Ägypten Ticker: Volksaufstand Tag 16

Ägypten Ticker: Volksaufstand Tag 16
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übervölkert

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Mittwoch, der 9.Februar. Tag 16 im Volksaufstand gegen den Diktator Husni Mubarak. Und er beginnt, nun ja, nicht schlecht.

Washington nennt man auch die Stadt der Telefone. Irgendwo klingelt es immer, aber nicht immer in Washington. So auch diesmal.

Am Apparat war Onkel Joe. Joe ist ein eher schlicht gestrickter Charakter, der manchmal irritiert lächelt wenn er angesprochen wird; z.B. wenn er bei der State of the Union oben auf seinem Sessel sitzt und wieder nichts mitbekommen hat.

Am anderen Ende der Leitung war Onkel Husni in Kairo. Nein, Onkel Omar, weil Onkel Husni schon im Bett war. Vielleicht war es aber auch ein Telefongespräch, was schon früh am Abend in Kairo und früh am Tage in Washington geführt, aber erst nach der täglichen Ping-Pong-Runde veröffentlicht wurde, im großen Ping-Pong um Ägypten. So läutete nun die Veröffenlichung der (ganz ohne Zweifel guten) Nachricht vom Telefonat gleich den neuen Tag an, zumindest dort wo die Musik spielt. Jeden Tag eine neue Runde.

Fazit: Onkel Joe (bürgerlich: Joe Biden, Vizepräsident der Vereinigten Staaten von Amerika) telefonierte mit seinem guten Bekannten Omar (bürgerlich-militärisch: Omar Suleiman, seines Zeichens frisch ernannter Amtskollege aus Ägypten). Onkel Joe teilte Onkel Omar mit, dass nun nach schlappen 30 Jahren es langsam Zeit werde, die große Ausnahme im Zustand der Diktatur – also den Ausnahmezustand – langsam zu lüften. Er tat dies natürlich formal und den Umständen entsprechend höflich und die große weiße Hausverwaltung lies dazu erklären:

“Der Vizepräsident versicherte erneut, dass die Zukunft von Ägypten vom Volke Ägyptens entschieden wird. Der Vizepräsident nahm die Schritte der Regierung Ägyptens, die diese gegenüber der Opposition versprochen hat zu unternehmen, zur Kenntnis und drängte die Regierung sofortige Schritte zu unternehmen um seine Versprechen umzusetzen.

Beruhend auf dem fundamentalen Glauben unserer Nation an die Bedeutung von universellen Rechten und repräsentativen Regierungen, sowie an Beratungen mit Ägyptens Opposition und einem breiten Querschnitt der zivilen Gesellschaft, diskutierten Vizepräsident Biden und VizePräsident Suleiman zusätzliche Schritte,welche die Vereinigten Staaten unterstützen, eingeschlossen:

- Mäßigung des Verhaltens des Ministeriums des Inneren durch sofortige Beendigung der Festnahmen, Belästigungen, Prügel und Inhaftierungen von Journalisten, und politischen und zivilgesellschaftlichen Aktivisten, und durch das Erlauben der Freiheit der Versammlung und des Ausdrucks
sofortige Aufhebung des Ausnahmezustands
– Erweiterung der Partizipation im nationalen Dialog um ein breites Spektrum von Mitgliedern der Opposition einzubeziehen und
– Einladung der Opposition als Partner gemeinsam einen Strategieplan (“roadmap”) und Zeitplan für die Übergabe zu entwickeln.”

Man stelle sich jetzt mal vor, die Ägypter wären gestern nicht auf die Straße, sondern alle nach Hause gegangen. Was hätten sie ihr Leben lang nicht alles verpasst.

Weil jeder Tag zählt.

+++

Ticker zu Tag 16 im Volksaufstand in Ägypten

Die Tage zuvor:
Donnerstag, 25.01., Live Bilder aus Ägypten: Einem Land platzt der Kragen
Freitag, 28.01., Volksaufstand in Ägypten: Ticker
Samstag, 29.01., Übernehmen Mubarak und Suleiman die Taktik Ben Alis in Tunesien?
Sonntag, 30.01., Ägypten Ticker: Volksaufstand Tag 6
Montag, 31.01., Ägypten Ticker: Volksaufstand Tag 7
Dienstag, 01.02., Ägypten Ticker: Volksaufstand Tag 8
Mittwoch, 02.02., Ägypten Ticker: Volksaufstand Tag 9
Donnerstag, 03.02., Ägypten Ticker: Volksaufstand Tag 10
Freitag, 04.02., Ägypten Ticker: Volksaufstand Tag 11
Samstag, 05.02., Ägypten Ticker: Volksaufstand Tag 12
Sonntag, 06.02., Ägypten Ticker: Volksaufstand Tag 13
Montag, 07.02., Ägypten Ticker: Volksaufstand Tag 14
Dienstag, 08.02., Ägypten Ticker: Volksaufstand Tag 15

Öffentlich zugängliche Quellen:
Live TV Stream Al Jazeera: http://english.aljazeera.net/watch_now/
Twitter Al Jazeera: http://english.aljazeera.net/news/middleeast/2011/01/201112523026521335.html
Ticker Al Jazeera: http://blogs.aljazeera.net/middle-east/2011/02/08/live-blog-feb-9-egypt-protests

00.00 Uhr

Kairo. Der Tahrir Platz . Ein Bericht vom Vorabend.

Proteste gestern auch vor dem Parlament.

In New York erklärt der UNO-Botschafter Vitali Tschurkin, es sei an der Zeit für die Botschafter des UNO-Sicherheitsrats einen gemeinsamen Ausflug in den Mittleren Osten zu unternehmen. Als Grund nennt Tschurkin den “Friedensprozess” zwischen der rechtsradikalen Regierung Israels und der Administration von Mahmoud Abbas im pälästinensischen Westjordanland.

Der ägyptische Botschafter im Weltsicherheitsrat äußert sich zum arabischen Fernsehsender Al Jazeera:

“Auch als wir unsere Dispute hatten mit Al Jazeera..waren sie in der Lage zu senden, sie bekanen es hin uns auszumanövrieren und andere Quellen anzuzapfen, so ist die Welt ein kleines Dorf und jeder weiss was dort überall passiert.”

03.00 Uhr  (04.00 Uhr ägyptischer Zeit)

Ein Telefoninterview mit einer Aktivistin der Proteste vor dem Kairoer Parlament.

Ein Filmbericht von Stephen Farrell, New York Times: “Eine Nacht am Tahrir Platz”.

Eine faszinierende Collage des Fotografen Andrew Burton, der es schafft, den Alltag auf dem Platz in Bildern zu erfassen.

Im Gegenzug dazu ein Bericht des Al Jazeera Reporters Gregg Carlstrom. Er berichtet von äußerst unangenehmen Szenen durch regimetreue Mubarak-Unterstützer und Kontrollen von  Militäragenten in der Nähe des Tahrir Platzes in den letzten Tagen.

05.29 Uhr

Wael Ghonim berichtet via Twitter von der Aussage eines Polizei-Offiziers: dieser berichtet, er habe seinen Dienst aufgegeben, nachdem der inzwischen zurückgetretene Innenminister Hahib El Adly die Polizei angewiesen habe mit scharfer Munition wahllos auf Protestierende zu schießen.

05.40 Uhr

Berichte über schwere Auseinandersetzungen der Bevölkerung mit der Polizei in der Gouverneursprovinz Al-Wadi al-Jadid, einem weitläufig, dünnbesiedelten Gebiet mit weiten Wüstenflächen. Al-Wadi al-Jadid, auch New Valley genannt, ist mit Abstand das größte Gouvernement Ägyptens. (Die Auseinandersetzung halten auch den Tag über an. Filmberichte gibt es nicht, es sind derzeit keine internationalen Reporter oder TV Teams vor Ort. Aktueller Twitter Ticker: #newvalley)

10.00 Uhr

Drei unabhängige Gewerkschaften haben sich der Freiheits- und Demokratiebewegung angeschlossen und demonstrieren vor der Zentrale des staatlichen Gewerkschaftsbundes. Dies wird allgemein als großer Erfolg der demokratischen Kräfte angesehen.

