Atombomben: Heute zeigt Deutschlands „friedliche“ Regierung ihr wahres Gesicht vor aller Welt

Überlebende des japanischen Atombombeninfernos schreiben "Hibakusha Appeal for a Nuklear Ban Treaty": drei Millionen Stimmen zur Unterstützung der Bemühungen der teilnehmenden Staaten zur Ächtung von Atomwaffen auf der U.N.O.-Konferenz am 15.6.2017.

Deutschland verweigert die Teilnahme. Eine offen gezeigte Arroganz, die denen anhaftet, die meinen, das Recht des Stärkeren auf ihrer Seite zu haben und keinem zur Rechenschaft verpflichtet sind. Das ist der Anspruch, wieder eine führende Rolle und "Verantwortung" in der Welt zu übernehmen.

Am heutigen Donnerstag, den 15.Juni 2017 werden die Vertreter der internationalen Staatengemeinschaft im Hauptquartier der Organisation der Vereinten Nationen in einer zweiten Verhandlungsrunde in New York über den Entwurf zum Verbot der Produktion und dem Einsatz nuklearer Waffen und andere Massenvernichtungswaffen bis zum 7.Juli diskutieren und abstimmen. Die Berliner Regierung, die sich in ihrer Rolle als friedenstiftender Staat und Befürworterin von diplomatischen Gesprächen gefällt, glänzt durch Abwesenheit. Einen stärkeren Beweis für die Doppelzüngigkeit ihrer Aussenpolitik bedarf es wohl kaum. Damit stellt sich unser Land ins Abseits der Staatengemeinschaft.

ICAN Deutschland kommentierte: "Gabriels Gesprächsverweigerung kommt einer diplomatischen Bankrotterklärung gleich. Um das zu kaschieren, wirft der Außenminister nun mit Nebelkerzen. In Wirklichkeit ist er vor den USA eingeknickt. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik verweigert die Regierung die Teilnahme an multilateralen Abrüstungsverhandlungen. Gabriel stellt damit Machtpolitik über Frieden und Rüstungskontrolle."

Ohne Hitler-Deutschland hätten die U.S.A. zu dieser Zeit keinen Grund erhalten, auf Städte als Testobjekte Atombomben zu werfen. Für die Überlebenden des Atombombenabwurfs 1945 auf Hiroshima und Nagasaki ist das Verhalten des Auswärtigen Amts eine Katastrophe. Eine grosse Anzahl von ihnen, die in Japan Hibakusha genannt werden, haben sich in der Bürgergruppe "Hibakusha Appeal for a Nuklear Ban Treaty" organisiert und in Vorbereitung auf die Verhandlungen seit April 2016 einen Appell geschrieben, den drei Millionen Menschen weltweit unterzeichnet haben, um die öffentliche Meinung auf globaler Ebene auf dieses Thema aufmerksam zu machen, unterstützt von den Japan Confederation of A- and H-Bomb Sufferers Organizations, bekannt als Nihon Hidankyo.

Die Gouverneure von elf japanischen Präfekturen, darunter die von Hiroshima und Nagasaki sowie Saitama und Hyogo, haben die Petition unterzeichnet. Masako Wada, 73-jähriger Überlebender, wird die Unterschriftenliste der U.N.O.-Versammlung übergeben.

In den Vereinigten Staaten von Amerika haben die Veterans for Peace diesen Appell im Vorfeld unterstützt. Mit ihrem Schiff "Golden Rule" erinnern täglich an die Atomwaffentests der U.S.A. (ausführlich beschrieben in Keine Förderung des zivilen Ungehorsams – keine Chance für die Golden Rule). Unter diesem Link ist die Tour entlang der Küsten live zu verfolgen. In den Häfen sind Vorträge zur Aufklärung organisiert.

In Deutschland kämpfen die deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) und die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) für ein Verbot sowie das Bündnis "Stop the Bomb" und weitere Friedensaktivisten.

Das ist der Rechtsstaat, in dem Bürger um selbstverständliche Menschen- und Bürgerrechte ringen müssen und sich für Abrüstung und Frieden einsetzen.

Quelle: http://www.asahi.com/ajw/articles/AJ201706120026.html

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