„Schlimmer wie Vieh“ – der Wahnsinn industrieller Fleischproduktion

Wer das Video von Frontal21 unter dem folgenden Link gesehen hat, wird wohl kaum noch Appetit auf seine nĂ€chste HĂ€hnchen-Mahlzeit entwickeln und das Wissen um die ZustĂ€nde fĂŒhrt zwangslĂ€ufig dazu, dass jeder Bissen im Halse stecken bleiben muss und der Magen zu streiken beginnt.

Parallelen lassen sich zu anderen „hergestellten schnell gereiften“ zum „Verzehr“ produzierten Tierarten in Massenfabriken ziehen.

Videothek ZDF: HĂ€hnchen – Machenschaften der MĂ€ster

„Schlimmer wie Vieh“ – dieser idiotische Ausspruch (kein Tier ist schlimm, denn nur der Mensch kann perverse Verhaltensmuster entwickeln) passt auf all diejenigen, die dafĂŒr die Verantwortung tragen, angefangen von den Behörden, die diese ZustĂ€nde in ihrem Verantwortungsbereich dulden (VeterinĂ€re eingeschlossen) ĂŒber die Produzenten, die eine Überproduktion zur Ausschaltung von Konkurrenten betreiben bis hin zu dem Verbraucher.

Schuld an diesen unglaublichen ZustĂ€nden, wie mit lebenden Geschöpfen umgegangen wird ist die ganze Gesellschaft mit ihrer zunehmenden Ignoranz und Selbstsucht. Trotz des Wissens um die ZustĂ€nde – BeitrĂ€ge darĂŒber gibt es seit Jahren zu GenĂŒge – werden diese „Produkte“ nicht boykottiert.

Das Argument, dass Leute mit schmalen Geldbeutel auf die billigen Angebote in den Supermarkttheken zurĂŒckgreifen mĂŒssen, kann hier nicht geltend gemacht werden. Dieses minderwertige, mit Hormonen durchtrĂ€nkte Fleisch kann als ungeniessbar eingestuft werden, von der moralischen Verantwortung einmal ganz abgesehen.

Die jeder Vernuft und Nachhaltigkeit entbehrende Spirale dieser Erzeugung von Proteinen ist nicht auf Deutschland beschrĂ€nkt. Die Einfuhr billigsten Futters aus Übersee – wohlmöglich genmanipuliert – zerstört sogar den ökologischen Kreislauf des gesamten Planeten, denn fĂŒr den Anbau werden auch RegenwĂ€lder gerodet.

Das Mindeste, was die Bevölkerung gegen diese TierquĂ€lerei der Produzenten unternehmen kann, ist der freiwillige Verzicht auf eine solche Mahlzeit und das Setzen einer Unterschrift unter die Protest-Petition von „Rettet den Regenwald“, die am 12.August online gesetzt und in den vergangenen Stunden bereits von 7479 Personen gezeichnet worden ist.

Wie deutsche Verbraucher den Regenwald kahl essen

Nirgendwo in Deutschland ist Massentierhaltung weiter verbreitet als im Emsland oder in Vechta und Cloppenburg (Niedersachsen). Über Jahrzehnte haben hier die großen Konzerne der Branche ganze Landstriche umfunktioniert, um in riesigen Fabriken enorme Mengen an GeflĂŒgel zu mĂ€sten und zu schlachten. Aufgrund von Massenproduktion ist es außerdem so preiswert wie nie zuvor. Die Verbraucher ĂŒbersehen gerne, dass die niedrigen Preise mit einem Unmaß an TierquĂ€lerei einhergehen. Viele Millionen Tiere darben in engen, verdreckten KĂ€figen oder ĂŒberfĂŒllten, riesigen StĂ€llen dahin. FĂŒr die HĂ€hnchen und Legehennen sind die MassenstĂ€lle eine lebenslĂ€ngliche Tortur.

