Boston: Katastrophenübung mit brennendem Flugzeug am 11. September

Während in New York und anderen Städten die Menschen der Opfer des 11.September 2001 gedenken, fackeln in Boston die Behörden an diesem Morgen ein Flugzeug ab.

Boston, immer wieder Boston. Am Vormittag des 11.September 2013 bot sich für die Passagiere des internationalen Flughafens Logan der Stadt Boston im U.S.-Bundesstaat ein schauriges Bild, besonders für die im Landeanflug befindlichen Insassen der Flugzeuge.

Mitten im normalen Flugverkehrsbetrieb brannte auf einer der Landebahnen ein Flugzeug, umringt von Feuerlöschzügen. Dicke Schwaden schwarzen Rauches umhüllten die Szenerie. Rettungsmannschaften bemühten sich den Brand zu löschen.

"Als wir landeten und in die Einflugschneise einbogen habe ich diese grosse riesige Rauchfahne vom Flugzeugfenster aus gesehen. Anfangs dachte ich, dass das Flugzeug abgestürzt war", sagte einer der Passagiere, der mit einem Flug von New York City nach Boston unterwegs war.

Die Flughafenbehörde von Massachusetts hatte die Feuerwehrübung nun ausgerechnet für diesen Tag als Teil der Trainingsmassnahmen der Rettungsmannschaften angeordnet. Dass die Bürger in Angst und Schrecken mit der Erinnerung an die Ereignisse vor zwölf Jahren versetzt wurden, liegt auf der Hand. Die beiden Jets (American Airlines Flight 11 und United Airlines Flight 175), die nach Regierungsangaben entführt und in Zwillingstürme des World Trade Centers geflogen wurden, starteten am 11.September 2001 von diesem Flughafen.

Auf Twitter / BostonLogan kündigte die Flughafenbehörde die Übung um 6.20 Uhr Ortzeit an:

"The fire department will be training this morning. Smoke on the airfield is part of the training."

Am Mittag entschuldigte sich die Massachusetts Port Authority auf ihrer Facebookseite und ihrem Twitterkanal nach einer Welle der Empörung über die Katastrophenübung und räumte ein, dass dieser Tag dem Moment der Stille, einem Gebet in der Kapelle und einer Kranzniederlegung am Denkmal des 11.September gehören sollte.

Der Gouverneur des Staates, Deval Patrick, teilte dem State House News Service mit: "Es ist einfach dumm. Ich meine, das Timing könnte nicht schlechter sein."

Der TV-Sender CBS sendete in seinem Bostoner Lokalteil ein Video mit Aufnahmen des Flugzeugs und Interviews mit aufgeregten, empörten Passagieren.

Unsensibel, wie es die Verantwortlichen nach den Vorwürfen entschuldigend bezeichnen, ist gar kein Ausdruck. Dass bei der Planung der Übung keinem der Mitarbeiter und Beamten im Vorfeld dieses Datum aufgefallen ist und niemand darauf hingewiesen hat, davon ist wohl kaum auszugehen. Selbst noch am Morgen vor Beginn des Einsatzes soll keiner der Feuerwehrmänner etwas dazu gesagt haben? Es wäre immer noch Zeit gewesen, den Einsatz zu stornieren.

Ganz im Gegenteil, es wurde eine Gedenkminute von der Flughafenbelegschaft und eine Andacht in der Kapelle abgehalten sowie ein Kranz an der 9/11-Gedenkstätte niedergelegt, erklärte die Sprecherin der Flughafenbehörde.