Augen auf, Herr Ramsauer: Stuttgart 21 ist eh schon tot!

Riesiges Banner an Bibliotheks-Neubau gehÀngt
Mitglieder der ParkschĂŒtzer und von ROBIN WOOD demonstrieren seit heute frĂŒh mit einer öffentlichkeitswirksamen Kletteraktion gegen das Bahn-Projekt Stuttgart 21 (S21). Dazu haben sie am Neubau der Stadtbibliothek in Sichtweite des Stuttgarter Hauptbahnhofs ein 20×10 Meter groĂes Banner entrollt: âAugen auf, Herr Ramsauer: S21 ist eh schon tot!â Die neue Stadtbibliothek soll im Zuge des Bahnhofsneubaus Zentrum eines neuen Stadtteils werden, der auf ehemaligen GleisflĂ€chen entstehen soll. Die AktivistInnen der ParkschĂŒtzer und von ROBIN WOOD wollen mit der Aktion Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) daran erinnern, dass Stuttgart 21 schon immer ein Immobilien-Projekt war und kein verkehrspolitisch sinnvolles Bahnprojekt. Sie fordern Ramsauer auf, die Mittel aus dem Verkehrsetat fĂŒr wichtige Bahnprojekte zu verwenden und S21 endgĂŒltig zu stoppen.
âEnde MĂ€rz âdrohteâ Verkehrsminister Peter Ramsauer Baden-WĂŒrttemberg mit Geldentzug. Die durch den Stopp von S21 frei werdende Investitionsmittel flössen dann in andere LĂ€nder“, so Kei Andrews von ROBIN WOOD Stuttgart. âDabei ist klar, dass Finanzmittel fĂŒr den Bundesverkehrswegeplan nicht lĂ€nder- sondern projektgebunden sind. Stuttgart 21 ist ein Immobilienprojekt, das Steuergelder bindet, die fĂŒr andere wichtige Projekte zum Ausbau des Schienenverkehrs dringend gebraucht werden. In Baden WĂŒrttemberg sind das z.B. die Rheintal- sowie die GĂ€u- und SĂŒdbahnen. Ramsauer muss jetzt die Weichen umlegen!â
Zudem war die Finanzplanung fĂŒr S21 von Anfang an unseriös, seit Jahren steigen die veranschlagten Kosten. Erst jĂŒngst berichtete das Nachrichtenmagazin Stern von einer bahninternen Studie, in der 121 Kostenrisiken aufgelistet sind. Mit mindestens 1,3 Mrd. Euro zusĂ€tzlicher Kosten sei zu rechnen, sodass sich die Gesamtkosten auf ĂŒber 5,3 Mrd. Euro summieren wĂŒrden â wie es der Bundesrechnungshof schon vor Jahren berechnet hatte. Die seit Jahren fest definierte, politische Kostengrenze von 4,5 Mrd. Euro ist in Wahrheit lĂ€ngst ĂŒberschritten.
âEs ist schon erstaunlichâ, sagt Matthias von Herrmann, Pressesprecher der ParkschĂŒtzer. âDa stellt sich heraus, dass die Bahn die Kosten fĂŒr Stuttgart 21 massiv geschönt hat; sie hat unkalkulierbare, intern lĂ€ngst bekannte Risiken verheimlicht; der S21-Gesamtprojektleiter Hany Azer schreibt einen Brandbrief und der verantwortliche Minister sagt zu all dem â NICHTS. Wie ein verschrecktes Tier stellt Peter Ramsauer sich tot. Ein Bundesverkehrsminister darf sich vor seiner Verantwortung fĂŒr das hirntote Projekt Stuttgart 21 nicht wegducken. Es ist seine Aufgabe, die Maschinerie zu stoppen, statt tatenlos zuzusehen, wie das untote Hirngespinst weiter wertvolles Steuergeld verschlingt.â
ZusĂ€tzlich zu den Kostenrisiken gibt es laut der bahninternen Studie enorme technische Probleme, fĂŒr die keine Lösung in Sicht ist. Die Baufirma Wolf & MĂŒller zweifelt an, dass das geplante AbstĂŒtzen des Bonatz-Baus ĂŒberhaupt machbar ist. Erst kĂŒrzlich scheiterte die zweite Tunnel-Ausschreibung fĂŒr das Projekt: Es fand sich kein Bieter, der die Risiken des Auftrags ĂŒbernehmen wollte.
