Zehn Jahre nach 9-11: Haben wir etwas daraus gelernt?

In wenigen Tagen wird sich der 11. September 2011 zum zehnten Mal jÀhren.

Wie gut hat sich die offizielle Darstellung dieses Ereignisses durch die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika ĂŒber diesen Zeitraum hinweg gehalten?

Nicht besonders gut. Der Vorsitzende, der stellvertretende Vorsitzende und der fĂŒhrende Rechtsberater der 9/11-Kommission haben BĂŒcher herausgebracht, in denen sie sich teilweise vom Bericht der Kommission distanzierten. Sie sagten, dass die Bush-Administration ihnen Hindernisse in den Weg gelegt hat, dass ihnen Informationen vorenthalten wurden, dass PrĂ€sident Bush zur Aussage nur bereit war in Begleitung von VizeprĂ€sident Cheney, jedoch keiner von ihnen unter Eid, dass FunktionĂ€re des Pentagons und der Luftfahrtsbehörde die Kommission belogen haben und dass die Kommission ĂŒberlegte, ob sie nicht die Falschaussage einer Untersuchung ĂŒber Behinderung der Rechtssprechung zufĂŒhren sollte.

In ihrem Buch schrieben der Vorsitzende und sein Stellvertreter, Thomas Kean und Lee Hamilton, die 9/11-Kommission sei „eingerichtet worden, um zu scheitern.“ Rechtsberater John Farmer, Jr., schrieb, dass die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika „entschieden hat, nicht die Wahrheit zu sagen ĂŒber das, was geschehen ist,“ und dass die Tonbandaufzeichnungen von NORAD (North American Aerospace Defend Command = nordamerikanisches Luftraumverteidigungs-Kommando) „eine völlig andere Geschichte wiedergeben von dem, was uns und der Öffentlichkeit mitgeteilt worden ist.“ Kean sagte: „Bis zum heutigen Tag wissen wir nicht, warum NORAD uns mitgeteilt hat, was sie uns mitgeteilt haben, es war nur so weit entfernt von der Wahrheit.“

Die meisten Fragen der Familien des 9/11 wurden nicht beantwortet. Wichtige Zeugen wurden nicht einberufen. Die Kommision bekam nur Dinge zu hören, die die Version der Regierung unterstĂŒtzten. Die Kommission war eine kontrollierte politische Operation, nicht eine Untersuchung von Ereignissen und Beweisen. Ihre Mitglieder setzten sich zusammen aus ehemaligen Politikern. Keine sachkundigen Experten wurden in die Kommission berufen.

Ein Mitglied der 9/11-Kommission, der ehemalige Senator Max Cleland, meinte zu den EinschrĂ€nkungen, die der Kommission durch das Weiße Haus auferlegt worden waren: „Wenn es dabei bleibt, kann ich als Mitglied der Kommission keinem Amerikaner mehr in die Augen schauen, besonders nicht den Familienmitgliedern der Opfer, und sagen, dass die Kommission vollen Zugang hatte. Diese Untersuchung ist jetzt kompromittiert.“ Cleland legte lieber sein Amt zurĂŒck, als seine IntegritĂ€t beschmutzen zu lassen.

Der Klarheit halber muss gesagt werden, dass weder Cleland noch Mitglieder der Kommission andeuteten, dass 9/11 ein Inside Job (im eigenen Bereich geplante und ausgefĂŒhrte Aktion, d.Ü.) war, um eine Kriegsagenda zu fördern. Dennoch wunderten sich weder der Kongress noch die Medien, zumindest nicht laut, warum PrĂ€sident Bush nicht vor der Kommission erscheinen und unter Eid oder ohne Cheney aussagen wollte, warum FunktionĂ€re des Pentagons und der Luftfahrtsbehörde die Kommission belogen, oder, falls sie nicht gelogen haben, die Kommission glaubte, dass sie gelogen haben, oder warum das Weiße Haus sich so lange der Bildung von jeglicher Art Kommission widersetzte, sogar einer, die es unter seiner Kontrolle hatte.

Man wĂŒrde annehmen, dass, wenn eine Handvoll Araber es schafften, nicht nur CIA und FBI, sondern alle 16 Geheimdienste der Vereinigten Staaten von Amerika, alle Geheimdienste unserer Alliierten einschließlich des Mossad, den Nationalen Sicherheitsrat, das Außenministerium, NORAD, die Flughafensicherheit, die LuftraumĂŒberwachung etc. vier Mal an einem Vormittag auszutricksen, der PrĂ€sident, der Kongress und die Medien wissen wollen, wie es zu einem dermaßen unwahrscheinlichen Ereignis kommen konnte. Stattdessen errichtete das Weiße Haus eine Mauer gegen AufklĂ€rung, und der Kongress und die Medien zeigten wenig Interesse.

In den vergangenen zehn Jahren wurden zahlreiche Organisationen gegrĂŒndet, die die Wahrheitsfindung ĂŒber 9/11 zum Ziel haben.

