Die World Music Charts Europe November 2011

Diesen Monat erobern gleich zwei weitere starke Frauen mit ihren Alben die oberen ListenplĂ€tze der World Music Charts Europe. Diese sind Anoushka Shankar, eine Tochter des legendĂ€ren, mittlerweile 91-jĂ€hrigen Sitar-Virtuosen Ravi Shankar mit ihrem Album „Traveller“ und Kiran Ahluwalia mit „Aam Zameen: Common Ground„.

Lauscht man ihrer zunĂ€chst schöngeistig anmutenden Musik, so erzeugt dies ein gewisses Fernweh. Bei genauerem Hinsehen eröffnet sich jedoch durchaus TiefgrĂŒndigeres, wenn man sich z.B. die von Kiran Ahluwalia dankenswerterweise mitgelieferten und ĂŒbersetzten lyrics zu GemĂŒte fĂŒhrt. VollstĂ€ndige Tracks von Anoushka Shankar, jedoch nicht vom neuen Album, gibt es auf ihrer myspace-site. Ebenso von Kiran Ahluwalia.

Ein ganzes Faß aufgemacht haben die WMCE bereits im vorangegangenen Monat mit der Scheibe „Golden Beirut„. Zusammengestellt hat sie nĂ€mlich der Ethno-Musikwissenschaftler und Journalist Thomas Burkhalter aus Bern. Er betreibt die website Norient und die ist hochinteressant fĂŒr alle, die wissen wollen, was nicht nur im Libanon so musikalisch abgeht! Es lohnt sich, die BeitrĂ€ge zu lesen und vor allem, die podcasts anzuhören.

NEUE MUSIK VON RAENDERN DER WELT by norient

Die unserer unmaßgeblichen Meinung nach herausragendste Neuvorstellung in diesem Monat ist „The Unbroken Surface Of Snow“ des britischen Multiinstrumentalisten Andrew Cronshaw mit seiner neuen Combo „SANS“. Die Tracks werden nur angespielt und zum GlĂŒck gibt es aber auch Cronshaws myspacesite zum Anhören kompletter, Ă€lterer Werke. Herausragend ist die Stimme der finnischen SĂ€ngerin Sanna Kurki-Suonio (ehem. Hedningarna, Schweden) im ca. 32 min langen Titeltrack, in dem es einmal mehr um den finnischen Entstehungsmythos geht.  Das Album passt einfach zu dieser Jahreszeit, da die Temperaturen gen Nullpunkt fallen und der Nebel um die HĂ€userecken wabert. Schön, wenn man dann in einer warmen HĂŒtte sein- und sich von diesen geradezu meditativen KlĂ€ngen ins Innere forttragen lassen kann. Erstmal fast egal, wie hoch im nĂ€chsten Jahr die Nachzahlung fĂŒr‘s Heizen ausfĂ€llt…

Schön, daß die WMCE uns mit einer Neuvorstellung auch daran erinnern, daß es da noch Musik von den Nachfahren der Wikinger auf den FĂ€röer-Inseln gibt. Im Netz kursieren ein paar Beispiele auf youtube, aber wir finden, daß diese Musik eben Geschmackssache ist bzw. eher in die Rubrik „Jazz“ passt. Kleiner Joke am Rande: Unter „Yggdrasil“ finden sich im Netz auch herbe Metal-Tracks, die irgendwie der Klischeevorstellung von Wikingern besser entsprechen, aber das schenken wir uns denn auch. Ist eben nur ein Klischee.

Es steckt wie jeden Monat noch eine Menge mehr drin in den WMCE, aber da kann sich der geneigte Hörer ja auch selbst durchwĂŒhlen, denn dafĂŒr sind die charts ja schließlich gemacht. Bleibt noch zu sagen, daß es die Kunst schwer hat in diesen Zeiten und wer das nötige „Kleingeld“ neben dem grassierenden Wucher fĂŒr alles Essentielle noch erĂŒbrigen kann, möge doch bitte die CDs kaufen oder die KĂŒnstler direkt mit Spenden unterstĂŒtzen. Gerade diejenigen aus der sog. „Dritten Welt“, die uns durch die WMCE so mannigfaltig herangetragen werden.