Obama hebt die amerikanische Scheinheiligkeit um eine Stufe

Was denkt die Welt? Obama hat Luftangriffe und Drohnen gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt in Afghanistan, Pakistan, Jemen und wahrscheinlich Somalia. In seiner Ansprache am 28. MĂ€rz rechtfertigte Obama seine Luftangriffe gegen Libyen mit dem Argument, dass der bedrĂ€ngte Herrscher Gaddafi Luftangriffe einsetzte, um eine Rebellion zu unterdrĂŒcken.

Solange ich mich entsinnen kann, hat Gaddafi einen schlechten Ruf. Wenn wir dem Sprichwort „Wo Rauch ist, ist auch Feuer“ Glauben schenken, ist Gaddafi wahrscheinlich kein netter Zeitgenosse. Allerdings besteht nicht der leiseste Zweifel daran, dass der derzeitige PrĂ€sident der Vereinigten Staaten von Amerika und das vorhergehende Bush/Cheney-Regime um ein Vielfaches mehr Menschen in Irak, Afghanistan, Pakistan, Jemen und Somalia ermordet haben als Gaddafi in Libyen umgebracht hat.

DarĂŒber hinaus schlĂ€gt Gaddafi eine Rebellion gegen die StaatsautoritĂ€t nieder, die derzeit zu Recht besteht, Obama und Bush/Cheney hingegen Angriffskriege begannen ausschließlich auf der Basis von LĂŒgen und TĂ€uschung.

Dennoch wird Gaddafi dĂ€monisiert und Bush/Cheney/Obama sitzen auf ihrem hohen Ross, gehĂŒllt in den Mantel der Moral. Obama stellte sich selbst hin als einen, der Libyer vor Gewalt schĂŒtzt, wĂ€hrend Obama selbst fĂŒr die Ermordung von Afghanen, Pakistanern und einer Reihe weiterer verantwortlich ist.

TatsĂ€chlich hat das Obamaregime einen Soldaten der Vereinigten Staaten von Amerika, Bradley Manning, dafĂŒr gefoltert, dass er ein moralisches Gewissen hat. Amerika ist verkommen bis zu dem Punkt, wo ein moralisches Gewissen zu haben den Beweis bildet fĂŒr Antiamerikanismus und „terroristische AktivitĂ€t.“

Die von Bush/Cheney/Obama begonnenen nackten Aggressionskriege haben Amerika in den Bankrott getrieben. Joseph Stieglitz, der ehemalige Vorsitzende des Rates der Wirtschaftsberater des PrĂ€sidenten berechnete, dass das Geld, das im Irakkrieg hinausgeworfen wurde, ausgereicht hĂ€tte, um das Problem der sozialen Sicherheit in Amerika fĂŒr ein halbes Jahrhundert zu lösen. Stattdessen wurde das Geld benutzt, um die obszönen Profite der RĂŒstungsindustrie in die Höhe zu treiben.

Die obszönen Angriffskriege, die obszönen Profite der multinationalen Konzerne und die obszönen FreikĂ€ufe der reichen Finanzgangster hinterließen der amerikanischen Bevölkerung jĂ€hrliche Budgetdefizite von rund $ 1,5 Billionen. Diese Defizite werden abgedeckt durch den Druck von Geldscheinen. FrĂŒher oder spĂ€ter werden die Banknotendruckereien dazu fĂŒhren, dass der Dollar zusammenbrechen und die heimische Inflation explodieren wird. Die Leistungen des Sozialsystems werden ausgelöscht werden durch die Inflation, die schneller steigt als die Lebenshaltungskosten. Wenn Amerika ĂŒberlebt, dann werden nur die Megareichen ĂŒbrig bleiben. Außer es kommt zu einer gewaltsamen Revolution.

Wenn andererseits die Notenbank bei der monetĂ€ren Expansion die Bremse zieht, werden die Zinsraten steigen und die Wirtschaft in eine tiefere Depression stĂŒrzen.

