Militaristischer Unsinn
Wussten Sie, dass 85 bis 90% der Kriegsopfer am Kampf unbeteiligte Zivilisten sind? Zu diesem Schluss kam ein aus neun Personen bestehendes Forschungsteam in der Ausgabe vom Juni 2014 des American Journal of Public Health. Die Tode von Soldaten, die im Krieg kĂ€mpfen, machen einen kleinen Teil der menschlichen und wirtschaftlichen Kosten aus. Die Auffassung, dass Soldaten fĂŒr uns ihr Leben opfern, ist falsch. Am Kampf Unbeteiligte bilden die Hauptopfer des Kriegs.
Halten Sie sich das vor Augen am 4. Juli, der in sechs Wochen fÀllig ist.
Der 4. Juli ist Amerikas wichtigster Staatsfeiertag, an dem die amerikanische UnabhĂ€ngigkeit von GroĂbritannien gefeiert wird. Am 4. Juli 1776 erklĂ€rten Amerikas GrĂŒndervĂ€ter, dass die dreizehn Kolonien nicht mehr lĂ€nger Kolonien sind, sondern ein unabhĂ€ngiges Land, in dem die Rechte der EnglĂ€nder fĂŒr alle BĂŒrger gelten, und nicht nur fĂŒr die Administratoren des Königs Georg.
In dieser amerikanischen ErklĂ€rung der Selbstbestimmung durften BĂŒrger von GroĂbritannien nicht mitstimmen. Insofern war entsprechend Washingtons Standpunkt gegenĂŒber den Abstimmungen auf der Krim und in der Ostukraine â den ehemaligen russischen Territorien Donetsk und Luhansk â die amerikanische UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung âunrechtmĂ€Ăig und illegal.â
Am 4. Juli wird es in ganz Amerika patriotische Ansprachen geben ĂŒber unsere Soldaten, die ihr Leben fĂŒr ihr Land hingegeben haben. FĂŒr einen informierten Menschen sind diese Ansprachen eigenartig. Ich tue mich schwer, Beispiele zu finden fĂŒr Soldaten, die ihr Leben fĂŒr unser Land hingegeben haben. Der Marinegeneral der Vereinigten Staaten von Amerika Smedley Butler hatte dasselbe Problem. Er sagte, dass seine Seesoldaten ihr Leben hingaben fĂŒr die Kontrolle Zentralamerikas durch die United Fruit Company. âKrieg ist eine Gaunerei,â sagte General Butler, wobei er darauf hinwies, dass die Beteiligung der Vereinigten Staaten von Amerika am Ersten Weltkrieg 21.000 neue amerikanische MillionĂ€re und MilliardĂ€re hervorbrachte.
Als General Butler sagte, dass âKrieg eine Gaunereiâ ist, da meinte er, dass Krieg eine Gaunerei fĂŒr einige wenige Leute ist, die reich werden auf dem RĂŒcken von Millionen toter Menschen. Laut dem Artikel im American Journal of Public Health stehen im 20. Jahrhundert 190 Millionen Tote direkt und indirekt in Verbindung mit Krieg.
190 Millionen sind 60 Millionen mehr als die Gesamtbevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika in dem Jahr, in dem ich geboren wurde.
Der einzige auf dem Territorium der Vereinigten Staaten von Amerika ausgefochtene Krieg war der Krieg gegen die Sezession des SĂŒdens. In diesem Krieg gaben irische Einwanderer, die frisch vom Schiff gekommen waren, ihr Leben. Sobald der SĂŒden erobert war, wurden die KrĂ€fte der Union gegen die Indianer auf den Ebenen losgelassen und vernichteten auch diese.
Imperium geht ĂŒber Leben. Das war immer Washingtons Leitprinzip.
