Amnesty hinterfragt Auslieferung von Julian Assange durch Ecuador

Bevölkerungskontrolle Politik, Diplomatie

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat im Zusammenhang mit der Festnahme des WikiLeaks-Gründers Julian Assange die Regierung von Ecuador kritisiert. Es sei nach wie vor unklar, welcher formelle Weg beschritten wurde, um im April dieses Jahres den britischen Behörden Zugang zur diplomatischen Vertretung des südamerikanischen Landes zu ermöglichen und Julian Assange festnehmen zu lassen, hieß es in einer Erklärung vom Dienstag. "Wir fordern die britischen Behörden auf, ihre Zusicherungen gegenüber Ecuador einzuhalten", heißt es am Ende des Amnesty-Statements. Der WikiLeaks-Gründer dürfe in kein Land ausgeliefert werden, in dem ihm die Todesstrafe, Folter oder anderen Misshandlungen drohen.

Der Verteidiger des Journalisten, Mark Summers, beklagte indes, die USA hätten in der ecuadorianischen Botschaft in London "geschützte Gespräche zwischen Assange und seinen Anwälten abgehört". In der Botschaft hatte sich der WikiLeaks-Gründer fast sieben Jahre aufgehalten. Zu dem Spionageangriff hätten auch "rechtswidrige Mitschnitte von Telefonaten und Computerkommunikation" gehört. "Vermummte Männern" seien später in die Räume von Assange eingedrungen, so Summers weiter.

Assange war Mitte 2012 in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchtet, weil sich die schwedischen Behörden beharrlich weigerten, eine Auslieferung an die USA auszuschließen. Am 11. April dieses Jahres hatte die Regierung des amtierenden Präsidenten Lenín Moreno Assange das Asyl entzogen und der britischen Polizei den Zugang zur Botschaft gewährt. Der Vorgang ist bis heute umstritten. Moreno hatte das Botschaftsasyl für Assange von Beginn an abgelehnt und seinen Vorgänger Rafael Correa für die Aufnahme des Journalisten kritisiert.

Veröffentlicht am 23.10.2019 auf Portal amerika.de