Stuttgart 21: Simulation des Normalbetriebs ist kein Stresstest
Die BetriebsqualitĂ€t von S21 ist schon ohne Stress nicht „gut“
Stuttgart: Die Ingenieure22 fĂŒr den Kopfbahnhof fordern die Bahn auf, einen tatsĂ€chlichen Stresstest fĂŒr Stuttgart 21 durchzufĂŒhren. Ein solcher Stresstest darf sich nicht darauf beschrĂ€nken, den Normalbetrieb mit durchschnittlichen VerspĂ€tungen zu simulieren, ein Stresstest muss auch StörfĂ€lle darstellen. Bislang hat die Bahn eine Fahrplansimulation vorgelegt, in der lediglich mittlere VerspĂ€tungen berĂŒcksichtigt sind. Diese Fahrplanuntersuchung kann aus technischer Sicht nicht als Stresstest bezeichnet werden.
Z.B. gibt es im sogenannten Stresstest der Bahn keine Signal- oder Weichenstörungen â und selbst ganz ohne echte Stresssituationen können viele VerspĂ€tungen bei S21 nicht abgebaut werden, d.h. S21 erreicht keine âguteâ, also verspĂ€tungsabbauende BetriebsqualitĂ€t. In einem Stresstest muss sich ein System jedoch unter Bedingungen bewĂ€hren, die zwar realistisch eintreten können, sich aber deutlich auĂerhalb des spezifizierten Normalbetriebes befinden. 5 Minuten mittlere Fernzug-VerspĂ€tung im realen Bahnverkehr kann nicht als Stresssituation angesehen werden (Anm.: FernzĂŒge gelten ĂŒberhaupt erst ab 5 Minuten als verspĂ€tet).
âEine VerspĂ€tung kommt selten alleinâ, sagt Dr. Carola Eckstein von den Ingenieuren22 fĂŒr den Kopfbahnhof. âGenauso wie man die LeistungsfĂ€higkeit eines Bahnhofs in der Spitzenstunde betrachten muss, muss man auch das VerspĂ€tungsverhalten in der Spitzenstunde bzw. in Belastungssituationen betrachten, nicht einen Mittelwert ĂŒber den ganzen Tag und ĂŒber das ganze Jahr. In der StoĂzeit gibt es stark frequentierte ZĂŒge, fĂŒr welche die vorgesehenen Haltezeiten in nahezu allen Bahnhöfen zu knapp bemessen sind. So ein Zug kann keine VerspĂ€tung abbauen, auch wenn die notwendigen Haltezeiten fĂŒr alle ZĂŒge ĂŒber den Tag gemittelt kĂŒrzer sind. Zu diesem alltĂ€glichen Stress kommen groĂe und kleine Störungen wie die HĂ€ufung verspĂ€teter ZĂŒge, defekte Signale, Weichen oder ein Triebfahrzeugschaden. Solche technischen Pannen sind unvermeidbar; damit muss ein Bahnknoten ebenso klarkommen wie mit einem Wintereinbruch oder Sturm. Das muss in einem Stresstest geprĂŒft werden.â
Defekte Signale, Weichen oder Gleisfreimelder, ein Wintereinbruch, Feiertagsverkehr, eine blockierte Tunnelstrecke, ein entgleister Zug oder ein Zug mit defektem ETCS-Leitrechner, im schlimmsten Fall ein Personenschaden: Es gibt eine ganze Reihe von Störungen, die den Bahnverkehr im Alltag behindern können. Die LeistungsfĂ€higkeit von Bahninfrastruktur zeigt sich unter anderem darin, wie gut solche AusfĂ€lle kompensiert werden können. In einem guten, robusten System fĂŒhren technische Störungen nur zu geringen Verzögerungen, die schnell wieder aufgeholt werden können. Ist ein Bahnknoten ungĂŒnstig gestaltet, so kann ein einziges liegengebliebenes Triebfahrzeug alle nachfolgenden ZĂŒge vollstĂ€ndig blockieren. Von einem Stresstest kann erst die Rede sein, wenn das Verhalten des Bahnbetriebs auf diese und vergleichbare StressfĂ€lle â die durchaus vorkommen â untersucht wird. Die Untersuchung von Tunnelstörungen wird im Spruch von Heiner GeiĂler sogar explizit in Punkt 12 gefordert.
Gerade kleinere technische Störungen sind relativ hÀufig. Im Stuttgarter S-Bahntunnel mit seinen zwei Gleisen kommt es fast wöchentlich zu kurzzeitigen Sperrungen aufgrund technischer Probleme. Jeder Bahnreisende weià aus eigener Erfahrung, dass Störungen vom defekten Signal bis zu Tieren auf den Gleisen keine Seltenheit sind.
RĂŒckfragen an Dr. Carola Eckstein von den Ingenieuren22 fĂŒr den Kopfbahnhof, Tel. 0152-53684818.
PresseerklÀrungen und Hintergrundinfos / Presseportal: www.parkschuetzer.org/presse
Internet: www.ingenieure22.de und www.bei-abriss-aufstand.de
