DAS GESPENST II: Revolution oder die Beherrschung der Gegenwart
Erste Folge der Reihe:
âDas Gespenstâ
Ordnen wir unsere Gedanken und betrachten wir die Geschichte, die sich hier vor 160 Jahre abgespielt hat.
Andreas Gottschalk, der MitbegrĂŒnder des 48er „CentralmĂ€rzvereins“ und seiner radikalen „Donnersberg“-Fraktion, wird zu Karl Marx einmal sagen, er sei nur ein „gelehrter Sonnengott“.
„Das Elend des Arbeiters, der Hunger des Armen hat fĂŒr Sie nur wissenschaftliches, doktrinĂ€res Interesse„.
MerkwĂŒrdigerweise wird Gottschalk aber in der Wikipedia-Dokumentation zum CentralmĂ€rzverein als „Kölner Kommunist“ gehandelt.
Auch fĂ€llt das permanente Herumgerede um konkrete Daten und Informationen ĂŒber den flux zum Oberkommunisten mutierten ausgebildeten Offizier der Preussischen Königlichen Armee, Friedrich Engels auf.
Ebenso wird nicht klar gesagt, wo Marx sich Zeit seines Lebens ĂŒberhaupt befand und woher er sein Geld bekam.
Kapitel IV: Die Rolle von Marx und Engels bis 1848
Karl Marx, der 1841 seinen Phil. Doktortitel mit einer Arbeit zur „Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie“ machte, hatte am 15.Oktober 1942 den Posten des Chefredakteurs der von Liberalen gegrĂŒndeten „Rheinische Zeitung fĂŒr Politik, Handel und Gewerbe“ ĂŒbernommen, welche erst im Januar gegrĂŒndet worden war. Am 16. November 1842 besuchte ihn der frisch ausgebildete preussische Offizier Friedrich Engels .
Und dann heisst es da bei Wikipedia ĂŒber den Chefredakteur Marx:
„Er schrieb immer unter Pseudonymen und es gelang ihm auch bis zum Untergang der Zeitung seine TĂ€tigkeit als Redaktor geheim zu halten.“
Was heisst denn das? Wer schrieb denn da eigentlich?
Zwei SÀtze spÀter:
„Aus Engels‘ Zeit in England resultierte eine Serie von Artikeln fĂŒr die RZ, aus denen spĂ€ter Engels Werk `Die Lage der arbeitenden Klasse in England` wurde.“
Am 31. MĂ€rz 1843 war die „Rheinische Zeitung fĂŒr Politik, Handel und Gewerbe“ schon wieder verboten.
Marx heiratet und geht 1843 nach Paris. Dort will er mit „französischen Sozialisten“ (die sich damals bestimmt nicht so nannten) zusammenarbeiten, die aber nicht mit ihm, weil er mitten in der NeoblĂŒte des Feudalismus die Demokratie ablehnt, fĂŒr die alle anderen streiten.
DafĂŒr verfasst er dann so Sinnvolles wie die Schrift „Die heilige Familie, oder Kritik der kritischen Kritik“
Kostprobe:
„Wie bei Hegel ist das Resultat der wirklichen Entwickelung nichts anderes als die bewiesene, d.h. zum BewuĂtsein gebrachte Wahrheit. (…) Die absolute Kritik spricht von ‚Wahrheiten, die sich von vornherein von selbst verstehen‘. (…) Eine Wahrheit, die sich von selber versteht, hat fĂŒr die absolute Kritik, wie fĂŒr die göttliche Dialektik, ihr Salz, ihren Sinn, ihren Wert verloren. Sie ist fad geworden wie abgestandnes Wasser. Die absolute Kritik beweist daher einerseits alles, was sich von selbst versteht, und auĂerdem viele Dinge, die das GlĂŒck haben, unverstĂ€ndig zu sein, sich also niemals von selbst verstehen werden. Andrerseits versteht sich ihr alles das von selbst, was einer Entwickelung bedarf. Warum? Weil es sich bei wirklichen Aufgaben von selber versteht, daĂ sie sich nicht von selber verstehn.“
Mitten in einer Zeit der Revolutionen fĂŒr Verfassung und Demokratie so ein Geschwafel. Ăbrigens ist Engels bei diesem Text sogar offiziell Mitverfasser.