In der Gemeinde Groß Miltzow in Mecklenburg-Strelitz, in der NĂ€he einer idyllischen Naturlandschaft inmitten der Brohmer Berge, soll die grĂ¶ĂŸte industrielle HĂŒhnermastanlage Deutschlands mit 400.000 TierplĂ€tzen auf einer FlĂ€che von rund drei Hektar auf bestem Ackerland entstehen. Es ist vorgesehen, dass an diesem Standort jĂ€hrlich 3,2 Millionen Tiere gemĂ€stet werden. Das Vorhaben, hinter dem Friedrich-Ernst Wilfarth aus Woldegk und der NiederlĂ€nder Martijn Ritzema stehen, stĂ¶ĂŸt bei einem Großteil der Bevölkerung – nicht nur Bewohnern der Region – auf Widerstand. Die Gegner des Projekts werfen dem Unternehmen vor, Umweltschutz und artgerechte Tierhaltung mit FĂŒĂŸen zu treten.

Die Firmen Kreckower Agrar GmbH (Friedrich-Ernst Wilfarth) und Mecklenburger HĂ€hnchen GmbH (Martijn Ritzema) sollen hollĂ€ndische Großinvestoren beliefern. Dabei handelt es sich um die Unternehmen Plukon Royale Group, die seit 2009 zu 100 Prozent dem niederlĂ€ndischen Investmentfond Gilde buy out Partners gehört sowie den mit der Plukon zusammenarbeitenden Futtermittelhersteller Strahmann.

Die niederlĂ€ndische Plukon Royale Group ist groß im GeschĂ€ft. Sie verfĂŒgt ĂŒber sechs Schlachthöfe, vier Weiterverarbeitungsbetriebe mit einer SchlachtkapazitĂ€t von 240 Millionen HĂ€hnchen im Jahr und beliefert AbsatzmĂ€rkte im gesamten europĂ€ischen Raum. Damit liegt der Konzern auf Platz drei in Europa.

Auf dramatisch steigende ÜberkapazitĂ€ten hat die Arbeitsgemeinschaft BĂ€uerliche Landwirtschaft (ABL) unlĂ€ngst hingewiesen. Einer ABL-Verlautbarung zufolge wird die HĂ€hnchenschwemme in Europa durch das Plukon-Projekt noch verschlimmert. Die GroßmĂ€ster Wesjohann, Stolle und Rothkötter haben ihre KapazitĂ€ten stark erweitert. Bereits jetzt werden große Mengen an HĂ€hnchenteilen aus Europa nach Afrika exportiert und vernichten die Existenzgrundlagen der dortigen Bauern.

Vor ProduktionsĂŒberschuss und Preisverfall bei GeflĂŒgel hat die BĂŒrgermeisterin Elvira Janke (CDU) offenbar keine Angst. Die Vorsteherin der Gemeinde Groß Miltzow ist eine wichtige FĂŒrsprecherin des Großprojektes. Ebenfalls kaum EinwĂ€nde gegen die Errichtung eines Mischfutterwerkes im benachbarten StĂ€dtchen Strasburg hat dessen BĂŒrgermeister Norbert Raulin.

Einer der wichtigsten Bestandteile der Futtermittel fĂŒr die GeflĂŒgelzucht ist Soja. FĂŒr den Anbau der eiweißreichen Bohne werden in ExportlĂ€ndern wie Brasilien, Argentinien, Bolivien und Paraguay die artenreichen Urwald- und Savannengebiete gerodet. Dies fĂŒhrt in SĂŒdamerika zur Zerstörung von Lebensraum der Urvölker, zum Artensterben und in letzter Konsequenz zu massiven KlimaverĂ€nderungen weltweit. Menschenrechts- und Landrechtsverletzungen sowie die Vertreibung der Kleinbauern sind direkte Folgen des von Konzernen und Investoren dominierten SojageschĂ€fts. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um gentechnisch verĂ€ndertes Soja. Ganze Landstriche werden per Flugzeug mit hochgiftigen Pestiziden besprĂŒht. Menschen werden ihrer Lebensgrundlagen beraubt, werden vergiftet und hungern, weil ihre Land fĂŒr den Sojaanbau in Beschlag genommen wird – um Futtermittel fĂŒr unser Vieh in die IndustrielĂ€nder zu exportieren.