Bereits seit Tagen haben Tausende in Ägypten getreikt. Gestern traten 6000 Arbeiter von Service Firmen der staatlichen Suez Kanal Gesellschaft in den Streik. Tausende von Fabrikarbeiter in Mahalla, Suez und Helwan haben sich angeschlossen. Auf Al Jazeera mehren sich Berichte, dass der gestrige Aufruf der Freiheitsbewegung zum Generalstreik Wirkung zeigt.

In den USA zeigt eine Studie des Pew Research Centers, dass die Berichte über die letzten 15 Tage des Volksaufstandes Tagen mehr Aufmerksamkeit erlangt haben, als die Berichte seinerzeit über den Irak-Krieg, den Afghanistan-Krieg das Erdbeben in Haiti – wohlgemerkt: in der internationalen Weltöffentlichkeit. In den USA hat die Hälfte aller Einwohner noch nie oder “ein bisschen” etwas über den laufenden Volksaufstand in Ägypten gehört. (Radio Utopie berichtete gestern)

12.00 Uhr

Neben den Protesten und einem neuen Sit-in vor dem Parlament gibt es nun auch Proteste vor dem Tagungsort des Regierungskabinetts der Mubarak-Diktatur, der sich nur weitere Hunderte von Metern entfernt befindet. Das Kabinett muss den Tagungsort wechseln, nachdem Demonstranten den Eingang blockieren.

12.15 Uhr

Am gestrigen Abend hatte der ägyptische Popstar Tamer Hosny (“Oh Du mein Augenlicht”) im Staatsfernsehen seine Unterstützung für Diktator Husni Mubarak erklärt, den er “Papa Mubarak” nannte. In der Nacht kam er dann, mutmaßlich unter Drogeneinfluß, auf die glänzende Idee auf dem Tahrir Platz zu erscheinen und eine Rede an Menschen halten zu wollen, die vor Wochen noch unter dem Regime nichts wert waren und mittlerweile populärer sind als er.

Was folgte, ist nachvollziehbar. Der Popstar musste die Flucht antreten, das Militär soll sogar ein paar Warnschüsse abgegeben haben. Anschließend entschuldigte sich der Musiker dafür, die Freiheitsbewegung nicht von Anfang an unterstützt zu haben und betonte, er habe sich nur bei den Menschen bedanken wollen.

12.32 Uhr

Zwei bestätigte Todesopfer und Dutzende Verletzte in Al-Wadi al-Jadid. Die südwestliche Gouverneursprovinz umfasst fünf weit verstreute Cluster von Oasen.

13.00 Uhr

Auf dem Tahrir Platz, mit seiner über die Tage gewachsenen Infrastruktur und Zeltstadt, sind mittlerweile auch nachts permanent mehrere tausend Menschen. An diesem Mittag strömen wiederum weitere Tausende dazu.

Derweil am Vormittag vor dem Parlament:

13.15 Uhr

Die landesweiten Streiks weiten sich aus.

13.30 Uhr

Folgende nordamerikanische Künstler haben zum Volksaufstand in Ägypten einen Song und ein Video veröffentlicht. Musiker: Omar Offendum, The Narcicyst, Freeway, Amir Sulaiman, Ayah. Produzent: Sami Matar (Advent Media Productions). Ridwan Adhami. Download link: http://www.usershare.net/6cjtbiapu5y8

Wer einen Dank via Twitter loswerden will (tweet #25Jan #egypt ):

Omar Offendum (MC #1) – http://twitter.com/Offendum
The Narcicyst (MC #2) – http://twitter.com/TheNarcicyst
Freeway (MC #3) – http://twitter.com/PhillyFreezer
Amir Sulaiman (MC #4) http://twitter.com/AmirSulaiman
Ayah (R&B Vocalist) – http://twitter.com/AyahMusic
Sami Matar (Producer) – http://twitter.com/SamiMatar
Artwork by Ridwan Adhami http://www.ridzdesign.com

Weil jeder Song zählt.

14.30 Uhr

Zum ersten Mal in der Geschichte Ägyptens ist die Armee in das Parlament eingerückt – und dann noch, um es vor der Bevölkerung zu schützen. Den Parlaments-Angestellten ist Order erteilt worden die nächsten Tage zuhause zu bleiben.

Immer noch sind viele Agenten und Geheimpolizisten, in Verkennung der Situation, in zivil auf den Straßen Kairos unterwegs.

Aus dem Militär kommen widersprüchliche Signale, wie jetzt mit der Situation umzugehen ist.

Analyse: Der Diktator Husni Mubarak im Amt. Er muss sofort zurücktreten. Alles andere ist irrelevant.

15.25 Uhr

Mindesens 6000 Arbeiter streiken in Kairo für höhere Löhne, allerdings ohne den Rücktritt des Diktators zu verlangen. Wie Reporterin Stephanie Dekker berichtet, nutzen die Gewerkschaften den Windschatten der Freiheitsbewegung um bessere Arbeits- und Lebensbedingungen zu erreichen.

Anmerkung: Soviel zu diesem Dreck mit der “Arbeiterklasse”.

16.22 Uhr

Reuters Meldung: die Armee “erhöht die Sicherheitsvorkehrungen” an der Straße zum Präsidentenpalast von Diktator Mubarak.

Vize-Präsident Omar Suleimans Bemerkungen über einen möglichen “Putsch” wurden in Ägypten allgemein dass allgemein als Drohung mit einem Militärputsch verstanden. dazu äußerte sich

Ein Sprecher der Koalition von fünf Jugendgruppen auf dem Tahrir Platz über die Drohungen Suleimans gestern zur Nachrichtenagentur ap:

“Er droht mit der Verhängung des Kriegsrechts, was bedeutet das jeder auf dem Platz zerquetscht wird. Aber was macht er mit dem Rest der 70 Millionen Ägypter, die uns nachfolgen werden? .. Wir werden streiken und wir werden protestieren und wir werden nicht verhandeln, bis Mubarak zurückgetreten ist. Wer immer uns bedrohen will, soll das mal machen.”

Analyse: Ganz ohne Zweifel ist das Militär z.Z. in Bewegung. Entscheidend wird die Rolle der Armee sein. Die Luftwaffe steht eher Mubarak und Suleiman nahe. Für den Diktator läuft die Zeit.

16.40 Uhr

Kleine Posse zwischendurch: Nicolas Sarkozy hat nach ausführlichem Gebrauch von Diktators-Flugzeugen seinem Premier und dessen Minister ab sofort Ferien in Frankreich verordnet.

16.45 Uhr

Aus der unruhigen Gouverneursprovinz Al-Wadi al-Jadid, in der gestern Nacht Kämpfe zwischen Staatspolizei und Bevölkerung ausbrachen, meldet ein Arzt, dass er vier Menschen wegen Schusswunden in die Brust behandeln musste.

17.00 Uhr

Mehr und mehr häufen sich interessante Berichte. Evan Hill über staatsdienliche Akrobaten in Kairo:

“Wenn Du auf dem Balkon im zweiten Stock des Gebäudes Deines Staatsfernsehens drei Maschinengewehre auf Stative positionieren willst, dann macht das eben Probleme.”

17.00 Uhr

Al Jazeera Reporterin Sherine Tadros berichtet, dass die drei unabhängigen Gewerkschaften, die sich der Freiheitsbewegung angeschlossen haben und den Rücktritt des Diktators fordern, mit ihrem Demonstrationszug auf den Tahrir Platz gezogen sind. Demgegenüber fordern die Streikenden in den staatlichen Gewerkschaften Kairos nicht den Rücktritt Mubaraks.

