69. Montagsdemo gegen Stuttgart 21: knapp 10.000 Teilnehmer / Forderungen an Kretschmann
An der 69. Montagsdemo nahmen geschĂ€tzt fast 10.000 Menschen teil. Einen Tag nach dem grĂŒn-roten Wahlsieg formulierte der Widerstand gegen Stuttgart 21 seine Erwartungen an die neue Landesregierung:
Lieber Herr Kretschmann,
herzlichen GlĂŒckwunsch zu dem historischen Wahlsieg, den Sie errungen haben.
Viele von uns haben Sie gewĂ€hlt. Wir haben Sie gewĂ€hlt, weil wir uns von Ihnen eine offene, faire und zukunftsweisende Politik fĂŒr unser Land und vor allem fĂŒr uns BĂŒrger versprechen.
Wir erwarten von Ihnen, Herr Kretschmann, dass Sie aussteigen aus der Finanzierung fĂŒr Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm. Der renomierte Verfassungsrechtler Prof. Hans Meyer hĂ€lt es fĂŒr verfassungswidrig, dass sich Stadt und Land fĂŒr die Bundesaufgabe Schienenbau finanzielle engagieren. Baden-WĂŒrttemberg darf sich nicht weiterhin an rechtswidrigen Mauscheleien beteiligen! Wenn Sie die rechtliche Lage nicht fĂŒr eindeutig halten, sorgen sie schnellstens fĂŒr eine gerichtliche KlĂ€rung, sorgen Sie fĂŒr Rechtssicherheit. Und verwenden Sie unser Landesgeld fĂŒr Landesaufgaben! Unsere SchĂŒler und Studenten werden es Ihnen danken.
Setzen Sie sich fĂŒr eine konstruktive, vernĂŒnftige und zukunftsorientierte Bahnpolitik ein, fĂŒr Baden-WĂŒrttemberg und im Interesse der Menschen und der Wirtschaft in ganz Europa. Stuttgart 21 bringt uns nur Nachteile. Die Mehrheit der Bevölkerung lehnt das Projekt ab, die Finanzierung ist ungeklĂ€rt und fĂŒr wesentliche Teile fehlt die Planfeststellung. Deshalb muss Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer einen Baustopp veranlassen und zwar sofort. Fordern auch Sie einen sofortigen Baustopp ein!
Aber allein ein Baustopp fĂŒr Stuttgart 21 ist nicht ausreichend. Sie und Ihrer zukĂŒnftigen Regierung mĂŒssen sich auch dafĂŒr stark machen, dass unsere bestehende Infrastruktur nicht weiter verwahrlost. Das S-Bahn-Chaos der letzen Wochen und Monate zeigt, dass Stuttgart keine planlosen Umbauarbeiten und Flickschusterei brauchen kann. Stuttgart braucht dringend ein modernes Stellwerk, das Gleisvorfeld muss saniert werden, ebenso wie die Strecke nach Ulm und der Bahnhof selbst. Darauf wollen wir nicht 20 Jahre warten. Die Bahn bekommt jedes Jahr viele Millionen Euro von uns Steuerzahlern und Bahnfahrern, fĂŒr genau solche Instandhaltungsarbeiten. Herr Kretschmann, nehmen Sie die Bahn in die Pflicht und nehmen Sie unseren Bundesverkehrsminister in die Pflicht! Vor allem, lassen Sie sich keine Politik der verbrannten Erde bieten!
Tun Sie das, was wir von grĂŒner Politik seit jeher erwarten: Nehmen Sie unsere Sicherheitsinteressen und -bedĂŒrfnisse ebenso ernst wie die Belange unserer Umwelt. Ausnahmegenehmigungen gegenSicherheitsbestimmungen darf es nicht geben. Es darf kein Auge mehr zugedrĂŒckt werden, wenn Baufahrzeuge gegen Umweltauflagen verstoĂen, Stichwort RuĂ-Partikelfilter. Und es darf keine Infrastuktur geplant und gebaut werden, die den Energiebedarf zukĂŒnftiger MobilitĂ€t in die Höhe treibt.
Last, but not least bereiten Sie der Kriminalisierung des Widerstands gegen Stuttgart 21 ein Ende. Im Interesse von BĂŒrgern und Polizei, unterbinden Sie konfrontative Polizeiauftritte, haltlose Anzeigen gegen friedlich demonstrierende BĂŒrger und offizielle Falschmeldungen von fliegenden Pflastersteinen und Randale.
Wir freuen uns auf den Wandel in unserem Land.
Oben bleiben!
