Adenauer-Stiftung und CDU laden Oppositionelle aus Venezuela ein
Vertreter des OppositionsbĂŒndnisses Tisch der demokratischen Einheit (MUD) aus Venezuela haben erneut Deutschland besucht, um politische UnterstĂŒtzung zu mobilisieren. Die Visite, die von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Weiss organisiert worden war, blieb aber offenbar hinter den Erwartungen zurĂŒck. Aus dem Programm, das amerika21 vorliegt, geht hervor, dass die Regierungsgegner aus Venezuela keine hochrangigen GesprĂ€che fĂŒhrten. Höhepunkt war demnach eine Veranstaltung in der baden-wĂŒrttembergischen Kleinstadt Endingen. Das AuswĂ€rtige Amt empfing die Oppositionsdelegation auf Arbeitsebene.
Die sechs Abgeordneten der venezolanischen Nationalversammlung waren in erster Linie wegen der historischen Beziehungen der Stadt Endingen zu der Deutschensiedlung Colonia Tovar nach Deutschland gekommen. Der Gruppe gehörten demnach Marialbert Barrios, IvĂĄn Stalin Gonzalez, Freddy Guevara, Juan Miguel Matheus, Angel Medina und Miguel Pizarro. Obwohl in regierungskritischen Medien in Venezuela berichtet wurde, die Gruppe habe mehrere Dokumente an das deutsche Parlament ĂŒbergeben, gab es in Gremien des Bundestags keinen offiziellen Termin, zumal die Venezolaner in einer sitzungsfreien Woche in Berlin waren.
Im AuswĂ€rtigen Amt in Berlin kam die Delegation aus Venezuela indes mit dem Regionalbeauftragten fĂŒr Lateinamerika und die Karibik, Dieter LamlĂ©, zusammen. Auf Anfrage von amerika21 hieĂt es aus dem Amt, man beobachte die politische, wirtschaftliche und humanitĂ€re Lage in Venezuela weiterhin mit groĂer Sorge. Dies gelte vor allem angesichts der Versorgungskrise bei Lebensmitteln und Medikamenten. Man sei weiterhin davon ĂŒberzeugt, „dass nur ein nationaler Dialog einen dauerhaften Ausweg aus der Krise aufzeigen kann“. Dieser Dialog mĂŒsse auf der Grundlage der venezolanischen Verfassung und bestehender Gesetze gefĂŒhrt werden und den Regeln der Rechtsstaatlichkeit folgen, um am Ende erfolgreich zu sein.
Die BemĂŒhungen der Regionalorganisation Union sĂŒdaamerikanischer Nationen (Unasur) um eine politische Lösung, auch unter Beteiligung des ehemaligen spanischen MinisterprĂ€sidenten Zapatero, bewertet das AuĂenamt positiv: „Wir begrĂŒĂen die von Unasur eingesetzte Vermittlungsmission und hoffen, dass es dieser Mission gelingt, einen nationalen Dialog in Gang zu bringen.“
Schon Anfang vergangenen Jahres waren Vertreter des OppositionsbĂŒndnisses MUD in Berlin mit Abgeordneten des Bundestags zusammengekommen. Damals hatten fĂŒnf venezolanische Politiker sich im Bundeskanzleramt auch mit dem dortigen Generaldirektor fĂŒr AuswĂ€rtige Politik, Michael FlĂŒgger, sowie mit Annette Walter, der Lateinamerika-Verantwortlichen, getroffen. Im AuswĂ€rtigen Amt kamen die MUD-Vertreter mit verschiedenen Lateinamerika-Experten zusammen. Auch der damalige Besuch blieb weitgehend ohne Konsequenzen, provozierte aber Widerspruch, weil die Mitglieder der venezolanischen Opposition von der Adenauer-Stiftung eingeladen und dann zu offiziellen GesprĂ€chsterminen in den Bundestag gebracht worden. Dass die venezolanische Botschaft von niemandem informiert wurde, wurde aus den Reihen der Opposition damals als „völlig unĂŒblich“ bezeichnet.
Vor dem aktuellen Besuch nun wurde die Botschaft Venezuelas ĂŒber GesprĂ€che auf Ministerialebene informiert, hieĂ es aus diplomatischen Quellen in Caracas.
Erstveröffentlichung am 17. Juni 2016 auf Portal amerika21.de