Ayman Mohyeldin berichtet von einem verfassungsrechtlichen Dilemma: sollte Mubarak zurücktreten, würde die Macht laut Artikel 84 automatisch auf den Parlamentspräsidenten übergehen. Ein neuer Präsident bräuchte die Nominierung von einem Drittel der Parlamentsmitglieder. Da die Staatspartei NDP mit ihrer überwältigenden Mehrheit aber praktisch ein Nominierungsmonopol besitze, stünde die Freiheitsbewegung vor einem Dilemma, so Mohyeldin.

Analyse: ich kann mich da nur wiederholen: Al Jazeera liegt da falsch. Aber bitte, ich quäle mich auch gern noch durch die ägyptische Verfassung, die offensichtlich auch kein Schwanz liest.

1. Artikel 84 besagt, dass im Falle eines aufgelösten Parlamentes die vorübergehende Präsidentschaft auf den Obersten Gerichtshof übergeht. So erschliesst sich auch nachvollziehbar die Forderung der Freiheitsbewegung nach Auflösung dieses Witzparlamentes. Das könnte aber nur der Diktator tun. Und Mubarak ist im Amt.

2. Nach Artikel 82 könnte der Präsident jederzeit die Macht an einen Vize-Präsidenten abgeben und dann zurücktreten. Die Bedingung für eine sofotige Neuwahl nach Artikel 84 wäre nicht gegeben, da es keine “Leere im Amte / Büro des Präsidenten” (“vacancy of the Presidential office”) gibt. Also was soll der Blödsinn?

Würde jetzt jemand Al Jazeera da unten die Verfassung rüber reichen? Die Verfassung Ägyptens? Recht herzlichen Dank.

18.00 Uhr

Lesetipp: Im Wettbewerb der Westentaschen-Faschisten in der hiesigen Informationsindustrie ist der Springer-Verlag mal wieder in Führung gegangen. In der “Welt” darf Jaques Schuster – der 2004  in der ölreichen sudanesischen Provinz Darfur syrische Sondereinheiten beim Einsatz von Chemiewaffen ortete – heute mal wieder alles geben. Da die Verlagswelt mittlerweile dazu übergegangen ist entsprechendes Outing ihrer Hofschreiber über das Urheberrecht zu verfolgen – wie auch sonst – sei hier nur der Artikel empfohlen, aber nicht einmal die Überschrift zitiert. Einmal Geisterbahnfahren, da atmet man hinterher wieder richtig durch.

18.45 Uhr

Brisante Neuigkeiten: Gegen den ehemaligen ägyptischen Innenminister Habib el-Adly ist wegen Verwicklung in das Attentat auf koptisch-christliche Ägypter in der Neujahrsnacht Anklage durch die Generalstaatsanwaltschaft erhoben worden (hierzu: “Teile und Herrsche”: Attentate auf die Bevölkerungen von Nigeria und Ägypten).

Die Anklage kam durch britische Zeitungsmeldungen in Gang. El Adly hat demnach mit eigenen Agenten, Schwerverbrechern und kommerziellen Söldnern von “Sicherheitsfirmen” ein verdecktes Attentats-Netzwerk betrieben. Dieses sollte unter falscher Flagge von Muslimen.. (Stille) ..von Islamisten Attentate begehen, falls der Machterhalt der Mubarak-Diktatur gefährdet sein sollte. Weiteres Ziel war, mehr Unterstützung aus dem “Westen” zu bekommen, für den noblen Kampf gegen den islamistischen fundamentalistischen extremistischen Terrorismus. Das Attentat auf Kopten war durch entsprechende Zeitungen und “Sicherheitsbehörden” der “Al Qaida” zugeschrieben worden.

Nach dem Attentat in Kairo war bekannt geworden, dass sich das BKA bereits vor dem Attentat in Kairo mit koptischen Priestern in Deutschland in Verbindung gesetzt und vor Attentaten (natürlich durch islamistische fundamentalistische extremistische Terroristen der “Al Qaida”) auf die koptische Gemeinde am 6. auf 7. in Deutschland gewarnt hatte. Die koptische Gemeinde informierte daraufhin das Bundesinnenministerium von Thomas de Maiziere (CDU) – vier Stunden vor dem Attentat in Kairo. (Geheimpolizei BKA droht mit Attentaten auf Christen in Deutschland, 3.Januar)

Anmerkung: Die ganze Affäre hatte natürlich keine personellen, politischen, juristischen oder sonst irgendwelche öffentlich wahrnehmbaren Konsequenzen. Warum auch. Schliesslich ist Angela Merkel immer noch im Amt und Frank Steinmeier die Opposition. Ach, da fällt mir ein – wussten Sie, dass die ägyptische Staatspartei NDP, deren regimetreuen Schläger in den letzten Tagen bloß ein, zwei Dutzend echte Oppositionelle ermordeten, bis vor 10 Tagen noch Mitglied der “Sozialistischen Internationalen” war, genau wie vorher die Staatspartei des Dikators in Tunesien? (18.Januar, Die feinen Antennen auf dem Müllhaufen der Geschichte)

Nein? Gut. Also hübsch artig weiter SPD wählen. Staatsparteien werden überall gebraucht. Sonst müsste sich die Staatspolizei am Ende ihre BKA-Gesetze noch selber machen.

Die Neuigkeiten der Anklage gegen Al Adly wegen des Neujahrs-Attentats sind bereits übrigens zwei Tage alt. Wir bemühen uns, allein gegen alle,  dem Müllhaufen der Geschichten hinterher zu räumen.

19.50 Uhr

Die interessanten Neuigkeiten kommen in regelmäßigen und kürzer werdenden Abständen. Der Aussenminister Mubaraks, Ahmed Aboul Gheit, hat erklärt, die ägyptische Armee könne möglicherweise “intervenieren”,

“um das Land vor dem Versuch ein paar Abenteurer zu bewahren an die Macht zu kommen.”

Analyse: Eine leere Drohung. Das Mubarak-Regime steht im Gegenteil selbst kurz vor einer Entmachtung durch die Armee.

19.55 Uhr

Nachdem in der nordöstlich der Hauptstadt Kairo gelegenen Stadt Ismailiya Einwohner das Gouverneurs-Gebäude gestürmt haben, hat sich die Staatspolizei mittlerweile fast vollständig aus der Stadt zurückziehen müssen. Unter den Bewohnern der Stadt, die sich seit zwei Wochen gegen das Mubarak-Regime wehrt, sind laut der Nachrichtenagentur ap auch Bewohner eines städtischen Slums aus behelfsmäßigen Hütten, in denen sie trotz aller Versprechungen ihrer Politiker 15 Jahre lang hausen mussten.

20.30 Uhr

Feuilleton: Zwischen dem Ping-Pong-Spiel schnell ein Peng zwischendurch. Auszüge aus dem Interview von Suleiman, indem dieser vor einem Putsch gegen.. ja, gegen wen eigentlich warnte…

“Ich meine einen Putsch des Regimes gegen sich selbst, oder einen Militärputsch oder eine Abwesenheit des Systems. Eine Kraft, ob es die Armee oder die Polizei oder der Geheimdienst oder die (Muslim)Bruderschaft oder die Jugend selbst ist, könnte `kreatives Chaos` hervorrufen, um das Regime zu beenden und die Macht zu übernehmen.”

Bitte zwei Plätze im Flugzeug. Und ein Zweibettzimmer.

21.50 Uhr

Ein wichtiges Verfallsdatum wäre dabei natürlich zu beachten.

21.55 Uhr

Feuilleton: Auch Aussenminister Ahmed Aboul Gheit hielt heute weiter gut mit. In dem Interview mit PBS warnte er nicht nur vor einem Militärputsch. Auf den heute morgen erteilten höflichen Hinweis des Weissen Hauses, man könne doch mal den Ausnahmezustand aufheben, anwortet Mubaraks Aussenminister:

“Als ich das heute morgen gelesen habe, war ich wirklich erstaunt, denn im Augenblick, während wir hier sprechen, haben wir hier 17.000 Gefangene aus den Gefängnissen, die zerstört worden sind, frei in den Straßen herum laufen. Wie können Sie von mir verlangen irgendwie den Ausnahmezustand aufzuheben, während ich in Schwierigkeiten bin?

