Ausschreibung für Technikgebäude Stuttgart 21: „Hochdruckinjektion (HDI) ca. 1000 m³“

Dokumentation: Die Rede von Wolfgang Kuebart von Ingenieure22 für den Kopfbahnhof auf der 121. Stuttgarter Montagsdemonstration gegen das industrielle und regionale Umbauprogramm "Stuttgart 21" (S21)

Die Mahnwache ist umgezogen, die Bahn hat (mal wieder) einen Bauzaun aufgestellt und behauptet (mal wieder) mit dem Bau des unterirdischen Technikgebäudes zu beginnen. Doch warum ist dieses Technikgebäude nicht längst fertig? Immerhin wurde bereits im Sommer 2010 der Nordflügel geschleift, um für genau dieses Technikgebäude Platz zu machen. Die Bäume vom Kurt-Georg-Kiesinger Platz wurden im Februar 2011 beseitigt und einen Bauzaun rund um den Parkplatz gab es auch schon einmal.

Wussten Sie schon, dass Wolff & Müller das Technikgebäude nun doch nicht baut?

In der Tat, die Bahn hatte den Auftrag für das Technikgebäude das erste Mal am 18. Januar 2010 zusammen mit dem Abriss des Nordflügels ausgeschrieben und am 28. Mai 2010 vergeben. Doch nur der Nordflügel fiel, an seiner Stelle zeigt seither ein riesiges Werbeplakat die halbe Wahrheit des neuen Bahnhofs. Keinesfalls musste der Bau auf das Grundwassermanagement warten, das braucht man für den Bau dieses Technikgebäudes nicht, denn es gründet nicht so tief.

Am 6. Dezember 2011 wurde der Auftrag erneut ausgeschrieben. Inzwischen war durchgesickert, dass Wolff & Müller das Technikgebäude trotz Auftrag nicht bauen wollte - das Risiko sei zu groß. Das Kommunikationsbüro wollte dazu nichts genaueres sagen. Wenn man die neue Ausschreibung aufmerksam liest, fällt auf, dass diesmal ein kleiner Zusatz im Auftragstext steht: "Hochdruckinjektion (HDI) ca. 1000 m³". Das ist wohl für die "Unterfangung der 160m² denkmalgeschützen angrenzenden Bebauung" (damit ist der sog. Bonatzbau gemeint).

Was heißt Hochdruckinjektion? Meist pumpt man unter großem Druck Beton unter Bauwerke, um die Gebäude zu stabilisieren. Hier sollen u.A. tiefer gründende Fundamente entstehen.

Wozu? Die Stabilität unseres Bahnhofs wird durch die geplanten Arbeiten auf mehr als eine harte Probe gestellt: Das Technikgebäude soll direkt an die Nordseite anschließen, nach manchen Plänen sogar darunter.

Schon allein das ist heikel, denn dafür sind die Fundamente unseres Bahnhofs nicht gemacht. Im weiteren Verlauf sollen direkt unter dem Bahnhof große Teile der S-Bahn-Zwischengeschosse abgebrochen werden, weil sie dem zukünftigen Trogbauwerk im Wege stehen. Das alles soll unmittelbar unter dem Rest unseres Hauptbahnhofs stattfinden, der sich schon einmal empfindlich gesetzt hatte, als man seinerzeit die S-Bahn dort baute.

Mehr als ein Jahr war man sich unsicher, ob das überhaupt geht. Jetzt soll viel Beton helfen. Die neuen Firmen wurden per Ausschreibung gleich darauf verpflichtet. Doch angefangen hat noch niemand.

Wir haben nach wie vor unsere bessere Alternative. Der Kopfbahnhof leistet mehr, als es der Trogbahnhof je kann. Diesen Rückbau der Bahninfrastruktur, der nicht nur das übriggebliebene Bahnhofsgebäude sondern auch alle Nutzer der Bahn empfindlich gefährdet, brauchen wir nicht.

Vielen Dank und Oben Bleiben !

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