Dabei ist einem, als wÀre es jetzt gewesen.
Man merke sich: man hat also verstanden, dass man nichts versteht.
So etwas nennt man Desorientierung.
Man stelle sich jetzt die Wirkung auf die eigene Person mitten in einer die deutsche Geschichte prÀgenden Moment vor:
Was wÀre denn gewesen, wenn die Deutschen vor 160 Jahren verstanden hÀtten dass sie weder einen König, noch einen Kaiser, noch ein Reich, sondern die Republik brÀuchten?
Wie wĂ€re die Geschichte des 19.Jahrhunderts – und vor allem des blutigen 20.Jahrhunderts – im damals nicht als Nationalstaat sondern als „Deutschen Bund“ völlig unterschiedlicher LĂ€nder, Regionen, StĂ€dte, Gebilde, Traditionen, ja sogar Völker existierenden Deutschland verlaufen, wenn sich die Paulskirche damals richtig entschieden hĂ€tte?
Der Feldzug des Professors Karl Marx gegen die Freidenker geht weiter. Erst kritisiert er den spĂ€ter als „Individual-Anarchisten“ verleumdeten Philosophen Max Stirner um dann von ihm abzuschreiben und seine Thesen ĂŒber Feuerbach zu kopieren.
Anfang 1845 geht Marx von Paris nach BrĂŒssel, „auf Druck der preussischen Regierung“ wie es heisst.
Belgien, in dem am 25. August 1830 nach der AuffĂŒhrung der romantischen Oper „La Muette de Portici“ („Die Stumme von Portici“ von Daniel-François-Esprit Auber) im BrĂŒsseler Publikum der Ruf „Vive la libertĂ©“ und gleich die Revolution ausgebrochen war, hatte die zum damaligen Zeitpunkt freiheitlichste Verfassung Europas unter einer bis heute andauernden parlamentarischen Monarchie.
Die GrossmÀchte Frankreich, Preussen, Russland und England hatten nach viel Geschacher eine NeutralitÀt Belgiens ausgehandelt und dessen UnabhÀngigkeit von den Niederlanden akzeptiert.
Engels folgt Marx nach BrĂŒssel. Sie bleiben dort.
Nach offizieller Darstellung schaffen sie es aber 1846 in England, den „Bund der Gerechten“ unter Kontrolle zu bringen, der sich dann ja 1847 in den „Bund der Kommunisten“ umbenannt haben soll.
Im gleichen Jahr sitzt Marx aber in BrĂŒssel und hat nichts anderes zu tun als ausgerechnet gegen Pierre-Joseph Proudhon zu intrigieren.
Der französische Ăkonom und Soziologe kommt – ganz im Gegensatz zum adligen Marx – aus bitterarmen VerhĂ€ltnissen, ackert sich mĂŒhsam als Autodidakt hoch, ist im Gegensatz zu Marx mitten im Geschehen der Februarrevolution 1848 in Frankreich und entwickelt dort als Abgeordneter der französischen Nationalversammlung ein Arbeitsprogramm.
Er erstrebt eine Entwicklung zum Sozialismus ohne Gewalt, getragen von der freien Entscheidung der Arbeiter.
Proudhon lehnt jede staatliche Gewalt ab und prĂ€gt die Ăberzeugung der Anarchisten, wonach die Freiheit der Menschen die Grundvoraussetzung fĂŒr eine sozialistische Ordnung ist.
Er soll spĂ€ter einmal die erste „Volksbank“ erfinden und grĂŒnden, die kostenlose Kredite vergibt. Nach einem halben Jahr wird er verhaftet, die Bank muss wieder schliessen.
Karl Marx derweil, in BrĂŒssel sitzend, veröffentlicht nun mit Engels ĂŒber London schliesslich am 21.Februar 1848 das „Kommunistische Manifest“.
Im MĂ€rz, als in Köln die Revolution losbricht, geht er dorthin zurĂŒck.