Antwort aus Washington, US-Regierungssprecher Robert Gibbs:

“Es ist klar, dass das, was die Regierung bisher vorgebracht hat, noch einer Mindestmenge für die Menschen in Ägypten entsprechen muss.”

Da hat jetzt jemand aber den Ball mit aller Macht über den Tisch gespielt. Wow. Was für ein Einsatz.

23.00 Uhr

Schalt´s von der anderen Seite durch´s kreative Chaos: “Na, na, na. Man muss doch mal ein bisschen Verständnis haben, für die arme, demokratische Regierung der Freien Welt in Washington. Man kann die guten Freunde in Ägypten ja auch nicht allzu sehr vergrätzen. Sonst packen die am Ende noch aus.  Zum Beispiel über die Ausbildung der Folterer von der Staatsicherheit “Egyptian State Security and Investigative service” (SSIS) beim FBI.”

23.10

Mittlerweile sind laut Al Jazeera 20.000 Arbeiter in Ägypten im Streik. Ihre Haltung zum Diktator ist unterschiedlich. Wie berichtet, haben sich drei unabhängige Gewerkschaften der Freiheitsbewegung angeschlossen.

Mitternacht

Die Menschen in Ägypten trauern um ihre Toten des Volksaufstandes.

Wael Ghonim:

“Wir hoffen, dass der Freitag der Martyrer die größte Beerdigungszeremonie der Welt wird, um 300 Ägyptern das Geleit zu geben.”

Ganz ohne Zweifel sind die Ägypter bereit, noch mehr Beerdigungen in Kauf zu nehmen, um ihre Freiheit von der Diktatur zu erreichen. Vielleicht ist es trotzdem die letzte.

Ägypten Ticker: Volksaufstand Tag 17

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27 Kommentare

  1. Volksverdummung
    Am 9. Februar 2011 um 05:06 Uhr veröffentlicht | Permalink

    .
    FUNDSACHE
    .
    “Kommentar: “Pressefreiheit und Ägypten-Live-Ticker…”
    Mi, 09.02.2011 – 00:56 — Talleyrand
    .
    Die MELDUNGEN über erfolgreiche “REFORMEN” sind der grösste Blödsinn seit Dschingis Khan. Selbst Journalisten werden in Ägypten weiter gezielt verfolgt. Jeden Tag gibt es neue Berichte über Verhaftungen von Journalisten.

    Die “Geheimpolize”i hält immer noch TAUSENDE in Ihren Folterkellern gefangen. Jörg ARMBRUSTER in Kairo hat es sicher nicht leicht, aber gerade deshalb sollten ALLE KOLLEGEN, die an einer freien Presse interessiert sind, zusammenstehen, um Ihre RESSOURCEN zu bündeln und eine halbwegs freie und unzensierte BERICHTERSTATTUNG über die ERHEBUNG dieses mutigen VOLKES zu ermöglichen!

    Für engstirniges Konkurrenzdenken u. Internetzensur sollte jetzt kein Raum sein. Neben “Tagesschau.de” gibt es auch kommentierte Live-Berichterstattung (in deutscher Sprache) bei “Ftd.de” sowie bei “radio-utopie.de/2011/02/08/agypten-ticker-volksaufstand-tag-15/”. “Radio-utopie” greift auch die Live-Berichterstattung von Al-Jazeera zeitnah auf, mit deutschsprachigen Übersetzungen.

    Danke.”
    .
    ( autorisiert! )
    —–
    (Quelle: http://www.tagesschau.de/ausland/aegypten604.html; Presseartikel: Proteste trotz neuer Mubarak-Zugeständnisse. Hunderttausend gegen “halbe Revolution”)
    .
    HESSE
    .

  2. bad guy
    Am 9. Februar 2011 um 09:03 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Trotz Ausgangssperre
    haben sie weitergemacht-dabei wurde in einer anderen Stadt jemand von der Polizei erschossen- weil er sich nicht an die Ausgangssperre gehalten hat.
    Das Resultat:
    http://www.almasryalyoum.com/en/news/protesters-attack-police-stations-several-egyptian-provinces

  3. Ding
    Am 9. Februar 2011 um 09:52 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Falls noch nicht genannt:
    USA entsenden Kriegsschiffe und Streitkräfte nach Ägypten
    http://german.irib.ir/nachrichten/politik/item/120663-usa-senden-militaers-in-aegypten

  4. bad guy
    Am 9. Februar 2011 um 10:36 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ach übrigens,

    gestern war
    der Tag der internationalen Solidarität mit dem ägyptischen Volk.

    Hat jemand was gemerkt ?

    http://www.dgb.de/themen/++co++6b57090a-33b0-11e0-6efa-00188b4dc422

  5. Am 9. Februar 2011 um 10:51 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Gallup-Umfrage ergibt 2/3 der US-Amerikaner sympathisieren mit der ägyptischen Volksbewegung.
    http://www.presstv.ir/detail/164362.html

  6. lennart
    Am 9. Februar 2011 um 12:51 Uhr veröffentlicht | Permalink

    konnte gestern leider nicht den ticker verfolgen, daher freut es mich umso mehr, ihn heute wieder verfolgen zu können.

    es ist wirklich eine hervorragende sache von euch, diesen ticker hier zu veröffentlichen, ist sicher auch ne menge arbeit, die ganzen berichte von überallher zu sammeln, zu übersetzen und zusammenzufassen. daher hut ab!

    ich freue mich auch, dass die ägypter sich von den USA und der EU nicht einlullen lassen.
    beide wollen doch nur, dass alles möglichst schnell wieder beim alten ist, damit die welt weiter ihren lauf nehmen kann. die ägypter scheinen das zum glück verstanden zu haben.

    dass sie nun polizeistationen angreiffen, ist natürlich kein “friedlicher” prozess, aber wenn man sich mal die geschichte ansieht, wird man erkennen, dass niemand gern seine macht abgibt, nur weil jemand “Bitte! bitte!” ruft.
    als die aufständischen bauern in den bauernkriegen von luther zu friedlichkeit angehalten wurden, nachdem er sie zuerst aufgehetzt hatte, haben die fürsten das genutzt, um sie niederzumetzeln.
    hätte das französische volk nicht die bastille gestürmt, sondern davor ein friedliches sit-in gemacht und wäre nach 2 wochen wieder nachhause gegangen, wäre frankreich heute noch immer eine absolutistische monarchie.

    genauso in den USA, nicht umsonst sagte thomas jefferson, der baum der freiheit müsse ab und an mit dem blut von patrioten und tyrannen getränkt werden.
    er wurde nun schon mit dem blut tausender patrioten getränkt, die seit jahren in den folterkellern ermordet wurden, mit dem blut hunderter demokraten, die vom regime niedergeschossen wurden, nun sollte auch mal der tyrann und seine junta zur blutspende gebeten werden.

    aber wir deutschen verstehen leider nichts davon, haben es nie verstanden. schon früher nicht, wie man sieht: http://www.heinrich-heine-gesamtschule.de/BILDER/menuepunkt_heinrich_heine/weberaufstand.jpg

    ich befürchte, wenn das ägyptische volk sich nun seine natürlichen rechte mit gewalt nimmt, werden die USA eingreifen. einen tyrannen im irak zu stürzen ist für die eine tolle sache, aber wenn sich mal ein volk selbst vom joch der tyrannis befreit, ist dieses natürlich böse, kommunistisch, islamistisch und antiamerikanisch oder einfach nicht weiss genug und muss deshalb weiter unterdrückt werden.

    ich verabscheue politische gewalt und gewalt generell, das möchte ich ganz deutlich sagen!
    allerdings hat ein demokrat die pflicht dazu, die demokratie zu verteidigen, sei es mit welchem mittel auch immer. denn die demokratie ist die mutter, die uns nährt und der vater, der uns beschützt. ohne demokratie haben wir tyrannei und rechtlosigkeit – einen zustand, den es mit allen mitteln abzuhalten gilt!