Rettet den Regenwald fordert von den GemeinderĂ€ten und den Vertretern der Landesregierung, die Ausweitung der industriellen Tiermastbetriebe und Großschlachtereien zu stoppen.

Weitere Infos bei der BĂŒrgerinitiative Brohmer Berge.
Frontal 21 Beitrag

Sehr geehrter Herr Minister Dr. Backhaus,
sehr geehrter Herr Minister Sellering,
sehr geehrter Herr Minister Seidel,
sehr geehrter Herr Landrat KĂ€rger,
sehr geehrter Herr BĂŒrgermeister Dr. Lode,

ich habe erfahren, dass die Firmen Kreckower Agrar GmbH und Mecklenburger HĂ€hnchen GmbH den Bau einer Großmastanlage planen. Nach meiner Kenntnis sollen dort jĂ€hrlich 3,2 Millionen HĂ€hnchen gemĂ€stet und zur Schlachtung und Weiterverarbeitung an den Großkonzern Plukon Royale Group geliefert werden. Das bedeutet extreme TierquĂ€lerei, und fĂŒr den gewaltigen Futtermittelbedarf wird die Vernichtung der RegenwĂ€lder SĂŒdamerikas weiter vorangetrieben.

Der geplante und durch die Politik geförderte Mastbetrieb mag fĂŒr den Konzern lukrativ sein, doch den Schaden, den ein industrieller Fleischproduktionsbetrieb mit derartigen Ausmaßen anrichtet, trĂ€gt die ganze Gemeinschaft. Neben der TierquĂ€lerei verschĂ€rft er die Umweltzerstörung und schĂŒrt soziale und ethische Konflikte in der Bevölkerung.

Das bedeutet konkret, dass Menschen in den SojaanbaulĂ€ndern in SĂŒdamerika hungern, weil auf ihren Äckern nun (Gen)Soja fĂŒr die Futtermittelindustrie wĂ€chst anstelle dringend benötigter Grundnahrungsmittel. Durchschnittlich fĂŒnf Kilogramm Getreide werden benötigt, um ein Kilogramm Fleisch zu produzieren. Um die AckerflĂ€chen fĂŒr den Anbau von Nutzpflanzen wie Soja zu schaffen, werden die RegenwĂ€lder und andere artenreiche Ökosysteme vor allem in SĂŒdamerika gerodet, die Artenvielfalt vernichtet, die Ureinwohner und Kleinbauern vertrieben, der Wasserhaushalt und die Böden geschĂ€digt und das Weltklima durch die massive Freisetzung von Kohlenstoff angeheizt.

Solange der Bau derartiger Großbetriebe weiterhin aus Mitteln der EU subventioniert wird, damit diese ihre MassengĂŒter billig auf den Markt bringen können, werden Tiere wie leblose Rohstoffe behandelt. Sie darben in engen, verdreckten KĂ€figen oder ĂŒberfĂŒllten, riesigen StĂ€llen dahin. FĂŒr die HĂ€hnchen und Legehennen sind die MassenstĂ€lle eine lebenslĂ€ngliche Tortur.

Aus den genannten GrĂŒnden halte ich den Bau der Anlage fĂŒr unangemessen und bitte Sie, sich fĂŒr ein Verbot von industriellen Mastbetrieben, bessere Nutztierhaltungsverordnungen und die Förderung der ZukunftsmĂ€rkte einer artgerechten Tierhaltung auf Bauernhöfen und in lebendigen Regionen einzusetzen. Die Politik ist aufgefordert, die erdrĂŒckende Beweislast der negativen Auswirkungen der industriellen Massentierhaltung endlich ernst zu nehmen und entschlossen zu handeln.

Mit freundlichen GrĂŒĂŸen