S21-Lenkungskreis muss Bau stoppen!
Programm „Stuttgart 21“ (S21): Bahn pokert mit Steuergeld â ParkschĂŒtzer widersetzen sich
Stuttgart: Die ParkschĂŒtzer erwarten von den Mitglieder des am Montag tagenden S21-Lenkungskreises, dass sie einen sofortigen vollstĂ€ndigen Bau- und Vergabestopp fĂŒr Stuttgart 21 beschlieĂen: Die bekannt gewordene bahninterne Risikoanalyse (Stern, 7.4.2011) zeigt, dass bei Stuttgart 21 weder Zeit-, noch Kosten-, noch QualitĂ€tsanforderungen eingehalten werden können. Das wird bestĂ€tigt durch die substanziellen Bauverzögerung aufgrund geplatzter Ausschreibungen sowie durch die VorwĂŒrfe des scheidenden Gesamtprojektleiters Hany Azer, wonach die fest eingeplanten EinsparmaĂnahmen nicht realisierbar seien. Die Bahn ist den Projektpartnern, d.h. auch dem Land Baden-WĂŒrttemberg und seinen BĂŒrger sowie dem Gemeinderat der Stadt Stuttgart Rechenschaft schuldig, der Lenkungskreis muss am Montag die Konsequenzen, d.h. die Notbremse ziehen.
Angesichts der enormen Risiken und der technischen Probleme, welche in den letzten Wochen bekannt und offenbar wurden, ist der von der Bahn betriebene Weiterbau ein hochriskantes Spiel auf Kosten der Steuerzahler und durch nichts legitimiert. Die ParkschĂŒtzer werden keinen Weiterbau hinnehmen und im Bedarfsfall mit weiteren Sitzblockaden und Aktionen des Zivilen Ungehorsams reagieren.
âStuttgart 21 ist finanziell und planerisch am Endeâ, sagt Dr. Carola Eckstein, ParkschĂŒtzerin und Mitglied der Ingenieure fĂŒr den Kopfbahnhof. âEs darf nicht angehen, dass die Bahn weiter Fakten schafft und eine wirksame öffentliche Kontrolle sabotieret, indem sie Risiken und Informationen zu tatsĂ€chlichen Kosten, gescheiterten Auftragsvergaben und sonstigen Problemen verschleiert oder verheimlicht. Solange der Lenkungskreis nicht einschreitet, seiner Verantwortung nicht gerecht wird und wir ĂŒber die erschreckenden Risiken und technischen Probleme des Projekts S21 nur durch den Stern informiert werden, helfen offenbar nur massiver Protest auf der StraĂe und Ziviler Ungehorsam, um den Schaden fĂŒr unsere Infrastruktur und unsere Stadt zu begrenzen.â
Die Bahn musste unlĂ€ngst zugeben, dass sie das Grund- und Mineralwasser unter Stuttgart nicht im Griff hat und erhebliche Risiken fĂŒr die Cannstatter Mineralquellen nicht ausschlieĂen kann. Der Bau ist massiv im Verzug, unter anderem, da der Auftrag fĂŒr die zeitkritische Tieferlegung des NesenbachdĂŒkers bis heute nicht vergeben werden konnte (geplanter Beginn der Arbeiten: 12. Mai 2010!). Auch die Ausschreibung fĂŒr den Tunnelabschnitt unter dem Daimler-GelĂ€nde in Stuttgart-UntertĂŒrkheim ist geplatzt und Wolf&MĂŒller warnt vor dem Bau des geplanten TechnikgebĂ€udes.
Die Bahntochter DB-Projektbau hatte in einem internen Bericht 121 Risiken aufgezĂ€hlt, die nach Angaben von Bahnexperten zu Mehrkosten in Höhe von 3 Mrd. Euro fĂŒhren dĂŒrften. Ein fundamentales Risiko stellt der nach wie vor ausstehende Stresstest dar: Bislang konnte die Bahn nicht nachweisen, dass der geplante Tiefbahnhof die notwendige oder gar die beworbene LeistungsfĂ€higkeit hat, um den bestehenden Kopfbahnhof zu ersetzen.
