Staaten werden durch das Euro-Finanzsystem zerstört, die Zentralbank dieses Finanzsystems agiert faktisch als deren Diktator.
Die E.Z.B. tut dies ĂŒber ein Triumvirat („Troika“) zusammen mit Kommissaren eines demokratisch nie legitimierten Staatenbundes, dessen Apparat ein Eigenleben begonnen hat und zusammen mit Plutokraten eines „Internationalen WĂ€hrungsfonds“, gegen dessen Konferenz in Westberlin 1988 noch Zehntausende demonstrierten und diesen als „Mördertreff“ bezeichneten.
Wer den Kapitalismus nicht mit der Systematik des Kapitals – wie es flieĂt, wie es sich selbst gebĂ€ren kann und wer wann wie unter welchen Bedingungen dies kontrolliert – also einem Finanzsystem in Zusammenhang stellt, stellt den Kapitalismus nicht in Frage, sondern befördert ihn. Das ist Verrat. Sonst nichts.
Denjenigen, die heute um ihre Rechte gekĂ€mpft haben, als Menschen, als BĂŒrger ihrer souverĂ€nen Staaten, gebĂŒhrt unser Respekt. Ebenso denjenigen, die versucht haben die zivilisatorische Errgungenschaft und sozialistische Tradition der internationalen SolidaritĂ€t nicht sterben zu lassen.
Den Kollaborateuren und Heuchlern aber, die die Zerstörung der europÀischen Demokratien durch ein kapitalistisches Finanzsystem decken, zugunsten was auch immer, denen sagen wir: Eure Zeit ist vorbei.
Der heutige Tag war erst der Anfang.
(….)
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