Kapitel V: Marx wÀhrend der Revolution
ZurĂŒck in Deutschland ist Marx keineswegs, wie der skurrile Wikipedia-Eintrag zu seiner Person jubelt, „einer der FĂŒhrer der revolutionĂ€ren Bewegung in der preuĂischen Rheinprovinz“.
Denn ein anderer Wikipedia-Eintrag wiederum sagt, er ging erst im April nach Köln, zusammen mit Engels und wieder ĂŒber Paris.
Er versucht sich dort wieder als Zeitungschef, aber erst nachdem durch die ohne ihn stattgefundene MĂ€rzrevolution die Pressezensur aufgehoben ist.
Der Name der Zeitung, ganz im Gegensatz zu seinen ablehnenden Thesen:
„Neue Rheinische Zeitung. Organ der Demokratie“
Diesmal gehört ihm auch die Druckerpresse, die hohe Anfangsauflage von 6000 finanzieren ihm Liberale, sagt man. Die HĂ€lfte soll sich nach der ersten Auflage zurĂŒckgezogen haben.
Er reist, wohin ist unklar, um Spenden fĂŒr seine Zeitung aufzutreiben.
Er bekommt aber laut Wikipedia-Eintrag die grösste Summe (2000 Taler) von einem Vladislav Koscielsky, „vom FĂŒhrer der polnischen Emigranten in Berlin“.
Ausser diesem auf verschieden Dokumentationen wortgleich zitierten Eintrag gibt es zu dieser Person keinerlei Angaben.
Man darf nicht vergessen: Telefon, BankĂŒberweisung oder gar Internet existieren nicht.
Es liegt also nahe, dass Marx zu diesem Zeitpunkt in der Hauptstadt des preussischen Königreiches gewesen ist.
Unwahrscheinlich, dass er es ausgerechnet in den wenigen Tagen der erfolgreichen Vertreibung der königlichen Truppen durch die Berliner war…
Auch als am 25. September 1848 wegen Arbeiterunruhen in Köln der Belagerungszustand ausgerufen wird, gehen die preussischen MilitÀrs nicht gegen die auflagenstarke Zeitung vor, wÀhrend Mitarbeiter schon wegen gehaltener Reden verhaftet werden.
Friedrich Engels verschwindet, angeblich um sich der Verhaftung zu entziehen, und taucht erst Anfang 1849 wieder auf, um seine „Redaktionsarbeit“ wieder aufzunehmen.
Die ganze Zeit ist er Autor von „wesentlichen Artikeln“ der „Neue
Rheinische Zeitung“ (NRhZ).
Interessanterweise kritisiert die „Neue Rheinische Zeitung“ zwar die, wie sie sagt, „bĂŒrgerliche“ Revolution gegen die feudalen HerrschaftshĂ€user und die preussische Monarchie, aber fordert dafĂŒr einen Krieg gegen Russland. Um die UnabhĂ€ngigkeit Polens zu erreichen, wie es heisst.
(Man denke jetzt mal an den Finanzier Vladislav Koscielsky und den ganzen Aberwitz dieser Forderung.)
Zu keinem Zeitpunkt wird die Zeitung verboten, obwohl sie nach aussen eine Abschaffung der Monarchie vertritt und Marx drei Jahre zuvor angeblich auf Druck der preussischen Regierung selbst aus Paris gezwungen wurde auszureisen und nach BrĂŒssel ĂŒberzusiedeln.
Die „meisten“ Mitarbeiter sind Mitglieder im „Bundes der Kommunisten“, der ja offiziell seinen Sitz in London hat.
Mit dem Ende der MĂ€rzrevolution im Sommer des 1849 beendet auch die „Neue Rheinische Zeitung, Organ der Demokratie“ ihr Werk in Köln.
Marx geht nach London.
Engels hinterher.
Dritte Folge der Reihe:
Das Gespenst III: Das âMĂ€rchen vom Gespenst des Kommunismusâ
Vierte Folge der Reihe:
Das Gespenst IV: Utopie und Gesellschaft
