Tosender Applaus für Drohnen-Gegner Mike Farrell an Militärakademie der U.S.-Luftwaffe

Kein Sieg der Militärs im Heimspiel im Kampf um die Köpfe:

Hollywood-Schauspieler, Menschenrechtsaktivist und Präsident der Organisation Death Penalty Focus zur Abschaffung der Todesstrafe erntet Standing Ovations in der Höhle des Löwen.
(Foto: Antikriegs-Aktivist Farrell im Jahr 2007 auf "Stop the War Coalition"-Kundgebung)

Vom 27.Februar bis 28.Februar 2014 fand an der Kaderschmiede für Führungskräfte der Luftwaffe der U.S.-Armee in Colorado zum 21. Mal das alljährliche "National Character and Leadership"-Symposium statt, auf dem die zukünftigen militärischen Entscheidungsträger von höchsten Generälen wie Norton A. Swartz und anderen Persönlichkeiten der Kriegsmaschinerie wie Geschäftsführer von Boeing auf ihre zukünftigen Leitungsfunktionen eingeschworen werden.

Kadetten und Offiziersschüler aus fünfzig militärischen U.S.-Hochschulen waren eingeladen, um ihnen von mehr als zwanzig Rednern und in Podiumsdiskussionsrunden die üblichen Phrasen über ihre kommenden ehrenvollen, notwendigen Dienste an der Waffe zu Ehren und Verteidigung ihres Landes einzutrichtern und Moral zu predigen. Entsprechend stand das diesjährige Programm unter dem Motto "Character Overcoming Conflict: Individual Stories, Global Impact." (Programm und Rednerliste auf U.S. Air Force Academy).

Wie in allen westlichen Ländern wächst auch in den Vereinigten Staaten von Amerika die breite Ablehnung der Auslandseinsätze in der Bevölkerung, die selbstverständlich auch in den relativ abgeschirmten Militäranlagen ihre Spuren hinterlässt. Je grösser dieser Widerstand ist umso stärker werden die "moralischen" und "humanistischen" Ausreden und Lügen der Führungsebene um keine Bedenken in der Belegschaft der Streitkräfte aufkommen zu lassen.

Vor allem die Debatte über das hinterhältige Töten von Menschen mit Raketen aus ferngelenkten Drohnenflugzeugen oder der Beschuss von Zielobjekten mit Bomben aus Jagdflugzeugen, bei denen immer wieder Zivilisten verwundet oder ermordet werden, nagt an dem ignoranten Selbstverständnis der Planer und Verursacher, die ein Überspringen in die Truppe mit ausgefeilten Argumenten zu verhindern suchen.

Diese "Zersetzung" scheint begrüssenswerterweise schon recht fortgeschritten zu sein und mag erklären, weshalb der bekannte Schauspieler Mike Farrell als Gastredner und ausgesprochener Gegner der Todesstrafe in jeder Form eingeladen wurde. Falls die Absicht dahinter zu suchen war, ihn als Alibi zu verwenden um zu zeigen, wie offen und "demokratisch" alle abweichenden Meinungen diskutiert werden und Farrells pazifistischen Ansichten anschliessend gehörig mit Gegenargumenten zu zerpflücken, so ging der Schuss nach hinten los.

In seinem Redebeitrag konzentrierte sich Farell, der als junger Mann seinen Wehrdienst leistete, auf die menschliche Würde, verurteilte die Todesstrafe in jeder Ausführung sowie den Irak-Krieg und beschrieb die amerikanischen Taktiken gegen angebliche "Terroristen" als Drohnen-Morde. Weiter führte er aus, dass die Werte der amerikanischen Verfassung, festgeschrieben von den Gründungsvätern, verraten wurden und das Land sich in eine Nation von Regierungsspionen, Gefängnissen und Drohnenkriegsführung verwandelt hat.

"Staatliches Töten macht ein Land zum Aussenseiter in der Weltgemeinschaft",

so Farrell, der von der Einladung seiner Person zum Symposium überrascht war.

Nach seiner Rede erfolgte kein betretenes Schweigen oder kurzes höfliches Händeklatschen. Die anwesenden Militärschüler der Luftwaffe erhoben sich und ehrten den "Oppositions"-Gastredner mit aussergewöhnlichem langanhaltenden Applaus und umringten ihn anschliessend, viele schüttelten ihm die Hände und liessen sich mit ihm in Militäruniform fotografieren.

Mag sein, dass der eine oder andere nur von der Begegnung mit einer berühmten Persönlichkeit diesem Enthusiasmus verfallen war. Genügend Zeit zum Nachdenken über den Inhalt der Worte ihres "Stars" des Tages und als spätere Diskussionsgrundlage wird der Auftritt des mit vielen Friedenspreisen ausgezeichneten Aktivisten wohl geboten haben, der auch zu den Gründungsmitgliedern von "Artists Say Win Without War" gehörte und den "Letter to Washington from Hollywood" gegen die U.S.-Invasion gegen den Irak unterzeichnete.

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Quellen:
http://www.usafa.af.mil/news/story.asp?id=123401696
http://gazette.com/activist-mike-farrell-pulls-no-punches-with-air-force-academy-speech-gets-standing-ovation/article/1515576