Nach E.S.M. nun S.S.M. – Brüssel ist Babel. Es wird viel erzählt. Niemand versteht das.

Heute ist so ein Tag, an dem mir die Arbeit wirklich Spaß macht. Wann hat man schon mal die Gelegenheit zu studieren, was so viele hochrangige Patienten gemeinsam an Erklärung für ihr Handeln zustande bringen.

Gestern tagte also wieder einmal der höchste Rat des 1992 erschaffenen und mit Inkrafttreten des Lissabon-Vertrages Ende 2009 extrem ermächtigten Gebildes "Europäische Union". Der "Europäische Rat", in Staatsmedien und Informationsindustrie stets "EU-Gipfel" genannt, beschloss nach dem hastigen Vorziehen des "European Stability Mechanism" (E.S.M.) letztes Jahr nun schnell noch den "Single Supervisory Mechanism" (S.S.M., Codewort "Bankenaufsicht").

Natürlich soll-muss-hat alles ab dem 1. Januar in Kraft zu sein, auch wenn man es dann wieder liegen lässt. Man hört es aus den Brüsseler Kämmerlein wispern, "Schnell-schnell-schnell, muss-muss-muss. Bevor die da draußen merken wie irre wir sind. Schnelllllll, schneeeeeeeeeelllllllll....."

Alles Gerede im Vorfeld des Ratstreffens - Hollande, ach, Hollande, und die Merkel  und der und die und das - war Schwachsinn für Schwachsinnige. Man nennt das heutzutage "Medien" und deren Opfer "Endverbraucher", "Beschäftigte" oder einfach "Europäer". Selbst "Bevölkerung" hört man immer seltener und von irgendwoher, durch den Sausewind der Geschichte (wo ist mein Mantel?) hört man es von ferne "Wir sind die Kunden! Wir sind die Kunden!"

Es gab keinen Streit. Mächtige die mächtiger werden wollen und es nur gemeinsam können streiten sich nicht. Nicht wirklich. Genauso wenig streiten sich Reiche, höchstens darüber, wie sie reicher werden wollen. Es war einfach alles gelogen. Und vorher eine Treppe runter im Bundestag das gleiche Spiel.

Wir leben seit Inkrafttreten des Lissabon-Vertrages in einer neuen, einer kapitalistischen Sowjetunion aus Sand. Das ist die Wahrheit. Lediglich die Funktionäre sind anders: statt Parteifunktionäre in einer realen Machtposition gibt es Parteifunktionäre in einer virtuellen Machtposition, die machen was ihnen die Banker sagen oder schon Banker sind. Und alles basiert nur, nur darauf, dass der "Wir sind die Kunden!"-Pöbel zu Babel einfach immer weiter macht und den ganzen Schwachsinn glaubt der ihm von oben aus dem Turmfenster heruntergerufen wird.

Problematisch wird es, wenn der Pöbel nicht einmal versteht was er da glauben soll. Der Pöbel will ja. Er will es doch auch. Aber so sehr er sich auch bemüht - es geht nicht mehr.

Aber das macht nichts. Niemand versteht das. Erzählt mir mehr von Eurer Mutti. Redet einfach weiter. Oben im Turm, unten auf der Straße.

Ich höre Euch aufmerksam zu.

(...)

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