Washington ist mit seinem neuesten Krieg beschĂ€ftigt und kĂŒmmert sich nicht um die Gefahr, in der Amerika schwebt. Wie Stiglitz bemerkt, hĂ€tten allein die Kosten des Irakkriegs alle zwangsausgesiedelten Familien in ihren Heimen bleiben lassen, Gesundheitsversorgung fĂŒr jedes amerikanische Kind gewĂ€hrleisten und die Studiendarlehen von Absolventen tilgen können, die keine Arbeit finden können, weil die ArbeitsplĂ€tze ins Ausland ausgelagert worden sind. Wie auch immer, die erhabene demokratisch gewĂ€hlte Regierung der „einzigen Supermacht auf Erden“ zieht es vor, Moslems zu töten, um die Profite des MilitĂ€r/Sicherheitskomplexes zu steigern. Mehr Geld wird ausgegeben fĂŒr die Verletzung der verfassungsmĂ€ĂŸigen Rechte der amerikanischen Flugreisenden als fĂŒr die Armen.

Die moralische AutoritĂ€t des Westens ist in einem raschen Zusammenbruch begriffen. Wenn Russland, Asien und SĂŒdamerika auf Europa, Australien und Kanada blicken, sehen sie amerikanische Marionettenstaaten, die ihre Truppen zu den aggressiven Kriegen des Imperiums beisteuern. Der französische PrĂ€sident, der britische Premierminister, der „PrĂ€sident“ Georgiens und der Rest sind lediglich FunktionĂ€re des amerikanischen Imperiums. Diese Marionetten verscherbeln routinemĂ€ĂŸig die Interessen und das Wohlergehen ihrer Völker im Dienste der amerikanischen Hegemonie. FĂŒr ihre Dienste werden sie gut belohnt. Ein Jahr nach seinem RĂŒcktritt war der ehemalige britische Premierminister Tony Blair netto rund $30 Millionen wert.

Mit seinem Krieg gegen Libyen hat Obama Amerika einen Schritt weiter in den CĂ€sarismus gebracht. Obama ĂŒbertraf Bush um eine Stufe und kĂŒmmerte sich nicht einmal um eine Genehmigung durch den Kongress fĂŒr seinen Überfall auf Libyen. Obama behauptete, dass seine moralische AutoritĂ€t ĂŒber der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika steht. Die Scheinheiligkeit stinkt. Wie die Öffentlichkeit das aushĂ€lt, weiß ich nicht:

„Die Verantwortung Amerikas als FĂŒhrer beiseite zu schieben und – noch schwerwiegender – unsere Verantwortung fĂŒr unsere Mitmenschen in einer derartigen Situation, hĂ€tte einen Verrat an dem dargestellt, was wir sind. Einige LĂ€nder werden es vielleicht schaffen, GrĂ€ueltaten in anderen LĂ€ndern zu ĂŒbersehen. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind da anders. Und als PrĂ€sident weigerte ich mich, auf die Bilder von Massakern und MassengrĂ€bern zu warten, bevor ich etwas unternahm.“

Das vom Großen Moralischen FĂŒhrer, der Tag fĂŒr Tag Zivilisten in Afghanistan und Pakistan und Jemen und Somalia und jetzt in Libyen mordet und wegschaut, wenn „die große Demokratie im Mittleren Osten“ Israel weitere PalĂ€stinenser mordet.

Der amerikanische PrĂ€sident, dessen Drohnen und Luftwaffe jeden Tag des Jahres Zivilisten abschlachten, fuhr fort und sagte, dass Libyen einzigartig dasteht in der Welt mit „der Aussicht auf Gewalt in einem entsetzlichen Ausmaß.“ Offenbar denkt Obama, dass eine Million tote Iraker, vier Millionen vertriebene Iraker und eine unbekannte Anzahl gemordeter Afghanen nur eine Kleinigkeit ist.

Der Rest von Obamas Rede zeigte eine Person, die Doppelsprech und Doppeldenk besser beherrscht als der Große Bruder und die Bewohner von George Orwells 1984.

Wie kann eine ganz und gar absurde Person wie Obama erwarten, ernst genommen zu werden?

erschienen am 29. MĂ€rz 2011 auf www.foreignpolicyjournal.com – Artikel

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