Da gibt es die Architekten und Ingenieure fĂŒr Wahrheit ĂŒber 9/11, Feuerwehrleute fĂŒr Wahrheit ĂŒber 9/11, Piloten fĂŒr Wahrheit ĂŒber 9/11, Wissenschafter fĂŒr Wahrheit ĂŒber 9/11, Remember Building 7.org (Erinnerung an WTC-GebĂ€ude 7, das erst spĂ€ter eingestĂŒrzt ist), und eine New Yorker Gruppe, die Familienangehörige von 9/11-Opfern umfasst. Diese Gruppen fordern eine richtige Untersuchung.

David Ray Griffin hat zehn sorgfĂ€ltig recherchierte BĂŒcher geschrieben, in denen er Probleme in der Darstellung der Regierung dokumentiert. Wissenschaftler haben darauf hingewiesen, dass die Regierung keine ErklĂ€rung hat fĂŒr den geschmolzenen Stahl. NIST (National Institute for Standard and Technology = Nationalinstitut fĂŒr Standard und Technologie) musste zugeben, dass das WTC-GebĂ€ude 7 großteils in freiem Fall eingestĂŒrzt ist, und ein Team von Wissenschaftlern unter der Leitung eines Professors fĂŒr Nanochemie der UniversitĂ€t Kopenhagen hat berichtet, dass es Nanothermit im Staub der GebĂ€ude gefunden hat.

Larry Silverstein, der PĂ€chter der World Trade Center-GebĂ€ude, sagte in einer PBS-Sendung, dass die Entscheidung, GebĂ€ude 7 „mitzunehmen“, am spĂ€ten Nachmittag des 9/11 getroffen wurde. Leitende Feuerwehrleute sagten, dass keine gerichtliche Untersuchung ĂŒber die Zerstörung des GebĂ€udes durchgefĂŒhrt wurde, und dass das Fehlen einer Untersuchung gegen das Recht verstĂ¶ĂŸt.

Einige Anstrengungen wurden unternommen, um einige der Beweise wegzuerklĂ€ren, die dem offiziellen Bericht widersprechen, aber der grĂ¶ĂŸte Teil der Gegenbeweise wird einfach ignoriert. Es bleibt die Tatsache, dass der Skeptizismus einer großen Anzahl sachkundiger Experten keine andere Auswirkung auf die Position der Regierung hatte als den Vorschlag eines Mitglieds der Obama-Administration, die Regierung solle die Wahrheit ĂŒber 9/11-Organisationen infiltrieren, um diese zu diskreditieren.

Experten, die von der Sache der Regierung nicht ĂŒberzeugt waren, wurden als „Verschwörungstheoretiker“ hingestellt. Aber natĂŒrlich ist die Theorie der Regierung eine Verschwörungstheorie, eine sogar weniger wahrscheinliche, erfasst man erst einmal die vollen Auswirkungen des Versagens von Geheimdiensten und ZustĂ€ndigen. Die begangenen Fehler sind außerordentlich groß, dennoch wurde niemand jemals dafĂŒr zur Verantwortung gezogen.

Und weiter, was haben 1.500 Architekten und Ingenieure davon, wenn sie als Verschwörungstheoretiker lĂ€cherlich gemacht werden? Sie werden gewiss nie mehr einen Auftrag von der Regierung bekommen und viele hatten sicher geschĂ€ftliche Nachteile aufgrund ihrer „antiamerikanischen“ Einstellung. Ihre Konkurrenten mussten ihre „unpatriotischen Zweifel“ ausgenĂŒtzt haben. Meine Belohnung dafĂŒr, dass ich darĂŒber berichte, wie die Dinge zehn Jahre nach dem Ereignis stehen, wird voraussichtlich in Post bestehen, in der mir mitgeteilt wird, dass ich, nachdem ich Amerika so sehr hasse, mich nach Kuba verkrĂŒmeln soll.

Wissenschaftler haben entsprechend weniger Anreiz, Zweifel zu Ă€ußern, was wahrscheinlich erklĂ€rt, warum es nicht 1.500 Physiker fĂŒr Wahrheit ĂŒber 9/11 gibt. Wenige Physiker haben Berufsmöglichkeiten außerhalb des Bereichs, der der Regierung untersteht. Es war der Hochschullehrer fĂŒr Physik David Chandler, der NIST zwang, ihren Bericht ĂŒber den Einsturz des WTC-GebĂ€udes 7 zu widerrufen. Der Physiker Stephen Jones, der als erster ĂŒber Beweise fĂŒr den Einsatz von Sprengstoffen berichtete, verlor seine Anstellung an der Brigham Young UniversitĂ€t, welche ohne Zweifel von der Regierung unter Druck gesetzt wurde.

Wir können widersprĂŒchliche Beweise wegerklĂ€ren als ZufĂ€lle und Fehler und die Schlussfolgerung ziehen, dass nur die Regierung alles richtig erfasst hat – die gleiche Regierung, die alles andere falsch gemacht hat.

