Nur ein dämlicher Trittbrettfahrer?

Entgegen ersten Pressemeldungen wird es immer fraglicher, ob der Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab (23) tatsächlich im Auftrag einer al- Qaida Organisation gehandelt oder zu einer solchen Organisation Kontakte hat. Was bliebe,  wäre ein nicht ungefährlicher Spinner, der unser aller Leben weiter erschwert, weil sich nun natürlich die Sicherheitskontrollen auf den Trans- Atlantikflügen weiter verschärfen werden. Ein erster Versuch von These und Antithese.

Aussageverhalten

Toll, der Junge hat schon einmal etwas von „besonderen Vernehmungsmethoden“ der Amerikaner gehört und scheint wie ein Wasserfall zu reden, vermutlich um sich dieses Ungemach zu ersparen. Gegen „Angst vor Folter“ als Mittel des Redeflusses, wenn nicht der Anschein erweckt wird, dass es diese Möglichkeit auch noch gibt, ist ja gar nichts einzuwenden. Bisher waren die meisten Terroristen des Netzwerkes al- Qaida allerdings keine Milchbubis und haben nicht ohne weiteres Details ihres Auftrages oder ihrer Planung bekannt gegeben, weshalb ich nach wie vor Zweifel habe, ob die Sauerlandgruppe tatsächlich diesem Netzwerk zuzuordnen ist. Ich persönlich halte diese Leute für Weicheier, deren Fanatismus von einer Organisation, welche an Spendengelder wollte, ausgenutzt wurde.

Da wir idiotischer Weise gerne jegliche dämliche, terroristische Aktivität der al-Qaida in die Schuhe schieben, werten wir dieses Netzwerk und auch Milchbubis oder Möchtegernorganisationen derart auf, das diese tatsächlich den Eingang von Spendengeldern oder das Gefühl „wer zu sein“ verbuchen können. Oder noch deutlicher, wir machen aus Spinner und Trittbrettfahrer durch unser hysterisches Terroristengeschrei erst „Helden“,  denen andere Spinner nacheifern werden.

Diese Spinner sind sicherlich nicht ungefährlich. Würden wir jedoch bei unserer Bewertung nur ihr Verhalten und nicht ihre spekulative Zugehörigkeit veröffentlichen, dann würde es sich vielleicht so manches Milchbubilein überlegen, ob er künftig tatsächlich ein Terrorist sein will.

Sprengstoff

Welcher Art von Sprengstoff dieser Möchtegern zur Zündung bringen wollte, ist mir klar. Das wäre eine neue Dimension, wenn nicht wieder irgendein „Idiot“ Ausbildungswissen der ehemaligen Sabotageeinheiten der Nachrichtendienste irgendwo veröffentlicht hat.

Bei aller Sympathie für eine Transparenz der Geheimdienste: Bestimmtes Wissen gehört einfach nicht in die Öffentlichkeit, auch nicht in Form von bezahlter Beratung oder Ausbildungsprogrammen. Ein Sabotage- Experte bastelt nun mal aus den Utensilien eines jeden Haushaltes eine zündfähige Bombe. Ausgerechnet eine amerikanische ND- Fernsehserie hat in den Achtzigern dieses Wissen verbreitet. Also nicht meckern, im fernen Sternenbannerland.

Dubioser Kontakte

Für einen Einzeltäter sprechen seine Kontakte in London, welche ihn in eine entsprechende Datei der britischen Sicherheitsbehörden gebracht haben, in der eine Vielzahl von Personen zu finden sind, die gerne Terrorist wären und für die „Heilige Sache“ gerne eintreten würden, wenn sie sich dabei nicht verletzen oder gar schädigen. Typen, die einmal "GROSS" rauskommen wollen. Typen, die ihren Mitbürgern und ihrer Familie beweisen wollen, dass doch mehr sind, als deren Einschätzung. Typen, denen weder ein Nachrichtendienst noch eine Terrororganisation über den Weg traut, da labil, geschwätzig und unfähig zu einer wirklich ernsten, konspirativen Arbeit, welche Unterordnung und Disziplin verlangt. Wer vor einer Ausbildung keine Selbstdisziplin hatte, wird eine solche auch nicht in einer Ausbildung lernen.  „Ein Weichei bleibt auch dann ein Weichei, wenn man es sehr lange kocht“, behaupten die Ausbilder von Spezialkampftruppen und die sollten es wissen.

