Die ersten 21 Jahre

Am 3.Oktober 1990, dem „Tag der Deutschen Einheit“, wurde die ostdeutsche DDR der westdeutschen BRD angeschlossen. Als provisorisches Konstrukt zwischen Teilung unter Besatzungsrecht und dem Aufgehen im kontinentalen Block einer neuen Weltordnung geplant, entwickelte sich die Geschichte der Berliner Republik, wie niemand es voraus gesehen hatte.

Schon gestern wurde in Berlin eine ErklĂ€rung von Finanzminister Wolfgang SchĂ€uble bezĂŒglich seiner Vorstellungen ĂŒber Deutschland bekannt, welche dieser in mittlerweile ĂŒblicher Manier nicht etwa im Parlament, sondern in einer Zeitung zum Besten gab. In der von der „Welt“ erst heute veröffentlichen ErklĂ€rung bewies SchĂ€uble, im Duett mit der Zeitung des Springer-Verlages, wieder einmal die surrealen WinkelzĂŒge eines seit 39 Jahren im west- und gesamtdeutschen Bundestag sitzenden Rechtsanwalts, der scheinbar Wirres und Irrationales sagen und gleichzeitig nicht sagen, aber damit anderes meinen kann.

Im Originaltext SchĂ€ubles findet sich folgende Äußerung:

„Ohne unsere Einbettung in die EuropĂ€ische Union wĂ€re die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands unendlich schwieriger geworden – wenn nicht unmöglich. Wir erinnern uns an die Bedenken einzelner unserer Freunde und Partner, denen mit dem Hinweis auf die tiefe Verwurzelung Deutschlands im vereinten Europa begegnet werden konnte.“

FĂŒr eine Rede zum Jahrestag vom 3.Oktober 1990 bereits hart an der Grenze. Die „EuropĂ€ische Union“ wurde bekanntlich 1992 gegrĂŒndet. Die „Welt“ aber machte daraus folgende Einleitung:

„21 Jahre spĂ€ter erinnert er an die Rolle der EU bei der Wiedervereinigung.“

Auch die ZwischenĂŒberschrift der Redaktion ist, ihrem Wortlaut nach, nur etwas fĂŒr Geistesgestörte:

„Deutsche Einheit wĂ€re ohne EuropĂ€ische Union unmöglich gewesen“

Was also will uns Dr.SchÀuble damit sagen?

Er will uns sagen, daß der Anschluss der DDR an die westdeutsche BRD am 3.Oktober durch die damaligen BesatzungsmĂ€chte West- und Ostdeutschlands, die USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion, in GeheimvertrĂ€gen mit der gesamten Parteien-Kaste West- und Ostdeutschlands nur unter der Bedingung gestattet wurde, daß nie wieder ein souverĂ€ner Staat Deutschland in Europa existieren wĂŒrde. Und Finanzminister SchĂ€uble, der 1989/1990 als westdeutscher Innenminister die EinheitsvertrĂ€ge und GrundgesetzĂ€nderungen fĂŒr den Anschluss der DDR entwarf, will die gesamte Parteien-Kaste, die heute noch genauso herrscht wie vor 21 Jahren, mit den gleichen so erfolgreich „vereinten“ Parteien – CDU Ost und West, Ost-BĂŒrgerrechtler und GrĂŒne, FDP und LDPD sowie NDPD und schließlich 2007 PDS und WASG zu Die Linke – an diese GeheimvertrĂ€ge mit den SiegermĂ€chten des 2.Weltkriegs erinnern, die ein souverĂ€nes Deutschland verbieten und eine Unterwerfung Deutschlands unter den geostrategischen Block „EuropĂ€ische Union“ festlegen.

Daß diese GeheimvertrĂ€ge existieren, ist mittlerweile ein offenes Geheimnis; ebenso die gesellschaftliche und politische RealitĂ€t, daß diese nicht durchzusetzen sind und nun, zusammen mit den auf ihrer Basis entwickelten Menschheitsexperimenten, WeltplĂ€nen und imperialen Strategien, auf dem MĂŒllhaufen der Geschichte liegen.

Die Deutschen haben sich eine Republik gegeben. Sie sind nicht nur bereit diese zu verteidigen, sie haben sie bereits verteidigt – diese Republik und ihre Verfassung Grundgesetz, ehemals als verfassungsrechtliches Provisorium 1949 durch die BesatzungsmĂ€chte Westdeutschlands in der Blockkonfrontation geduldet und nun, im 21.Jahrhundert, mit allen Dingen die da noch kommen mögen, die denkbar beste Verfassung der Welt.

Das souverĂ€ne Deutschland ist weder nationalistisch, noch eine Bedrohung fĂŒr irgendjemanden oder irgendetwas auf der Welt, mit Ausnahme der MachtfĂŒlle derjenigen, welche die demokratische, soziale und freie Alternative zu ihrer „Neuen Weltordnung“ fĂŒrchten, die ohne Deutschland genauso nichts ist, wie „Internationaler WĂ€hrungsfonds“, „Weltbank“, „Weltklimarat“ IPCC, Welthandelsorganisation WTO, die stĂ€ndig vor nicht existierenden tödlichen Bedrohungen warnende „Weltgesundheitsorganisation“ WHO, der nordatlantische MilitĂ€rpakt Nato, die „EuropĂ€ische Union“, sowie alle möglichen anderen selbsternannten Weltorganisationen die sich anschicken ĂŒber Fragen der Energie, Verkehr, Nahrung, Landwirtschaft, Rohstoffe, Kommunikation, Information, Bildung und Kultur die Macht an sich zu reissen und die souverĂ€nen Staaten der Erde zu entmachten.

Die einzige Organisation, die sich als legitime ReprĂ€sentanz der Menschheit und ihrer Staaten sehen kann, ist die UNO, die Organisation der Vereinten Nationen. Sie zu stĂ€rken und zu demokratisieren, der Vollversammlung innerhalb der UNO mehr Kompetenzen und dem Sicherheitsrat mit seinen fĂŒnf VetomĂ€chten weniger Kompetenzen zu geben, die Weltpolitik zu stĂ€rken und fĂŒr internationale Kooperation und Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Interessen der Völker und LĂ€nder dieser Erde zu sorgen, auch das ist Aufgabe deutscher Politik und staatlicher ReprĂ€sentanten. Was deren Aufgabe nicht ist, sind Hinterzimmer- und Logen-Politik, Interessenvertretung privilegierter Kasten und Schichten, die Sicherung der weltweit absurden Finanzsysteme und Strukturen des Weltkapitalismus und schon gar nicht der konzertierte Staatsstreich gegen die Republiken und Demokratien weltweit – auch nicht gegen die deutsche.

Am 3.Oktober standen rund tausend Berliner aus West, aber vor allem Ost im Stadtteil Prenzlauer Berg auf dem Kollwitzplatz. In Ablehnung des ohne Demokratisierung, ohne Neues, ohne Zukunftsweisendes und ohne NeugrĂŒndung einer gemeinsamen Republik rasant vollzogenen blanken Anschlusses der zusammengebrochenen autoritĂ€ren DDR an die westdeutsche BRD, unter der Fuchtel einer vereinigten Nomenklatura, riefen diese Dissidenten die autonome Republik Utopia aus.

21 Jahre spÀter hat sich aus dem erweiterten Westdeutschland die souverÀne Berliner Republik entwickelt.

Sie trĂ€gt in sich einen Zauber, der nicht zu brechen ist, einen Anfang, der gerade erst begonnen hat und Geschichten, die niemand glauben wĂŒrde, wenn er sie nicht selbst erlebt hĂ€tte.