In Wirklichkeit hat die Regierung gar nichts erklĂ€rt. Der NIST-Bericht ist nur eine Simulation, was den Einsturz der TĂŒrme verursacht haben könnte, wenn die Eingaben der Vermutungen von NIST in das Computermodell stimmen. NIST legt allerdings keine Beweise dafĂŒr vor, dass diese Vermutungen den Fakten entsprechen.

WTC-GebĂ€ude 7 wurde in dem Bericht der 9/11-Kommission nicht erwĂ€hnt, und viele Amerikaner haben noch immer keine Ahnung, dass am 9/11 drei GebĂ€ude eingestĂŒrzt sind.

Lassen Sie mich eindeutig meinen Standpunkt darlegen. Ich sage nicht, dass irgendeine finstere Kommandotruppe in der neokonservativen Bush-Administration die GebĂ€ude in die Luft gejagt hat, um der neokonservativen Agenda eines Krieges im Mittleren Osten zum Durchbruch zu verhelfen. Wenn es Beweise gibt fĂŒr eine Vertuschung, dann könnte das die Regierung betreffen, die ihre Inkompetenz vertuscht, nicht ihre Komplizenschaft bei dem Ereignis. Sogar wenn es hieb- und stichfeste Beweise gĂ€be fĂŒr eine Komplizenschaft der Regierung, ist nicht sicher, dass die Amerikaner diese akzeptieren könnten. Architekten, Ingenieure und Wissenschaftler leben in einer durch Fakten bestimmten Gemeinschaft, aber fĂŒr die meisten Menschen kommen die Fakten in ihren Auswirkungen an die Emotionen nicht heran.

Mein Punkt ist, wie wenig Interesse die Regierung, die Sicherheitsagenturen, der Kongress, die Medien und ein großer Teil der Bevölkerung an dem bestimmenden Ereignis unserer Zeit haben.

Es besteht kein Zweifel daran, dass 9/11 das entscheidende Ereignis ist. Er fĂŒhrte in ein Jahrzehnt stĂ€ndig expandierender Kriege, zur Zerschnipselung der Verfassung und in einen Polizeistaat. Am 22. August berichtete Justin Raimondo, dass er und seine Website Antiwar.com von der Abteilung fĂŒr elektronische Kommunikationsanalyse des FBI ĂŒberwacht werden, um herauszufinden, ob sie eine „Bedrohung der nationalen Sicherheit“ darstellen „im Interesse einer auslĂ€ndischen Macht“.

Francis A. Boyle, ein international bekannter Professor und Anwalt fĂŒr Internationales Recht, hat berichtet, dass er, nachdem er sich einer gemeinsamen Aufforderung von FBI-CIA, das Anwalt-Klienten-Privileg zu missachten und als Spitzel gegen seine arabisch-amerikanischen Klienten zu arbeiten widersetzt hatte, auf die Terroristen-Watchlist der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika gesetzt wurde.

Boyle ist ein Kritiker der Einstellung der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika gegenĂŒber der muslimischen Welt, aber Raimondo hat niemals irgendeinen Verdacht betreffend eine Komplizenschaft der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika an 9/11 geĂ€ußert und auch nicht in BeitrĂ€gen anderer zugelassen. Raimondo ist nur gegen Krieg, und das reicht fĂŒr das FBI, ihn als mögliche Bedrohung der nationalen Sicherheit zu ĂŒberwachen.

Die Darstellung des 9/11 durch die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika bildet die Grundlage fĂŒr die unbefristeten Kriege, die Amerikas Ressourcen verschlingen und seine Reputation zerstören, und bildet auch die Grundlage fĂŒr den heimischen Polizeistaat, der letztlich jeden Widerstand gegen die Kriege abwĂŒrgen wird. Die Amerikaner sind gebunden an die Geschichte der muslimisch terroristischen Attacke des 9/11, weil diese es ist, die die SchlĂ€chterei von Zivilbevölkerungen in verschiedenen muslimischen LĂ€ndern rechtfertigt, und die den Polizeistaat im Inneren als einzige Möglichkeit rechtfertigt, die Sicherheit bietet gegenĂŒber Terroristen, die sich mittlerweile zu „heimischen Extremisten“ gewandelt haben, darunter zum Beispiel UmweltschĂŒtzer, TierschĂŒtzer und Antikriegsaktivisten.

Heute gibt es fĂŒr die Amerikaner keine Sicherheit, nicht wegen der Terroristen und heimischen Extremisten, sondern weil sie ihre bĂŒrgerlichen Rechte verloren haben und somit keinen Schutz genießen vor unberechenbarer MachtausĂŒbung der Regierung. Man wĂŒrde meinen, dass die Frage, wie es dazu gekommen ist, eine öffentlichen Debatte und Anhörungen im Kongress wert sein sollte.

erschienen am 25. August 2011 auf http://www.foreignpolicyjournal.com/2011/08/25/911-after-a-decade-have-we-learned-anything/

Quelle: http://www.antikrieg.com/aktuell/2011_08_26_zehnjahre.htm