Polizist von Wasserpistole erschossen?

Gewalt-VorwĂŒrfe gegen Stuttgart 21-Gegner immer abstruser

Stuttgart: Im Zusammenhang mit den ebenso konsequent wie friedlich andauernden Protesten gegen Stuttgart 21 eskaliert die Wortwahl der Polizei zunehmend: In einer PresseerklĂ€rung vom 9.2. spricht die Polizei von Radikalisierung und ‚HassbĂŒrgern‘. Heute frĂŒh wurde ein Demonstrant erkennungsdienstlich behandelt wegen ‚schwerer Körperverletzung mittels einer Wasserpistole‘; Er hatte mit einer Wasserpistole die TĂŒr des Abrissbaggers am SĂŒdflĂŒgel vereist. Der angeblich schwer körperverletzte Angestellte einer Sicherheitsfirma wurde noch nicht einmal nass gemacht: Er stand ca. 4 Meter vom Bagger entfernt und war durch den drei Meter hohen Bauzaun von den wasserspritzenden ParkschĂŒtzern getrennt.

„Die Polizei ĂŒberreagiert und ĂŒbertreibt maßlos“, sagt Matthias von Herrmann, Pressesprecher der ParkschĂŒtzer. „Die Leute sind verbittert und von der Politik enttĂ€uscht, gerade auch durch die zum Teil unverschĂ€mten Verunglimpfungen ihres Protestes und ihrer Empörung durch offizielle Stellen – es ist aber Konsens, dass die Polizei nicht der Gegner ist. Die ErklĂ€rung und die Wortwahl der Polizei soll wohl dazu dienen, spĂ€ter ein ‚robustes Verhalte‘ erklĂ€ren zu können. Es wird ein Grundteppich gegen uns bereitet, wie böse wir doch sind. Dabei lenkt die Diskussion davon ab, dass das planlose und zerstörerische Vorgehen der Bahn uns allen schadet, ob BefĂŒrworter oder Gegner von Stuttgart 21. Diese Rhetorik lenkt davon ab, was der Abholzung folgt: Eine Brache mit einem Zaun drum herum.“

PolizeiprĂ€sident Thomas ZĂŒfle ist angeblich an Deeskalation interessiert. Da ist es aber nicht förderlich, die Widerstandsbewegung derart als kriminell und gewaltbereit darzustellen. Solche ErklĂ€rungen der Polizei fĂŒhren nur dazu, dass die Stimmung auf beiden Seiten hochgeputscht wird. Die ParkschĂŒtzer hatten letzte Woche ein zweites GesprĂ€ch mit PolizeiprĂ€sident ZĂŒfle zum Thema Deeskalation abgebrochen und sehen sich auch durch die gestrige PresseerklĂ€rung und den heutigen Vorwurf an die ParkschĂŒtzer der Vereisungsaktion als BestĂ€tigung. Die Fortsetzung solcher GesprĂ€che ergeben leider keinen Sinn, solange die Polizei mit derartigen PresseerklĂ€rungen und derartigen ĂŒberzogenen TatvorwĂŒrfen die Eskalation antreibt. Die Aktionen der ParkschĂŒtzer sind immer und grundsĂ€tzlich friedlich, das schreibt schon der vor zwei Jahren formulierte Aktionskonsens vor.