Nigerianer im Terrorismus

Die mangelnde Kampfentschlossenheit von Nigerianern ist fast schon Sprichwörtlich. Die Euphorie nigerianischer Soldaten im Siegestaumel ist nicht zu überbieten. Ebenso nicht ihr Hang zum sehr schnellen Wegzulaufen. Im Biafra Krieg haben zwölf Söldner eine Halbe Division Regierungstruppen in die Flucht geschlagen.

So dämlich kann noch nicht einmal die al-Qaida sein, solche Leute mit Aufträgen zu betrauen. Hätte der Typ einen Auftrag gehabt, dann wäre er zum nächsten westlichen Geheimdienst gerannt und hätte diesen offen gelegt. Denn alles was bisher über den Mann bekannt geworden ist,  spricht dafür, dass es einer ist der Mitspielen will und da ihn keiner zum Mitspielen haben möchte, spielt er alleine und erfindet sich seine Auftraggeber. Die Psychiatrischen Anstalten sind voll von solchen Typen.

Das Dilemma der Fahnder

Die Einordnung von Vorgängen in die Raster der bekannten Erkenntnisse entbindet auch die Fahnder nicht von der Pflicht zur Zurückhaltung. Der Hang aus jedem „Hosenmatz“ der Terrorist spielen wollte,  einen Terroristen zu machen, ist leider viel zu groß, wie ein Fall aus NRW beweist.

Da hatten einige Jugendliche eine „tolle“ Idee. Sie wollten ein Gas- oder Ölschiff von einem nahen Hafen klauen und dieses in der Nähe einer Großveranstaltung am Rheinufer in Brand setzen oder zur Explosion bringen. Sie hatten auch das richtige Schiff gefunden. Unter einer Brücke, scheinbar bereit zur schwimmenden Bombe zu werden.

Tja, leider fehlte die Leiter, um die sieben Meter – von der Brücke – hinunter auf den Kahn zu gelangen. Zum Springen fehlte der Mut und an einem Seil hoch oder runter klettern konnten die Jungs auch nicht. Also gingen sie nach Hause, wo die Handschellen klickten.

Das sind sicherlich gefährliche Personen und die Behörden sollten sie möglichst schnell in ihre Heimat abschieben. Dies sind aber keine Terroristen.

Dies sind kleine dumme Jungs, die gerne Massenmörder wären, weil dies ja so schick ist und  alle – insbesondere die Presse – sie zu großen, gefährlichen Subjekten hoch stilisieren würden, hätten sie Erfolg.

Fazit

Es wäre von Vorteil, wenn voreilig ein Terrorist zum Hosenmatz gemacht wird und nicht Hosenmätze zu Terroristen. Im Gegenteil, würden echte Terroristen künftig von der öffentlichen Meinung als „Hosenscheißer“ angesehen, dann würde vielleicht dem einen oder anderen die Lust vergehen, sich für eine Sache aufzuopfern. Was hat den einer auch von der Selbstaufopferung, wenn die eigene Familie in der Presse lesen muss, dass er nur ein kleiner, geisterkranker Spinner und Massenmörder ist, der durch Zufall einen „Hit“ gelandet hat.

Wir alle nehmen diese – Idioten – viel zu ernst. Wir finden sie auch bei uns. Sie rasen mit ihren Autos in eine Menschenmenge, aus Frust, einem übersteigerten Geltungsbedürfnis oder einfach an der Lust, andere Menschen zu schädigen. Die nennen wir nicht Terroristen. Die sperren wir ein, möglichst auf Dauer.

Würden die Medien nicht über derartige Anschlagversuche berichten oder anders berichten, würde selbst den echten Terroristen bald die Lust vergehen.

Comments are closed.