Amerikas Kriege wurden immer anderswo gefĂŒhrt â in Kuba, Haiti, Mexiko, auf den Philippinen, in Japan, Deutschland, Korea, Vietnam, Panama, Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien und Somalia. Washington attackiert sogar LĂ€nder, mit denen die Vereinigten Staaten von Amerika nicht im Krieg liegen, wie Pakistan und Jemen, und fĂŒhrt Stellvertreterkriege. Der oben erwĂ€hnte Artikel besagt: âDie Vereinigten Staaten von Amerika begannen zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und 2001 201 militĂ€rische Operationen, und seither weitere, darunter in Afghanistan und im Irak.â
Nicht ein einziger dieser Kriege und militĂ€rischen Operationen hatte auch nur das leiseste mit Verteidigung der Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika gegen Bedrohungen von auĂen zu tun.
Nicht einmal Japan und Deutschland bildeten eine Gefahr fĂŒr die Vereinigten Staaten von Amerika. Keines der beiden LĂ€nder hatte im Sinn, in die Vereinigten Staaten von Amerika einzumarschieren, und keines der beiden LĂ€nder hatte derartige KriegsplĂ€ne.
Nehmen wir an, dass Japan China, Burma und Indonesien erobert hĂ€tte. Mit einem derart riesigen okkupierten Teritorium hĂ€tte Japan nicht eine einzige Division ĂŒbrig gehabt, um mit dieser in die Vereinigten Staaten von Amerika einzumarschieren, und natĂŒrlich hĂ€tte eine Invasionsflotte es nie ĂŒber den Pazifik geschafft. Gerade wie es das Schicksal der japanischen Flotte in Midway war, wĂ€re eine Invasionsflotte ein leichtes Ziel fĂŒr die Marine der Vereinigten Staaten von Amerika gewesen.
Nehmen wir an, dass Deutschland seine Eroberungen ĂŒber Europa nach GroĂbritannien, Russland und Nordafrika ausgedehnt hĂ€tte. Deutschland wĂ€re nicht imstande gewesen, ein derart riesiges Territorium erfolgreich zu besetzen und hĂ€tte keinen einzigen Soldaten ĂŒbrig gehabt, um ihn zur Besetzung Amerikas zu schicken. Nicht einmal die Supermacht Vereinigte Staaten von Amerika war imstande, erfolgreich den Irak und Afghanistan zu besetzen, LĂ€nder mit vergleichsweise kleiner FlĂ€che und Bevölkerung.
Mit Ausnahme ihrer Kriege gegen den SĂŒden, die Indianer auf den Ebenen, Haiti, Spanien, Panama, Grenada und Mexiko haben die Vereinigten Staaten von Amerika nie einen Krieg gewonnen. Die Konföderierten des SĂŒdens, ĂŒblicherweise in der Minderzahl, schlugen oft die GenerĂ€le der Union. Japan wurde besiegt durch seinen Mangel an militĂ€rischen Ressourcen. Deutschland wurde von der Sowjetunion besiegt. Die Invasion der Alliierten in der Normandie erfolgte erst am 6. Juni 1944, als die Rote Armee die Wehrmacht bereits pulverisiert hatte.
Als die Alliierten in der Normandie landeten, standen drei Viertel der deutschen Armee an der russischen Front. Der alliierten Invasion kam der deutsche Treibstoffmangel fĂŒr mobile Einheiten sehr zugute. HĂ€tte Hitler nicht der Ăberheblichkeit nachgegeben, in die Sowjetunion einzumarschieren, und hĂ€tte er es mit seinen europĂ€ischen Eroberungen gut sein lassen, wĂ€re keine alliierte Invasion möglich gewesen. Die Vereinigten Staaten von Amerika hĂ€tten kein europĂ€isches Reich, um damit Russland, China und den Mittleren Osten bedrohen zu können.