  7. trinitro
    Am 9. Februar 2011 um 13:15 Uhr veröffentlicht | Permalink

    im brechend voll besetzten plenarsaal des bundestages hat westerwelle soeben vom aufbau freier medien und demokratischer strukturen gefaselt. ich hab mich schon gefreut, endlich gehts los in good old germany, aber dann hab ich die bauchbinde gelesen: er meinte die hilfe für ägypten…

  8. 204999
    Am 9. Februar 2011 um 13:51 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Sorry, so sympathisch mir die Leute auch sind, aber die “Revolution” in Ägypten ist vorbei, das Militär hat sich auf eine pro-forma-Demokratisierung geeinigt, verbunden mit einer Beteiligung der jüngeren Offiziere an den Pfründen – thats it. Für die ausländische Öffentlichkeit lässt man die Leute noch ein bisschen demonstrieren.

  9. mogador
    Am 9. Februar 2011 um 14:39 Uhr veröffentlicht | Permalink

    77,5 Mio.€ Waffen für Ägypten pro Jahr sind 1€/Jahr/Bürger.
    Haben unsere Penner da droben das wirklich nötig?
    Für 1€ den ANSTAND verkaufen….
    Noch billiger als die 80 Silberlinge in der Bibel. Oder warns 20. Is ja auch wurscht.
    Für so ein Schandgeld bringen die unsägliches Unheil über Millionen Ägypter und zementieren dieses Regime.
    Und die Touristen:
    Das erinnert mich ans 3.Reich. Da hat auch keiner gemerkt, dass die Nachbarschaft abgeholt wurde von der GeStaPo.

    http://german.irib.ir/nachrichten/politik/item/120738-polizei-warnt-vor-mubarak-reise-nach-deutschland
    Wenn man die Sache eine Weile beobachtet (wir sind ja alle keine Insider oder AKTIVISTEN) sieht man an den Reaktionen ALLER Regierungen dieser Welt eine Angst, dass dieses neue Bewusstsein um sich greift.
    Dagegen helfen keine Drohnen, Polizei und keine Panzer. Und auch kein Schräuble, Schwester-Schwaller oder das Märkel.
    Hilflosigkeit…….Ohnmacht.
    Schätze, bei uns wirds noch ein paar Jahrchen dauern, während diese 3.Welt-Staaten uns vormachen, wie es geht.
    Die Menschen verlieren ihre Angst, und das ist gut so.
    Auf dem TAHRIR wird nicht zerstört, sondern gebaut.

    BLEIBT STANDHAFT, BLEIBT FRIEDLICH.
    Notwehr/Schutz erlaubt.Wie gehabt.
    IHR seid die Helden, nicht der Soldat in seinem Panzer oder der Cruise-Missile-Krieger.
    Von eurem Mut kann sich der dtsch.Michel eine Scheibe abschneiden.

    Jedes weitere zögern Muh-Barracks/Suleiman’s vergrössert das Fenster zur Gewalt beiderseits. Die Akteure auf dem TAHRIR verlieren irgendwann die Kontrolle über die Geschehnisse. Jeder faule Trick vergrössert die Gewaltbereitschaft des Volkes.
    Ein Scheeiss-Spiel mit hohem Einsatz von Muh-Barrack + Komplizen.
    Ein paar Dutzend Polizeistationen haben schon gebrannt. Die Presse ist in Teilen des Landes nicht mehr präsent. Streiks…..
    Nur meine eigene bescheidene Meinung.

    Übermorgen (Freitag) ist SONNTAG in Ägypten.
    Der Tag “der Zusammenkunft”
    An unserem Samstag ist dann “Tag der Ruhe und Besinnung”. Wohl auch Auswertung/Beratung der Dinge vom Vortag. Sabbatt.
    Man wird sehen……..
    marruecos mon ami
    المغرب، المفضلة

  10. petrapez
    Am 9. Februar 2011 um 16:41 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Nur mal so nebenbei heute eine Beschreibung der Vergangenheit des neuen Vizepräsidenten in der Tagesschau – der von der Schweiz

    “In der Agentenschmiede Fort Bragg ausgebildet

    US-Geheimdienstler schätzen Suleiman als verlässlichen Partner, der in den 1990-er Jahren nach einer Serie von Anschlägen auf Touristen mit grosser Härte gegen radikalislamische Gruppen vorging. Die Verbindungen reichen weit zurück.

    In den 1980-er Jahren war Suleiman in einer US-Agentenschmiede auf dem Stützpunkt Fort Bragg im Bundesstaat North Carolina in Geheimdienstarbeit und «besonderer Kriegsführung» ausgebildet worden.

    Der Mann für die Folter

    Die enge Zusammenarbeit der Sicherheitsapparate Ägyptens und der USA hat eine dunkle Seite. Suleiman soll dabei nach Recherchen von US-Journalisten eine Schlüsselrolle gespielt haben…”

    http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2011/02/09/International/Omar-Suleiman-Ein-Zoegling-der-USA-und-Israels

  11. guerrero
    Am 9. Februar 2011 um 17:18 Uhr veröffentlicht | Permalink

    “Mit wem unsere Politiker-Mischpoke da gerne paktieren möchte:

    Omar Suleiman, eine Bestie in Menschengestalt

    Suleiman ist nicht nur Chef des Mukhabarat, sondern er foltert auch selbst.”

    http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=202908

  12. LevTro
    Am 9. Februar 2011 um 18:01 Uhr veröffentlicht | Permalink

    SILVESTER-BOMBE IN DER ÄGYPTISCHEN KIRCHE WAR WOHL “FALSE FLAG”

    Egypt’s general prosecutor on Monday opened probe on former Interior Minister Habib el-Adly’s reported role in the New Year’s Eve bombing of al-Qiddissin Church in Alexandria in which 24 people were killed, an Egyptian lawyer told Al Arabiya.

    http://www.alarabiya.net/articles/2011/02/07/136723.html

    Ist das die selbe “Jundullah”, die in CIA-Auftrag im Iran Terroranschläge durchführt?

  13. Am 9. Februar 2011 um 18:17 Uhr veröffentlicht | Permalink
  14. mogador
    Am 9. Februar 2011 um 19:02 Uhr veröffentlicht | Permalink

    BULLEN-BLUES, fällt mir da noch zu “TAHRIR” ein.

  15. mogador
    Am 9. Februar 2011 um 19:05 Uhr veröffentlicht | Permalink

    An Redaktion:
    Hab den Link grade vergessen…..

    BULLEN-BLUES, fällt mir da nur zu “TAHRIR” ein.
    http://www.youtube.com/watch?v=mRBI7gtBxDQ&feature=related

  16. think better twice
    Am 9. Februar 2011 um 19:12 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Petra, danke für Deinen Beitrag zu Suleiman, dem USraelischen FOLTERKNECHT.

    Und danke für das Zitat aus der SCHWEIZER Tagesschau; die DEUTSCHE Tages-Sau ist schlicht nur noch wahrnehmbar als Washington-Propagandaorgan und Jerusalem-Zäpfchen.

    Wie Daniel Neun bereits in seinem Ticker zum 14. Tage des VOLKSaufstandes um 20.45 hr berichtete, lobten die 911-Verbrecher des Weissen Hauses äußerst zufrieden die “besonderen Qualitäten” der ägyptischen Folterknechte.
    http://www.radio-utopie.de/2011/02/07/agypten-ticker-volksaufstand-tag-14/

    http://www.pbs.org/wgbh/pages/frontline/darkside/view/

    Chef der FOLTERKNECHTE IM UnitedSadistsofAmerica-AUFTRAG seit 1995?
    Omar, der Suleiman.

    Das die Geheimdienstschergen des Suleiman sehr professionell ausgebildet sind, vom CIA oder MOSSAD bleibt sich gleich, das kann aber JEDER leicht erkennen, wenn man wahrnimmt, WIE ELEGANT sie den jungen Wael Ghonim von Google aus der Menge “herausfischten”.

    http://www.youtube.com/watch?v=B54gOG8pHcg

    NO MERCY! Das ist deren perverses Motto.

