Plant die SPD eine Hartz IV-Normenkontrollklage beim Bundesverfassungsgericht?

SPD-Parteichef Sigmar Gabriel und NRW-Sozialminister Guntram Schneider (SPD) haben große Bedenken mit Blick auf die geplante Anhebung der Hartz IV-RegelsĂ€tze geĂ€ußert. Er habe Zweifel, ob die generelle Erhöhung der monatlichen RegelsĂ€tze den Vorgaben der Verfassungsrichter entspreche, so Schneider.

Nach seinen Worten wird die rot-grĂŒne NRW-Landesregierung am Dienstagabend entscheiden, wie sie sich bei der kommenden Abstimmung im Bundesrat verhalten wird.

Nach Informationen des Erwerbslosen Forum Deutschland könnte entweder die SPD-Bundestagsfraktion oder auch das Bundesland NRW eine Normenkontrollklage beim Bundesverfassungsgericht gegen die geplante Hartz IV-Reform anstreben. Dies erklĂ€re auch den vorzeitigen Ausstieg von BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen aus den GesprĂ€chen von Sonntag.

Nach dem Erwerbslosen Forum Deutschland zugetragenen Informationen wĂŒsste die SPD schon seit Ende September 2009, dass der Regelsatz fĂŒr alleinstehende Erwachsene deutlich ĂŒber 400 Euro liegen mĂŒsste. Sie hĂ€tte allerdings im Verlauf des Gesetzgebungsverfahrens erkannt, dass sie sich im Vermittlungsausschuss gegenĂŒber Union und besonders der FDP nicht hĂ€tte durchsetzen können. Deshalb hĂ€tte sie dafĂŒr gesorgt, dass Sachen wie Mindestlohn fĂŒr 1, 2 Millionen BeschĂ€ftigte in der Leiharbeit, beim Wachschutz und in der Weiterbildung sowie im Bildungspaket, die Jugendsozialarbeit, durch bekommen wĂŒrde.

Nach den Informationen könnte es jetzt ein mögliches Szenario geben:
Die SPD könnte, wenn der Vermittlungsausschuss einen Kompromissvorschlag dem Bundestag vorlegt, entweder dagegen stimmen oder sich enthalten. Im Bundesrat wĂŒrden SPD-GefĂŒhrte LĂ€nder dazu stimmen. NRW wĂŒrde sich enthalten bzw. dagegen stimmen. Somit hĂ€tte die SPD den Weg offen fĂŒr eine Normenkontrollklage, entweder durch die Bundestagsfraktion oder durch das Bundesland NRW. Damit wĂ€re auch der Ausstieg von BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen erklĂ€rbar, weil NRW sich dann der Stimme enthalten oder gegen den Kompromissvorschlag stimmen mĂŒsste. Damit wĂ€re fĂŒr NRW der Weg fĂŒr Normenkontrollklage frei. Dazu hab es nach Ansicht der NRW-Linken auch schon einen konkreten Beschluss (http://www.elo-forum.net/topstory/201012026705.html ) im Landtag von NRW gegeben.

Martin Behrsing, Sprecher des Erwerbslosen Forum Deutschland kommentierte das mögliche Szenario so:

„Vorausgesetzt, die SPD verhĂ€lt sich so, dann hat sie den Vermittlungsausschuss fĂŒr ihre wahlkampftaktischen Manöver instrumentalisiert. Sie wusste seit Ende September, dass der von Bundesarbeitsministerin, Ursula von der Leyen vorgelegte Gesetzentwurf nicht verfassungskonform war. Dennoch zockt die SPD bis zum letzten. Sie hĂ€tte schon vorher deutlich machen können, dass es dazu keine Zustimmung gegen wird, ohne dass man dazu den MinisterprĂ€sident von Rheinland-Pfalz ausgraben musste. Sollte das Szenario allerdings nicht zutreffen, hat die SPD einem faulen Kompromiss zugestimmt, ohne dass dafĂŒr eine Not bestand. Die SPD war diesmal ein einer besseren Position, wie im Vermittlungsausschuss 2003, wo Union und FDP locker einer Absenkung des eigentlich geplanten Hartz IV-Regelsatz durchdrĂŒcken konnten.“

Bonn/Berlin, den 21.2.2011

Kontakt: Martin Behrsing 0160/99278357 (Erwerbslosen Forum Deutschland)