Südkorea: Ärzte von kollektiver Tobsucht befallen

In Seoul finden wieder sonntags Massenproteste gegen die Regierung wegen "Moon Jae-in Care" statt, organisiert von einem Haufen Egoisten, der eine Machtprobe um seines Geldes willen aufzieht. Sie nennen sich Mediziner, denen normale Patienten scheinbar ein Gräuel sind.

Was sich seit Wochen in der Republik Korea in Bezug auf das Gesundheitswesen abspielt, ist symptomatisch für die Gilde der Mediziner in einem profitorientierten kapitalistischen System und an entlarvender Peinlichkeit für die studierten Herren im Weißkittel mit ihrem Hippokratischen Eid kaum zu übertreffen.

Entgegen dem weltweiten Trend unter dem irreführenden Tarnnamen "Reform", bei dem Privatisierung, Ausverkauf sozialer Errungenschaften und finanzielle Kürzungen staatlicher Mittel an allen Ecken und Enden für die Bevölkerung auf der Tagesordnung stehen, führt das Gesundheitsministerium der Regierung unter Präsident Moon Jae-in ebenfalls eine Reform im Gesundheitswesen durch, kurz "Moon Jae-in Care" genannt, die den Namen im positiven Sinne verdient. Die Erneuerung in dem hochindustrialisierten Land umfasst Maßnahmen, wie man sie ansonsten eher sozialistischen Regierungen wie in Kuba zuordnet.

Das Programm "Moon Jae-in Care" beinhaltet eine weitgehende Erweiterung des nationalen Krankenversicherungsschutzes, eine Krankenversicherungsdeckung auf die meisten medizinischen Behandlungen für verschiedene medizinische Verfahren und Tests zu angemessenen Preisen für die breite Öffentlichkeit. 3800 Therapien und Dienstleistungen sollen stufenweise von der Krankenversicherung bis zum Jahr 2022 übernommen werden. Für die Finanzierung sind 27,9 Milliarden U.S.-Dollar aus dem Staatshaushalt veranschlagt.

Gegen diese "Entwicklung einer wahnhaften Politik" (ein Protest-Slogan) regt sich starker Widerstand der Ärztekammer und treibt die Ärzte seit Mitte März zu heftigen Protesten auf die Strasse. Die erste Demonstration fand am 18.März 2018 in Seoul mit siebenhundert Teilnehmern statt. Am gestrigen Pfingstsonntag, dem 20.Mai 2018 brachte die Korean Medical Association schon das Zehnfache, siebentausend Ärzte, auf die Beine.

Der Präsident des Vereins kündigte gestern an, alle Gespräche mit der Regierung zu stoppen, einen starken Kampf zu führen und gegebenenfalls in einen Generalstreik zu treten. Wer so handelt, zeigt, wessen Geistes Kind er ist.

Die neuesten Einwände von Ärzten kommen, da die Regierung mit der Umsetzung ihrer Politik bei der nationalen Krankenversicherung mit Ultraschalluntersuchungen des Oberbauchs beginnt und die Kosten für die Ultraschalluntersuchung von ungefähr 160000 Won ab April auf 20000 bis 60000 Won sinken.

Die Ärztekammer verlangt zuerst eine Anhebung der Zahlungen der Patienten und der Krankenkasse an die Krankenhäuser. Die Gewerkschaft der Nationalen Krankenversicherung kritisierte am Sonntag, den 18.März 2018 ihrerseits bei einer Kundgebung die kollektive Handlung von Ärzten und betonte die Notwendigkeit von "Moon Jae-in Care".

Wie immer gibt es auch bei diesem Thema kein Schwarz/Weiss, Dafür oder Dagegen. Versorgung, teuere Medikamente und kostspielige Therapien bei bestimmten Krankheiten, die sich bisher nur die finanziell besser gestellten Personen durch private Zahlungen und in Privatkliniken mit gut bezahlten Spezialisten leisten können, werden von der Krankenkasse für alle Kassenpatienten übernommen.

Welche Behandlungsmethoden für den einzelnen Patienten gewählt werden, das ist eine Entscheidung des behandelnden Arztes wie auch die Anschaffung von medizinischen Geräten der Leitung des Krankenhauses obliegt. Je teuerer eine Apparatur ist, umso grösser wird der Druck zur maximalen Auslastung um sich zu "armortisieren" - Kapitalismus eben. Die Pharmaindustrie und Gerätehersteller werden ihre Lobbyisten und Vertreter scharenweise in die Krankenhäuser schicken. Schwache Naturen werden vor Korruption und Bestechlichkeit nicht gefeit sein.

"Die Finanzmittel der nationalen Krankenversicherung werden in den nächsten Jahren ausgeschöpft sein", argumentieren die Gegner der Reform. Dabei sind doch genau sie dafür verantwortlich, keine sinnlosen Therapien zum Schaden der unwissenden Patienten durchzuführen, nur um hohe Honorare abzuschöpfen.

Die Demonstrationen der Ärzte in Südkorea werfen kein gutes Licht auf ihre Zunft. In anderen Ländern gehen Mediziner auf die Strasse, weil Personal reduziert und Krankenhäuser geschlossen werden oder Krankenkassen Leistungen nicht mehr übernehmen.

Moon Jae-in eine "wahnhafte Politik" vorzuwerfen ist absurd, von Eigeninteresse geprägt und die dahinterstehende Motivation für die Bevölkerung sicher nicht nachvollziehbar.

Quellen:
http://world.kbs.co.kr/german/news/news_Dm_detail.htm?lang=g&id=Dm&No=69857¤t_page=9
http://english.yonhapnews.co.kr/national/2018/05/20/0302000000AEN20180520004400320.html

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