    Ob der Suleiman, der Omar, jetzt nach 26 Jahren plötzlich friedlichere, oder sogar menschlichere Losungen an seine perversen Folterknechte ausgibt?

    Ob seine FÜHRUNGSOFFIZIERE in LANGLEY und TEL AVIV plötzlich, getreu aller wohlklingenden TV-Medienbeteuerungen vom amerikanischen Barack, ihre Befehle an Suleiman ändern werden?

    Die Frage ist nicht, ob sie das wollen, sondern sie lautet, ob diese Perversen das überhaupt KÖNNEN. Siehe Wael Ghonim, den sie 12 Tage mit verbundenen Augen ohne jeden Kontakt zur Aussenwelt in “Gewahrsam” hielten.

  17. Am 9. Februar 2011 um 19:24 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Schweizer Tagesschau:
    Omar Suleiman – Ein Zögling der USA und Israels

    “Der Mann für die Folter
    Die enge Zusammenarbeit der Sicherheitsapparate Ägyptens und der USA hat eine dunkle Seite. Suleiman soll dabei nach Recherchen von US-Journalisten eine Schlüsselrolle gespielt haben.

    Es geht um die Praxis der US-Geheimdienste, weltweit Terrorverdächtige aufzugreifen und in Gefängnisse loyaler Drittländer zu verschleppen. Dort wurden sie in der Vergangenheit brutalen Verhörmethoden bis hin zur Folter ausgesetzt – was in Gefängnissen auf US-Gebiet verboten gewesen wäre. ”
    http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2011/02/09/International/Unruhen-im-arabischen-Raum/Omar-Suleiman-Ein-Zoegling-der-USA-und-Israels
    Und unsere Medien??? Es ist ein Trauerspiel, aber es wird für die Journalisten, die noch ein Gewissen haben, immer deutlicher, sie müssen sich entscheiden wo sie stehen.

  18. Daniel Neun
    Am 9. Februar 2011 um 19:45 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Anmerkung zwischendurch: wir könnten etwas Hilfe gebrauchen.
    Wer die paar Minuten hat, sollte sich im Forum anmelden und aktuelle Informationen dort hinein schreiben.

  19. luci
    Am 9. Februar 2011 um 20:26 Uhr veröffentlicht | Permalink

    US-Panzer auf Kairos Strassen?
    verfasst von CalBaer, 09.02.2011, 19:40

    Der in Aegypten stationierte britische Reporter Robert Fisk behauptet, die in Kairo aufgefahrenen Panzer gehoeren gar nicht der aegyptischen Armee, sondern gehoeren vermutlich zu einem Fahrzeug-Kontigent der US-Armee. Auf den Panzern sei die Kennzeichnung “MFR” in lateinischen Buchstaben zu lesen. MFR stehe fuer Mobile Force Reserve. Zudem laufe die militaerische Unterstuetzung des Mubarak-Regimes durch die USA ungebrochen weiter.

    I noticed that the coding on the front of the vehicle—it had Egyptian codings for the brigades and parachute units on the side, in Arabic and Arabic numerals. But on the front of the vehicle was a coding, which began MFR and then a series of numbers of each vehicle. And I actually took it down, and a parachute officer started shouting at me and told two soldiers to arrest me. And I actually ran away into the crowd to get away from them. And they chased me and then stopped, and obviously, confronted by about 10,000 demonstrators, decided better of it. And it seems that MFR stands for Mobile Force Reserve. And these are American-owned vehicles. These are American tactical deployment matériel, which is stored in Egypt, as it is also stored of course in Kuwait and now in Iraq for use in emergencies in the Gulf.

    Interview mit Robert Fisk:
    http://www.democracynow.org/2011/2/9/the_great_tragedy_is_obama_chose

    http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=202929

  20. luci
    Am 9. Februar 2011 um 20:31 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Jetzt schon zu befürchten sind fingierte und frisierte Scheinwahlen im afghanischen Stil, bei denen man dem ägyptischen Volk die Wahlmöglichkeit zwischen wohl zwei von den USA kontrollierten Marionetten lassen möchte. Die Vorbereitungen dazu laufen jetzt schon an. Auch diese ´Verhandlungen´ dieses Suleimans – ein Joke, er ist der Geheimdienstchef Mubaraks, Suleiman ist der Verantwortliche für Folter, willkührliche Festnahmen und das Verschindenlassen von zigtausenen Ägyptern. Er ist wohl auch für unzählige Morde im Staatsauftrag verantwortlich. Suleiman, er ist DER Verantwortliche auch für die geheimen Folterlager der USA für von ihnen entführte Menschen in diesem von den USA sogenannten ´Ant-Terror´-Krieg weltweit- er war es auch, der diese renditions für die USA in Ägypten durchführte – er ist einer der engsten CIA-Vertrauten – er wurde auch aufgrund dieser engen Kontakte von Mubarak 1993 zum Geheimdienst-Chef ernannt. Er war und ist es auch, der die Mubarak-Schergen in den letzten Tagen instruierte. Und diesen Suleiman haben die USA also auserkoren Verhandlungen zu führen – Verhandlungen mit der Opposition, die er vor Tagen noch hat verschwinden und umbringen lassen. Bleibt zu hoffen, dass die Ägypter diese Schmierenkomödie durchschauen und sich ihre Revolution nicht von Obama und seinen Strategen hijacken lassen.

  21. Dietrich
    Am 9. Februar 2011 um 20:57 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Also, es ist vielleicht doof, ganz sicher naiv und es nutzt auch nix, trotzdem hab ich folgende mail an Hosenanzug geschickt, mir war sooo übel!

    09.02.2011
    Sehr geehrte Bundeskanzlerin Merkel,

    als Kind, in den Jahren nach dem Krieg, ist es mir häufiger so ergangen,
    dass ich mich meiner Nationalität schämte.
    Angesichts der aktuellen Ägypten Politik, die Sie, Ihr Kabinett und Ihre Verbündeten betreiben, schäme ich mich erneut.
    Ich schäme mich für die Skrupellosigkeit der Regierung meines Landes,
    die die Menschen, die in Ägypten unter Lebensgefahr um Freiheit und Demokratie ringen, dem Sadismus eines Mannes ausliefern will, dessen Hintergrund Ihnen zweifellos wesentlich besser bekannt ist, als mir.
    Suleiman, den Sie „einen Partner“ nennen.
    Ein Auszug aus:
    Al Jazeera,: Suleiman: The CIA’s man in Cairo, Lisa Hajjar (teaches sociology at the University of California – Santa Barbara), Last Modified: 07 Feb 2011 14:10 GMT
    In Egypt, as Habib recounts in his memoir, My Story: The Tale of a Terrorist Who Wasn’t, he was repeatedly subjected to electric shocks, immersed in water up to his nostrils and beaten. His fingers were broken and he was hung from metal hooks. At one point, his interrogator slapped him so hard that his blindfold was dislodged, revealing the identity of his tormentor: Suleiman.
    Frustrated that Habib was not providing useful information or confessing to involvement in terrorism, Suleiman ordered a guard to murder a shackled prisoner in front of Habib, which he did with a vicious karate kick. In April 2002, after five months in Egypt, Habib was rendered to American custody at Bagram prison in Afghanistan – and then transported to Guantanamo. On January 11, 2005, the day before he was scheduled to be charged, Dana Priest of the Washington Post published an exposé about Habib’s torture. The US government immediately announced that he would not be charged and would be repatriated to Australia.
    Ein Mann also, der nicht nur Befehle erteilt, sondern auch gerne selbst Hand anlegt.
    Auch das Schweizer Fernsehen nennt ihn heute „Der Mann für die Folter“
    Selbstverständlich ist auch Ihnen klar, womit sich dieser Mensch während der Zeit seiner Übergangsregierung, die Sie so eifrig befürworten, vorwiegend beschäftigen wird. Mit der möglichst unauffälligen Ausrottung der Opposition, die sich immer mutiger zu erkennen gibt. Vermutlich werden die Listen bereits erstellt.
    Und danach werden Sie ihm dann die Hand schütteln und Sie werden genau so sein wie er.
    Hier sollte jetzt eigentlich das Wort „Hochachtungsvoll“ stehen, ich kann jedoch nichts dergleichen empfinden.
    Daher nur:
    M. Dietrich

  22. Christian
    Am 9. Februar 2011 um 21:20 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Lieber Daniel Neun,
    eine kleine Kritik sei mir gestattet. Was ich nicht verstehe, ist Dein Kommentar zum Streik der “Gewerkschaften”. Du sagst: “Soviel zu diesem Dreck mit der “Arbeiterklasse”. Wen oder was meinst Du mit “Dreck” und wieso Arbeiterklasse?