In den 1950ern wurde General Douglas McArthur, siegreich ĂŒber Japan, in Korea von einem Dritte-Welt-China zu einem Stillstand gezwungen. In Vietnam wurde die amerikanische technologische Ăberlegenheit von einer Dritte-Welt-Armee besiegt. Die Vereinigten Staaten von Amerika ĂŒberwĂ€ltigten in den 1980ern das mĂ€chtige Grenada, verloren aber ihren Stellvertreterkrieg gegen die Sandinisten in Nicaragua.
Ist jemand so dumm, dass er glaubt, dass Grenada oder die Sandinisten eine Bedrohung fĂŒr die Vereinigten Staaten von Amerika waren, dass Nordkorea oder Nordvietnam Bedrohungen fĂŒr die Vereinigten Staaten von Amerika darstellten? Dennoch wurden die Kriege gegen Korea oder Nordvietnam behandelt, als stĂŒnde das Schicksal der Vereinigten Staaten von Amerika auf dem Spiel. Die Konflikte fĂŒhrten zu umfangreichen dĂŒsteren Vorhersagen und strategischen Debatten. Die kommunistische Gefahr ersetzte die Gefahr Hitler. Das amerikanische Imperium war gefĂ€hrdet durch Völker der Dritten Welt. Ăberall drohten die Dominosteine zu fallen.
Zur Zeit ist Washington dabei, PrĂ€sident Reagans Errungenschaft, den Kalten Krieg zu beenden, umzustoĂen. Washington orchestrierte einen Staatsstreich, der die gewĂ€hlte Regierung der Ukraine stĂŒrzte und ein Handlangerregime installierte. Washingtons Handlanger begannen, Drohungen gegen Russland und die russisch sprechende Bevölkerung der Ukraine auszustoĂen. Diese fĂŒhrten dazu, dass die Teile der Ukraine, die ehemals Teile Russlands gewesen waren, ihre UnabhĂ€ngigkeit erklĂ€rten. Washington gibt die Schuld daran Russland, nicht sich selbst, und stiftet Chaos, dĂ€monisiert Russland und lĂ€sst den Kalten Krieg wieder auferstehen mit militĂ€rischen EinsĂ€tzen in den Baltischen Staaten und Osteuropa. Washington muss den Kalten Krieg wieder erfinden, um die hunderte Milliarden Dollars zu rechtfertigen, die Washington in den MilitĂ€r/Sicherheitskomplex steckt, wovon ein Teil fĂŒr Zuwendungen fĂŒr Wahlkampagnen herausschaut. Im Gegensatz zu Washingtons Propaganda gibt es einen wahrheitsgetreuen Ăberblick ĂŒber die Ereignisse in der Ukraine in
Stephan Lendmans neuem Buch.
In den Vereinigten Staaten von Amerika sind Patriotismus und Militarismus zu Synonymen geworden. Finden Sie an diesem 4. Juli den Mut, die Militaristen daran zu erinnern, dass der UnabhĂ€ngigkeitstag die UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung feiert und nicht das amerikanische Reich. Die UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung war nicht nur eine ErklĂ€rung der UnabhĂ€ngigkeit von König George III, sondern auch eine ErklĂ€rung der UnabhĂ€ngigkeit von einer verantwortungslosen tyrannischen Regierung. Der Amtseid verpflichtet den Amtsinhaber der Vereinigten Staaten von Amerika zur Verteidigung der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika gegen Feinde âvon innen und auĂen.â
Im 21. Jahrhundert sind die schlimmsten Feinde der Amerikaner nicht al Qaeda, der Iran, Russland und China. Amerikas schlimmste Feinde sind unsere eigenen PrĂ€sidenten, die wiederholt erklĂ€rt haben, dass der orchestrierte âKrieg gegen den Terrorâ ihnen das Recht gibt, die bĂŒrgerlichen Freiheiten auĂer Kraft zu setzen, die jedem BĂŒrger durch die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika garantiert sind. Die Respektlosigkeit gegenĂŒber der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika seitens des PrĂ€sidenten ist dermaĂen extrem, dass Obama David Barron als Richter fĂŒr das Berufungsgericht der Vereinigten Staaten von Amerika fĂŒr den Ersten Bezirk nominiert hat. Barron ist der Beamte im Justiz(!)ministerium, der die Gutachten verfasst hat, in denen die legale Rechtfertigung fĂŒr das BĂŒro des PrĂ€sidenten erfunden wurde, BĂŒrger der Vereinigten Staaten von Amerika ohne rechtsstaatliches Verfahren umzubringen.
