Pfeile und Bögen gegen Baggerschaufeln und Kräne

Wer hat als Kind nicht gern "Cowboy und Indianer" gespielt und die Allermeisten idendifizierten sich mit den einheimischen Bewohnern des amerikanischen Kontinentes trotz aller Westernheldenfilme mit ihrer Lagerfeuerromantik ganz instinktiv, da sie für eine gerechte Sache kämpften: ihre Heimat zu verteidigen, die von rücksichtslosen Eindringlingen erobert wurde.

Dieser Kampf wurde von Seiten der Weissen mit brutaler Waffengewalt und ständigem Brechen von Verträgen, die die übervorteilten Indianer kaum verstehen konnten, geführt. Skrupellose Händler brachten Fässer voll Fusel in die indianischen Ansiedlungen und spielten die Stämme gegeneinander aus. Einziges Ziel war die Landgewinnung. Dafür wurde gemordet, unzählige Indianer und auch die Tiere, von denen sie lebten - Büffelherden und Pelztiere - in millionenfacher Anzahl abgeknallt.

Der Rest der Überlebenden wurde in Reservate, die Gefängnissen glichen, zusammengetrieben und führte ein kümmerliches Dasein, das von der Entwurzelung ihrer Traditionen, Krankheiten, Alkoholsucht, Armut und Perspektivlosigkeit gekennzeichnet war. Das gleiche wiederholte sich auf einem anderen Kontinent, in Australien. Besonders tragisch ist für diese Menschen die Zerstörung und Vertreibung von Heiligen Stätten, die für sie der Ursprung ihres Stammes bedeutet und an denen sie ihre Ahnen ehren, deren Geist immer bei ihnen ist. Nur spirituelle Menschen können diese existenzielle Bedeutung verstehen.

Im 21.Jahrhundert ist dieser ungleiche Krieg noch nicht beendet. In Asien, Australien, Afrika und Amerika kämpfen die in ihrer Heimat verbliebenen Eingeborenen noch immer einen verzweifelten Kampf gegen die ungeheure erdrückende Übermacht der zivilisierten Gesellschaft, die an den okkupierten Ländereien das nächste Verbrechen begehen - den Raubbau.

Die indigenen Einheimischen leben in der überwiegenden Anzahl in einer noch relativ intakten Umgebung im Einklang mit der Natur, sofern der weisse Mann diese noch nicht ruiniert hat. Dieser kennt nur das schnelle Geschäft und die Jagd nach Geld und Rendite. Wälder werden für Felder abgeholzt, Berge ausgehöhlt bei der Jagd nach Rohstoffen.

Die Grosskonzerne haben die Genehmigungen der zuständigen korrupten Regierungsbeamten in der Hand und die Polizei mit ihren Gewehren an ihrer Seite. Die Einheimischen sind gezwungen, um zu überleben, Rechtsanwälte für ihre Sache zu gewinnen, ansonsten haben sie in diesem System keinerlei Chancen.

In Brasilien ereignete sich am Sonntag, den 25.Juli, eine erneute Auseinandersetzung mit Einheimischen um den Erhalt ihrer Heimat, der von ihrer Ohnmächtigkeit zeugt.

Angehörige verschiedener Stämme besetzten mit Pfeil und Bogen bewaffnet die Zentrale auf der Baustelle eines Wasserkraftwerkes am Rio Aripuanã , 976 km nordwestlich von Cuiabá im Bundesstaat Mato Grosso do Sul und nahmen zweihundertachzig dort beschäftigte Arbeitnehmer als Geiseln, die sie am gleichen Tag wieder freiliessen im Austausch gegen fünf leitende Angestellte des Wasserprojektes und begannen mit Verhandlungen zu Entschädigungszahlungen wegen dem Bau des Wasserkraftwerkes AHE Dardanelos.

