Indische Juristen entfesselten blutige Schlacht mit Presse und Polizei – fast einhundert Verletzte

Prügel für Pressemitarbeiter wegen ihrer negativen Berichterstattung – massives Aufgebot der Polizei mit Tränengas und Schlagstockeinsatz

In Bangalore, mit 8,4 Millionen Einwohnern die drittgrösste Stadt in Indien und Hauptstadt des Bundesstaat Karnataka kam es am Freitag, den 2.März zu einem ungewöhnlichen Krieg zwischen Rechtsanwälten und Vertretern der Presse. Das Zivilgericht der Stadt und die Umgebung verwandelte sich für neun Stunden in ein Schlachtfeld.

Der „juristische“ Angriff auf die Journalisten, Fotografen und Fernsehreporter begann trotz Präsenz von dreihundert Polizeibeamten um 10.30 Uhr, als diese die Vorführung eines Angeklagten, Ex-Minister und Bellary Bergbau-Baron G. Janardhan Reddy, zu einer Sonderverhandlung wegen illegaler Aktivitäten in das Gerichtsgebäude filmten.
Die Anwälte weigerten sich, sich im Inneren des Hauses in Interviews zum Fall mit Unterstützern Reddy`s verwickeln zu lassen.

Als das Gerichtsverfahren begann, ordnete der Richter an, dass die Journalisten das Zimmer zu räumen hätten. Die Anwälte erledigten diese Aufgabe, indem sie die Journalisten mit Schubsen aus dem Gebäude beförderten. Der weitere Verlauf der Dinge blieb ruhig, bis die Sitzung des Gerichtsverfahren abgeschlossen war.

Als die Polizei mit dem Angeklagten Reddy im Auto wegfuhr, forderten die Rechtsanwälte die Presse noch einmal auf, das Gebäude zu räumen.
Die Fernsehreporter, darunter vier Frauen, versuchten mit den Juristen zu reden. Es kam bald zu einem verbalen Schlagabtausch und zu Rempeleien.

Dann brach die Hölle los und Anwälte griffen die Journalisten mit allem, was sie finden konnten – Steine, Blumentöpfe, Helme, Stöcke und Möbel – an. Die Rechtsanwälte trieben die Medienvertreter bis zur Regierungsuniversität für Kunst und Wissenschaft und verprügelten diese. Studenten, die sich einmischten, wurden mit Opfer dieser recht ungewöhnlichen Auseinandersetzung.

Währenddessen hatte die Polizei nur eine passive Rolle gespielt und nicht versucht, die Anwälte aufzuhalten, auch noch dann, als ein Geschoss den stellvertretenden Kommissar (Central Division) G. Ramesh getroffen hatte.

Das änderte sich in dem Moment, als der Polizeichef Jyothi Prakash Mirji unter Beschuss kam. Einige Polizeibeamte zückten ihre lathi-Stöcke (langer eisenbeschlagener Knüppel der Polizei in Indien).

Als die Polizei eingriff, warfen die Anwälte aus den oberen Etagen des Gerichts Stühle und Bänke nach unten.

Bis in die späten Abendstunden zog sich der Kampf mit der Polizei rund um den Hof und in dem Gerichtsgebäude in vier Angriffswellen mit Schlagstockeinsatz und Tränengas-Handgranaten hin.

Gerade als sich die Lage zu beruhigen schien, gesellte sich jedoch eine Anzahl von Journalisten zu einigen Polizeibeamten, die einen Mann, bekleidet mit weissem Hemd und schwarzer Hose, attackierten.
Gemeinsam zündeten sie mehrere Fahrzeuge an, die mit einer Plakette „Anwalt“ gekennzeichnet waren. Einige Journalisten versuchten, die anderen Pressevertreter von dieser Brandstiftung zurückzuhalten und wurden nun auch von ihren eigenen Kollegen verprügelt.

Verletzt wurden nach Angaben einer Zeitung ein Richter, fast ein Dutzend Journalisten, zweiunddreissig Polizeibeamte, Studenten des benachbarten Collegs sowie sieben Juristen. Die The Times of India berichtete von insgesamt siebenundachzig Verletzten (69 Polizisten, 15 Juristen, 3 Reportern), einer sei in kritischer Verfassung.(1),(4)

Immobilien und Inventar sowie Motorräder und Autos wurden in dem Nahkampf beschädigt oder zerstört. Es entstand hoher Sachschaden. Mindestens sechzig Menschen wurden in verschiedenen staatlichen Krankenhäuser in der Stadt behandelt.

Einige TV-Sender berichteten später, dass ein Polizist namens Chandrappa durch die Verletzungen gestorben wäre, der Polizeichef von Bangalore, Jyothi Prakash Mirji, widerlegte diese Behauptung.
Es herrschte in den Medien völlige Konfusion, die Gerüchte liefen Amok durch den Äther. Es wurde auch der Tod eines Rechtanwaltes von lokalen Sendern verbreitet. Dazwischen – ganz unerklärlich – fielen in vielen Teilen der Stadt Kabelnetze aus.

Anlass der ausser Rand und Band geratenen Rechtanwälte war die negative Berichterstattung der Presse über Vorgänge Mitte Januar, als Juristen heftig gegen die Behandlung eines Kollegen wegen eines geringfügigen Verkehrsdeliktes auf einer Polizeistation mit einem Streik protestierten. Der Rechtsanwalt war von einem Polizisten wegen ungesetzlichen Fahren mit einem Beifahrer angehalten worden, das Moped war nicht für einen Sozius zugelassen. Auf dem Revier wurde er nach eigenen Aussagen geschlagen.

Auch während dieses Streiks war der Verkehr teilweise lahmgelegt worden, so dass selbst Krankenwagen im Stau stecken blieben. Die Anwälte hatten Journalisten und Polizei ausserhalb eines Gerichtes der Stadt angegriffen.(2)

Ministerpräsident Sadananda Gowda hatte eine gerichtliche Untersuchung des Vorfalls angeordnet, als er von den Kämpfen hörte und bat die Justizministerin Suresh Kumar, die Vorgänge zu prüfen.

Aber als Innenminister R Ashok Gowda über den Vorfall informierte, sagte er: „ich habe den Innenminister gebeten, Massnahmen zu ergreifen und Schritte zu initiieren um die Journalisten zu schützen.“

Das Gericht wurde für zwei Tage für die Kampfhähne geschlossen, indem es im und um das Gebäude eine Sperrzone verhängte.(3)

Quellen:
(1) http://www.thehindu.com/news/states/karnataka/article2953958.ece
(2) http://www.indianexpress.com/news/lawyers-scribes-clash-in-bangalore-man…/919413/
(3) http://www.hindustantimes.com/News-Feed/bangalore/Lawyers-attack-scribes-outside-Bangalore-court/Article1-819685.aspx
(4) http://timesofindia.indiatimes.com/city/bangalore/Judge-86-others-hurt-as-lawyers-run-riot-in-Bangalore/articleshow/12117763.cms