    Unter “Dreck” in diesem Kontext kann ich nur die gekauften und korrumpierten “gelben” Gewerkschaftsführer verstehen. Sie sind das Instrumente, mit denen das System versucht, die Arbeiterklasse auf ideologischer Ebene zu korrumpieren und sie für ihre Interessen einzuspannen.

    Ein anderes Zitat dazu: “Al Jazeera Shirine Tadros, Berichterstattung von Kairo, sagte, dass die Mitglieder der Gewerkschaften – einige von ihnen aus unabhängigen, nicht-staatlichen Gewerkschaften – Mubarak zum Rücktritt aufgefordert haben.”

    Die Menschen auf dem Tahrir Platz meinst Du also sicherlich nicht, da ein großer Teil von Ihnen genau diese Arbeiterklasse an sich repräsentiert. Und die Revolution braucht jetzt genau diese Arbeiterklasse. Das Regime kann es sich leisten, die Sit-Ins und Demonstrationen noch über Tage abzuwarten, doch wenn die Arbeiter die Eisenbahnen, den öffentlichen Transport, die Flughäfen, die Industriellen Konzerne bestreiken, werden sie nicht länger als wenige Tage ausharren können! Sollte das Ägyptische Volk einen Generalstreik organisieren der die vitalen Industriezweige lahm legt und die großen Konzerne ebenso, ist das Schicksal des Regimes besiegelt.

    Vielen Dank für deine Berichte. Ich gehe mit ihnen zu Bett und stehe mit ihnen auf. Wirklich großer Journalismus.

    Mein Herz ist bei den tapferen Kämpfern vom Tahrir Platz. Ich verbeuge mich vor Ihrern Märtyrern.

    Ein geeintes Volk ist nie zu besiegen!

  23. Am 9. Februar 2011 um 21:46 Uhr veröffentlicht | Permalink

    @Dietrich
    …mir war letzte woche woche schon genau so übel wie dir, habe IM Erika auch ne mail gesendet. allrdings war mir ebenso klar, dass damit nur kostbare zeit vergeudet wird und die trulla meine mail ja nichtmal zu gesicht bekommt, egal, es war mir einfach ein bedürfnis und ich wollte nicht tatenlos zuschauen.
    habe einfach spekuliert, dass hoffentlich viele so denken wie ich und ebensolche briefe der “Dame”
    zukommen lassen.
    “nichts für ungut” , abgerechnet wird so oder so in absehbarer zukunft, auch die tage von der lachnummer sind gezählt und den zenit hat sie längst überschritten. eigentlich hoffe ich nur auf eine gerechte strafe für sie und, dass sie nicht vorher ins exil nach chile abhaut…

  24. AlexinaBarbin
    Am 9. Februar 2011 um 23:12 Uhr veröffentlicht | Permalink

    ein Link bzgl. Wael Ghonim: http://www.pbs.org/wgbh/pages/frontline/2011/02/cairo-the-new-face-of-the-revolution.html?utm_campaign=homepage&utm_medium=bigimage&utm_source=bigimage

    @ Christian (#22)
    ich würde schätzen, das meint nicht die Leute selbst, sondern die ideologische Prämisse eines “die Arbeiterklasse wird für “uns” den Sieg davon tragen” oder “Ohne Arbeiter(klasse) keine Revolution” usw. usw.
    Ich sehe das als eine Kritik an Selbstverblendung durch Ideologien. Eine Kritik, der ich zusimmen würde.

  25. bad guy
    Am 10. Februar 2011 um 07:34 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Fundstück:
    Gelegentlich tauchen Gerüchte auf, dass der Aufstand in Ägypten, Tunesien im Hintergrund von den einschlägigen pressure-groups zumindest unterstützt, wenn nicht maßgeblich initiiert wurde.
    (bei der Iran- where’s my vote-Kampagne war dieses
    Engagement ja kaum zu übersehen- es gab Berichte über ein vom amerikanischen Senat verabschiedetes
    Budget für solche “Operationen”).

    Hier ein Artikel, der die üblichen Verdächtigen zusammenbringt und Ihre Intentionen und Äußerungen zusammenstellt.

    http://theintelhub.com/2011/02/09/egypt-what%E2%80%99s-really-happening-listen-to-the-globalists/

  26. Christian
    Am 10. Februar 2011 um 09:41 Uhr veröffentlicht | Permalink

    @AlexinaBarbin (#24)

    Vorweg ein aktueller Film, der sich mit der Rolle der Gewerkschaften in Ägypten befasst:
    http://www.youtube.com/watch?v=3HHkHJRnZdw&feature=player_embedded

    Was soll ich zu Deiner Polemik sagen? Ein sehr großes Thema, trotzdem ein paar kurze Sätze:

    Arbeiterklasse ist für mich keine Idee, sondern beschreibt als Begriff einfach nur, kurz und knapp, die Widerspiegelung des Verhältnisses der Menschen zu den Produktionsmitteln; Mitglieder der Arbeiterklasse besitzen z.B. keine und verfügen oder entscheiden auch nicht über solche. Die Arbeiterklasse meint damit ein objektives Verhältnis. Die Arbeiterklasse “an sich” unterscheidet sich von der Arbeiterklasse “für sich” durch den Mangel an politischen Bewusstsein, Konzentration, an Organisation und ist sich nicht ihrer politischen Stärke bewusst.

    Wenn Du dich nicht zur Arbeiterklasse zählst, gehörst Du vielleicht tatsächlich nicht dazu? Oder bist Du dir deiner eigenen Lage einfach nur nicht bewusst? Letztendlich steht die Frage, nach den Kräften, die wirklich in der Lage sind die Eigentumsfrage an den Produktionsmitteln zur Hauptfrage zu machen. Es liegt im Wesen jedes Streiks, dass er das tut, er antizipiert die gesellschaftlich notwendige Enteignung für einen kleinen Moment. Ich vermute, dass unter dem ägyptischen Ausnahmezustand auch Streiks illegal sind und vom System mit äußerster Brutalität bekämpft werden. Schon insofern sollte man sehr vorsichtig bei der Wahl solcher Begriffe wie “Dreck” sein. Die Jugendbewegung des 6. April ist z.B. eine Facebookgruppe, die zunächst Arbeiter aus Mahalla al-Kubra in Ägypten bei ihrem Streik am 6. April 2008 unterstützte, später gehörte sie zu den Initiatoren der Proteste in Ägypten 2011. Es kam zu den bis dato gewalttätigsten Protesten mit mehreren Verletzen und zwei Toten. Zahlreiche Aktivisten wurden verhaftet.

    Aktuell heisst das für die Ägyptische Arbeiterklasse, dass sie ihre Verantwortung für die Lösung der aktuellen Situation erkennen und aktiv annehmen muss. Ob sie das tut, werden wir sehen. Möglicherweise fehlt es noch an Organisation, die sie eint und auch an Bewusstsein, das sie leitet. Ich sage darum tatsächlich “ohne Arbeiterklasse keine wirkliche Revolution”. Jeder Streik stellt meines Erachtens auch die Eigentumsfrage, ob die Streikenden das sehen oder nicht, ist eine Frage ihres politischen Bewusstseins. In Verbindung und getrieben durch die Bewegung von Tahrir Platz stellt ein Generalstreik damit die wirkliche Machtfrage und öffnet die Tore für den nächsten Schritt.