Diese Aktion war als Demonstration gedacht, da auf anderem Weg die indigene Bevölkerung keine Chance um Gehör sah und muss zum Glück friedlich verlaufen sein, denn hätte es Verletzte dabei gegeben, wäre das in den brasilianischen Medien nicht vergessen worden zu erwähnen.

Am gestrigen Montag wurden die fünf Geiseln wieder auf freien Fuss gesetzt, da es zu einem Treffen mit Vertretern der National Foundation (FUNAI), dem Institut für geschichtliches und künstlerisches Erbe (IPHAN), dem Umweltministerium (SEMA) und dem Unternehmensleiter des Wasserprojektes gekommen war. Das AHE Dardanelos wird als Gemeinschaftsunternehmen Sociedade de Propósito Específico (SPE) von Neoenergia, das 51% Anteile hält und Eletronorte mit 24,5% sowie Chesf mit 24,5% Beteiligung gebaut.

Die Einheimischen blieben alle vor Ort und verhinderten die Wiederaufnahme der Bauarbeiten.

Sie fordern einen finanziellen Ausgleich für den Bau der Anlage und geben als Grund die sozialen Auswirkungen auf ihre auf wirtschaftliche und umweltverträgliche indigene Gemeinschaft an.

"Studien zeigen, dass wir durch dieses Unternehmen leiden."

argumentierte Audecir Ara, einer der einheimischen Führer. (1)

Das Projekt des Wasserkraftwerkes befindet sich 42 km ausserhalb des ihnen von der Regierung zugestandenen Reservates, aber die Ureinwohner sagen, dass der Ort, wo die Anlage gebaut wird, von den Vorfahren genutzt wurde, diese dort begraben sind und für sie historischen Wert hat.

Ausserdem befürchten sie wirtschaftliche Verluste, verminderte Fisch- und Wasserqualität, wenn das Kraftwerk seinen Betrieb aufnimmt.

Mit jeder neuen Grossanlage werden auch vorher intakte Naturräume zerstört. Für den Betrieb des Wasserkraftwerkes sind neue Infrastrukturen mit dem Bau von Ansiedelungen für die Mitarbeiter, Strassen, Müllbeseitigung u.v.m. notwendig. Zudem muss die gewonnene Energie über Hochspannungstrassen über Land transportiert werden - neue Masten werden gebaut.

Nachhaltige Energieerzeugung ist wichtig für die Versorgung der Gesellschaft, ohne giftige Schadstoffe dabei zu produzieren, geht aber zu oft mit dem Profitstreben der Energiekonzerne zu Lasten der Natur und verursacht an ihr neue irreversible Schäden. Dezentralisierung ist die einzige Lösung.

“Die Sonne scheint für alle, auch die Reichen. Sie gehört niemandem, also ist die Sonnenenergie die Energie des Sozialismus, der Energieproduzent der Völker, die Energie der Zukunft.”

meinte Bérriz, der Leiter der kubanischen Gesellschaft zur Förderung der erneuerbaren Energieträger und Respekt für die Umwelt (CUBASOLAR) auf dem Klimagipfel im Dezember 2009 in Kopenhagen. Die dezentrale Erzeugung von Sonnenenergie hat den Vorteil, dass bei einem Hurrican nicht das ganze Stromnetz ausfällt und grosse Teile der Bevölkerung von eine Blackout betroffen sind oder bei einem Krieg, wenn grosse Kraftwerke gezielt mit Bomben ausgeschaltet werden könnten, meinte Bérriz und dass auch einige kleine lokale Wasserkraftwerke diese Vorzüge aufweisen. (2)

Weiter braucht man nichts hinzuzufügen, denn die Videos sprechen für sich ganz allein, dass Grossprojekte dieser Art auf nichts Erhaltenswerte Rücksicht nehmen:

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Quellen:
(1) http://www.expressomt.com.br/noticia.asp?cod=81891&codDep=3
(2) http://www.radio-utopie.de/2009/12/14/klimagipfel-in-kopenhagen-kubas-neue-revolution/

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