Nachdem sie den BĂŒrgern der Vereinigten Staaten von Amerika ihre bĂŒrgerlichen Rechte genommen haben, bauen die Behörden jetzt riesige VorrĂ€te an Munition auf, und das Landwirtschaftsministerium hat Maschinenpistolen bestellt. Das Ministerium fĂŒr Heimatlandsicherheit hat 2.717 minensichere gepanzerte Mannschaftstransporter gekauft. Kongress und Medien interessieren sich nicht dafĂŒr, warum die Behörden sich so schwer gegen die amerikanischen Menschen bewaffnen.
WĂ€hrend des gesamten 21. Jahrhunderts â in der Tat seit dem Clintonregime am Ende des 20. Jahrhunderts â hat der exekutive Bereich seine UnabhĂ€ngigkeit vom Gesetz (im Inland wie international) und von der Verfassung, dem Kongress und den Gerichten erklĂ€rt. Der exekutive Bereich hat mit Hilfe der Republikanischen Föderalistischen Gesellschaft etabliert, dass das Amt der Exekutive eine Tyrannei ist, nicht verantwortlich gegenĂŒber dem Gesetz, sei es im Inland oder international, so lange das Oberhaupt der Exekutive einen Kriegszustand erklĂ€rt, sogar einen Krieg, der nicht gegen ein anderes Land oder LĂ€nder gefĂŒhrt wird, sondern einen vagen, undefinierten oder schlecht definierten Krieg gegen einen vagen staatenlosen Feind wie al Qaeda, mit der die Vereinigten Staaten von Amerika derzeit gegen Syrien verbĂŒndet sind.
Al Qaeda spielt jetzt eine doppelte Rolle. Al Qaeda ist Washingtons Agent fĂŒr den Sturz der gewĂ€hlten Regierung Assad in Syrien, und al Qaeda ist die böse Kraft, gegen die die BĂŒrgerrechte der Vereinigten Staaten von Amerika geopfert werden mĂŒssen.
Die unrechtmĂ€Ăige Macht, die sich das BĂŒro des PrĂ€sidenten angeeignet hat, ist nicht nur eine Bedrohung jedes Amerikaners, sondern auch fĂŒr jeden, der auf dem Planeten Erde lebt. Der oben angefĂŒhrte Artikel berichtet: âUngefĂ€hr 17.300 Atomwaffen sind derzeit in zumindest neun LĂ€ndern stationiert, von denen viele abgeschossen werden und ihre Ziele innerhalb von 45 Minuten erreichen können.â
Es braucht nur einen Narren â und Washington verfĂŒgt ĂŒber Tausende von Narren â und alles Leben auf der Erde endet in 45 Minuten. Der neokonservative Glaube, dass die Vereinigten Staaten von Amerika das auĂergewöhnliche unentbehrliche Land sind, das auserwĂ€hlt ist von der Geschichte, um die Erde zu beherrschen, ist ein Glaube voll von der Arroganz und Ăberheblichkeit, die zum Krieg fĂŒhren.
Haben Sie Ihr wahrscheinliches Schicksal im Kopf, wenn Sie am 4. Juli den MilitĂ€rkapellen und MĂ€rschen zusehen und sich die heiĂe Luft des Militarismus anhören.
Orginalartikel Militarist Bunkum vom 19.Mai 2014
Quelle: http://antikrieg.com/aktuell/2014_05_20_militaristischer.htm
