Venezuela leitet Austritt aus Organisation Amerikanischer Staaten ein
Venezuelas AuĂenministerin Delcy RodrĂguez hat inmitten eines lĂ€nger wĂ€hrenden schweren Konfliktes mit der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) den Austritt aus dieser Regionalorganisation bekanntgegeben. Man werde in der AustrittserklĂ€rung die UnterstĂŒtzung der in Washington ansĂ€ssigen OAS fĂŒr die gewalttĂ€tigen Proteste in Venezuela thematisieren, denen sich das sĂŒdamerikanische Land ausgesetzt sieht, so RodrĂguez.
„Wir machen diese interventionistische Gruppe dafĂŒr verantwortlich, im Interesse der USA die politische Isolation und auslĂ€ndische Einflussnahme zu unterstĂŒtzen“, zitiert die venezolanische Tageszeitung Ăltimas Noticias die venezolanische Chefdiplomatin. Venezuela werde von sofort an keinen Treffen beiwohnen, „von denen Aktionen ausgehen, die von Söldnern gegen den Frieden initiiert werden“. Der Austritt aus der OAS sei eine endgĂŒltige Entscheidung und sei notwendig, „um die Revolution zu verteidigen“.
Zugleich kĂŒndigte Venezuelas AuĂenministerin an, am kommenden Treffen der Gemeinschaft lateinamerikanischer und karibischer Staaten am 2. Mai in El Salvador teilzunehmen, um die Kritik gegen die OAS erneut vorzubringen und auszufĂŒhren.
Die OAS wurde 1948 gegrĂŒndet und folgte der „Internationalen Konferenz Amerikanischer Staaten“. Sie war vor allem wĂ€hrend des Kalten Krieges eines der Hauptinstrumente der USA, ihre Interessenpolitik in Lateinamerika durchzusetzen. Vor diesem Hintergrund schloss die OAS auf US-Initiative 1962 Kuba aus â eine Entscheidung, die in der Region nachhaltig kritisiert wurde. Nach dem Austritt Venezuela wĂŒrden der OAS noch 34 Staaten Nord- und SĂŒdamerikas angehören. Wegen der US-Dominanz der USA in der bis dahin einzigen amerikanischen Regionalorganisation die lateinamerikanischen und karibischen LĂ€nder im Jahr 2011 die CELAC, der alle Staaten der Region auĂer den USA und Kanada angehören.
Zuletzt hatte die OAS bei einer auĂerordentlichen Sitzung Ende MĂ€rz die politische Lage in Venezuela diskutiert. Dem Antrag auf Behandlung der Situation in dem sĂŒdamerikanischen Land hatten 20 der 34 Mitgliedsstaaten zugestimmt1. Anlass war ein Bericht von OAS-GeneralsekretĂ€r Luis Almagro, der die Abhaltung von Wahlen innerhalb 30 Tagen in Venezuela forderte. Ansonsten wolle er einen Prozess zur Suspendierung der OAS-Mitgliedschaft einleiten.
Zahlreiche Staatenvertreter riefen Venezuelas Regierung dazu auf, die politische und wirtschaftliche Krise im Land auf dem Weg des Dialogs mit der Opposition zu lösen. Dies ungeachtet der Haltung des gröĂten venezolanischen OppositionsbĂŒndnisses Tisch der demokratischen Einheit (MUD), das in den vergangenen Monaten mehrmals Dialogangebote der sozialistischen Regierung von PrĂ€sident NicolĂĄs Maduro ausgeschlagen hat.
Die venezolanische Delegation lehnte denn auch die OAS-Debatte ĂŒber die VerhĂ€ltnisse im Land ab und beantragte die Aussetzung der Sondersitzung. VizeauĂenminister Samuel Moncada, der Venezuela in der Sitzung vertrat, bezichtigte den Staatenbund der Einmischung in innere Angelegenheiten. „Es gibt keine Bestimmung in der Charta der OAS, die sie ermĂ€chtigt, sich in Angelegenheiten einzumischen, die in der Hoheit der Mitgliedsstaaten liegen“, sagte Moncada. Den Auftritt von OAS-GeneralsekretĂ€r Luis Almagro, der seit lĂ€ngerer Zeit öffentlich sehr aggressiv gegen Venezuela auftritt, bezeichnete Moncada als „groteske Parodie“.
Erstveröffentlichung am 27.4.2017 auf Portal amerika21.de von Harald Neuber und Philipp Zimmermann