    Die Ägyptische Revolution ist in großen Zügen eine bürgerliche. “Weg mit Mubarak” ist jetzt der kleinste Konsens hinter dem sich alle oppositionellen Kräfte vereinen können. Das bürgerliche Ägypten hat “genug” von der Ausplünderung und Behinderung ihrer ökonomischen, sozialen und der intellektuellen Möglichkeiten ihrer Kinder durch das System Mubarak; für die Menschen aus der Arbeiterklasse geht es um Arbeit, um Brot, um ein gesichertes Einkommen, eine Zukunft mit Familie und Kindern, um Redefreiheit, freie Wahlen etc. Die Eigentumsfrage selbst wird (meines Wissens) allerdings nicht gestellt. Sie würde den aktuellen Grundkonsens auch in Frage stellen. Doch eine Revolution besteht nicht zuletzt darin, dass viele Millionen Menschen in wenigen Wochen neue Erfahrungen sammeln, ihre Ansichten ändern und auch lang gehegte Ressentiments ablegen.

    Die Kritik an Selbstverblendung (???), die du zu sehen glaubst und der du zustimmst, kann ich nicht erkennen.

  27. AlexinaBarbin
    Am 10. Februar 2011 um 20:24 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Christian, mein Bester, ich habe nicht vor, mich zu streiten.

    Aber soviel:
    Ob ich zur Arbeiterklasse zähle, keine Ahnung. Ich zähle mich an sich gar nicht in Klassen, das fand ich schon in der Schule stupide.
    Ich habe auch mal gelesen: der Begriff Arbeiterklasse bzw. Klasse ist eine Überblendung oder Verschleierung eines ganz anderen Begriffes, nämlich dem der Rasse (Michel Foucault: In Verteidigung der Gesellschaft). Diesen Arbeitern schreibt man auch allerhand Dinge zu, vor allem Mängeleigenschaften bezüglich ihres Bewusstseins oder ihres Verstandes. Manchmal wirkt das dann wie die Projektion der eigenen Mutlosigkeit auf eine abstrakte Figuration von Menschen in grauen Overalls. Kurz: der Begriff scheert alle über einen Kamm und das ist nicht mein Ding. Es ist mir zu einfach.

    Die Eigentumsfrage: ich las hier vor zwei Tagen eine Twittermeldung “dieser Platz ist der einzige Ort in Ägypten, an dem man seine Meinung äußern kann, ohne gefoltert zu werden.” Dieser Platz ist der Tharir-Platz. Diesen haben die Menschen sich zu eigen gemacht. Durch diesen und auf diesem Platz wird nun, nach langer Zeit, öffentlich über die Besitzer und Eigentümer des Landes und der politischen Macht verhandelt. Das haben die da selbst so gemacht. Der Platz war noch vor wenigen Wochen etwas ganz anderes, ein überwachtes Stück Erde, auf dem dir die hässlichsten Repressionsmaßnahmen entgegen kommen konnten, wenn du deine Meinung geäußert hättest. Insofern haben die Menschen dort die Öffentlichkeit als Eigentum (zurück-)angeeignet, was dafür spricht, daß sie alles andere als mangelmäßig gestrickt sind im Hinblick auf ihr Bewusstsein oder ihre Macht. Ich weiß daher nicht genau, inwieweit die da gerade nicht die Lösungen für ihre aktuellen Situationen in Angriff nehmen würden. Daß revolutionäre Bewegungen aber im Erfahrung-machen bestehen, darin stimme ich ganz zu. Das besondere an dieser Erfahrung ist ihre Art und Weise, historisch überliefert und an Ereignisse gebunden zu sein (kann man ja nicht von allen Erfahrungen behaupten).

    Ich denke auch, daß der Begriff “bürgerlich” nicht paßt (gleichwohl ich das Denken kenne, aus dem es in diesem Zusammenhang entsprungen ist und welches diesen Begriff nötig hat), weil viel mehr und viel weniger als Bürgerlichkeit der Grund für die revolutionäre Bewegung ist. Auch müßtest du dann Obdachlose, Arbeitslose, Arbeiter, Akademiker und Aristokraten alles als bürgerlich bezeichnen, damit deine Aussage wahr wird. Denn all diese Gesellschaftsgruppen machen da mit. Und keiner von ihnen hat gerade schon vor, den “Kuchen aufzuteilen”, d.h. den Gewinner auszurufen, zu sagen: die bürgerlichen haben gewonnen. Darum geht es (noch?) überhaupt nicht. Das ist keine lame-duck Revolte. Die Leute streiken nicht, weil die Rolltreppen, auf denen sie sich sonst durchs Leben fahren lassen würden, stehen geblieben sind.

    Ich weiß nicht warum, aber ich hatte nicht vor eine Polemik zu schreiben. Das bringt selten was.
    Ich denke, der Begriff der Klasse und der Arbeiterklasse und der dahinter stehenden Ideologie, der Marxismus, ist schlicht und einfach nicht zutreffend für die derzeitige Situation in Ägypten. Und auch sonst nirgendwo. Denn dieses Stück Denkgeschichte namens Marxismus stammt aus dem 19. Jahrhundert, ist historisch bedingt gewesen und wurde schon lange vor mir auseinandergenommen. So ziemlich alle franz. Poststrukturalisten haben Marx auseinandergenommen, die Unzulänglichkeiten seiner Theorie(n) aufgezeigt, die Falschheit eines Reduzierens der politischen und geschichtlichen Verantwortung auf Produktionsmittel-Verhältnisse, die Inexistenz einer homogenen Gruppe namens “Arbeiter” uvm.
    Die witzigste Variante (find ich) hat bisher Jean Francois Lyotard in seinem Buch “Libidinöse Ökonomie” geschrieben. Da habe ich echt Tränen gelacht! “Die kleine Marx und der große Anwalt-Marx”, das war herrlich. Wie fröhlich und gleichzeitig streng man doch beim denken und schrieben bleiben (oder werden) kann! Jedenfalls: wenn überhaupt gibt es mehrere Arbeiterklassen und vor allem mehrere Klassen, egal von was, niemals nur DIE Klasse. Das istIkonen-denken und wir brauchen Ikonen-Dämmerung.

    Und Ideologien sind einfach deswegen gefährlich, weil sie nicht existieren, sondern Verblendungszusammenhänge sind. Sie schaffen Religionen ohne Götter, dafür mit Ikonen wie Kapital und dessen Beisitzer, dem Eigentum (wahlweise auch hier umgekehrt). Vor allem aber bürden sie einer Gruppe von Menschen mehr Verantwortung auf als allen anderen, womit sie diesen allen Anderen die Macht zur Verantwortung (im Denken und theoretisch) schon vorab entziehen. Was ich auch nicht befürworte. Ideologien sind Verführungen und die sind eine Willensfrage (bisweilen) und eine der Selbstbeherrschung. Wie man sehen kann, ist die revolutionäre Bewegung in Ägypten, gemessen an der Masse der Menschen (die letztlich immer über die Politik gebietet) extrem friedlich, extrem selbstbeherrscht und daher alles andere als einer Ideologie folgend. Ja, wie Wael Ghonim das meinte, sie sind sogar dagegen, das man eine Ideologie in ihre Bewegungen oder zwischen ihnen einführt oder auf eine reduziert.

    Ich hab gar keine Ahnung, ob ich Daniel Neuns Satz richtig interpretiert habe (aber ich erinnere mich ihn beim ersten lesen entlastend gefunden zu haben, ein Seufzer + “danke fürs schreiben”). Daß als Kritik an ideologischem Denken zu lesen war nur eine Idee.
    Aber ich denke das immer noch und ich befüworte es immer noch.

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