#StopSisi – Widerstand gegen Besuch des „Despoten aus Kairo“ in London

Mit einem Offenen Brief reagiert ein breites Bündnis aus Vertretern des öffentlichen Lebens auf die Einladung der britischen Regierung zu bilateralen Gesprächen an al-Sisi, der das gesellschaftliche Leben seines Landes durch die Errichtung eines Terrorregimes kontrolliert. Jede Opposition wird durch die "Staatsschutzpolizei" auf brutale Weise zum Schweigen gebracht.

Spätestens seit dem Staatsbesuch von Ex-General Abdel Fatah al-Sisi mit dem Empfang bei der Bundeskanzlerin und dem Bundespräsidenten Anfang Juni diesen Jahres ist in Deutschland die Kritik an dem Putschisten zugunsten strategischer und ökonomischer Interessen kein Thema mehr. Kleinere Proteste wurden damals in Berlin fast ausschliesslich nur von ägyptischen Bürgern organisiert. Weltweites Aufsehen erregte der Auftritt der ägyptischen Studentin Fagr Eladly während der gemeinsamen Pressekonferenz von Angela Merkel und al-Sisi mit ihren Rufen "Mörder..." (Video).

Anders in Grossbritannien. Dort melden sich im Vorfeld viel engagierter Personen zu Wort. Unter dem Hashtag #StopSisi auf Twitter sind die Einträge zahlreicher Aktivisten und Menschenrechtsorganisationen sowie die Repressalien gegen bestimmte Personen aufgelistet.

Vor dem bevorstehenden Staatsbesuch in London haben auch fünfundfünfzig Personen, darunter Abgeordnete des Parlaments, Bürgerrechtler, Künstler, Kirchenverteter, Presseverbände, Journalisten, Professoren (auch aus dem Ausland) und andere Unterzeichner einen Offenen Brief verfasst, der im "Guardian" am 27.Oktober 2015 veröffentlicht wurde. Bekannte Namen wie der Journalist Michael Rosen und der Filmemacher und Menschenrechtsaktivist John Pilger gehören dazu.

Zur Erinnerung, was hierzulande verdrängt wird, eine kurze Zusammenfassung des Inhalts.

Die Unterzeichner fordern die britische Regierung auf, die Einladung an al-Sisi zurückzuziehen. Ein Militär, der den durch demokratische Wahlen gewählten Präsidenten durch einen Militärputsch gestürzt hat und sich als Nachfolger erklärt hat sei nicht mit den demokratischen Werten vereinbar.

Sie erwähnen die Verfolgung und das Massakrieren von Tausenden an Menschen durch die Militärgerichte und in den Gefängnissen, die Unterdrückung der Opposition. Den Aufschwung des Terrorismus in Ägypten mit einhergehendem Verzicht auf Demokratie und Menschenrechte bezeichneten sie als Rechtfertigung von al-Sisis für die Barbarei. Ein Besuch dieses Despoten in Grossbritannien ist ein Affront gegen die demokratischen Werte. Keine Erwägungen der Handels- oder Realpolitik kann eine solche Einladung rechtfertigen. Sie fordern die Regierung auf, diese zurückzunehmen.

Unterzeichnet wurde der Offene Brief von

Diane Abbott MP
Caroline Lucas MP
John McDonnell MP
Lindsey German Stop the War Coalition
John Pilger Journalist
Dr Anas Altikriti The Cordoba Foundation
Andrew Murray Chief of staff, Unite
Dr Daud Abdullah British Muslim Initiative
Ken Loach Film-maker
Dr Abdullah Faliq Islamic Forum of Europe
John Rees Counterfire
Dr Maha Azzam Egyptian Revolutionary Council
Harjinder Singh
Prof John L Esposito
Victoria Brittain Writer
Salma Yaqoob Former councillor
Peter Oborne Journalist
Bruce Kent CND peace campaigner
Aaron Kieley Student Broad Left
Kate Hudson CND
Chris Nineham Stop the War Coalition
Michael Rosen Author and political activist
Carl Arrindell Broadcaster
Dr Omar el-Hamdoon Muslim Association of Britain
Dr Farooq Bajwa Solicitor
Reverend Stephen Coles St Thomas the Apostle Church
Steve Bell Treasurer, Stop the War Coalition
Carol Turner Labour CND
Dr David Warren University of Manchester
Tanya Cariina Newbury Smith
Ibrahim Vawda Media Review Network
Nabeweya Malick Muslim Judicial Council
Hilary Aked University of Bath
Alastair Sloan Al-Jazeera columnist and investigative reporter
Dr MF ElShayyal Visiting professor, King’s College and SOAS
Asim Qureshi Author, Rules of the Game
Shaykh Abu Sayeed Da’watul Islam UK & Eire
Dr S Sayyid University of Leeds
Dr Muhammad Feyyaz University of Management and Technology, Pakistan
Dr Haider Bhuiyan University of North Georgia
Dr Osama Rushdi National Council for Human Rights, Egypt
Prof Mohammad Fadel University Toronto, Canada
Prof Scott Poynting University of Auckland, New Zealand
Maher Ansar Sri Lankan Islamic Forum-UK
Dr Alain Gabon USA
Na’eem Jennah
Dr Muhammad Abdul-Bari
Imam Ajmal Masroor
Dr Sarah Marusek
Yahya Birt
Shanon Shah
Robina Samuddin
Sameh Shafei Stop Sisi
Anne Alexander Co-Founder, MENA Solidarity Network and Egypt Solidarity Initiative
Medea Benjamin Code Pink

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